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Aktueller Online-Flyer vom 17. Oktober 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
BUND-Projekt vom Nationalpark Siebengebirge bis zum Königsforst
„Rettungsnetz Wildkatze“
Von Peter Kleinert

Wer dieser Tage aufmerksam die Großplakatwände in der Region betrachtet, z.B. an der Meerstraße in Sankt Augustin, entdeckt dort Plakate der bundesweiten Werbekampagne des BUND für die Wildkatze. Das Projekt wird u.a. von der bekannten Schauspielerin Felicitas Woll und dem ehemaligen Sprecher der Tagesschau, Jo Brauner, unterstützt.
 
Die Wildkatze ist das Symboltier für einen anspruchsvollen Wald-Biotopschutz und ein funktionierendes, großräumiges Biotopverbundsystem. Da dieses oft nur auf dem Papier besteht oder sogar aktiv zerstört wird, setzt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland hier an, um Lücken im Waldverbund im Rahmen des Projektes „Rettungsnetz Wildkatze“ zu schließen und seinen Wert zu verdeutlichen. Das Ziel ist es, die einzelnen Restvorkommen der Wildkatze, z.B. in der Eifel, im Westerwald und im Rothaargebirge, durch Waldstreifen wieder miteinander zu verbinden und wichtige Verbundtrassen durch so genannte Landschafts- oder Grünbrücken über Autobahnen zu verbessern. 





„Just in time“
 
Bei diesem Vorhaben könnte, so der lokale BUND in Sankt Augustin, auch dem Siebengebirge eine wichtige Rolle zukommen. Denn es gibt Meldungen aus Neuwied, dass die Wildkatze dort bereits gesichtet worden sei; sie stünde damit sozusagen vor den Toren des Rhein-Sieg-Kreises und dabei, ihr Verbreitungsgebiet auszudehnen. Die Planung für den Nationalpark Siebengebirge kommt für sie sozusagen „just in time“. Die Naturschützer sehen in der Nationalparkplanung für das Siebengebirge ganz klar eine Chance für die Wildkatze. BUND-Sprecher Achim Baumgartner: „Das erhoffte Plus an urigen und romantischen Waldflächen wäre nicht nur für die Menschen eine Bereicherung, davon kann auch die Wildkatze profitieren!“

Eine mögliche Waldverbundachse ließe sich seiner Meinung nach vom Siebengebirge aus über die beiden Waldstreifen am Dachsberg und im Logebachtal weiter über die Wälder an der Leuscheid und Nutscheid bis zum Königsforst knüpfen. Eine größere Lücke bestünde nur im Bereich Kircheib in Rheinland-Pfalz. Vor diesem Hintergrund verfolge die BUND-Kreisgruppe freilich die Gewerbegebietsplanung am Dachsberg mit besonderer Sorge. 
 
Die europäische Wildkatze
 
Sie leben zurückgezogen und versteckt vor allem in urwüchsigen, naturnahen Wäldern. Meist schlafen sie tagsüber und jagen nachts. Deshalb bekommt sie kaum jemand zu Gesicht. Aber sie sind da. Es ist nicht lange her, da lebten die „kleinen Tiger“ fast überall in Europa. Heute sind sie an vielen Orten ihrer ursprünglichen Heimat verschwunden oder vom Aussterben bedroht.
 
Jungtiere können nicht mehr in neue Reviere wechseln, weil ausgeräumte Agrarlandschaften, Straßen und menschliche Siedlungen sie daran hindern. Lange wurden die Wildkatzenbestände vor allem durch die Jagd dezimiert. Jäger verwechselten sie mit verwilderten Hauskatzen und schossen sie ab. Aber auch Schlagfallen und freilaufende Jagdhunde setzten ihnen zu. Inzwischen steht die Wildkatze unter ganzjähriger Schonzeit. 





Straßen eine tödliche Gefahr
 
Das größte Problem für die Tiere ist heute die immer intensivere Nutzung der Landschaft durch Verkehr, Siedlungsgebiete und Landwirtschaft. Straßen sind für Wildkatzen eine tödliche Gefahr! Die Besiedlung neuer Lebensräume ist den Wildkatzen jedoch nicht möglich, weil ausgeräumte Landschaften ihnen keinerlei Deckung bieten. Sie sind zwar wanderbereit, aber die vielen Totfunde an Straßen zeigen wie gefährlich diese Wanderungen sein können. Korridore zwischen den isolierten Waldgebieten würden, so der BUND, die sichere Wanderung ermöglichen. So könnten neue Populationen entstehen und sich untereinander austauschen.



Quelle: Alle Fotos vom BUND


Ohne Vernetzung ihrer Lebensräume und die Möglichkeit zur Ausbreitung haben Wildkatzen auf Dauer keine Überlebensmöglichkeit. Deshalb bittet der BUND um Spenden, durch die das Rettungsnetz für die Wildkatze weiter geknüpft werden könnte. (PK)

 
Nähere Informationen unter www.bund.net und http://www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/rettungsnetz_wildkatze/

Online-Flyer Nr. 137  vom 12.03.2008

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