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Aktueller Online-Flyer vom 15. Dezember 2017  

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Lokales
Kölner Schüler diskutieren über Umgang mit Pro Köln
„Methoden der NPD“
Von Jeanette Seiffert

Der Rechtextremismus-Experte Toralf Staud („Moderne Nazis“, Kiwi-Verlag) hat der Gruppierung „Pro Köln“ in einer Veranstaltung der Freien Schule und der Bezirksschülervertretung Köln vorgeworfen, Methoden der NPD anzuwenden. Die lokale Organisation, die vom Verfassungsschutz unter dem Verdacht des Rechtsextremismus beobachtet wird, versuche mit Themen wie dem Moscheebau bürgerliche Stimmen zu sammeln.
„Das ist ein ganz ähnliches Vorgehen, wie es vor allem bei der NPD in Ostdeutschland zu beobachten ist“, sagte Staudt in einer Podiumsdiskussion in der Alten Feuerwache“, die der der Journalist und Politologe Frank Überall moderierte. Staudt warnte davor, dass Rechtsextreme in manchen Kommunen bewusst Vereine unterwanderten: „Karnevalsvereine eignen sich zum Beispiel für rechte Agitation in politisch nicht korrekten Büttenreden. Da sollte man auch in Köln aufpassen, dass so etwas nicht passiert!“


Schüler mit Toralf Staud (rechts) und Frank Überall (2.v.l.).
Foto: Jeanette Seiffert

"Die besondere Gefahr liegt an der oft mangelnden Mobilisierungskraft
demokratischer Parteien", erklärte Frank Überall, der als Journalist vor allem für WDR und ARD aus Köln berichtet: "Im Wahlkampf kommt es aber gerade darauf an, möglichst viele Kontakte zu den Bürgerinnen und Bürgern zu knüpfen. Welche Wahlkämpfer gehen denn tatsächlich noch von Haustür zu Haustür? Die fanatischen Rechtsradikalen von Pro Köln haben da, wo politische Streitthemen auf der Agenda stehen, gezeigt, dass sie dazu bereit sind. Die geplanten Moscheebauten in Köln sind da nur ein Thema, hinzu kommt zum Beispiel der Streit um die forensische Klinik in Porz und viele weitere Bereiche. Kölns Parteien müssen wieder offensiver mit den Bürgern
diskutieren, wenn sie die rechte Gefahr bannen wollen."

Schüler aus verschiedenen Stadtteilen berichteten, dass Aktivisten von „Pro Köln“ zunehmend Probleme aufgreifen, um Stimmung in der Bevölkerung zu schüren. So hätten sich die Rechtsradikalen auch intensiv am Protest gegen den Ausbau des Godorfer Hafens im Kölner Süden beteiligt. „Wir beobachten auch immer öfter Jugendliche, die – vermeintlich aus Spaß – den Hitlergruss auf der Straße zeigen“, berichtete eine Schülerin: „Manche halten das offenbar für cool.“

 
Insgesamt dürfe das Thema Rechtsextremismus aber nicht überschätzt werden, betonte Toralf Staud: „Die Angst der Bürger ist größer als die tatsächliche Gefahr.“ Von Kommunalpolitikern der demokratischen Parteien forderte der Experte jedoch eine intensivere Auseinandersetzung mit Gruppierungen wie „Pro Köln“: „Es nützt nichts, den Ratssaal zu verlassen, wenn Rechtsextreme eine Rede halten. Man muss inhaltlich dagegen halten und Argumente gegen das diskriminierende Weltbild solcher Menschen bieten.“
 
Lars Repp von der Initiative „Schüler gegen rechts“ der Bezirksschülervertretung kündigte auf der Veranstaltung an, im Wahlkampf zur Kommunalwahl im Jahr 2009 Aufklärungsaktionen für junge Leute über „Pro Köln“ zu starten. (PK)

Online-Flyer Nr. 134  vom 20.02.2008

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