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Aktueller Online-Flyer vom 13. Dezember 2017  

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Lokales
DuMont-Verlag fürchtete „Wettbewerb“ vom „Kölner Erwerbslosen-Anzeiger“
KEA-Titel geschwärzt
Von Peter Kleinert

Die aktuelle Ausgabe des „Kölner Erwerbslosen Anzeiger“ - von Erwerbslosen für  Erwerbslose und solche, die es werden können“, zum Preis von null Euro publiziert - erschien am Wochenende mit geschwärztem  Titel. Der Grund: Er sei „sowohl klanglich als auch begrifflich identisch, aber auch visuell identisch“ mit dem des „Kölner Stadt-Anzeiger“, der „in Köln berühmten Zeitung“. Deren „guten Ruf und Seriosität“ wollten die KEA-Redakteure außerdem „auf ihre eigene Veröffentlichung abfärben“ lassen, behauptete das Anwaltsbüro des Verlags in einer Klagedrohung unter dem Stichwort „unlauterer Wettbewerb“. Ob und wie der „seriöse“ KStA über den Angriff seiner Geschäftsführung auf die schlimme Konkurrenz berichten darf, werden Sie in der nächsten NRhZ-Ausgabe sehen.
Dass Redakteure des KStA nämlich gelegentlich doch etwas veröffentlichen können, das „denen da oben“ unangenehm ist, wenn die NRhZ darüber berichtet hat, konnte man zum Beispiel unserem Online-Flyer 75 vom 19. Dezember 2006 entnehmen: Nach einer in NRhZ 74 veröffentlichten Protestnote des Vereins „Kölner Erwerbslose in Aktion“ (KEA) wegen unzumutbarer Behandlung der von ihm unterstützten Menschen durch die Kölner ARGE interviewte KStA-Redakteur Andreas Damm nicht nur ARGE-Chef Welters, sondern auch KEA-Sprecher Heiko Naumann.

Dass aber auch die Geschäftsführung des Verlags M.DuMont Schauberg die NRhZ aufmerksam liest, wurde uns erst vergangene Woche klar. In einem Interview für die NRhZ-Ausgabe 110 hatte Heinz Peter Fischer, Redakteur des Kölner Erwerbslosen Anzeigers, auf die Frage, warum man bei diesem im Titel ein bisschen den Schriftzug des KStA nachahme, selbstbewusst geantwortet: „Es wurde sogar exakt die gleiche Schriftart verwendet… Wir wollten zeigen, dass wir seriös sind und berichten, was andere oft nicht sagen.“ - Dafür erhielten er, sein Kollege Dirk Söhngen und ihr gemeinnütziger KEA-Fördererverein nun am 3. September als Retourkutsche einen Brief des internationalen Rechtsanwaltsbüros Linklaters, das laut Eigenwerbung nicht nur Boris Becker „erfolgreich vertritt“, sondern sogar die Deutsche Bank „berät“.

„Im Auftrag der M.DuMont Schauberg Expedition der Kölnischen Zeitung GmbH & Co. KG“ und unter dem Betreff „Verletzung von Kennzeichenrechten und unlauterer Wettbewerb“ wurde ihnen in dem sechs Seiten langen Schreiben mit einer „Vertragsstrafe“ in Höhe von 5.100 Euro „für jeden Fall der Zuwiderhandlung“ gedroht - es sei denn, sie würden sich innerhalb einer Woche „verpflichten…, zu unterlassen,…zu Zwecken des Wettbewerbs die nachfolgend eingeblendete Aufmachung zu benutzen:“

KEA

Natürlich haben die KEAs sich „verpflichtet“, das Aussehen ihres Titels zu ändern. Schließlich sind sie erwerbslos. Vor allem aber wohl, weil ihnen die Anwälte von Alfred Neven DuMont und dessen Geschäftsführern Konstantin Neven DuMont und Christian DuMont Schütte neben den angedrohten Vertragsstrafen „für jeden Fall der Zuwiderhandlung“ auch noch ankündigten, das die DuMontsche GmbH & Co. KG auch noch „Schadenersatzanspruch“ habe, den sie „derzeit noch nicht beziffern kann“. Diesem Hammer folgte abschließend ein freundlicher Hinweis, der beweist, dass der jährlich 1,2 Milliarden Euro umsetzende DuMont-Clan für Brave auch eine soziale Ader hat. „Unsere (!) Mandantin ist der finanzielle Engpass Ihres Vereins bekannt“, lockte deren Anwaltsbüro. Man würde sogar auf Erstattung aller „angefallenen Kosten“ verzichten, wenn die KEAs „fristgerecht“ nachgäben. Die taten das - auf ihre Weise.

KEA

Satirisch teilten sie ihren LeserInnen „In eigener Sache“ mit, warum sie den Titel ihrer September-Ausgabe schwärzen mussten: „ENDLICH! Wir werden ernst genommen und wissen die Weihen einer solch traditionsreichen Marke namens KStA durchaus zu schätzen.“ Auch sie hätten schon länger befürchtet, „mit dem KStA verwechselt werden zu können, weshalb die Redaktion anlässlich der zu erwartenden 50. Ausgabe des KEA mit einem neuen Layout überraschen wollte. Die Überlegung, den KStA auf Unterlassung zu verklagen, hatten wir irgendwann in den Papierkorb verschoben“. Und weiter:
 
„Die Redaktion des KStA ist seit längerem fleißiger Leser unserer Online-Ausgabe. Trotzdem war es nicht unser KEA, sondern ein Interview mit der KEA-Redaktion in der Neuen Rheinischen Zeitung (online unter: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=11385 ) welches DuMont Schauberg offenbar das Fürchten lehrte…“. Künftig werde der KEA ein anderes und besseres Layout als der KStA haben. Deshalb:

„Lieber Kölner Stadt-Anzeiger, liebe Kanzlei Linklaters, wir danken Ihnen für die uns zuteil kommende Anerkennung und für das moderate Angebot, uns strafrechtlich und finanziell zu schonen, geben Ihnen vollumfänglich Recht und gönnen uns die Ruhe, ... aber appellieren im Gegenzug an Ihren Respekt gegenüber unserem Engagement und dem uns und unseren Lesern zwischenzeitlich vertraut gewordenen Titel-Bild des KEAs im Kontext einer würdigen Verabschiedung. Auf weitere gute Zusammenarbeit!“

Man darf gespannt sein, wie DuMont & Linklaters darauf reagieren, dass sie im aktuellen KEA zwar dessen Titel geschwärzt sehen, diesen aber in dem satirischen „In eigener Sache“-Text doch noch einmal im Original ertragen müssen. (PK)

Online-Flyer Nr. 112  vom 12.09.2007

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