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Aktueller Online-Flyer vom 17. Dezember 2017  

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Lokales
Die zweite Woche der Protest-Skatingtour von Adrian und Dennis
Am Montag Party in Leverkusen
Von Peter Kleinert

Am Montag, 16.Juli, werden die Skaterjungs Adrian und Dennis für ihre 21 Tage lange Sport- und Solidaritätsaktion mit einer Party im Skaterpark unter der Stelzenautobahn in Leverkusen-Wiesdorf (Nähe Forum) gefeiert. Vorher werden sie die auf ihrer Skatertour von Augsburg nach Leverkusen gesammelten Unterschriften gegen Arbeitsplatzvernichtung vor allem durch große Konzerne an den Vorstandsvorsitzenden der Bayer AG, Werner Wenning und an Leverkusens OB Ernst Küchler zu übergeben versuchen. Hier die Fortsetzung unseres Reiseberichts aus NRhZ 102.
8. Etappe von Mannheim nach Worms
 
Nach zwei Stunden Wandern durch heftigen Regen konnten die Jungs nach ihrem Aufbruch in Mannheim endlich auf ihre Rollbretter steigen. Unterwegs trafen sie einige nette Leute, mit denen sie sich unterhielten und von denen sie die ersten Soli-Unterschriften des Tages bekamen. Dann kamen sie an einen wunderschönen See, in den sie spontan reingesprungen sind um sich abzukühlen. Trotzdem waren sie schon gegen 17 Uhr in der Jugendherberge von Worms. „Die Leute dort“, so ihre Mail an Adrians Vater Norbert Löffler, „waren so freundlich, wie die Jugendherberge schon von außen aussieht.“ Vom Internetcafe schickten sie ihm auch gleich einige Fotos. Norbert Löffler hatte auch eine erfreuliche Nachricht: In Bad Honnef werde sie wahrscheinlich die Oberbürgermeisterin im Rathaus empfangen. Natürlich werde er darüber die Presse informieren.


Adrian und Dennis: „Wir fahren für einen guten Zweck.“  
Foto: www.skaterjungs
 
Am liebsten mal einen Ruhetag
 
Anstatt am nächsten Tag weiter nach Steinbach zu skaten, hätten Adrian und Dennis am liebsten mal einen Ruhetag eingelegt, vor allem weil das Wetter wieder mal besonders mies und sie selbst ziemlich kraftlos und nicht so toll drauf waren. Schon bei der Ausfahrt fuhren sie in die falsche Richtung und sorgten so mal wieder für einige zusätzliche Kilometer. Also an den Rand einer Wiese gesetzt  und den Daumen rausgehalten. Ein netter Mann nahm sie ein paar Kilometer weit mit. Weil es so diesig war, kriegten sie auch von der Landschaft nicht viel mit, kamen aber dann doch noch pünktlich in Steinbach an, wo es ein keltisches Museum gibt, das sie unbedingt mal besuchen wollen. In Steinbach wurden sie toll aufgenommen und verwöhnt, aber beim Start am nächsten Morgen nach Wolfstein gab es wieder strömenden Regen. Also die Boards in die Folien gepackt und erstmal zu Fuß weiter. Mit einer neuen Karte, die sie tags zuvor von einem netten Mann in Steinbach geschenkt bekommen hatten, war zumindest die Gefahr des Wiederverlaufens nicht mehr so groß.
 
10. Etappe - die Hälfte ist geschafft
 
Nach einigen Stunden Marschierens im strömenden Regen klingelte das Handy. Ein Herr Nikolaus Glas meldete sich: Er würde sie gern in Wolfstein empfangen. Als er hörte, dass sie unter dem miesen Wetter ziemlich zu leiden hatten, kam er ihnen mit dem Auto entgegen. Die Jungs freuten sich. Adrian, der – wegen Sommer – keine Jacke dabei hatte, brauchte dringend eine Apotheke. In der Jugendherberge Wolfstein erlebten sie ihre nächste Überraschung. Sie wurden total herzlich empfangen, bekamen ein Super-Personalzimmer mit TV und Wärme, die sie dringend brauchten.

Gegen 17 Uhr kam Nikolaus Glas wieder, in Begleitung des Bürgermeisters von Wolfstein, der sie nach dem Sinn ihrer Aktion ausfragte. Er fand sie gut. Nach einem warmen Essen mit Erdbeerpudding zum Nachtisch kam die Information von Vater Norbert, dass es am nächsten Dienstag in Mayen ein Treffen mit der SPD-Abgeordneten Andrea Nahles und der Vorsitzenden der Jungen Gruppe der GdP geben werde. Dann ein langer tiefer Schlaf und am nächsten Morgen ein vom Bürgermeister und Christian organisierter Pressetermin. 
 

Endlich angekommen - in der Jugendherberge Wolfstein 
Foto: Nikolaus Glas


Bürgermeister von Wolfstein vermittelt Pressetermine
 
Nach einem ersten Pressegespräch schon vor dem Frühstück am nächsten Morgen mit dem Pfälzer Tageblatt rief der Bürgermeister an und lud die Jungs zu einem Radiointerview mit SWF 1, 2, 3 ein. Als dabei Reporter Frank Krones erfuhr, dass Adrian keine Jacke hatte, gab er ihm spontan seine blaue Regenjacke. Adrian wird sie ihm am Ende der Tour wieder zurückschicken. Nach dem Frühstück wieder Regen in Strömen und beide waren nach kurzer Zeit völlig durchnässt. Zum Glück klingelte Adrians Handy. Herr Gottlieb aus Idar Oberstein fragte, wo sie denn  wären und bot an, sie abzuholen. Auf die Art kamen sie, weil nur wenige Kilometer gelaufen, endlich zu ihrem ersehnten Ruhetag. Herr Gottlieb nahm die Jungs mit zu sich nach Hause, wo sie erstmal was zu Essen bekamen und ihre Wäsche gewaschen wurde. Danach ging ihr freundlicher Gastgeber mit ihnen zum Bürgermeister. Dort gab es einen offiziellen Empfang, und sie bekamen jeder einen Edelstein geschenkt – Idar Oberstein ist ja die Stadt der Edelsteine! Außerdem gab es für jeden noch fünf Euro und ein offizielles Schreiben, in dem der Bürgermeister mitteilte, wie gut er diese Aktion fand. Und in der Jugendherberge gab es wieder ein super Zimmer. 
 
In der Apotheke konnten sie endlich Magnesiumtabletten kaufen, die sie gegen Wadenkrämpfe brauchten und damit die Beine stabil blieben. Wenn man soviel läuft und skatet, muss man einfach was dafür machen; hier halfen die Tabletten gut. Außerdem konnte Adrian ein Mittel gegen seine kleinen gesundheitlichen Probleme kaufen.
 
Aber Adrian ist wohl der kleine Pechvogel der Tour. Kaum in der Jugendherberge angekommen, krachte ihm seine Hose, "von vorne, bis nach ganz hinten ...", wie er am Telefon erzählte. Es war die einzige lange Hose. Gepäck ist nur auf das Nötigste beschränkt, da alles, einschließlich Ersatzrollen usw., in den Rucksack muss. Norbert Löffler: „Wie es der Zufall wollte – gerade als ich mit Adrian telefonierte, hatte ich auf der anderen Leitung Carina Bätz aus Bad Honnef dran. Sie hörte von dem Missgeschick und sagte spontan: „Er soll jetzt loslaufen und eine neue Hose kaufen, ich gebe ihm 30 Euro dazu."
 
Gastfreundlicher JH-Vater in Hermeskeil
 
Am nächsten Morgen holten die Jungs bei Familie Gottlieb ihre frisch gewaschene Wäsche und bekamen sogar noch ein Taschengeld für unterwegs. Unterwegs eine Menge zu sehen, allerdings nur Landschaft und zwei kleine Orte, also keine Möglichkeit etwas zu Essen oder Trinken zu kaufen. In der Jugendherberge Hermeskeil wurden die beiden herzlich empfangen, aber weil sie wohl die einzigen Gäste waren, gab es dort nichts zu essen. Der Herbergsvater lud sie kurz entschlossen in eine Imbissbude ein. Das war genau das Richtige für die ausgehungerten Skaterjungs. In der lokalen Presse und im Rathaus zeigte hier niemand Interesse für ihr Projekt.



Freundlicher Empfang bei Michael Kolter, Bürgermeister von Wolfstein
Foto: Nikolaus Glas

Ob die 13 Unglück bringt?
 
Der Tag begann gut und endete in einem Desaster. Als sie gegen 14 Uhr in einem Vorort von Trier unter der angegebenen Telefonnummer bei den Naturfreunden anriefen, ging niemand dran. Trotzdem fuhren sie zu deren Adresse. Am Naturfreundehaus Trier kam der Schock: Rolläden runter, Licht aus, Klingel defekt, niemand da. Auch die Jugendherberge Trier antwortete nicht, preiswerte Pensionen schien es nicht zu geben. Anruf bei der nächsten Station in Manderscheid. Antwort von dort, sie müssten in zwei Stunden da sein, sonst wäre dicht, und die Jungs hatten noch eine Strecke von 60 bis 80 Kilometern zu absolvieren. Nicht zu schaffen. Busse? Fahren hier in der Eifel nur einmal am Tag. Schlafen am Waldrand verbot ihnen Adrians Vater am Telefon.

Also mussten sie all ihre Ersparnisse zusammenlegen und mit einem Taxifahrer verhandeln. Norbert Löffler: „Auch wenn das Taxi nun 95 Euro gekostet hat, es musste einfach sein und ich werde den Jungs das wohl bezahlen müssen. Vielleicht kommen ja auch ein paar Spenden rein ...“. Bei den Naturfreunden in Trier, so erfuhren die Jungs vor ihrer am Ende erfolgreichen Taxifahrt nach Manderscheid, hätten auch schon mal Busse vor verschlossenen Türen gestanden. Ob es ihnen im Naturfreundehaus Bonn ähnlich geht, wird man sehen. Die Jungs haben nun schon Angst vor der Übernachtung der Naturfreunde Bonn. Doch in der Jugendherberge Manderscheid wurden sie nett empfangen, bekamen ein Zimmer und wollten nur noch schlafen ... 


Auf der skaterjungs.sagbaybay-website gibt’s Poster und T-Shirts
Foto: www.skaterjungs


Party in Leverkusen am 16. Juli
 
Sonntag, den 15. Juli, wollen Adrian und Dennis in Köln-Deutz ankommen. Auf der danach für Montag von der Kulturvereinigung Leverkusen e.V und dem Kulturausbesserungswerk geplanten Party wird es nicht nur Informationen über diese aufregende Reise sowie Essen und Trinken für alle Gäste geben. Für Livemusik werden die Gruppen Sidetracked (HC aus dem Pott), Parama (Punk aus Solingen/Hilden) und Hip-Hop (Svenzen Mandela, 2Maek, Theodee, WeBurnConnected, HipHopNRW) sorgen. Eingeladen sind natürlich nicht nur Skater, sondern auch aktive Gewerkschafter und andere Menschen, die im Frühjahr den Kampf gegen die Arbeitsplatzvernichtung bei BAYER-BIS solidarisch unterstützt haben. (PK)
 
Mehr unter: skaterjungs.sagbaybay.de
Und natürlich freuen sich Adrian und Dennis, wenn noch ein paar kleinere Spenden auf ihrem Konto eingehen:
    Adrian Löffler
    Deutsche Bank Leverkusen, BLZ 37570024
    KtoNr. 7163975 – Stichwort Augsburg

Online-Flyer Nr. 103  vom 11.07.2007

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Von Kostas Koufogiorgos
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