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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2017  

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Exklusiv-Interview mit dem ehemaligen Siemens-Chef
Wie Kanzler Heinrich von Pierer Deutschland rettet
Von T.H.K. Heise und Peter Kleinert

eitgleich mit seiner Ernennung zum Merkel-Wirtschaftsberater hat sich der ehemalige Schröder-Tennispartner, -Berater und Siemens-Chef, Heinrich von Pierer (CSU), für deutlich längere Laufzeiten der Atomkraftwerke in Deutschland ausgesprochen. "Wir werden auch eine Neubewertung der Kernenergie vornehmen müssen", sagte er dem "Handelsblatt" am Mittwoch. Es reiche nicht aus, nur die Laufzeiten der Atomkraftwerke von 32 auf 40 Jahre zu verlängern. Vor allem wolle er - im Falle eines Wahlsiegs der Union - mit einer umfassenden Innovations-Initiative die deutsche Wirtschaft wieder unter den Marktführern im globalen Wettbewerb etablieren. Nach dem Plan der CDU-Vorsitzenden soll der 64-Jährige im Falle eines Wahlsiegs der Union zunächst einen "Rat für Innovation und Wachstum" leiten.

Kernkraftwerk
"Neubewertung der Kernenergie" - Foto: Greenpeace


Was Angela Merkel bei von Pierers Ernennung noch nicht wusste, erfuhr die NRZ aus Kreisen der deutschen Wirtschaft und aus der Umgebung von Bayerns Ministerpräsident Stoiber: Pierer soll in der anstehenden Großen Koalition so bald wie möglich die Bundeskanzlerin ablösen und selbst Kanzler werden. Das folgende Interview mit Schröders und Merkels Nachfolger als Bundeskanzler über seine bisherigen Erfolge und seine Pläne wurde uns am 2. September 2009 exklusiv gewährt:

NRZ: Kritiker werfen Ihnen vor, Sie seien bei der Sanierung Deutschlands übertrieben brutal vorgegangen.

v. Pierer: Das sehe ich nicht so. Als mich die Große Koalition fragte, ob ich Kanzler werden wolle, um Deutschland vor dem Konkurs zu retten, habe ich erklärt, dass ich das Land so sanieren werde wie ich Siemens saniert habe: streng marktwirtschaftlich. Siemens und Deutschland gleichen sich in gewisser Weise: zwei Gemischtwarenläden mit sehr unterschiedlichen Komponenten, die einen leistungsfähig, die anderen weniger. Ich habe nur das gemacht, was ich auch bei Siemens gemacht habe: unproduktive Unternehmensteile abgestoßen.

NRZ: Sie sprechen von den neuen Bundesländern?!

v. Pierer: Nicht von allen. Thüringen und Sachsen haben sich ja als sanierungsfähig erwiesen. Diese Bundesländer führen wir weiterhin in unserem Länder-Portfolio. Für Mecklenburg-Vorpommern konnten wir dies nicht mehr verantworten, da ein Totalverlust drohte. Da kam uns das Angebot der Bush-Administration ganz recht, gegen Übernahme der Landesschulden und für den symbolischen Kaufpreis von 1 EUR das Land als Atomwaffentestgelände zu kaufen.

NRZ: Polen hat Hamburg, Bremen, Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt sogar kostenlos bekommen.

v. Pierer: Richtig. Sie dürfen aber nicht vergessen, dass sich Polen im Gegenzug verpflichtet hat, drei Millionen der ärmsten deutschen Rentner dort anzusiedeln. Von 300 EUR Rente kann in Deutschland niemand leben, aber in Polen - wegen der wesentlich geringeren Lebenshaltungskosten. Mit dieser Transaktion konnten wir die Sozialhilfekosten massiv reduzieren und den übrigen deutschen Kommunen wieder Handlungsspielraum verschaffen.

NRZ: Den Bundeshaushalt haben Sie durch einen Verkauf der deutschen Schulden an US-Pensionsfonds saniert. Es gab durchaus Kritik daran, dass Sie als Sicherheit den Kölner Dom, die Alpen, den Schwarzwald, die Rüdesheimer Drosselgasse, Schloss Neuschwanstein sowie Rothenburg o. d. Tauber und das Münchner Oktoberfest verpfändet haben.

v. Pierer: Verpfändet bedeutet nicht verkauft. Die einheimische Bevölkerung kann diesen Event sowie die Landschaften und Liegenschaften weiterhin ungehindert nutzen. Auch Erzbischof Meisner kann ja im Dom und um ihn herum weiterhin seinen erfolgreichen Europäischen Jugendtag veranstalten, der der Stadt jährlich in einer einzigen Woche zusätzliche 600.000 Besucher bringt, was nicht nur den Verleger des bedeutendsten Kölner Zeitungshauses freut.

Kölner Dom
Verpfändet, nicht verkauft! - Foto: www.koelner-brett.de


NRZ: Auch bei den Arbeitslosen sind Sie einen neuen Weg gegangen...

v. Pierer: ...den am Anfang viele nicht verstanden haben. Erst hieß es, es sei widersinnig, die Arbeitslosenzahl durch Entlassungen senken zu wollen. Aber das macht jeder Manager, der zu viele Leute hat, die zuviel Geld kosten. Er entlässt sie einfach! Wir haben zwei Millionen Arbeitslose aus der deutschen Staatsbürgerschaft ausgegliedert und aus Deutschland ausgewiesen.

NRZ: Wohin?

v. Pierer: Unterschiedlich. Nicht wenige sind mit einer "Blond Card" als Straßenkehrer nun in Indien und in der Türkei tätig, vor allem in den Tourismuszentren. Andere haben sich im Rahmen des "Ich-AG"-Förderprogramms in diversen afrikanischen Bürgerkriegsländern als Söldner verpflichtet.

NRZ: Auch bei der Landesverteidigung konnten Sie massiv sparen.

v. Pierer: Das stimmt. Sie als Privatmann halten sich ja auch keinen persönlichen Polizisten. Warum sollten wir das als Staat tun?! Dem Trend zum Outsourcing können sich auch die öffentlichen Einrichtungen nicht entziehen. Also haben wir die Bundeswehr abgeschafft, die viel zu teuer war. Im Bedarfsfall kaufen wir uns Sicherheitsleistungen zum Beispiel von US-Söldnerfirmen ein, die zudem auch noch das ganze Kriegsgerät vorrätig halten. So entfallen für uns darüber hinaus auch Lager- und Wartungskosten. Just-in-time-Sicherheit sozusagen.

v. Pierer
Heinrich von Pierer - Foto: Siemens AG


NRZ: Sogar die Politiker haben Sie zu Gunsten der Staatskasse eingespannt.

v. Pierer: Es war nicht einzusehen, dass solche hochkarätigen Entertainer kostenlos bei Vereinsfesten und Einweihungen auftreten. Seitdem wir Gebühren für die Anwesenheit von Politikern erheben, kommt Geld in die Staatskasse und die Terminflut für die Politiker nimmt ab, so dass diese endlich wieder in ihren Büros zum Wohle des Staates arbeiten können, statt bei irgendwelchen Karnickelzüchtern Grußworte zu sprechen. Die Deutschen müssen sich dran gewöhnen, dass es nichts kostenlos gibt, auch nicht Grußworte von meinen Vorgängern Gerhard Schröder und Angela Merkel. Roberto Blanco singt bei der Einweihung eines Baumarktes ja auch nicht kostenlos.

NRZ: Aber ein Staatssekretär singt doch nicht.

v. Pierer: Auf Wunsch und gegen Aufpreis wird auch dieser Service angeboten!

NRZ: Was sind Ihre nächsten Pläne, Herr Bundeskanzler?

v. Pierer: Wir haben noch zirka 2,5 Millionen Arbeitslose in Deutschland. Ich beabsichtige, durch weitere Entlassungen endlich Vollbeschäftigung herzustellen. Außerdem müssen wir uns noch stärker auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren. Ich habe an den Universitäten unsinnige Studienfächer wie Sozialpädagogik streichen und deutsche Kernfächer wie Ingenieurwissenschaften stark ausbauen lassen. Die AKW-Industrie ist, wie ich das bei der Übernahme meiner Aufgabe als Berater von Frau Merkel vor vier Jahren angedeutet hatte, inzwischen wieder voll in Schwung. Das schafft Arbeitsplätze und verbilligt die Energiekosten im Lande.

NRZ: Durchaus mit Erfolg. Wird Deutschland durch Zukäufe wachsen?

v. Pierer: Das halte ich nicht für ausgeschlossen. Wie Sie sicher wissen, befinden wir uns seit einigen Wochen in Verhandlungen mit Frankreich, weil wir Elsass-Lothringen kaufen wollen. Obwohl wir den Franzosen einen fairen Preis gemacht haben, konnte hier jedoch noch kein Geschäftsabschluss getätigt werden. Aber ich glaube nicht, dass Frankreich diesen Kurs noch lange durchhalten wird können. Schließlich hat es Frankreich im Gegensatz zu Deutschland versäumt, rechtzeitig mit einem streng marktwirtschaftlichen Kurs das Ruder doch noch herumzureißen. Das hat dazu geführt, dass Paris von marodierenden Afrikanern aus den ehemaligen Kolonien zur Hälfte niedergebrannt wurde und in Marseille jetzt ein islamischer Kalif regiert. Frankreich braucht Geld, es wird uns Elsass-Lothringen verkaufen. Ich will nicht verhehlen, dass wir auch Interesse an der Champagne und dem Bordelais haben.

NRZ: Duce Berlusconi, der Führer des weitgehend bankrotten Italiens, soll Deutschland Südtirol zum Kauf angeboten haben?

v. Pierer: Das stimmt. Südtirol würde durchaus in unser Länder-Portfolio passen. Dort gibt es noch eine ausgeprägte Landwirtschaft, und Landwirtschaft gehört weiterhin zu den deutschen
Kernkompetenzen: Der deutsche Bauer erzeugt auf deutscher Scholle deutsche Lebensmittel. Allerdings müssten die Italiener zunächst die Altlasten entsorgen.

NRZ: Altlasten?

v. Pierer: Na ja, die in Südtirol lebenden Italiener, die aus unserer Sicht keinen Beitrag zur Weiterentwicklung des Landes leisten. Diese müsste der Duce zurücknehmen.

NRZ: Es gibt Gerüchte, Großbritannien habe Deutschland eine Fusion angeboten.

v. Pierer: Dazu möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt nur sagen, dass Großbritannien - wie wir - gut am Markt positioniert ist. Eine solche Fusion könnte durchaus den Wert unserer Volkswirtschaften mehren und uns gemeinsam besser gegen die USA positionieren. Eine solche Fusion müsste allerdings ein Merger of Equal sein. Eine feindliche Übernahme unsererseits wird es nicht geben.

NRZ: Herr Bundeskanzler, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

v. Pierer: Gern geschehen. Ich möchte Sie nur bitten, am Ausgang die Gebühren für das Interview in die Staatskasse einzuzahlen. Ich möchte Sie ferner noch darauf hinweisen: Dieses Interview was powered by Coca Cola light. Ich möchte Sie ferner noch darauf hinweisen, dass, aufgrund bestehender Werbeverträge zwischen der Deutschland AG und der Boss AG, mein Name nur im Zusammenhang mit dem Herrenausstatter Boss genannt werden darf. Die vereinbarte Schreibweise ist einzuhalten! "von Pierer, Boss".

Online-Flyer Nr. 06  vom 03.09.2005

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