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Aktueller Online-Flyer vom 14. Dezember 2018  

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Lokales
DGB Köln ehrte von den Nazis ermordeten Kölner Gewerkschaftsvorsitzenden
Robert Ransenberg war Jude
Von Peter Kleinert

Im Dezember 1941 von den Nazis mit seiner Familie nach Riga deportiert und später in Treblinka ermordet wurde der Vorsitzende des Kölner Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und SPD-Stadtverordnete Robert Ransenberg. DGB und SPD ehrten ihn und seine Familie gemeinsam mit dem Kölner Stolperstein-Künstler Günter Demnig. Der lokalen Monopolpresse war die Veranstaltung offenbar keine Zeile wert.
Gewerkschafter und Mitglieder der Kölner SPD versammelten sich vor dem Haus Eifelstrasse 6 in der Kölner Südstadt für die Gedenkveranstaltung. Hier hatten der gelernte Buchdrucker und Schriftsetzer Robert Ransenberg und seine Familie gewohnt. Der Jude Ransenberg, seit 1898 Mitglied der SPD, engagierte sich seit 1899 in verschiedenen Vertrauenspositionen in seiner Gewerkschaft, war seit 1911 Mitglied im Kölner Kartell der freien Gewerkschaften und von 1924 bis 1933 Vorsitzender des Ortskartells des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes Köln - einer Vorläuferorganisation des Kölner DGB. 1933 wurden auch in Köln die Gewerkschaften von den Nazis zerschlagen.

Stolpersteine
Neue Stolpersteine im Trottoir vor der Eifelstraße 6
Foto: Jürgen Seidel


Von 1919 bis 1933 war Robert Ransenberg für seine Partei auch Mitglied der Kölner Stadtverordnetenversammlung. Sein Sohn Ernst, der in der Kölner SPD ebenfalls aktiv war, schloss sich nach der Machtübernahme der Nazis einer sozialistischen Untergrundorganisation an, wurde verhaftet und zunächst zu einer langjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Am 8. Dezember wurden Robert Ransenberg, Sohn Ernst, Tochter Martha und deren Mann Ewald zunächst im Kölner „Messelager“ eingesperrt und dann über Riga ins KZ Treblinka verschleppt und dort ermordet. Roberts Frau Rosa wurde im KZ Stutthoff umgebracht.

Nachdem er für Robert Ransenberg bereits früher einen „Stolperstein“ - eine Gedenktafel aus Messing - ins Trottoir gesetzt hatte, verlegte der Kölner Künstler und alternative Ehrenbürger Gunter Demnig nun vier weitere „Stolpersteine“ mit den Namen der anderen ermordeten Familienangehörigen. Die Kosten dafür waren von den Kölner Gewerkschaften gespendet worden.

DGB-Vorsitzender Uellenberg
DGB-Vorsitzender Uellenberg - van Dawen (links) und Gunter Demnig (dritter von links)
Foto: Jürgen Seidel


Kölns DGB-Vorsitzender Dr. Wolfgang Uellenberg - van Dawen würdigte in einer Ansprache das Wirken von Robert und Ernst Ransenberg und erinnerte an „die unsäglichen Verbrechen der Nationalsozialisten, die auch in Köln leider von großen Teilen der Bevölkerung entweder gebilligt oder doch hingenommen wurden“. Besonders die Gewerkschaften seien aufgefordert, an diese verbrecherische Diktatur zu erinnern und entschieden jeder Form des Antisemitismus, des Rassismus und der Demokratiefeindlichkeit zu begegnen.

Uellenberg - van Dawen dankte Gunter Demnig für die Stolpersteine, die es ermöglichten, die Namen der von den Nazis Ermordeten aus den Gedenkstätten auch in die Öffentlichkeit zu tragen und an dem Ort an sie zu erinnern, an dem sie gelebt hatten. Er dankte auch dem NS Dokumentationszentrum und dessen anwesender stellvertretender Direktorin, der Historikerin Karola Fings, für die Sicherung der Biographien der Opfer.

Gunter DemnigGunter Demnig erläuterte den Sinn seiner Stolpersteine, die in ihrer Anlage die Menschen motivierten, sich vor den NS-Opfern zu verneigen und ihrer zu gedenken. Seit vielen Jahren lässt er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir ein. Bis Ende 2006 hat er etwa 9000 Stolpersteine in mehr als 190 Orten verlegt. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt Gunter Demnig. Wer eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteins übernehmen möchte, kann eine Anfrage an info@stolpersteine.com richten oder sich auf Demnigs website www.stolpersteine.com näher informieren.

Foto: www.stolpersteine.com

Online-Flyer Nr. 80  vom 31.01.2007

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