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Aktueller Online-Flyer vom 15. Juni 2024  

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Belgrad: 25 Jahre NATO-Aggression gegen Jugoslawien
"Von der Aggression zu einer neuen gerechten Ordnung"
Von Peter Betscher

Mit den Worten „ Wir führen keinen Krieg“ (1) kündigte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die NATO-Aggression gegen die Bundesrepublik (BR) Jugoslawien an. 78 Tage lang bombardierten 19 NATO-Mitglieder Städte, Infrastruktur und Fabriken. Im Verlauf dieser Aggression führte die NATO Angriffe auf 1991 Einrichtungen im ganzen Land durch, und ihre Kampfflugzeuge verschossen 79.000 Tonnen explosives Material, darunter auch geächtete Waffen wie abgereichertes Uran, sodass Serbien und das Kosovo inzwischen die höchsten Krebsraten in Europa haben, und 35.450 Kassetten-, Thermo- und Graphitbomben. 3.381 (38 Prozent aller) Angriffe gingen gegen zivile Objekte wie Fabriken, Kliniken, Kindergärten, Bildungseinrichtungen, Kulturgüter, Kommunikationsnetze, Sportanlagen usw. (2) Wie alle fünf Jahre veranstaltet das Belgrader Forum „Für eine Welt der Gleichberechtigten“ am 22. und 23. März eine Konferenz. Unter dem Titel “Von der Aggression zur neuen gerechten Ordnung” hatte der Präsident des Forums Živadin Jovanovic, der letzte Außenminister Jugoslawiens, eingeladen. Zu der internationalen Konferenz kamen Redner aus über 40 Ländern, darunter aus Russland, China, Nepal, Indien, Brasilien, Cuba, Palästina, Libanon, den USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich sowie Deutschland usw. nach Belgrad. In der BRD war der erste Angriffskrieg nach dem 2. Weltkrieg keine Erinnerung wert. Meines Wissens führte als einzige Partei die AfD ein Symposium im Deutschen Bundestag zum 25. Jahrestag der NATO-Aggression in Jugoslawien durch - am 20.03.2024 (3). Auch im deutschen Blätterwald war das Rauschen unter der Wahrnehmungsgrenze. Im Deutschlandfunk orakelt Norbert Mappes-Niediek, dass die Intervention völkerrechtlich bis heute umstritten wäre, obwohl der Ausführende, Bundeskanzler Schröder, es inzwischen selbst zugegeben hat: „Da haben wir unsere Tornados (…) nach Serbien geschickt, und die haben zusammen mit der NATO einen souveränen Staat gebombt – ohne dass es einen Sicherheitsratsbeschluss gegeben hätte.“ (4)


Nicht vergessen - 1999 bis 2024


Gedenken an die NATO-Aggression vor 25 Jahren - blaues Flugblatt: "NATO raus - Krieg aus" - Fotos: Arbeiterfotografie (Peter Betscher und Elke Zwinge-Makamizile)


Fotoausstellung: Wir erinnern... Das Mutterland vor der NATO-Aggression verteidigen


Fotoausstellung: Ušce Business Center, Belgrad 1999 (Fotograf: D. Andelcovic)


Gedenken an die NATO-Aggression vor 25 Jahren - "NATO raus - Krieg aus"


Fotoausstellung (Fotograf im Katalog nicht genannt)


Konferenz "Nicht vergessen 1999 - 2024"


Fotoausstellung: „Ein Blick der Verzweiflung“ (Fotograf: A. Ilic)


Präsidium der Konferenz mit u.a. Živadin Jovanovic, Ljiljana Werner, Elena Guskova


Živadin Jovanovic und Fulvio Grimaldi


Zuhörer in Panel II

Wolfgang Effenberger und Živadin Jovanovic


Die freiwilligen Helfer der Konferenz, die wesentlich zum Gelingen beitrugen


Elke Zwinge-Makamizile (Arbeiterfotografie e.V.) sprach über Kräfte und Gegenkräfte auf dem Weg zu einer neuen Weltordnung.


Andriana (Belgrad Forum), June Kelly (Irische Friedenaktivistin) und Elke Zwinge Makamazile (Arbeiterfotografie e.V.)


Klaus Hartmann, Präsident der Weltunion der Freidenker, sprach über die Verbindungen des Krieges gegen Jugoslawien zum Krieg in der Ukraine.


Buchvorstellungen am Vorabend der Konferenz


Mihaljo Miša Gavrivovic, serbische Diaspora in England, sprach über den Informationskrieg gegen Jugoslawien in London


Zuhörer in Panel I


Pausengespräche


USA – NATO – EU stehen für imperialistische Interventionen und Kriege - Die einzige Supermacht sind die Völker - EEDYE: Griechisches Komitee für Verständigung und Frieden


Monika Krotter-Hartmann und Elke Zwinge-Makamizile legen Blumen am Denkmal für die Kinder im Tašmajdan Park nieder.


Weltfriedensrat: 75 Jahre Kampf für eine friedliche Welt und soziale Gerechtigkeit auf der Seite der Armen und Unterdrückten


Gedenken an der Ewigen Flamme im Park der Freundschaft


„Wir waren nur Kinder“


1389 Kosovo ist Serbien 2024


Verabschiedung der Marathon-Läufer für den Frieden Belgrad – Athen


Der ehemalige Verteidigungsminister Serbiens Aleksandar Vulin bei seiner Ansprache


Ansprache Živadin Jovanovic (Präsident des Belgrader Forums) an die Marathon-Läufer


Aqel Taqz übergibt Živadin Jovanovic eine Kufiya


Anti-NATO-EU-Grafitti in Belgrad


Am Donnerstagabend (21. März 2024) wurde eine Fotoausstellung über die NATO-Aggression im Haus der Serbischen Armee in Belgrad eröffnet. Außerdem fand eine Podiumsdiskussion anlässlich von Buchveröffentlichungen über zwei opferreiche Schlachten bei Košare und Paštrik gegen die terroristische UCK („Befreiungsarmee des Kosovo“) und die Luftunterstützung der NATO-Allianz an der Grenze zu Albanien statt.

Wolfgang Effenberger, einer der Redner bei der Konferenz, berichtet in einem Apolut-Kommentar über die Konferenz (5): „ Eröffnet wurde die Konferenz vom stellvertretenden Ministerpräsidenten und Verteidigungsminister Serbiens Miloš Vucevic; er ist auch Vorsitzender der Serbischen Fortschrittspartei (SNS). Zuvor war er von 2012 bis 2022 Bürgermeister von Novi Sad.

Es folgte die Grußbotschaft des langjährigen Bundestagsmitglieds (1976 bis 2009) Willy Wimmer. Er war von Juli 1994 bis Juni 2000 Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der OSZE und somit über die Vorgänge in Jugoslawien bestens informiert (6).

Es folgten Grußworte von Tao Tao, chinesischer Generalsekretär der chinesischen „Volksvereinigung für Frieden und Entwaffnung”, Pallab Sengupta (Indien) Präsident des Weltfriedensrats und der kubanische Nationalheld Fernando Gonzales Lort, Präsident des kubanischen Instituts für Freundschaft unter den Nationen.“ Lort betonte, dass Kosovo zu Serbien gehöre und es endlich Zeit wird, die Gewalt der Imperialisten zu beenden. Oberstleutnant Dani Zoltan, Kommandeur der Einheit, die den Tarnkappenbomber A-117 bei Bucanovci vom Himmel holte, verwies auf die Verleumdungen und Lügen des Westens beim Kumanovo- und Minsker Abkommen. Er sagte, dass ein Beitritt zur NATO eine Falle und eine Schande für Serbien wäre. Elena Guskova, Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, sagte, dass die Serben für ihre Freiheit gekämpft hätten und dafür werden sie bestraft. Sergei Baburin, Parlamentarier der Duma, forderte die Serben auf, sich zu entscheiden, welchen Teil der Welt sie sich als Verbündete anschließen wollen. Elke Zwinge-Makamizile, Vorstandsmitglied der Arbeiterfotografie, sprach über Kräfte und Gegenkräfte auf dem Weg zu einer multipolaren Weltordnung (7).

Die gemeinsame Abschlussdiskussion wurde von Marijana Jovanovic, einer Überlebenden der Bombardierung der Brücke von Vavarin, eröffnet. Sie schilderte in berührenden Worten ihre Erinnerung als Teenager über dieses Kriegsverbrechen, das militärisch vollkommen sinnlos war (8). Michel Chossudovsky, Gründer und Direktor des Centre for Research on Globalization (CRG) und Leonid Iwaschow, Präsident der Akademie für Geopolitische Probleme, wurden per Video zugeschaltet. Michel Chossudovsky referierte über die Beteiligung des US-amerikanischen Finanzkapitals im 1. und 2. Weltkrieg und über die lange vor dem Ausbruch der jugoslawischen Bürgerkriege wirtschaftlichen Strangulierung der BR Jugoslawien durch die USA, was die einzelnen Republiken in Jugoslawien erst gegeneinander aufbrachte. Bei dieser Konferenz wurden alle Fragen der NATO-Aggression gegen die BR Jugoslawien, was daraus in Zukunft erwächst und wie man den Herausforderungen nicht nur in Serbien, sondern auch im Rest der Welt begegnen kann, aufgeworfen. Beendet wurde die Konferenz mit dem Verlesen der gemeinsamen Erklärung von Belgrad (9).

Alle Reden wurden auf Video aufgezeichnet und sind schon teilweise auf der Seite des Belgrader Forums (9) abrufbar. Leider sind die Redebeiträge bisher ohne Untertitel.

Am Sonntag wurde im Tašmajdan Park an dem Gedenkstein „Wir waren nur Kinder“ der getöteten Kinder 1999 gedacht. Am Dom des Heiligen Sava startete der jährliche Friedens-Marathon von Belgrad nach Athen. Am Mittag wurde der Opfer des Krieges an der ewigen Flamme im Park der Freundschaft gedacht. An der Ewigen Flamme erinnerte der ehemalige Verteidigungsminister Alexandar Vulin an alle Opfern des völkerrechtswidrigen Krieges. Die Nato-Aggression gegen die BR Jugoslawien sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewesen. Serbien als Land hätte überlebt, aber das Völkerrecht sei am 24.03.1999 gestorben.


Ich danke Gordana Milanovic-Kovacevic für die Hinweise und Übersetzungen.


Anmerkungen:

(1) http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25785
Medienrückblick - Video: Gerhard Schröder (Kosovo 1999): „Wir ...
(2) Die Zahlen sind der Zeitschrift „Bezbednost“ (Sicherheit) Nr. 2-3/1999 entnommen.
(3) https://www.pi-news.net/2024/03/afd-symposium-nato-angriff-vor-25-jahren-auf-jugoslawien/
(4) https://www.youtube.com/watch?v=keWZofL30So
(5) https://apolut.net/25-jahre-seit-der-nato-aggression-gegen-jugoslawien-von-wolfgang-effenberger/
(6) http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=27963
(7) Rede von Elke Zwinge-Makamizile - siehe unten
(8) Rede von Marijana Jovanovic - siehe unten
(9) https://www.libres-penseurs.net/1642-2/
(10) https://www.beoforum.rs/en/


Rede von Elke Zwinge-Makamizile - Kräfte und Gegenkräfte in der Entwicklung hin zu einer multipolaren Welt

Der Genozid in Gaza, ein absoluter Bruch mit der Zivilisation, ist unvorstellbar für das Menschsein! So haben in der UNO-Vollversammlung 153 Länder, mehrheitlich aus den Ländern des Südens, den sofortigen humanitären Waffenstillstand verlangt. Südafrika hat eine hervorragend ausgearbeitete Klage gegen Israel beim Internationalen Gerichtshof eingereicht, Nicaragua verklagt Deutschland wegen Beihilfe zum Völkermord. Palästina heute zeigt eine historische Dimension von mehr als 75 Jahren Siedlerkolonialismus, Besatzung, Verteibung, Ermordungen. Es ist der globale Süden, der dagegen Stellung bezieht. Es sind diejenigen, die ihren antikolonialen Kampf in ihrem kollektiven Gedächtnis bewahren, diejenigen, die die Kriege der USA und Nato nach 1945 erlitten haben.

Wir blicken zurück. Die Oktoberrevolution und die chinesische antikoloniale Befreiungsbewegung hatten großen Einfluss auf die Befreiungsbewegungen in Afrika und Asien. Erst in den 60er Jahren konnten die kolonialisierten Länder offiziell unabhängig werden. Heute haben wir nach ca. 60 Jahren offizieller - nicht wirklicher - Unabhängigkeit eine starke sich immer weiter emanzipierende Bewegung aus dem globalen Süden.

Ein wichtiger Beginn war die antikoloniale Konferenz von Bandung, Indonesien 1955. Es war ein Fanal für antikoloniale Kämpfe in Afrika und Asien und inspirierte auch die Emanzipationsbewegungen der Schwarzen in den USA. Herausragende Persönlichkeiten waren Sukarno aus Indonesien, Zhou Enlai aus China, Nasser aus Ägypten, Nehru aus Indien, Nkrumah aus Ghana. Sie gründeten 1961 auf Initiative des jugoslawischen Präsidenten Josip Tito in Belgrad die antiimperialistische Bewegung der Blockfreien. Heute umfassen ihre Mitgliedsländer 55% der Weltbevölkerung.

Die Bewegung ist sehr heterogen, aber auf ihren Gipfeltreffen hatten Nelson Mandela, Thabo Mbeki, Fidel und Raul Castro und Nicolas Maduro den Vorsitz. Aus der Bewegung der Blockfreien heraus entstand 1964 die Gruppe der G77 und G77 plus China seit 1994 bei den Vereinten Nationen. Gemäß Anzahl der Länder und Bevölkerung ist sie die größte Gruppe innerhalb der Vereinten Nationen. Ihre Einbindung in die Strukturen der UNO schafft größere Möglichkeiten der politischen Einflussnahme.

Ihre Mitglieder fordern nachdrücklich ein Ende der völkerrechtswidrigen Sanktionen, Blockaden und Embargos als integraler Bestandteil der Kriegsführung der USA und Nato-Staaten. Besonders gegen Cuba, Irak, Syrien und Venezuela bewirken und bewirkten sie gnadenlose wirtschaftliche und indirekte tausendfache tödliche Auswirkungen für die Bevölkerung.

Eine wichtige Etappe hin zu einer multipolaren Welt war 2004 die Gründung von ALBA (Bolivarischen Allianz für die Völker unseres Amerikas) durch Hugo Chavez und Fidel Castro. Es begann eine große menschliche und politische Freundschaft zwischen den beiden. Weitere fortschrittliche Länder schlossen sich an:  Bolivien , Ecuador , Nicaragua und karibische Inselstaaten. Kurz vor seinem Tod rief Hugo Chavez das Lateinamerikanische Bündnis CELAC ins Leben, als ein Sub- Kontinent des Friedens.

Die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit , gegründet 2001 von Russland, Usbekistan, Kasachstan, Krirgistan Tadschikistan und China, erweitert um Indien, Iran und Pakistan ist die weltweit größte Regionalorganisation. Aufgabe ist die Gewährleistung von Frieden und Sicherheit zwischen den Mitgliedsländern. Ihr Augenmerk liegt auf den vom Westen betriebenen Farbenrevolutionen.

2010 war das Bündnis BRICS vollständig: Brasilien, Russland, Indien, China, Süafrika. Anfang 2024 erweiterte es sich um Ägypten, Äthiopien, Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen-Emirate. Übergreifendes Thema ist die Überwindung der bestehenden Unipolarität unter US-amerikanischer Führung hin zu einer multipolaren Weltordnung.

Die Ausarbeitung des langen Prozesses der Entdollarisierung ist zu einer ihrer Hauptaufgaben geworden. 2015 wurde die Neue Entwicklungsbank NDB, New Development Bank ins Leben gerufen als Konkurrenz zum IWF. Innerhalb der BRICS-Staaten gibt es bereits einen so genannten Petro-Yuan.

Ein diplomatischer Erfolg besteht in der Kooperation zwischen Iran und Saudi-Arabien in BRICS 10. Diese bilden gemeinsam ein starkes Gegengewicht wirtschaftlich, militärisch, politisch zum globalen Westen der USA/EU/NATO . 30 Länder sind an einer Annäherung an die BRICS interessiert. Gegengewicht heißt nicht Domimanz!

Alle genannten Organisationen und Bewegungen fordern seit Bandung 1955 unermüdlich – und auch deshalb ist es wichtig sie zu kennen und zu schätzen – die Einhaltung der UN-Charta von 1945. Damit bekommt das Völkerrecht den ihm zustehenden Wert als Grundlage einer zivilisierten Welt. Oberstes Prinzip ist die Einhaltung des Weltfriedens. Grundsätze sind die Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Staaten und Völker, der Grundsatz der Souveränität und die Nichteinmischung in andere Staaten.

Der globale Westen, angeführt von den USA und Nato-Ländern, ersetzte das Völkerrecht durch eine neoliberale regelbasierte Weltordnung, die für alle zu gelten habe. In selber Weise der Selbstermächtigung erweiterte die NATO 1999 während des NATO-Krieges gegen Jugoslawien ihr Einsatzgebiet out of area, ohne UNO-Mandat. Von Anfang an verfolgten die USA eine Strategie der politischen, militärischen, wirtschaftlichen, technischen und kulturellen Hegemonie.

Das gelang ihnen nicht wie erhofft. Politisch setzten sich die ALBA-Länder ab von der Dominanz der OAS (Organisation amerikanischer Staaten und gründeten CELAC. Militärisch erlitten die USA in Vietnam, Afghanistan, Irak, Syrien, Libyen Niederlagen, hinterließen Millionen von Toten, Verletzten und Traumatisierte; durch Atomwaffenabwurf und US-Atomtests, agent orange und DU-Munition verseuchte Menschen; 47 US-Biowaffenlabore in der Ukraine konnten von Russland zerstört werden.

Wirtschaftlich begann die Entkoppelung von der westlichen Finanzstruktur mit dem Prozess der Entdollarisierung. ALBA Länder gründeten die Bank des Südens, es folgte eine multilaterale Entwicklungs- und Investitionsbank der BRICS und die Asia Infrastructure Investment Bank (AIIB), Die Verbindungen zum IWF wurden gekappt.

Technisch wurden Russland und China ebenbürtige Konkurrenten zum Westen. Kulturell gibt es viele zivile Forschungsstätten, Universitäten, ausgebaute Infrastruktur, unzählige international anerkannte und international kooperierende Wissenschaftler, Künstler und hochgebildete Politiker, die einem anderen Menschenbild folgen als dem der politischen und kulturellen Konfrontation.

Peking ist der größte Handelspartner von nicht weniger als 140 Nationen. Die chinesische Politik ist ausgerichtet auf eine friedliche Modernisierung mit dem Konzept der Kooperation. Win-win ist das Stichwort für eine qualitativ hochwertige, wirtschaftliche Entwicklung zwischen Ländern des Südens, aber auch mit Unternehmen des Westens.

Das Projekt der Neuen Seidenstraße ist die Umsetzung des nicht mehr zu stoppenden größten sozioökonomischen Entwicklungsplanes des 21. Jahrhunderts. Die BRI schafft eine globale Infrastruktur für den Transport von Gütern über Land und See – mit gemeinsamen Forschungs- und Industrieprojekten, kulturellem Austausch und nicht zuletzt mit einem globalen Handel, der ALLEN Vorteile bringt. „Nur so kann eine multipolare Welt entstehen, in der die Menschheit eine Zukunft hat.“ (Peter König) Heute arbeiten in der BRI bereits mehr als 120 Staaten zusammen und ihre Tür steht weiteren Staaten offen.
 
In welcher Beziehung steht die UNO und ihre Unterorganisationen IWF, Weltbank, WHO zu den globalen Veränderungen in der Welt? Sie unterliegen weiterhin dem Einfluss der USA und den Personen aus dem Kreis des WEF. Das betrifft leider alle ihre Programme, auch die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Die G77 plus China fordern die Berücksichtigung der Interessen der Entwicklungsländer.

Besonders groß ist der private Einfluss in der WHO. 80 Prozent der Gelder kommen von der Bill und Melinda Gates-Foundation, GAVI und Pharmakonzernen. Das neue Pandemiegesetz und die internationalen Gesundheitsrichtlinien entbehren jeder demokratischen Entscheidungsfindung. Eine Vereinigung von afrikanischen Wissenschaftlern bezeichnet die Struktur der WHO deshalb zu Recht als kolonialistisch. Madagaskar ist bereits ausgetreten. In diesem Zusammenhang: Serbien hat einen wundervollen Tennisspieler – Novak Dokovic.

Das feste Bündnis zwischen China und Russland wird vom Westen als besondere Bedrohung angesehen. Trotz wiederholter Angebote zur Kooperation wie auf den Valdai-Foren immer wieder zum Ausdruck kommt, ist der globale Westen nicht fähig für eine gewinnbringende Kooperation, um Probleme des Planeten zu lösen. Bedrohliche kriegsbereite Konfrontationen seitens des Westens machen jede Verhandlungsdiplomatie mittlerweile unmöglich.

Der Westen stellt sich damit ins Abseits, und die restliche Welt beginnt das zu erkennen. Es wird überdeutlich hinsichtlich Palästinas und der weiteren Unterstützung Israels durch die USA mit Waffenlieferungen und hinsichtlich der Abstimmungen in UN-Gremien.

Die multipolare Welt, der sich mehr und mehr Staaten zuwenden, und der auch die internationale Friedensbewegung zuzurechnen ist, ist die einzige Chance für eine menschliche Zukunft. Die chinesische Formel bringt es zum Ausdruck:
    Wohl des Volkes = Arbeit + Brot + Entwicklung + Frieden
Der Genozid in Gaza kann in einer zivilisierten Welt keinen Platz haben! „Letztendlich, der Vampirball geht zu Ende!" (Putin) Eine multipolare Welt, basierend auf Prinzipien der UN-Charta, ist auf dem Weg!


Rede von Marijana Jovanovic

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde! Ich bin Marijana Jovanovic, 40 Jahre alt und Mutter von drei wunderbaren Kindern. Ich wurde in der Nähe der Kleinstadt Varvarin, etwa 180 Kilometer südöstlich von Belgrad, geboren. Ich nehme an, dass Ihnen der Name meiner Stadt bekannt und in Erinnerung geblieben ist. In Erinnerung an eine große Tragödie, die vor fast 25 Jahren, genau am 30. Mai 1999, meine Stadt ereilte. In diesen Tagen begehen wir hier in Belgrad den 25. Jahrestag des Beginns der schrecklichen Aggression gegen mein Land und mein Volk, gegen jeden von uns, die wir hier leben.

Irgendwelche Menschen, große in ihrer eigenen Wahrnehmung, kleine und bösartige für die friedliebende Welt, überfielen im gleichen, 20. Jahrhundert, zum dritten Mal ein friedliches, unschuldiges Land; ein kleines Land durch die Zahl seiner Bürger, aber mutig, stolz und unbezwingbar. Jedes Jahr um diese Zeit, wenn die Gedenkfeiern begangen werden, ich sage Gedenkfeiern, weil jeder Tag, von 78 Tagen der Aggressionsdauer, eine Gedenkfeier an einem anderen Ort, in einer anderen Stadt, vor einem anderen Grabhügel mit sich bringt. Der Feind wollte uns demütigen, uns unterwerfen, uns in die Knie zwingen und als das nicht gelungen ist, hat er beschlossen, die Leben unserer Lieben und unsere eigenen auszulöschen .

Ich stehe heute hier, weil ich eine große Verpflichtung auf mich genommen habe, niemand außer mir selbst hat mich beauftragt, im Namen aller, deren Leben verbrecherisch beendet wurden, zu sprechen. Insbesondere für jene, die - wie ich - noch Kinder waren, der Jüngste, der kleine Marko aus Novi Pazar war erst 2 und die kleine Milica aus Batajnica war 3 Jahre alt, als die Bombe/die Rakete des „barmherzigen Engels“ (*) sie traf. Eine besondere Verpflichtung habe ich gegenüber meiner, auf ewig besten, Freundin Sanja Milenkovic, ein Engel, der auf dieser Erde geschritten ist, eine außergewöhnliche Mathematikerin, wunderschönes Mädchen, das an diesem Tag für immer in den Himmel zu den Engeln ging.

Wir beide waren an diesem 30. Mai 1999, als unsere Stadt Varvarin bombardiert wurde, wie auch unsere dritte Freundin Marina, gerade etwas mehr als 15 Jahre alt. Marina und ich, in Anbetracht dessen, dass ich heute Mutter bin – aber eine lange Zeit nach diesem Tag habe ich nicht so gedacht - hatten Glück, überlebt zu haben. Wir haben überlebt, aber das Überlebte hat sich tief in uns eingeschnitten, und jedes Jahr um diese Zeit sucht es nach einer Möglichkeit auszubrechen, wehzutun, in die Nächte ohne Schlaf zu führen, Nächte voller Albträume, die in den darauffolgenden Tagen Blockaden, Konfusionen, Ohnmacht mit sich bringen. Das sind die Tage in denen ich als Mutter mit mir selbst kämpfe, um die Mutter zu sein, die meine Kinder brauchen, was mir manchmal nicht gut gelingen kann.

Die Erinnerung an drei Mädchen, die händchenhaltend über die Brücke, die im Licht der warmen Maisonne schimmert, hüpfen, die sich auf die Feierlichkeiten und Wiedersehen mit lieben Menschen in der Stadt auf der anderen Seite der Brücke freuen, wird wieder lebendig und kehrt in die Zeit von vor 25 Jahren zurück.

Es ist Feiertag, die Heilige Dreifaltigkeit, Hunderte Menschen in der Kirche und um sie herum. Auf dem Markt Gedränge und Musik, alles in Lebensfreude!

Die Bombardierung dauert schon seit mehreren Wochen an, aber die Menschen lassen nicht zu, dass Ohnmacht und Resignation sie überwältigen und leben in der Überzeugung, dass Varvarin für den Feind strategisch ohne Bedeutung ist - keine Armee in der Nähe, auch keine militärischen Objekte, nur 4 Polizisten in der ganzen Region.

Die selben Mädchen, brav und unschuldig, nach einer gewissen Zeit, gegen 13.00 Uhr, laufen genauso fröhlich über die Brücke zurück, auf dem Nachhauseweg, wo sie ihre Mütter, Großmütter, ganze Familien, zum Feiertagsmittagessen erwarten. Vor ihnen, fast am Anfang der Brücke, fährt ein weißer Transporter mit Mutter und Sohn, die ebenfalls nachhause zurückkehren wollen.

Und dann ein schreckliches Geräusch aus der unmittelbaren Nähe, das große Gefahr ankündigt, Angst einflößt und lähmt: Die Mitte der Brücke, der Fluss tief unter ihnen, vor ihnen – die Brücke immer noch lang, hinter ihnen – genauso lang. Im Nu eine Detonation, die die Brücke in zwei Hälften bricht, deren abgetrennter Teil mit ihnen in den Fluss rutscht. Zum Glück ist das Wasser nicht so tief und die drei Mädchen, schwer verwundet, nach Luft im schwarzen Rauch, der sie umhüllt, ringend, schaffen es, sich auf dem abgerutschten Teil der Brücke über dem Wasser zu halten. In der Ferne sind Schreie und Rufe zu hören, Menschen rennen von allen Seiten auf die Brücke zu, um die Verletzten zu retten. Aber der Feind gibt nicht auf. Erneut das gruselige Pfeifen, Detonation und die Brücke bricht auf der anderen Seite. Es bleibt nur noch der Mittelpfeiler und an einer seiner Seitenreste drei Mädchen, die um ihre Leben kämpfen.

Sanja hängt mit dem Kopf nach unten, zum Teil im Wasser und ohne Bewusstsein, Marina und ich, mit Dutzenden Splittern im Körper, kämpfen um Luft in dem noch dichteren Rauch, der die Lungen zerreißt und in die Augen beißt; der weiße Transporter, der vor uns fuhr, ist im Fluss verschwunden. Verstümmelte Leichen der Ermordeten liegen verstreut an der Uferböschung und man hört die Schreie der Schwerverletzten – derjenigen, die geeilt kamen, um die drei unschuldigen Mädchen zu retten. Der „barmherzige Engel“ hinterließ eine blutige Spur, die mit nichts ausradiert werden kann – 10 Tote und 37 Verletzte, davon 17 schwer.

Sanja stirbt in den Armen ihrer Mutter Vesna im Rettungswagen auf dem Weg ins Krankenhaus in Krusevac, Marina und ich überleben am Scheideweg von Leben und Tod.

Ich habe gelernt mit den Wunden, die durch Raketensplitter verursacht wurden, zurechtzukommen, die Wunden, die meiner Seele und den Seelen meiner Lieben zugefügt wurden, bluten jedes Mal aufs neue. Und die Frage: „WARUM“, hallt nach in schlaflosen Nächten und sucht seit fast einem Vierteljahrhundert nach einer Antwort!!!

Man hörte von unserer Tragödie auch in der Welt. Gute Menschen, größtenteils aus Deutschland, sammelten Geld und kämpften mehr als 15 Jahre lang vor ihren Gerichten, damit uns das Recht auf Entschädigung anerkannt wird. Sie glaubten und wir mit ihnen, dass Gerechtigkeit und geschriebenes Recht siegen werden. Sie haben nicht gesiegt! Die Politik hat gewonnen! Dieselben, die beschlossen haben, uns zu bombardieren, haben beschlossen, dass wir - die direkten Opfer und die Familien der Getöteten, Staaten nicht auf Entschädigung verklagen können.

Ist es nicht so, dass Staaten Kriege führen und diejenigen, die in ihren Kriegen hauptsächlich getötet werden, unschuldige, zivile Menschen sind?! Bedeutet das, und wir sehen, dass jeden Tag immer mehr Kriege stattfinden und immer mehr unschuldige Menschen ihr Leben verlieren, dass aus irgendwelchen politischen, angeblich humanitären Gründen, getötet werden kann, und diejenigen, die es tun, werden niemals für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden?!

Sehr geehrte Damen und Herren, Liebe Freunde, ich bitte Sie im Namen aller Opfer, nicht nur der aus meinem Land, tragen sie die Wahrheit über die Verbrechen, die an den Völkern durch Gewalttäter verübt werden! Kämpfen Sie für Gerechtigkeit und Rechte kleiner Völker, damit die selbsternannten großen Kämpfer für Frieden endlich namentlich genannt und für ihre Verbrechen verantwortlich gemacht werden! So kämpfen Sie für die Zukunft, nicht nur unserer, sondern auch Ihrer Kinder und aller zukünftiger Generationen - damit diese „Gnade“ nie wieder passiert!

Ich bin Ihnen zutiefst dankbar, dass Sie mir zugehört haben!!!

* dies war der Arbeitstitel, den die NATO benutze bei der Vorbereitung der Aggression gegen Jugoslawien, offiziell unter „Operation Allied Force“ geführt, in amerikanischen Militär-Kreisen als „Operation Noble Anvil“ („Edler Amboss“)


Ausstellungskatalog:

"We remember … 1999-2024"
Media Center Odbrana
ISBN: 978-86-335-0863-6
komercijala@mod.gov.rs

Online-Flyer Nr. 829  vom 17.04.2024



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