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Aktueller Online-Flyer vom 25. Juni 2018  

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Kultur und Wissen
Ein Mosaikbild
"Zerrissenes Land"
Von Udo W. Hombach

Der Autor recherchierte über wilhelminische Kirchen, u.a. in Jerusalem und Bethlehem. Veröffentlichungen erschienen in der Eifel, in Köln, Berlin und Jerusalem (1). Auf seinen Reisen beobachtete er auch die politische Gegenwart (2)(3). In einem Mosaikbild hat er sich gestalterisch mit dem Israel/Palästina-Konflikt befasst: "Zerrissenes Land".


Bild 1: Gesamtaufnahme

Als schwarzer Balken erstrecken sich die israelischen Grenzbefestigungsanlagen zwischen Bethlehem und Jerusalem. Der obere Bereich ist Bethlehem zugeordnet. Die Geburtskirche ist mit einem Kreuz aus bleiumrandeten "Nuggets" (massiv gläserne Halbkugeln) dargestellt, angebracht innerhalb eines schiefen römischen Bogens.


Bild 2: Die "Geburtskirche"

In der Farbgebung des Mosaiks, beginnend unten rechts im Uhrzeigersinn, kommen vor: das Meer und das Wasser; dann Erde, Sand und Wüste. Die Grüntöne zeigen die jeweils zugehörige Pflanzenwelt. Oben, im "Himmel", der auch mit Goldgläsern aufgehellt ist, strahlt rechts in der Ecke die Sonne über dem Land.


Bild 3: Die "Sonne"

Da sie von einem Skarabäus angefressen wird, der sich selber zum Sonnengott erheben möchte, verliert sie an Strahlkraft, verdunkelt sich und droht zu erlöschen. Mit letzter Kraft schleudert sie all ihre noch vorhandene Energie ins Universum, in den Himmel und in Richtung Erde, auf's Land und bis tief ins Meer hinein, unten rechts. (Damit hat sich bei der Betrachtung des Bildes ein Kreis geschlossen.) Dort in der Tiefe der See, gleich links neben dem Walfisch, der den biblischen Jonas verschluckte und wieder ausspie, entsteht sie wieder neu.


Bild 4: Die "Wiedergeburt" der Sonne

Die drei Tage, die Jonas im Bauch des Tieres verbrachte, und seine Rückkehr ans Land werden gerne theologisch verglichen mit den Tagen zwischen dem Tod und der Auferstehung Jesu. Hier begegnen sich Altes und Neues Testament. Der Krug links daneben weist auf Wasser, das wichtigste Lebensmittel für Menschen, Tiere und Pflanzen hin; seit Jahrtausenden ist er das Behältnis für den Transport dieses kostbaren Elements.

Unten links ist das christliche Jerusalem angesiedelt. Über einem Stück Hausmörtel aus der Altstadt steht ein kleines Kreuz aus Olivenholz, versehen mit anderen kleinen Fundstücken. Darüber eine Keramik-Rose von einem verfallenen Grab auf dem griechisch-orthodoxen Friedhof neben der deutsch-katholischen Marienkirche auf dem Zionsberg.


Bild 5: Das "christliche Jerusalem" (Neuerdings ergreift die israelische Regierung Maßnahmen, mit denen sie die christlichen Kirchen steuerpolitisch und besitzrechtlich bedrängt.)

Andere Fundstücke: im "Tor" der Grenzbefestigung rechts und links zwei antike Bodenpflastersteine aus der Nähe von Beth-El, einem Ort zwischen Jerusalem und Ramallah; in der Mitte ein Betonbröckchen aus der israelischen Mauer bei Bethlehem. Rechts neben dem Tor zwei Eisenteile aus den Straßen der Altstadt, eins davon kreuzförmig, und weiter rechts außen zwei Fünf-Schekel-Münzen.


Bild 6: Das "Tor"

Last but not least: links am Rande des Bildes ein Blatt eines Olivenbaums auf dem Ölberg. Dies auch als ein Zeichen der Hoffnung: Brachte nicht am Ende der Sintflut eine Taube einen Olivenzweig in Noahs Arche, die Bestätigung dafür, dass die Überlebenden gerettet würden?


Bild 7: Das Olivenblatt


Bemerkungen zum Handwerklichen

Das Material dieses Mosaiks ist meist "ungeschlacht" gesetzt. Vor allem im unteren Bereich gibt es keine Linienführungen. Auf eine Verfugung mit dem Ziel eines Höhen/Tiefen-Ausgleichs wurde verzichtet. Im Gegenteil: an vielen Stellen strebt das Material in die dritte Dimension nach oben. Insgesamt wirkt das Mosaik unruhig – seinem Thema entsprechend.


Fussnoten:

1 website des Autors
udo-w-hombach.de

2 Zur Siedlungspolitik in Ost-Jerusalem
Ein Besuch in Silwan
Von Udo W. Hombach
NRhZ 570 vom 13.07.2016
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22958

3 Bericht von einer Reise nach Palästina
Bethlehem – Leben und Medizin hinter Israels Mauer
Von Udo W. Hombach
NRhZ 602 vom 01.03.2017
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23596

Online-Flyer Nr. 651  vom 21.03.2018



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