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Bundeswehr-Gelöbnis am 20. Juli 2026 in Berlin im Bendlerblock zum Jahrestag des Hitler-Attentats
Pistorius und Kermani – eine gemeinsame Botschaft
Von Doris Pumphrey
Am 20. Juli 2026 fand das jährliche Gelöbnis der Bundeswehr-Rekruten im Bendlerblock, Berlin statt. In der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1944 waren dort vier führende Offiziere des gescheiterten Hitler-Attentats nach einem standrechtlichen Todesurteil hingerichtet worden. Das Gelöbnis der Rekruten trage „das historische Erbe des 20. Juli in unsere Zeit“, betonte der deutsche Verteidigungsminister Pistorius. Als Ehrengast und Hauptredner hatte er den Schriftsteller Dr. Navid Kermani eingeladen.

Bild: arbeiterfotografai
Zustimmung durch selektive Wahrnehmung
Bemerkenswert, fulminant, revolutionär, mutig, ein Zeichen des Widerstandes und der Hoffnung – mit diesen und ähnlichen Worten reagierten einige auf die Rede von Navid Kermani.
Zustimmung durch selektive Wahrnehmung: Ihre Begeisterung bezog sich auf wenige Auszüge seiner Rede, die im Netz die Runde machten: Kermanis Aufruf an die Rekruten zur Befehlsverweigerung bei offenkundigen Rechtsverstößen und völkerrechtswidrigen Kriegen und seine Kritik an Bundeskanzler Merz. Einige meinten, Kermanis Worte hätten beim Verteidigungsminister Pistorius Unbehagen hervorgerufen, das hätte man an seinen verkniffenen Gesichtszügen gesehen. Verkniffen blickte die große Mehrheit der Teilnehmer an diesem militärischen Zeremoniell: Abwehr gegen aggressive Sonnenbestrahlung.
Warum auch hätte sich Pistorius (SPD) bei der Rede Kermanis unwohl fühlen sollen? Beide präsentierten die typische Lobhudelei der Bundesrepublik, dem Staat „der Demokratie, des Rechts und der Freiheit“.
Beide betonten das Recht der Soldaten Befehle zu verweigern. Pistorius: „Die Frauen und Männer des militärischen Widerstandes haben bewiesen, dass die höchste Form soldatischer Pflichterfüllung nicht im bedingungslosen Befolgen von Befehlen liegt. Dieses Selbstverständnis prägt die Bundeswehr bis heute.“
Kermani rühmte die „Tugend des Neinsagens“, die den Rekruten gleichsam mit dem Tag ihres Eintritts in die militärische Laufbahn nahegebracht werde. Er erinnert daran, dass Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) im Jahr 1999 den 20. Juli als Tag des Feierlichen Gelöbnisses festlegte. Kermani: „Der heutige Tag lehrt: dass Sie in bestimmten Situationen Nein sagen können und Nein sagen müssen."
Der gleiche Scharping, den Pistorius u.a. als Ehrengast begrüßte, diente als Verteidigungsminister im Krieg gegen Jugoslawien 1999 und machte sich einen besonderen Namen im Kolportieren von Lügen und Gräuelpropaganda gegen die Serben. Zu welchen Lügen dieser SPD-Verteidigungsminister bereit war, um die Teilnahme der Bundeswehr am völkerrechtswidrigen Aggressionskrieg gegen Jugoslawien zu forcieren und zu rechtfertigen, zeigt der Bericht „Moralische Rechtfertigung im Kosovo-Konflikt“ in der Panorama-Sendung vom 18.05.2000 (Video 11 Minuten und Transkript).
Laut Kermani sei der „Kosovo-Einsatz“ aber lediglich eine „umstrittene einzelne Mission“, gewesen, in der kein „offenbares Unrecht vorlag, das Widerstand grundsätzlich zur Pflicht gemacht hätte, wie man es für den deutschen Angriffskrieg von 1939 sagen muss.“
Missachtung des Völkerrechts spielt für Kermani keine nennenswerte Rolle, weder beim Krieg gegen Jugoslawien noch beim Krieg gegen Afghanistan. In Bezug auf letzteren meint Kermani lapidar: „Sicher, man kann darüber diskutieren, ob der Einsatz richtig war oder nicht.“
Dr. Kermani misst mit zweierlei Maß: Die Teilnahme der Bundeswehr an diesen beiden völkerrechtswidrigen Aggressionskriegen wurde unter SPD-Kanzlerschaft beschlossen. Missachtung des Völkerrechts unter der SPD-Kanzlerschaft ist, naja, und doch, und überhaupt, irgendwie jeweils begründbar. Aber: seine Kritik „das Völkerrecht klein- und Völkerrechtsverstöße schönzureden,“ wo es „politisch opportun erscheint“, bezieht Kermani auf den politischen Gegner des Verteidigungsministers, Bundeskanzler Merz, „der sich das zur Gewohnheit gemacht“ habe.
Und dann dreht er auf und beschwört die Rekruten: „Sollte eine künftige Bundesregierung Sie in einen Krieg führen wollen, der so offenkundig völkerrechtswidrig und auch politisch desaströs ist wie der jüngste Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran, wird es Ihre Pflicht sein, den Befehl zu verweigern.“
Besonders diese Aussage fand begeisterte Zustimmung und Erstaunen darüber, dass dieser Redner den „Mut“ gehabt hätte, so eine Kritik in so einem Rahmen vorzubringen.
Wieso Mut? Kritik an Trumps Krieg gegen Iran, das stört doch einen Boris Pistorius nicht, der Krieg ist sowieso nicht sein Ding. Das Interesse des deutschen Verteidigungsministers ist schließlich streng nach Osten ausgerichtet. Und dass Kermani mit einer „künftigen Bundesregierung“ nur die AfD meint, bei der Soldaten die Pflicht hätten Befehle zu verweigern, dürfte allen klar sein. Deren Opposition zum Ukraine-Krieg gegen Russland ist besonders störend. Zumal die Gefahr besteht, dass die AfD, einmal an der Macht, Putins ausgestreckte Hand ergreifen und dessen Angebot annehmen könnte, eine Vereinbarung über gegenseitige Sicherheitsgarantien zu unterzeichnen. Die jetzige Bundesregierung und die EU halten es nicht mal für nötig auf des wiederholte Angebot Russlands zu reagieren.
Ein Schachzug von Pistorius
Dass der Schriftsteller Navid Kermani beim diesjährigen Gelöbnis der Bundeswehr sprach, ausgerechnet in einer Zeit von Wahlkämpfen und heftigen Auseinandersetzungen in der Regierungskoalition, war ein raffinierter Schachzug von Pistorius. Glaubt jemand wirklich Pistorius hätte Kermani als Redner gewählt, wenn er damit ein Risiko eingegangen wäre?
Pistorius stellte Kermani mit den Worten vor: „Sie haben persönlich einen Weg hinter sich, den viele Menschen in unserem Land nachvollziehen können: einen Weg von einer zutiefst pazifischen Überzeugung, hin zu der Einsicht, dass der Wunsch nach Frieden, diesen alleine noch nicht zu sichern vermag. In Ihrem Ringen mit sich selbst, haben Sie aufgehört, den Krieg zu verabscheuen.“
Na, das ist doch was für all die „Pazifisten“ der alten BRD, die schon längst die Fronten gewechselt haben und aus ihrer sicheren Distanz in den bequemen Reihen des heutigen Mitläufertums Befehlsverweigerung und Antifaschismus von „damals“ rühmen. Deren Zustimmung und Stimme braucht die SPD weiterhin.
Pistorius: „Frieden zu bewahren, verlangt auch die Fähigkeit und die Bereitschaft ihn militärisch zu verteidigen. (…) . Wir alle wollen in Frieden leben und ihn bewahren. Aber wir wissen, wir sehen jeden Tag und wir spüren, der Frieden ist ein zerbrechliches Gut.“
Und genau in diesem Sinn ergänzt Kermani: „Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine ist eine der gegenwärtigen Fronten nahe an Deutschland gerückt, und würden die Ukrainer ihre Freiheit nicht so heroisch verteidigen, stünde womöglich jetzt schon auch unsere eigene Freiheit als Europäer unter Beschuss.“
Der Feind ist ausgemacht, er steht vor der Tür. Deutschland muss aufrüsten gegen Russland, das ist die gemeinsame Botschaft von Pistorius und Kermani. „Kriegstüchtig“ zu werden, hochzurüsten für den Krieg gegen Russland und deutsche Führung an der Ostfront zu übernehmen, das ist die Mission eines Pistorius.
Pistorius will Kanzler werden und da ist jede öffentliche Kritik an Merz sehr hilfreich. Pistorius wird seit vielen Monaten als der Deutschen beliebtester Spitzenpolitiker in den Medien gehandelt (bzw. beworben) – sicherlich nicht zur Freude des Kanzlers. Wer weiß wie viele Auseinandersetzungen die beiden hatten, wie viele Rechnungen Pistorius mit Merz offen hat und wie oft sich Pistorius über Merz geärgert hat, als der auf ihn herabblickte.
Endlich kann er es ihm zurückgeben und sucht sich dafür einen der einflussreichsten Intellektuellen in Deutschland. Und der rühmt mit seiner selektiven Kritik auch noch die Meinungsfreiheit, die ihm zugestanden wird! Dass er, Kermani, „bei diesem hochoffiziellen Akt politische Repräsentanten des Staates scharf kritisieren kann, allein das zeigt, wie großartig unsere Bundesrepublik Deutschland ist.“ Das geht doch runter wie Öl bei der polit-medialen „Elite“ der Bundesrepublik.
Die Grenze der zulässigen Kritik verläuft ja auch genau da, wo Kermani schweigt oder sich an anderer Stelle in bequemer Äquidistanz absichert. Er riskiert weder Diffamierung, Diskriminierung, Ausgrenzung, strafrechtliche Verfolgung, Kontensperrung, EU-Sanktionen und die Verweigerung elementarer Grundrechte.
Kemani zelebriert die Großartigkeit der Bundesrepublik ohne auch nur dieses grassierende Unrecht zu erwähnen, das auf der immer extremeren Einengung der Informations-, Meinungs- und Pressefreiheit beruht.
Dr. Navid Kermani redet viel vom Völkerrecht und vermischt es beliebig mit der „regelbasierten Ordnung“, obwohl er offenbar keine Ahnung hat, was der Unterschied ist und warum der Westen diesen Begriff wann einführte und welchen Interessen er dient.
Ihm scheint auch die Unvereinbarkeit nicht aufzufallen, zwischen den durch Konsens etablierten „völkerrechtlichen Normen“ und den „rechtlich unverbindlichen Regeln", die willkürlich vom Westen bestimmt werden. Die „regelbasierte internationale Ordnung“ fußt auf dem Recht der Stärkeren. (Siehe dazu den ausführlichen Artikel "Vom Internationalen Recht zur regelbasierten Ordnung … und zurück")
Das Völkerrecht, das auf dem Prinzip der souveränen Gleichheit aller Nationen beruht steht im Widerspruch zur „regelbasierten Ordnung“ bei der eine „Allianz williger Staaten“ „internationale Regeln ersinnen, ohne den Verdacht zu erwecken, dass es dabei um westliche Dominanz geht“, wie es Volker Perthes, vormals Leiter der regierungsnahen Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) im Klartext formulierte.
Anmerkungen:
René Zittlau hat in seinem sehr lesenswerten Artikel "Das Gelöbnis" zur Rede Kermanis u.a. dessen bewusste Verwässerung politischer Begriffe kritisiert.
https://www.seniora.org/politik-wirtschaft/deutschland/das-geloebnis
Beide Reden im Video hier: https://www.zdf.de/play/magaz ine/phoenix-collection-phoenix-1080805-1610/phoenix-geloebnis-im-gedenken-an-den-deutschen-widerstand-100
Kermanis Rede ist auch als Transkript hier zu lesen: https://www.ksta.de/politik/rede-von-navid-kermani-zum-20-juli-dieser-tag-lehrt-sie-nein-zu-sagen-1335084
Siehe auch:
Bundeswehr-Gelöbnis am 20. Juli 2026 in Berlin im Bendlerblock zum Jahrestag des Hitler-Attentats
Die hochgefährliche Ansprache von Navid Kermani
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=29906
Online-Flyer Nr. 867 vom 09.08.2026
Bundeswehr-Gelöbnis am 20. Juli 2026 in Berlin im Bendlerblock zum Jahrestag des Hitler-Attentats
Pistorius und Kermani – eine gemeinsame Botschaft
Von Doris Pumphrey
Am 20. Juli 2026 fand das jährliche Gelöbnis der Bundeswehr-Rekruten im Bendlerblock, Berlin statt. In der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1944 waren dort vier führende Offiziere des gescheiterten Hitler-Attentats nach einem standrechtlichen Todesurteil hingerichtet worden. Das Gelöbnis der Rekruten trage „das historische Erbe des 20. Juli in unsere Zeit“, betonte der deutsche Verteidigungsminister Pistorius. Als Ehrengast und Hauptredner hatte er den Schriftsteller Dr. Navid Kermani eingeladen.
Bild: arbeiterfotografai
Zustimmung durch selektive Wahrnehmung
Bemerkenswert, fulminant, revolutionär, mutig, ein Zeichen des Widerstandes und der Hoffnung – mit diesen und ähnlichen Worten reagierten einige auf die Rede von Navid Kermani.
Zustimmung durch selektive Wahrnehmung: Ihre Begeisterung bezog sich auf wenige Auszüge seiner Rede, die im Netz die Runde machten: Kermanis Aufruf an die Rekruten zur Befehlsverweigerung bei offenkundigen Rechtsverstößen und völkerrechtswidrigen Kriegen und seine Kritik an Bundeskanzler Merz. Einige meinten, Kermanis Worte hätten beim Verteidigungsminister Pistorius Unbehagen hervorgerufen, das hätte man an seinen verkniffenen Gesichtszügen gesehen. Verkniffen blickte die große Mehrheit der Teilnehmer an diesem militärischen Zeremoniell: Abwehr gegen aggressive Sonnenbestrahlung.
Warum auch hätte sich Pistorius (SPD) bei der Rede Kermanis unwohl fühlen sollen? Beide präsentierten die typische Lobhudelei der Bundesrepublik, dem Staat „der Demokratie, des Rechts und der Freiheit“.
Beide betonten das Recht der Soldaten Befehle zu verweigern. Pistorius: „Die Frauen und Männer des militärischen Widerstandes haben bewiesen, dass die höchste Form soldatischer Pflichterfüllung nicht im bedingungslosen Befolgen von Befehlen liegt. Dieses Selbstverständnis prägt die Bundeswehr bis heute.“
Kermani rühmte die „Tugend des Neinsagens“, die den Rekruten gleichsam mit dem Tag ihres Eintritts in die militärische Laufbahn nahegebracht werde. Er erinnert daran, dass Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) im Jahr 1999 den 20. Juli als Tag des Feierlichen Gelöbnisses festlegte. Kermani: „Der heutige Tag lehrt: dass Sie in bestimmten Situationen Nein sagen können und Nein sagen müssen."
Der gleiche Scharping, den Pistorius u.a. als Ehrengast begrüßte, diente als Verteidigungsminister im Krieg gegen Jugoslawien 1999 und machte sich einen besonderen Namen im Kolportieren von Lügen und Gräuelpropaganda gegen die Serben. Zu welchen Lügen dieser SPD-Verteidigungsminister bereit war, um die Teilnahme der Bundeswehr am völkerrechtswidrigen Aggressionskrieg gegen Jugoslawien zu forcieren und zu rechtfertigen, zeigt der Bericht „Moralische Rechtfertigung im Kosovo-Konflikt“ in der Panorama-Sendung vom 18.05.2000 (Video 11 Minuten und Transkript).
Laut Kermani sei der „Kosovo-Einsatz“ aber lediglich eine „umstrittene einzelne Mission“, gewesen, in der kein „offenbares Unrecht vorlag, das Widerstand grundsätzlich zur Pflicht gemacht hätte, wie man es für den deutschen Angriffskrieg von 1939 sagen muss.“
Missachtung des Völkerrechts spielt für Kermani keine nennenswerte Rolle, weder beim Krieg gegen Jugoslawien noch beim Krieg gegen Afghanistan. In Bezug auf letzteren meint Kermani lapidar: „Sicher, man kann darüber diskutieren, ob der Einsatz richtig war oder nicht.“
Dr. Kermani misst mit zweierlei Maß: Die Teilnahme der Bundeswehr an diesen beiden völkerrechtswidrigen Aggressionskriegen wurde unter SPD-Kanzlerschaft beschlossen. Missachtung des Völkerrechts unter der SPD-Kanzlerschaft ist, naja, und doch, und überhaupt, irgendwie jeweils begründbar. Aber: seine Kritik „das Völkerrecht klein- und Völkerrechtsverstöße schönzureden,“ wo es „politisch opportun erscheint“, bezieht Kermani auf den politischen Gegner des Verteidigungsministers, Bundeskanzler Merz, „der sich das zur Gewohnheit gemacht“ habe.
Und dann dreht er auf und beschwört die Rekruten: „Sollte eine künftige Bundesregierung Sie in einen Krieg führen wollen, der so offenkundig völkerrechtswidrig und auch politisch desaströs ist wie der jüngste Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran, wird es Ihre Pflicht sein, den Befehl zu verweigern.“
Besonders diese Aussage fand begeisterte Zustimmung und Erstaunen darüber, dass dieser Redner den „Mut“ gehabt hätte, so eine Kritik in so einem Rahmen vorzubringen.
Wieso Mut? Kritik an Trumps Krieg gegen Iran, das stört doch einen Boris Pistorius nicht, der Krieg ist sowieso nicht sein Ding. Das Interesse des deutschen Verteidigungsministers ist schließlich streng nach Osten ausgerichtet. Und dass Kermani mit einer „künftigen Bundesregierung“ nur die AfD meint, bei der Soldaten die Pflicht hätten Befehle zu verweigern, dürfte allen klar sein. Deren Opposition zum Ukraine-Krieg gegen Russland ist besonders störend. Zumal die Gefahr besteht, dass die AfD, einmal an der Macht, Putins ausgestreckte Hand ergreifen und dessen Angebot annehmen könnte, eine Vereinbarung über gegenseitige Sicherheitsgarantien zu unterzeichnen. Die jetzige Bundesregierung und die EU halten es nicht mal für nötig auf des wiederholte Angebot Russlands zu reagieren.
Ein Schachzug von Pistorius
Dass der Schriftsteller Navid Kermani beim diesjährigen Gelöbnis der Bundeswehr sprach, ausgerechnet in einer Zeit von Wahlkämpfen und heftigen Auseinandersetzungen in der Regierungskoalition, war ein raffinierter Schachzug von Pistorius. Glaubt jemand wirklich Pistorius hätte Kermani als Redner gewählt, wenn er damit ein Risiko eingegangen wäre?
Pistorius stellte Kermani mit den Worten vor: „Sie haben persönlich einen Weg hinter sich, den viele Menschen in unserem Land nachvollziehen können: einen Weg von einer zutiefst pazifischen Überzeugung, hin zu der Einsicht, dass der Wunsch nach Frieden, diesen alleine noch nicht zu sichern vermag. In Ihrem Ringen mit sich selbst, haben Sie aufgehört, den Krieg zu verabscheuen.“
Na, das ist doch was für all die „Pazifisten“ der alten BRD, die schon längst die Fronten gewechselt haben und aus ihrer sicheren Distanz in den bequemen Reihen des heutigen Mitläufertums Befehlsverweigerung und Antifaschismus von „damals“ rühmen. Deren Zustimmung und Stimme braucht die SPD weiterhin.
Pistorius: „Frieden zu bewahren, verlangt auch die Fähigkeit und die Bereitschaft ihn militärisch zu verteidigen. (…) . Wir alle wollen in Frieden leben und ihn bewahren. Aber wir wissen, wir sehen jeden Tag und wir spüren, der Frieden ist ein zerbrechliches Gut.“
Und genau in diesem Sinn ergänzt Kermani: „Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine ist eine der gegenwärtigen Fronten nahe an Deutschland gerückt, und würden die Ukrainer ihre Freiheit nicht so heroisch verteidigen, stünde womöglich jetzt schon auch unsere eigene Freiheit als Europäer unter Beschuss.“
Der Feind ist ausgemacht, er steht vor der Tür. Deutschland muss aufrüsten gegen Russland, das ist die gemeinsame Botschaft von Pistorius und Kermani. „Kriegstüchtig“ zu werden, hochzurüsten für den Krieg gegen Russland und deutsche Führung an der Ostfront zu übernehmen, das ist die Mission eines Pistorius.
Pistorius will Kanzler werden und da ist jede öffentliche Kritik an Merz sehr hilfreich. Pistorius wird seit vielen Monaten als der Deutschen beliebtester Spitzenpolitiker in den Medien gehandelt (bzw. beworben) – sicherlich nicht zur Freude des Kanzlers. Wer weiß wie viele Auseinandersetzungen die beiden hatten, wie viele Rechnungen Pistorius mit Merz offen hat und wie oft sich Pistorius über Merz geärgert hat, als der auf ihn herabblickte.
Endlich kann er es ihm zurückgeben und sucht sich dafür einen der einflussreichsten Intellektuellen in Deutschland. Und der rühmt mit seiner selektiven Kritik auch noch die Meinungsfreiheit, die ihm zugestanden wird! Dass er, Kermani, „bei diesem hochoffiziellen Akt politische Repräsentanten des Staates scharf kritisieren kann, allein das zeigt, wie großartig unsere Bundesrepublik Deutschland ist.“ Das geht doch runter wie Öl bei der polit-medialen „Elite“ der Bundesrepublik.
Die Grenze der zulässigen Kritik verläuft ja auch genau da, wo Kermani schweigt oder sich an anderer Stelle in bequemer Äquidistanz absichert. Er riskiert weder Diffamierung, Diskriminierung, Ausgrenzung, strafrechtliche Verfolgung, Kontensperrung, EU-Sanktionen und die Verweigerung elementarer Grundrechte.
Kemani zelebriert die Großartigkeit der Bundesrepublik ohne auch nur dieses grassierende Unrecht zu erwähnen, das auf der immer extremeren Einengung der Informations-, Meinungs- und Pressefreiheit beruht.
Dr. Navid Kermani redet viel vom Völkerrecht und vermischt es beliebig mit der „regelbasierten Ordnung“, obwohl er offenbar keine Ahnung hat, was der Unterschied ist und warum der Westen diesen Begriff wann einführte und welchen Interessen er dient.
Ihm scheint auch die Unvereinbarkeit nicht aufzufallen, zwischen den durch Konsens etablierten „völkerrechtlichen Normen“ und den „rechtlich unverbindlichen Regeln", die willkürlich vom Westen bestimmt werden. Die „regelbasierte internationale Ordnung“ fußt auf dem Recht der Stärkeren. (Siehe dazu den ausführlichen Artikel "Vom Internationalen Recht zur regelbasierten Ordnung … und zurück")
Das Völkerrecht, das auf dem Prinzip der souveränen Gleichheit aller Nationen beruht steht im Widerspruch zur „regelbasierten Ordnung“ bei der eine „Allianz williger Staaten“ „internationale Regeln ersinnen, ohne den Verdacht zu erwecken, dass es dabei um westliche Dominanz geht“, wie es Volker Perthes, vormals Leiter der regierungsnahen Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) im Klartext formulierte.
Anmerkungen:
René Zittlau hat in seinem sehr lesenswerten Artikel "Das Gelöbnis" zur Rede Kermanis u.a. dessen bewusste Verwässerung politischer Begriffe kritisiert.
https://www.seniora.org/politik-wirtschaft/deutschland/das-geloebnis
Beide Reden im Video hier: https://www.zdf.de/play/magaz ine/phoenix-collection-phoenix-1080805-1610/phoenix-geloebnis-im-gedenken-an-den-deutschen-widerstand-100
Kermanis Rede ist auch als Transkript hier zu lesen: https://www.ksta.de/politik/rede-von-navid-kermani-zum-20-juli-dieser-tag-lehrt-sie-nein-zu-sagen-1335084
Siehe auch:
Bundeswehr-Gelöbnis am 20. Juli 2026 in Berlin im Bendlerblock zum Jahrestag des Hitler-Attentats
Die hochgefährliche Ansprache von Navid Kermani
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=29906
Online-Flyer Nr. 867 vom 09.08.2026














