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Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die NATO
Dieses Friedensspektakel ist in Wirklichkeit ein Kriegsspektakel
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
Die NATO-Hörigkeit der "Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe" hat Tradition. Bereits vor 24 Jahren, am 8. Juni 2002, hat sie ihren "Westfälischen Friedenspreis" an Carla Del Ponte vergeben, Chefanklägerin beim NATO-Tribunal gegen den jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic. Klaus Hartmann, seinerzeit Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes und Vizepräsident des Internationalen Komitees zur Verteidigung von Slobodan Milosevic, führte dazu im Rahmen der Proteste in Münster am Tag der Preisverleihung aus: "Liebe Friedensfreunde, Bürgerinnen und Bürger von Münster! Was erleben wir heute in dieser Stadt? Keine Frage: Ein Riesenspektakel... Unser Anliegen ist...: klarzumachen, dass dieses Friedensspektakel in Wirklichkeit ein Kriegsspektakel ist! ... Dieses sogenannte 'Tribunal' in Den Haag ist die Fortsetzung der Aggression mit den vorgeblichen Mitteln von Justiz zu dem erklärten Zweck des Endsiegs der NATO im Propagandakrieg. Dieses sogenannte 'Tribunal' setzt die Opfer auf die Anklagebank, und die Täter sitzen zu Gericht. In dieser verkehrten Welt ist es völlig klar, dass Del Ponte heute einen 'Friedens'-Preis und nicht den Kriegspreis bekommt, denn wir erleben die Orwell’sche Sprachverwirrung, die Umwertung aller Werte, nach dem die NATO eine Friedensbewegung ist, und Krieg Frieden bedeutet."

Klaus Hartmann beim Protest gegen die Verleihung des "Westfälischen Friedenspreises" (Foto: arbeiterfotografie.com)
Im Jahr 2026 ist es nun die NATO selbst, die den "Westfälischen Friedenspreis" der "Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe" erhalten soll. Die Worte von Klaus Hartmann aus dem Jahr 2002 lassen sich problemlos auf den 1. Oktober 2026, den Tag der beabsichtigten Preisverleihung übertragen. Sie können lauten: "Liebe Friedensfreunde, Bürgerinnen und Bürger von Münster! Was erleben wir heute in dieser Stadt? Keine Frage: Ein Riesenspektakel... Unser Anliegen ist...: klarzumachen, dass dieses Friedensspektakel in Wirklichkeit ein Kriegsspektakel ist! ... Dem aggressivsten Militärbündnis der Welt, der NATO, soll zum Endsieg im Propagandakrieg verholfen werden. Während die Opfer der NATO-Aggressionen auf die Anklagebank gesetzt werden, werden die Täter mit einem Friedenspreis dekoriert. In dieser verkehrten Welt ist es völlig klar, dass wir die Orwell’sche Sprachverwirrung erleben, mit der die Umwertung aller Werte stattfindet und die NATO eine Friedensbewegung ist und Krieg Frieden bedeutet."
Sogar aus kirchlichen Kreisen kommt Kritik. pax christi Diözesanverband Münster schrieb bereits im November 2025 in einem offenen Brief ironisierend: "Wir gratulieren der größten Friedensbewegung der Welt, der NATO, zum Internationalen Preis des Westfälischen Friedens! Endlich ist es soweit. Die größte Friedensbewegung der Welt, die NATO, mit rund 3,5 Millionen wehrbereiten Mitgliedern und einem Etat von 1.500.000.000.000 Dollar, bekommt den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens, der mit 100.000 Euro dotiert ist. Man könnte meinen, in einer weinseligen, abendlichen Runde haben sich friedensbewegte Unternehmer einen Scherz erlaubt." Doch es ist kein Scherz. Am 27. April 2026 wurde mitgeteilt: "Das Datum steht fest: Die diesjährige feierliche Verleihung des Internationalen Preises des Westfälischen Friedens findet am 1. Oktober im Historischen Rathaus zu Münster statt. An jenem Donnerstag wird die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe e.V. (WWL) den Preis des Westfälischen Friedens 2026 an die NATO verleihen. Stellvertretend für das Bündnis nimmt Generalsekretär Mark Rutte die Auszeichnung entgegen. Bestätigt ist inzwischen, dass Bundeskanzler Friedrich Merz die Laudatio auf den Preisträger halten wird."
Dagegen gibt es Protest auch vonseiten der Paderborner Friedens-Initiative: "Liebe Freundinnen und Freunde der Diplomatie, des Friedens und der Menschlichkeit, die 'Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe e.V.' plant, den diesjährigen 'Internationalen Preis des Westfälischen Friedens' an die NATO zu verleihen. Diese Entscheidung wurde von einer hochrangig besetzten Jury getroffen, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Friedrich Merz und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst... Der Westfälische Friede ... markiert den Beginn einer Ordnung, in der Frieden nicht militärisch erzwungen, sondern politisch gestaltet wird. Die NATO hingegen ist ein Militärbündnis, dessen Kern in Abschreckung, Aufrüstung und militärischer Durchsetzungsfähigkeit liegt. Sie ist Teil geopolitischer Konfliktdynamiken und war und ist in bewaffnete Auseinandersetzungen involviert. Eine solche Institution mit einem Friedenspreis auszuzeichnen, verschiebt den Maßstab dessen, was als 'Frieden' gelten soll. Damit droht eine begriffliche und politische Entwertung des Friedensgedankens selbst: Wenn militärische Bündnisse als Träger von 'Frieden' ausgezeichnet werden, wird der Unterschied zwischen ziviler Konfliktlösung und militärischer Machtpolitik verwischt. Gerade in einer Zeit wachsender globaler Spannungen braucht es eine klare Stärkung von Diplomatie, Völkerverständigung und gewaltfreien Lösungsansätzen – nicht deren symbolische Gleichsetzung mit militärischer Logik... Die Paderborner Friedens-Initiative hat die Petition gestartet: 'Kein Friedenspreis an die NATO'"
Im Petitionstext wird ausgeführt: "Die Preisverleihung widerspricht aus unserer Sicht fundamental der historischen Bedeutung und dem normativen Anspruch dieses bedeutenden Preises. Der Westfälische Friede, ein Eckpfeiler der europäischen Geschichte, steht seit jeher für Verständigung, Deeskalation und zivile Konfliktlösung. Die NATO hingegen... ist ein militärisches Bündnis, das untrennbar mit Aufrüstung, Abschreckungslogik und bewaffneten Konflikten verbunden ist und den Grundsätzen des Westfälischen Friedens diametral gegenübersteht. Wir müssen uns daran erinnern, dass der Westfälische Friede nach jahrzehntelangem Blutvergießen in Europa im 17. Jahrhundert den Frieden und den Beginn der internationalen Diplomatie einleitete. Ihm liegt das Streben nach einem Miteinander ohne Waffengewalt zugrunde... Die NATO ist zu einem Sicherheitsrisiko in der westlichen Hemisphäre geworden; sie symbolisiert eine Strategie, die auf militärische Lösungen abzielt, was im direkten Widerspruch zu der Philosophie des Westfälischen Friedens steht... Wir fordern die Verantwortlichen auf, ihre Entscheidung zu überdenken und alternative Kandidaten zu benennen, die dem eigentlichen Gedankengut des Westfälischen Friedens entsprechen." (https://www.change.org/p/kein-friedenspreis-an-die-nato)
Allerdings heißt es in der Petition auch: "Verliehen wurde dieser Preis in der Vergangenheit an Persönlichkeiten und Organisationen, die außergewöhnliche Beiträge zur Förderung des friedlichen und zivilgesellschaftlichen Dialogs geleistet haben." Es ist bedauerlich, dass in einer Petition mit dem Titel "Kein Friedenspreis an die NATO" derartige Trojaner eingebaut sind. Carla Del Ponte beispielsweise war alles andere als eine Friedensstifterin. Sie war eine Marionette der NATO, die jetzt ausgezeichnet werden soll. 2018 ging der Preis an die NATO-Staaten Estland, Lettland und Litauen. Desweiteren sind unter den Preisträgern "Staatenlenker" wie Helmut Kohl (2000), Valéry Giscard d’Estaing (2006), Emmanuel Macron (2024) und auch der Vater des NATO-Doppelbeschlusses Helmut Schmidt (2012).
Online-Flyer Nr. 863 vom 27.05.2026
Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die NATO
Dieses Friedensspektakel ist in Wirklichkeit ein Kriegsspektakel
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
Die NATO-Hörigkeit der "Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe" hat Tradition. Bereits vor 24 Jahren, am 8. Juni 2002, hat sie ihren "Westfälischen Friedenspreis" an Carla Del Ponte vergeben, Chefanklägerin beim NATO-Tribunal gegen den jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic. Klaus Hartmann, seinerzeit Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes und Vizepräsident des Internationalen Komitees zur Verteidigung von Slobodan Milosevic, führte dazu im Rahmen der Proteste in Münster am Tag der Preisverleihung aus: "Liebe Friedensfreunde, Bürgerinnen und Bürger von Münster! Was erleben wir heute in dieser Stadt? Keine Frage: Ein Riesenspektakel... Unser Anliegen ist...: klarzumachen, dass dieses Friedensspektakel in Wirklichkeit ein Kriegsspektakel ist! ... Dieses sogenannte 'Tribunal' in Den Haag ist die Fortsetzung der Aggression mit den vorgeblichen Mitteln von Justiz zu dem erklärten Zweck des Endsiegs der NATO im Propagandakrieg. Dieses sogenannte 'Tribunal' setzt die Opfer auf die Anklagebank, und die Täter sitzen zu Gericht. In dieser verkehrten Welt ist es völlig klar, dass Del Ponte heute einen 'Friedens'-Preis und nicht den Kriegspreis bekommt, denn wir erleben die Orwell’sche Sprachverwirrung, die Umwertung aller Werte, nach dem die NATO eine Friedensbewegung ist, und Krieg Frieden bedeutet."
Klaus Hartmann beim Protest gegen die Verleihung des "Westfälischen Friedenspreises" (Foto: arbeiterfotografie.com)
Im Jahr 2026 ist es nun die NATO selbst, die den "Westfälischen Friedenspreis" der "Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe" erhalten soll. Die Worte von Klaus Hartmann aus dem Jahr 2002 lassen sich problemlos auf den 1. Oktober 2026, den Tag der beabsichtigten Preisverleihung übertragen. Sie können lauten: "Liebe Friedensfreunde, Bürgerinnen und Bürger von Münster! Was erleben wir heute in dieser Stadt? Keine Frage: Ein Riesenspektakel... Unser Anliegen ist...: klarzumachen, dass dieses Friedensspektakel in Wirklichkeit ein Kriegsspektakel ist! ... Dem aggressivsten Militärbündnis der Welt, der NATO, soll zum Endsieg im Propagandakrieg verholfen werden. Während die Opfer der NATO-Aggressionen auf die Anklagebank gesetzt werden, werden die Täter mit einem Friedenspreis dekoriert. In dieser verkehrten Welt ist es völlig klar, dass wir die Orwell’sche Sprachverwirrung erleben, mit der die Umwertung aller Werte stattfindet und die NATO eine Friedensbewegung ist und Krieg Frieden bedeutet."
Sogar aus kirchlichen Kreisen kommt Kritik. pax christi Diözesanverband Münster schrieb bereits im November 2025 in einem offenen Brief ironisierend: "Wir gratulieren der größten Friedensbewegung der Welt, der NATO, zum Internationalen Preis des Westfälischen Friedens! Endlich ist es soweit. Die größte Friedensbewegung der Welt, die NATO, mit rund 3,5 Millionen wehrbereiten Mitgliedern und einem Etat von 1.500.000.000.000 Dollar, bekommt den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens, der mit 100.000 Euro dotiert ist. Man könnte meinen, in einer weinseligen, abendlichen Runde haben sich friedensbewegte Unternehmer einen Scherz erlaubt." Doch es ist kein Scherz. Am 27. April 2026 wurde mitgeteilt: "Das Datum steht fest: Die diesjährige feierliche Verleihung des Internationalen Preises des Westfälischen Friedens findet am 1. Oktober im Historischen Rathaus zu Münster statt. An jenem Donnerstag wird die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe e.V. (WWL) den Preis des Westfälischen Friedens 2026 an die NATO verleihen. Stellvertretend für das Bündnis nimmt Generalsekretär Mark Rutte die Auszeichnung entgegen. Bestätigt ist inzwischen, dass Bundeskanzler Friedrich Merz die Laudatio auf den Preisträger halten wird."
Dagegen gibt es Protest auch vonseiten der Paderborner Friedens-Initiative: "Liebe Freundinnen und Freunde der Diplomatie, des Friedens und der Menschlichkeit, die 'Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe e.V.' plant, den diesjährigen 'Internationalen Preis des Westfälischen Friedens' an die NATO zu verleihen. Diese Entscheidung wurde von einer hochrangig besetzten Jury getroffen, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Friedrich Merz und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst... Der Westfälische Friede ... markiert den Beginn einer Ordnung, in der Frieden nicht militärisch erzwungen, sondern politisch gestaltet wird. Die NATO hingegen ist ein Militärbündnis, dessen Kern in Abschreckung, Aufrüstung und militärischer Durchsetzungsfähigkeit liegt. Sie ist Teil geopolitischer Konfliktdynamiken und war und ist in bewaffnete Auseinandersetzungen involviert. Eine solche Institution mit einem Friedenspreis auszuzeichnen, verschiebt den Maßstab dessen, was als 'Frieden' gelten soll. Damit droht eine begriffliche und politische Entwertung des Friedensgedankens selbst: Wenn militärische Bündnisse als Träger von 'Frieden' ausgezeichnet werden, wird der Unterschied zwischen ziviler Konfliktlösung und militärischer Machtpolitik verwischt. Gerade in einer Zeit wachsender globaler Spannungen braucht es eine klare Stärkung von Diplomatie, Völkerverständigung und gewaltfreien Lösungsansätzen – nicht deren symbolische Gleichsetzung mit militärischer Logik... Die Paderborner Friedens-Initiative hat die Petition gestartet: 'Kein Friedenspreis an die NATO'"
Im Petitionstext wird ausgeführt: "Die Preisverleihung widerspricht aus unserer Sicht fundamental der historischen Bedeutung und dem normativen Anspruch dieses bedeutenden Preises. Der Westfälische Friede, ein Eckpfeiler der europäischen Geschichte, steht seit jeher für Verständigung, Deeskalation und zivile Konfliktlösung. Die NATO hingegen... ist ein militärisches Bündnis, das untrennbar mit Aufrüstung, Abschreckungslogik und bewaffneten Konflikten verbunden ist und den Grundsätzen des Westfälischen Friedens diametral gegenübersteht. Wir müssen uns daran erinnern, dass der Westfälische Friede nach jahrzehntelangem Blutvergießen in Europa im 17. Jahrhundert den Frieden und den Beginn der internationalen Diplomatie einleitete. Ihm liegt das Streben nach einem Miteinander ohne Waffengewalt zugrunde... Die NATO ist zu einem Sicherheitsrisiko in der westlichen Hemisphäre geworden; sie symbolisiert eine Strategie, die auf militärische Lösungen abzielt, was im direkten Widerspruch zu der Philosophie des Westfälischen Friedens steht... Wir fordern die Verantwortlichen auf, ihre Entscheidung zu überdenken und alternative Kandidaten zu benennen, die dem eigentlichen Gedankengut des Westfälischen Friedens entsprechen." (https://www.change.org/p/kein-friedenspreis-an-die-nato)
Allerdings heißt es in der Petition auch: "Verliehen wurde dieser Preis in der Vergangenheit an Persönlichkeiten und Organisationen, die außergewöhnliche Beiträge zur Förderung des friedlichen und zivilgesellschaftlichen Dialogs geleistet haben." Es ist bedauerlich, dass in einer Petition mit dem Titel "Kein Friedenspreis an die NATO" derartige Trojaner eingebaut sind. Carla Del Ponte beispielsweise war alles andere als eine Friedensstifterin. Sie war eine Marionette der NATO, die jetzt ausgezeichnet werden soll. 2018 ging der Preis an die NATO-Staaten Estland, Lettland und Litauen. Desweiteren sind unter den Preisträgern "Staatenlenker" wie Helmut Kohl (2000), Valéry Giscard d’Estaing (2006), Emmanuel Macron (2024) und auch der Vater des NATO-Doppelbeschlusses Helmut Schmidt (2012).
Online-Flyer Nr. 863 vom 27.05.2026














