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Inland
Katholische Kirche an Aufklärung der Missbrauchsfälle nicht interessiert
Peinliche Zensurvorwürfe
Von der Giordano-Bruno-Stiftung und Peter Kleinert
Mit deutlichen Worten hat der Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon, die „mangelnde Aufklärungsbereitschaft der katholischen Bischöfe in Sachen Missbrauch“ kritisiert. Dass der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) seine Zusammenarbeit mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) mit sofortiger Wirkung gekündigt hat, zeige, „dass die Kirche an einer konsequenten Aufdeckung der Missbrauchsfälle nicht interessiert ist“, erklärte Schmidt-Salomon am Stiftungssitz in Oberwesel.

Michael Schmidt-Salomon, Vorstandssprecher
der Giordano-Bruno-Stiftung
Der Stiftungssprecher bezeichnete die Zusatzvereinbarungen, die die Kirche dem KFN im vergangenen Jahr aufzwingen wollte, um die Arbeit des Instituts kontrollieren und die Veröffentlichung der Missbrauchs-Studie notfalls nach eigenem Ermessen zensieren zu können, als „skandalös“: „Es wundert mich nicht, dass sich Professor Christian Pfeiffer, der Direktor des KFN, auf diese Zwangskonditionen nicht eingelassen hat. Kein seriöser Forscher hätte dies getan! Dass die Bischofs-konferenz nun auch noch per Unterlassungserklärung verhindern möchte, dass Pfeiffer in Bezug auf diese Vorgänge von unangemes- senen Zensur- und Kontrollwünschen spricht, setzt dieser Farce die Krone auf. Es ist doch offenkundig, dass die Kirche ein Gutachten nach ihrem Geschmack wollte. Als sich zeigte, dass sich Pfeiffer nicht in diesem Sinne manipulieren ließ, haben die Bischöfe die Notbremse gezogen, was sie in dieser Form natürlich niemals öffentlich zugeben würden.“

Professor Dr. Christian Pfeiffer,
Direktor des KFN
Keine Überraschung sei es gewesen, dass der Widerstand gegen die KFN-Studie sich ursprünglich vor allem in den Bistümern München und Regensburg regte: „Der Münchener Bischof, Kardinal Marx, hat sich zwar als großer Aufklärer in Sachen Missbrauch präsentiert, aber stets höchsten Wert darauf gelegt, selbst darüber bestimmen zu können, welche pikanten Informationen aus seinem Bistum an die Öffentlichkeit dringen und welche nicht. Und von dem prozesswütigen damaligen Regensburger Bischof und heutigen Präfekten der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller, mit dem ich ja selbst schon das Vergnügen einer gerichtlichen Auseinandersetzung hatte, ist hinreichend bekannt, wie ungern er sich von anderen ins Handwerk pfuschen lässt. Es war geradezu undenkbar, dass er einer außenstehenden, unabhängigen Kraft das Recht einräumen würde, Missbrauchsfälle innerhalb kirchlicher Einrichtungen autonom zu untersuchen."
Online-Flyer Nr. 390 vom 23.01.2013
Katholische Kirche an Aufklärung der Missbrauchsfälle nicht interessiert
Peinliche Zensurvorwürfe
Von der Giordano-Bruno-Stiftung und Peter Kleinert
Mit deutlichen Worten hat der Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon, die „mangelnde Aufklärungsbereitschaft der katholischen Bischöfe in Sachen Missbrauch“ kritisiert. Dass der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) seine Zusammenarbeit mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) mit sofortiger Wirkung gekündigt hat, zeige, „dass die Kirche an einer konsequenten Aufdeckung der Missbrauchsfälle nicht interessiert ist“, erklärte Schmidt-Salomon am Stiftungssitz in Oberwesel.

Michael Schmidt-Salomon, Vorstandssprecher
der Giordano-Bruno-Stiftung
Quelle: wikipedia

Professor Dr. Christian Pfeiffer,
Direktor des KFN
Quelle: wikipedia
Zudem dürfe man, so Schmidt-Salomon, in diesem Zusammenhang auch nicht übersehen, "dass die beiden Bistümer München und Regensburg in besonderer Weise mit dem Wirken des heutigen Papstes verbunden sind": "In Regensburg lehrte er jahrelang an der Universität, hier wirkte sein Bruder als Leiter der Regensburger Domspatzen, von hier aus wird die Herausgabe seiner theologischen Schriften betreut. Und in München wirkte Joseph Ratzinger bekanntlich als Bischof. Hätte das KFN in diesen beiden Bistümern Missbrauchsfälle aufgedeckt, die in irgendeiner Weise Benedikt XVI. belasten würden, hätte dies weitreichende Konsequenzen für die Kirchenführung haben können. Kein Wunder, dass man solch peinliche Enthüllungen bereits im Ansatz verhindern wollte.“
Schmidt-Salomon hofft nun, dass Christian Pfeiffer trotz des Endes der Zusammenarbeit mit der Kirche „seine wichtige Forschungsarbeit fortsetzen wird“: „Das KFN hat an alle kirchlichen Missbrauchsopfer appelliert, freiwillig an einer anonymen Fragebogenerhebung des Instituts mitzuwirken. Es wäre gut, wenn sich möglichst viele von ihnen an das KFN wenden würden, damit zumindest die geplante Opferbefragung noch durchgeführt werden kann.“
Aus der ZEIT erfuhr der NRhZ-Redaktion inzwischen, dass die Auseinandersetzungen zwischen der Katholischen Kirche und dem Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) nun auch die Anwälte beider Seiten beschäftigt. Auslöser des juristischen Streits seien die Zensurvorwürfe, die Prof. Christian Pfeiffer gegen die Kirche erhoben hat. Diese solle der Kriminologe nun künftig nicht mehr verbreiten dürfen. Dazu wolle ihn die Kirche per Unterlassungserklärung zwingen. Pfeiffer selbst habe in Hannover mitgeteilt, dass er ein entsprechendes Schreiben erhalten habe. Der Forscher, sehe aber "keinen Anlass", um von seiner Position abzurücken. Allerdings werde er sich noch juristisch beraten lassen. Der Passauer Neuen Presse habe Pfeiffer gesagt: "Die katholische Kirche wollte offenbar ein Gutachten ganz nach ihrem Geschmack." (PK)
Mehr über die Katholische Kirche in diesem Zusammenhang erfahren Sie unter http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=15199 in dem Artikel des Kirchenkritikers Karlheinz Deschner "Sexuelle “Fehltritte“ aller Art sind so alt wie die Kirchengeschichte - Klöster waren oft die reinsten Bordelle", vom 2.6.2010 sowie in einigen TV-Filmen der Serie "Das Wort zum Sonntag", die Sie über das Suchwort Deschner erreichen können.
Online-Flyer Nr. 390 vom 23.01.2013














