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Wo sind die Erfolge von Kölns OB Fritz Schramma?
Ansichten eines Suchenden
Von Franco Clemens
Angeblich wolle der 60jährige auch noch mit Frau und Familie die Frage klären, ob er sich überhaupt für weitere sechs Jahre zur Verfügung stellen soll, war darüber hinaus im Stadtanzeiger zu lesen: "Ich muss es nicht nochmal machen, vom Alter her könnte ich sagen, ich höre auf." Unter dem Titel "CDU braucht Schramma", widmete sich KStA-Kollege Peter Berger in einem besorgten Kommentar dem Thema. Inhaltlich erinnerte er sich zwar an nichts, was Schrammas Amtszeit betrifft. Stattdessen resümierte er, als wäre er der medienpolitische PR-Berater der CDU: „Als gestaltende Kraft wird die größte Fraktion im Stadtrat kaum wahrgenommen. Umso mehr ist sie darauf angewiesen, Schrammas Erfolge auch als die eigenen zu verbuchen. Das schweißt zusammen.“

Oberbürgermeister Fritz Schramma (links) und Josef Esch bei der Grundsteinlegung zu den Messehallen (2004)
Foto: NRhZ-Archiv
Fritz Schrammas Fehltritte?
Kein Wort in diesem Kommentar über Schrammas Skandale, Fehltritte und seine gelegentlich bewiesene Unfähigkeit, die Rolle der Doppelspitze von OB und Chef der Verwaltung zu erfüllen. Schließlich hatten ja die Medien des Verlagshauses M.DuMont Schauberg ihn schon vor seiner Wahl bekannt gemacht und permanent auf jede nur er(be)denkliche Weise positiv über ihn berichtet, nachdem sein Vorgänger, der CDU-Mann Harry Blum, bald nach seiner Wahl gestorben war. Und der wiederum war ja nur deshalb gewählt worden, weil die KÖLNER WOCHE - Neue Rheinische Zeitung – die gedruckte Vorgängerin der www.nrhz.de – dessen SPD-Konkurrenten bei der Kommunalwahl, Oberstadtdirektor Fritz Heugel, 1999 durch Veröffentlichung seiner Insidergeschäfte mit F&G-Aktien an der Börse abgeschossen hatte. Nachdem Harry Blum gestorben war, übernahm Schramma gemeinsam mit Stadtdirektor Bernhard Wimmer (CDU) kommissarisch die Amtsgeschäfte bis zur Neuwahl und konnte sich in der Stichwahl im September 2000 gegen Anke Brunn (SPD) wohl nur deshalb durchsetzen, weil diese in den Kölner Medien völlig unterrepräsentiert war - was wohl als Teil der damaligen PR-Strategie des Verlages von Alfred Neven DuMont gewertet werden darf.
Zurück zu Schrammas vom Kollegen Berger behaupteten aber nicht belegten Erfolgen als OB, die ihm nun wohl mehr als nur „50 oder 60 Prozent Zustimmung“ und dann womöglich sogardie Wiederwahl sichern könnte. Als parteiloser Bürger irritiert über diese Aussage bin ich verzweifelt auf die Suche nach ihnen gegangen. Hier mein Ergebnis, für das ich allen Zuträgern aus dem politischen Raum, engagierten Bürgern, Autoren, Künstlern und Medienmenschen, danke, die mir diese Glosse ermöglicht haben.

Filz gibt es in allen politischen Farben...
Foto: Claudia Hautumm | Quelle: pixelio.de
Der OB als Filzbremse?
In Süddeutschland gibt es schon lange - woran wir an Rhein und Ruhr uns erst gewöhnen müssen - einen hauptamtlichen Oberbürgermeister, der direkt vom Volk gewählt wird. In NRW nämlich wurde die Gemeindeordnung erst Ende der 1990er Jahre entsprechend geändert. In Süddeutschland vertreten Experten zwar die Ansicht, solche OB`s könnten "Filzbremsen" sein, weil sie dadurch besonders unabhängig wären, doch das darf man im Hinblick auf Köln erstmal anzweifeln. In Süddeutschland kommen ja die Bürgermeister
meist nicht aus den örtlichen Parteien und haben zudem im Vorfeld fundierte Erfahrungen in der Verwaltung gesammelt. Der ehemalige Studiendirektor Fritz Schramma hat weder die nötigen Erfahrungen, ist auch nicht unabhängig und ohne Parteibuch.
Es scheint somit offensichtlich, dass den "Experten" eine exemplarische Feldstudie zum Beispiel über die Kölner Machtverhältnisse fehlt, was – wie die Praxis zeigt – nicht eben für die neue Gemeindeordnung spricht, wobei aber weniger die neue Ordnung, sondern eher das wirtschaftliche und mediale Umfeld, sowie der Mensch als schwaches Wesen das Problem zu sein scheint. Vor allem die Universitäten wären gefordert, sich mit dem Thema des politischen Filzes mal intensiver zu beschäftigen. Es ist ja auch wirklich kein rein kölsches Problem, wie NRhZ-Berichte z.B. aus Mülheim an der Ruhr zeigen. Der Kampf gegen den Filz bedarf auch über Köln hinaus und schon lange neuer, verbesserter politischer Strukturen, die ihn eindämmen könnten. Stichwort Parteienfinanzierungsgesetz!
Fritz Schramma der mächtigste Faktor?
"Die neue Gemeindeordnung ist in den Rathäusern von NRW noch nicht angekommen", sagte kürzlich der Tübinger Politikwissenschaftler Professor Hans-Georg Wehling bei der Vorstellung des Buches "Der Klüngel in der politischen Kultur Kölns" (siehe die Rezension in NRhZ 127). Sein Autor, der Kölner Politologe Frank Überall, beschäftigt sich darin wissenschaftlich unter anderem gerade mit der Rolle des Kölner Oberbürgermeisters. In einer repräsentativen Umfrage unter den Mitgliedern des Kölner Stadtrates fand er z.B. heraus, dass Schramma bei weitem nicht als mächtigster Faktor der Kommunalpolitik gesehen wird. Die Fraktionsvorsitzenden und die Medien haben mehr Macht als der OB - im Gegensatz zum Wortlaut der Gemeindeordnung, nach der der direkt gewählte Stadtchef hier auch der wichtigste Mann sein müsste.
Fritz Schramma und der Messedeal?
Wie immer man zur Politik von Fritz Schramma stehen mag oder wie man diese neue Gemeindeordnung findet: Dieser OB hatte im Laufe der vergangenen gut sieben Jahre nur das Durchsetzungsvermögen eines "Lady-Krachers", dessen Zündschnur im morastigen Sumpf des Kölner Klüngels feucht geworden ist, der wiederum im Fall des Köln-Messe-Skandals sogar Gerichte und EU beschäftigt. Sprich: vor lauter Befindlichkeiten und medialen Bringschulden hatte der OB schlichtweg Ladehemmungen. Und wenn es mal krachte, dann ging der befreiende Schuss leider meist in die falsche Richtung und zu Lasten unseres Haushalts los. Illustriert wird das besonders schön im "Klüngel-Buch" von Frank Überall in einer Fall-Diskussion, in der die weitgehend passive Rolle Schramms beim umstrittenen Deal um den Bau der neuen Messehallen aufgezeigt wurde. Sie fand ihren Höhepunkt bisher - aus meiner Sicht - in der "aktiven" Verweigerung, für entsprechende Transparenz zu sorgen.

Nicht alle Bürger wollen Schramma wieder wählen
Foto: IBV
Unabhängig von allen Klüngelvorwürfen rund um den Messedeal, die am Ende in einer erfolglosen Anzeige gegen ihn wegen Untreue versandeten, bleibt festzuhalten, dass Schramma als oberster Bürger politisch mit der Auftragsvergabe des Messebaus gegen die Interessen der Bürger entschieden hat. Das kann uns kommunale Steuerzahler am Ende hunderte Millionen Euro kosten, wenn der Europäische Gerichtshof demnächst entsprechend über den Vergabeskandal entscheidet. Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang natürlich auch der unwürdige Rausschmiss des früheren Duzfreundes Schrammas, Messechef Jochen Witt, der es gewagt hatte, öffentlich die überhöhten Kosten zu kritisieren, die mit den Mieten für die Messehallen an den Oppenheim-Esch-Fonds verbunden sind, und diesen Deal zugunsten des Fonds überhaupt in Frage zu stellen.
Fritz Schramma und die Personalpolitik?
OB Schramma ist in diesem Sinne also keine "Filzbremse", denn Macht, die man nicht hat, kann man auch nicht zum Zerreißen negativer Klüngel-Netze einsetzen. Stattdessen fühlt er sich anscheinend zuweilen sogar gezwungen, sich den Machtverhältnissen des negativen oder grenzwertigen Kölner Klüngels anzupassen, um das eigene politische Überleben zu sichern und dafür sogar kluge Köpfe rollen zu lassen. Immerhin sind ja auch Mitglieder der Familie Neven DuMont Kommanditisten des Oppenheim-Esch-Fonds geworden und verdienen gut an den Mieten für KölnArena und Neues Rathaus, wie Werner Rügemer in seinem Buch COLONIA CORRUPTA beschreibt.
Das Problem besteht allerdings weniger darin, dass Unternehmer der Politik Vorschläge machen, sondern wie die Politik diese prüft und dann damit umgeht. Denn: Politiker sind von den Bürgern gewählt und sollen deshalb das Beste für die Stadt tun. Dass ein Unternehmer oder eine private Bank im Kapitalismus immer um ihre Vorteile bemüht sind, liegt in der Natur der Sache, wie immer man persönlich zum Wirtschaftssystem, zur Oppenheim Bank oder zum DuMont Verlag stehen mag.

Kölnmesse-Deal demnächst Thema beim Europäischen Gerichtshof
Foto: EU
Dabei hatte der junge Schramma so gut angefangen: Er fungierte als Sprecher des innerparteilichen "Forum 90" der Kölner CDU, das sich für mehr Transparenz in der Kommunalpolitik einsetzte. Den Altvorderen warf dieses Forum damals vor, dass es zu wenig innerparteiliche Demokratie gebe und eine Kontrolle kaum möglich sei. Im Hinblick auf seine heutige Personalpolitik als Chef der Verwaltung ist unterdessen sehr pikant, dass in Frank Überalls Buch erstmals ein Personalpapier dokumentiert wird, in dem CDU und SPD 2005 zur Gründung der „Großen Koalition“ im Rathaus Personal-Posten bei der Stadtverwaltung unter sich aufteilten. Das Papier wurde auch von Schramma unterstützt. Kritiker meinen, er habe damit als oberster Verwaltungsbeamter den Zugang für parteilose Bewerber zu städtischen Stellen rechtswidrig beschnitten.
Fritz Schramma der Frauenfreund?
Aus dem politischen Umfeld des Kölner Rates werden überparteilich von einigen Frauen die Umgangsformen des OB beklagt, wobei er ganz besonders Schwierigkeiten mit intellektuellen, kritischen und urbanen Frauen zu haben scheint und wohl eher ein recht provinzielles Frauenbild pflegt. Dadurch hat er sich ausgerechnet bei den Frauen den "good will" vermasselt, deren Rat ihm eigentlich hätte teuer sein sollen. Andererseits kann man ihm nicht absprechen, dass er sich im Rahmen seiner "Weltanschauung" bemüht hätte – so bei seinem Einsatz für das Bündnis "Gemeinsam gegen Männergewalt an Frauen", in dem er sich im Rahmen der Ausstellung "Das Fräulein und der Stöckelschuh" in einer von unten nach oben fotografierten Herrschaftspose mit Kochlöffel in der Hand vor den beiden Phallussymbolen des Kölner Doms gegen Gewalt gegen Frauen engagierte. Aber Gewalt an Frauen hat, wie wir Männer (ich auch) erst schmerzhaft lernen mussten, bekanntlich viele subtile Ebenen, und auf manchen muss ein Fritz Schramma anscheinend noch schwer an sich arbeiten, um diese Kritik selbstbewusster Frauen aus dem politischen Raum abzustellen, die ihn im direkten Umgang als sehr aggressiv empfinden. Seine Kritikerinnen halten ihn da allerdings für beratungsresistent und nicht lernfähig.
Fritz Schramma und die Kultur!
Sein Umgang mit den Leistungsträgern unserer vielschichtigen Kulturlandschaft scheint in erster Linie von notorischer Abwesenheit geprägt, abgesehen von wenigen öffentlichen Pflichtveranstaltungen, wo allerdings die Kameras der Presse eher das Objekt der Begierde zu sein scheinen als die bildende Kunst selbst. Kaum einmal ist Schramma laut Aussagen von
Kulturschaffenden in einer Theateraufführung oder gar in der Freien Szene gesichtet worden, die er im Vorfeld seiner Wahl in einer denkwürdigen Wahlkampfveranstaltung im Bürgerzentrum Stollwerk noch heftig hofierte. Umso häufiger war er all die Jahre auf FC-Veranstaltungen und an allerlei Kölschständen rund ums seichte Brauchtum zu finden. Und wenn Fritz Schramma zwischen der Einweihung des Hiroschima-Nagasaki-Gedenkparks und der Eröffnung eines alteingesessenen Biergartens gleich um die Ecke zu entscheiden hatte, repräsentierte er die Stadt doch lieber an der Bierbude.

Und dann die Hände zum Himmel –
kommt lasst uns fröhlich sein
Foto: NRhZ-Archiv
Auch das Kulturamt würde er am liebsten aus der Kölner Innenstadt ins Rechtsrheinische verlegen - und da auch noch ausgerechnet ins Technische Rathaus, was ihn angesichts dessen abscheulichen Ambientes als echten Kulturbanausen erscheinen lässt. So war denn auch die Bewerbung Kölns zur Kulturhauptstadt ausgerichtet und an provinzieller Peinlichkeit kaum zu überbieten. Sie wurde denn auch weit über die Provinzgrenzen hinweg zum Gegenstand zahlloser Glossen und satirischer Beiträge, die den Kern der Kritik aus der Sicht von wahrlich Kultur-Schaffenden treffend wiedergaben. Auch hier wurden die kosmopolitisch gut aufgestellte, und international erfahrene freie Kölner Szene mit ihren weltoffenen Vorschlägen und sogar ausgearbeitete Konzepte aus der gebildeten Bürgerschaft von ihm völlig ignoriert. Stattdessen wurde die komplette Szene unter Führung von Xaver Ohnesorg zu einem billigem Handlangertum für geistlose Kölschseligkeit degradiert, der man sich aus Liebe und Loyalität zur Stadt entziehen konnte - abgesehen von ein paar mutigen Selbstdarstellern, die - öffentlich klein gehalten - diese Steilvorlage als unterhaltsame Gegenveranstaltung für sich zu nutzen wussten.
Fritz Schramma der Mensch
Eines kann man Schramma nicht vorwerfen, und das soll an dieser Stelle auch mal klar gesagt werden: sein "Hätz für Pänz" und sein denkwürdiger Einsatz gegen Jugendgewalt ist aufrichtig. Auch den Obdachlosen hat er mit in seinem alljährlichen Engagement zur Weihnachtszeit mit Nachhaltigkeit seine persönliche Aufmerksamkeit geschenkt. Das zeigt mir, dass er jedenfalls nicht der Unmensch ist, den seine schärfsten Kritiker gerne in ihm sähen. Auch vom Verdacht der Untreue oder gar der persönlichen Vorteilsnahme würde ich ihn so lange freisprechen, bis nicht beweiskräftig das Gegenteil bewiesen wird. Hier und da wäre in diesem Zusammenhang eher sogar mal eine Entschuldigung überfällig.
Auch ein Schramma hat ein Ende.
Am Ende seiner langen Ära, die hoffentlich die letzte bleibt, ist er aus meiner Sicht ein völlig überfordertes Opfer seiner begrenzten Möglichkeiten und der realen Machtverhältnisse, auch wenn er hier und da dazu gelernt hat. Er war und ist aber weder dem strategischen Niveau und Know How der lokalen Wirtschaftskapitäne und Banken gewachsen, noch hat er sich alternativ dazu mit entsprechend selbstbewussten kompetenten Beratern umgeben. Von vielen Insidern wird er indes als beratungsresistent beschrieben, zumindest dauert es anscheinend oft etwas länger bis der Groschen bei ihm fällt.
Von dem gewünschten klaren Votum für ihn als erneuten OB Kandidaten kann man der CDU deshalb nur dringend abraten. Es gibt zudem weit mehr als nur ein Medium in der Stadt - um auch gleich mal mit dem Mythos vom omnipotenten Medienmonopol aufzuräumen -, das „hinter vorgehaltener Hand" insbesondere bei „öffentlich politisch Bedürftigen" für jede erdenkliche negative Projektion herhalten muss, was selbst einem Alfred Neven DuMont nicht gerecht wird. Auch in dessen Medien sitzen ja einige wache Redakteure, die meiner Aufarbeitung von Schrammas Amtszeit sicher noch "jede Menge" hinzuzufügen hätten und nun hoffentlich mit einem Lächeln unter Zugzwang stehen, statt in vorauseilendem Gehorsam zu brillieren. Die CDU wäre jedenfalls "gut beraten", zum gegebenen Zeitpunkt allen Medien mal ein ganz neues Gesicht zu präsentieren, denn das ALTE ist schlichtweg VERBRANNT. (PK)
In diesem Sinne nur ein undressierbarer freier Bürger,
Franco Clemens
Online-Flyer Nr. 128 vom 09.01.2008
Wo sind die Erfolge von Kölns OB Fritz Schramma?
Ansichten eines Suchenden
Von Franco Clemens
Angeblich wolle der 60jährige auch noch mit Frau und Familie die Frage klären, ob er sich überhaupt für weitere sechs Jahre zur Verfügung stellen soll, war darüber hinaus im Stadtanzeiger zu lesen: "Ich muss es nicht nochmal machen, vom Alter her könnte ich sagen, ich höre auf." Unter dem Titel "CDU braucht Schramma", widmete sich KStA-Kollege Peter Berger in einem besorgten Kommentar dem Thema. Inhaltlich erinnerte er sich zwar an nichts, was Schrammas Amtszeit betrifft. Stattdessen resümierte er, als wäre er der medienpolitische PR-Berater der CDU: „Als gestaltende Kraft wird die größte Fraktion im Stadtrat kaum wahrgenommen. Umso mehr ist sie darauf angewiesen, Schrammas Erfolge auch als die eigenen zu verbuchen. Das schweißt zusammen.“

Oberbürgermeister Fritz Schramma (links) und Josef Esch bei der Grundsteinlegung zu den Messehallen (2004)
Foto: NRhZ-Archiv
Fritz Schrammas Fehltritte?
Kein Wort in diesem Kommentar über Schrammas Skandale, Fehltritte und seine gelegentlich bewiesene Unfähigkeit, die Rolle der Doppelspitze von OB und Chef der Verwaltung zu erfüllen. Schließlich hatten ja die Medien des Verlagshauses M.DuMont Schauberg ihn schon vor seiner Wahl bekannt gemacht und permanent auf jede nur er(be)denkliche Weise positiv über ihn berichtet, nachdem sein Vorgänger, der CDU-Mann Harry Blum, bald nach seiner Wahl gestorben war. Und der wiederum war ja nur deshalb gewählt worden, weil die KÖLNER WOCHE - Neue Rheinische Zeitung – die gedruckte Vorgängerin der www.nrhz.de – dessen SPD-Konkurrenten bei der Kommunalwahl, Oberstadtdirektor Fritz Heugel, 1999 durch Veröffentlichung seiner Insidergeschäfte mit F&G-Aktien an der Börse abgeschossen hatte. Nachdem Harry Blum gestorben war, übernahm Schramma gemeinsam mit Stadtdirektor Bernhard Wimmer (CDU) kommissarisch die Amtsgeschäfte bis zur Neuwahl und konnte sich in der Stichwahl im September 2000 gegen Anke Brunn (SPD) wohl nur deshalb durchsetzen, weil diese in den Kölner Medien völlig unterrepräsentiert war - was wohl als Teil der damaligen PR-Strategie des Verlages von Alfred Neven DuMont gewertet werden darf.
Zurück zu Schrammas vom Kollegen Berger behaupteten aber nicht belegten Erfolgen als OB, die ihm nun wohl mehr als nur „50 oder 60 Prozent Zustimmung“ und dann womöglich sogardie Wiederwahl sichern könnte. Als parteiloser Bürger irritiert über diese Aussage bin ich verzweifelt auf die Suche nach ihnen gegangen. Hier mein Ergebnis, für das ich allen Zuträgern aus dem politischen Raum, engagierten Bürgern, Autoren, Künstlern und Medienmenschen, danke, die mir diese Glosse ermöglicht haben.

Filz gibt es in allen politischen Farben...
Foto: Claudia Hautumm | Quelle: pixelio.de
Der OB als Filzbremse?
In Süddeutschland gibt es schon lange - woran wir an Rhein und Ruhr uns erst gewöhnen müssen - einen hauptamtlichen Oberbürgermeister, der direkt vom Volk gewählt wird. In NRW nämlich wurde die Gemeindeordnung erst Ende der 1990er Jahre entsprechend geändert. In Süddeutschland vertreten Experten zwar die Ansicht, solche OB`s könnten "Filzbremsen" sein, weil sie dadurch besonders unabhängig wären, doch das darf man im Hinblick auf Köln erstmal anzweifeln. In Süddeutschland kommen ja die Bürgermeister
meist nicht aus den örtlichen Parteien und haben zudem im Vorfeld fundierte Erfahrungen in der Verwaltung gesammelt. Der ehemalige Studiendirektor Fritz Schramma hat weder die nötigen Erfahrungen, ist auch nicht unabhängig und ohne Parteibuch.
Es scheint somit offensichtlich, dass den "Experten" eine exemplarische Feldstudie zum Beispiel über die Kölner Machtverhältnisse fehlt, was – wie die Praxis zeigt – nicht eben für die neue Gemeindeordnung spricht, wobei aber weniger die neue Ordnung, sondern eher das wirtschaftliche und mediale Umfeld, sowie der Mensch als schwaches Wesen das Problem zu sein scheint. Vor allem die Universitäten wären gefordert, sich mit dem Thema des politischen Filzes mal intensiver zu beschäftigen. Es ist ja auch wirklich kein rein kölsches Problem, wie NRhZ-Berichte z.B. aus Mülheim an der Ruhr zeigen. Der Kampf gegen den Filz bedarf auch über Köln hinaus und schon lange neuer, verbesserter politischer Strukturen, die ihn eindämmen könnten. Stichwort Parteienfinanzierungsgesetz!
Fritz Schramma der mächtigste Faktor?
"Die neue Gemeindeordnung ist in den Rathäusern von NRW noch nicht angekommen", sagte kürzlich der Tübinger Politikwissenschaftler Professor Hans-Georg Wehling bei der Vorstellung des Buches "Der Klüngel in der politischen Kultur Kölns" (siehe die Rezension in NRhZ 127). Sein Autor, der Kölner Politologe Frank Überall, beschäftigt sich darin wissenschaftlich unter anderem gerade mit der Rolle des Kölner Oberbürgermeisters. In einer repräsentativen Umfrage unter den Mitgliedern des Kölner Stadtrates fand er z.B. heraus, dass Schramma bei weitem nicht als mächtigster Faktor der Kommunalpolitik gesehen wird. Die Fraktionsvorsitzenden und die Medien haben mehr Macht als der OB - im Gegensatz zum Wortlaut der Gemeindeordnung, nach der der direkt gewählte Stadtchef hier auch der wichtigste Mann sein müsste.
Fritz Schramma und der Messedeal?
Wie immer man zur Politik von Fritz Schramma stehen mag oder wie man diese neue Gemeindeordnung findet: Dieser OB hatte im Laufe der vergangenen gut sieben Jahre nur das Durchsetzungsvermögen eines "Lady-Krachers", dessen Zündschnur im morastigen Sumpf des Kölner Klüngels feucht geworden ist, der wiederum im Fall des Köln-Messe-Skandals sogar Gerichte und EU beschäftigt. Sprich: vor lauter Befindlichkeiten und medialen Bringschulden hatte der OB schlichtweg Ladehemmungen. Und wenn es mal krachte, dann ging der befreiende Schuss leider meist in die falsche Richtung und zu Lasten unseres Haushalts los. Illustriert wird das besonders schön im "Klüngel-Buch" von Frank Überall in einer Fall-Diskussion, in der die weitgehend passive Rolle Schramms beim umstrittenen Deal um den Bau der neuen Messehallen aufgezeigt wurde. Sie fand ihren Höhepunkt bisher - aus meiner Sicht - in der "aktiven" Verweigerung, für entsprechende Transparenz zu sorgen.

Nicht alle Bürger wollen Schramma wieder wählen
Foto: IBV
Unabhängig von allen Klüngelvorwürfen rund um den Messedeal, die am Ende in einer erfolglosen Anzeige gegen ihn wegen Untreue versandeten, bleibt festzuhalten, dass Schramma als oberster Bürger politisch mit der Auftragsvergabe des Messebaus gegen die Interessen der Bürger entschieden hat. Das kann uns kommunale Steuerzahler am Ende hunderte Millionen Euro kosten, wenn der Europäische Gerichtshof demnächst entsprechend über den Vergabeskandal entscheidet. Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang natürlich auch der unwürdige Rausschmiss des früheren Duzfreundes Schrammas, Messechef Jochen Witt, der es gewagt hatte, öffentlich die überhöhten Kosten zu kritisieren, die mit den Mieten für die Messehallen an den Oppenheim-Esch-Fonds verbunden sind, und diesen Deal zugunsten des Fonds überhaupt in Frage zu stellen.
Fritz Schramma und die Personalpolitik?
OB Schramma ist in diesem Sinne also keine "Filzbremse", denn Macht, die man nicht hat, kann man auch nicht zum Zerreißen negativer Klüngel-Netze einsetzen. Stattdessen fühlt er sich anscheinend zuweilen sogar gezwungen, sich den Machtverhältnissen des negativen oder grenzwertigen Kölner Klüngels anzupassen, um das eigene politische Überleben zu sichern und dafür sogar kluge Köpfe rollen zu lassen. Immerhin sind ja auch Mitglieder der Familie Neven DuMont Kommanditisten des Oppenheim-Esch-Fonds geworden und verdienen gut an den Mieten für KölnArena und Neues Rathaus, wie Werner Rügemer in seinem Buch COLONIA CORRUPTA beschreibt.
Das Problem besteht allerdings weniger darin, dass Unternehmer der Politik Vorschläge machen, sondern wie die Politik diese prüft und dann damit umgeht. Denn: Politiker sind von den Bürgern gewählt und sollen deshalb das Beste für die Stadt tun. Dass ein Unternehmer oder eine private Bank im Kapitalismus immer um ihre Vorteile bemüht sind, liegt in der Natur der Sache, wie immer man persönlich zum Wirtschaftssystem, zur Oppenheim Bank oder zum DuMont Verlag stehen mag.

Kölnmesse-Deal demnächst Thema beim Europäischen Gerichtshof
Foto: EU
Dabei hatte der junge Schramma so gut angefangen: Er fungierte als Sprecher des innerparteilichen "Forum 90" der Kölner CDU, das sich für mehr Transparenz in der Kommunalpolitik einsetzte. Den Altvorderen warf dieses Forum damals vor, dass es zu wenig innerparteiliche Demokratie gebe und eine Kontrolle kaum möglich sei. Im Hinblick auf seine heutige Personalpolitik als Chef der Verwaltung ist unterdessen sehr pikant, dass in Frank Überalls Buch erstmals ein Personalpapier dokumentiert wird, in dem CDU und SPD 2005 zur Gründung der „Großen Koalition“ im Rathaus Personal-Posten bei der Stadtverwaltung unter sich aufteilten. Das Papier wurde auch von Schramma unterstützt. Kritiker meinen, er habe damit als oberster Verwaltungsbeamter den Zugang für parteilose Bewerber zu städtischen Stellen rechtswidrig beschnitten.
Fritz Schramma der Frauenfreund?
Aus dem politischen Umfeld des Kölner Rates werden überparteilich von einigen Frauen die Umgangsformen des OB beklagt, wobei er ganz besonders Schwierigkeiten mit intellektuellen, kritischen und urbanen Frauen zu haben scheint und wohl eher ein recht provinzielles Frauenbild pflegt. Dadurch hat er sich ausgerechnet bei den Frauen den "good will" vermasselt, deren Rat ihm eigentlich hätte teuer sein sollen. Andererseits kann man ihm nicht absprechen, dass er sich im Rahmen seiner "Weltanschauung" bemüht hätte – so bei seinem Einsatz für das Bündnis "Gemeinsam gegen Männergewalt an Frauen", in dem er sich im Rahmen der Ausstellung "Das Fräulein und der Stöckelschuh" in einer von unten nach oben fotografierten Herrschaftspose mit Kochlöffel in der Hand vor den beiden Phallussymbolen des Kölner Doms gegen Gewalt gegen Frauen engagierte. Aber Gewalt an Frauen hat, wie wir Männer (ich auch) erst schmerzhaft lernen mussten, bekanntlich viele subtile Ebenen, und auf manchen muss ein Fritz Schramma anscheinend noch schwer an sich arbeiten, um diese Kritik selbstbewusster Frauen aus dem politischen Raum abzustellen, die ihn im direkten Umgang als sehr aggressiv empfinden. Seine Kritikerinnen halten ihn da allerdings für beratungsresistent und nicht lernfähig.
Fritz Schramma und die Kultur!
Sein Umgang mit den Leistungsträgern unserer vielschichtigen Kulturlandschaft scheint in erster Linie von notorischer Abwesenheit geprägt, abgesehen von wenigen öffentlichen Pflichtveranstaltungen, wo allerdings die Kameras der Presse eher das Objekt der Begierde zu sein scheinen als die bildende Kunst selbst. Kaum einmal ist Schramma laut Aussagen von
Kulturschaffenden in einer Theateraufführung oder gar in der Freien Szene gesichtet worden, die er im Vorfeld seiner Wahl in einer denkwürdigen Wahlkampfveranstaltung im Bürgerzentrum Stollwerk noch heftig hofierte. Umso häufiger war er all die Jahre auf FC-Veranstaltungen und an allerlei Kölschständen rund ums seichte Brauchtum zu finden. Und wenn Fritz Schramma zwischen der Einweihung des Hiroschima-Nagasaki-Gedenkparks und der Eröffnung eines alteingesessenen Biergartens gleich um die Ecke zu entscheiden hatte, repräsentierte er die Stadt doch lieber an der Bierbude.

Und dann die Hände zum Himmel –
kommt lasst uns fröhlich sein
Foto: NRhZ-Archiv
Auch das Kulturamt würde er am liebsten aus der Kölner Innenstadt ins Rechtsrheinische verlegen - und da auch noch ausgerechnet ins Technische Rathaus, was ihn angesichts dessen abscheulichen Ambientes als echten Kulturbanausen erscheinen lässt. So war denn auch die Bewerbung Kölns zur Kulturhauptstadt ausgerichtet und an provinzieller Peinlichkeit kaum zu überbieten. Sie wurde denn auch weit über die Provinzgrenzen hinweg zum Gegenstand zahlloser Glossen und satirischer Beiträge, die den Kern der Kritik aus der Sicht von wahrlich Kultur-Schaffenden treffend wiedergaben. Auch hier wurden die kosmopolitisch gut aufgestellte, und international erfahrene freie Kölner Szene mit ihren weltoffenen Vorschlägen und sogar ausgearbeitete Konzepte aus der gebildeten Bürgerschaft von ihm völlig ignoriert. Stattdessen wurde die komplette Szene unter Führung von Xaver Ohnesorg zu einem billigem Handlangertum für geistlose Kölschseligkeit degradiert, der man sich aus Liebe und Loyalität zur Stadt entziehen konnte - abgesehen von ein paar mutigen Selbstdarstellern, die - öffentlich klein gehalten - diese Steilvorlage als unterhaltsame Gegenveranstaltung für sich zu nutzen wussten.
Fritz Schramma der Mensch
Eines kann man Schramma nicht vorwerfen, und das soll an dieser Stelle auch mal klar gesagt werden: sein "Hätz für Pänz" und sein denkwürdiger Einsatz gegen Jugendgewalt ist aufrichtig. Auch den Obdachlosen hat er mit in seinem alljährlichen Engagement zur Weihnachtszeit mit Nachhaltigkeit seine persönliche Aufmerksamkeit geschenkt. Das zeigt mir, dass er jedenfalls nicht der Unmensch ist, den seine schärfsten Kritiker gerne in ihm sähen. Auch vom Verdacht der Untreue oder gar der persönlichen Vorteilsnahme würde ich ihn so lange freisprechen, bis nicht beweiskräftig das Gegenteil bewiesen wird. Hier und da wäre in diesem Zusammenhang eher sogar mal eine Entschuldigung überfällig.
Auch ein Schramma hat ein Ende.
Am Ende seiner langen Ära, die hoffentlich die letzte bleibt, ist er aus meiner Sicht ein völlig überfordertes Opfer seiner begrenzten Möglichkeiten und der realen Machtverhältnisse, auch wenn er hier und da dazu gelernt hat. Er war und ist aber weder dem strategischen Niveau und Know How der lokalen Wirtschaftskapitäne und Banken gewachsen, noch hat er sich alternativ dazu mit entsprechend selbstbewussten kompetenten Beratern umgeben. Von vielen Insidern wird er indes als beratungsresistent beschrieben, zumindest dauert es anscheinend oft etwas länger bis der Groschen bei ihm fällt.
Von dem gewünschten klaren Votum für ihn als erneuten OB Kandidaten kann man der CDU deshalb nur dringend abraten. Es gibt zudem weit mehr als nur ein Medium in der Stadt - um auch gleich mal mit dem Mythos vom omnipotenten Medienmonopol aufzuräumen -, das „hinter vorgehaltener Hand" insbesondere bei „öffentlich politisch Bedürftigen" für jede erdenkliche negative Projektion herhalten muss, was selbst einem Alfred Neven DuMont nicht gerecht wird. Auch in dessen Medien sitzen ja einige wache Redakteure, die meiner Aufarbeitung von Schrammas Amtszeit sicher noch "jede Menge" hinzuzufügen hätten und nun hoffentlich mit einem Lächeln unter Zugzwang stehen, statt in vorauseilendem Gehorsam zu brillieren. Die CDU wäre jedenfalls "gut beraten", zum gegebenen Zeitpunkt allen Medien mal ein ganz neues Gesicht zu präsentieren, denn das ALTE ist schlichtweg VERBRANNT. (PK)
In diesem Sinne nur ein undressierbarer freier Bürger,
Franco Clemens
Online-Flyer Nr. 128 vom 09.01.2008
















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