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Aktueller Online-Flyer vom 21. April 2021  

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Literatur
"Menschen mit Mut", ein Buch mit 92 Gesprächen
Geburtshelfer für Mutmacherbuch gesucht
Von Andrea Drescher

Bald erblickt das erste "Baby" des jungen Verlages "ars vobiscum" das Licht der Welt. Noch werden ein paar Hebammen benötigt. Was im September 2020 mit einer Rede von mir beim "Fest für die Freiheit" in Linz begann, führt knapp neun Monate danach im Mai 2021 zu dem in Kürze erscheinenden Buch "Menschen mit Mut". "Menschen mit Mut" ist ein Mutmacherbuch. Die gesammelten Geschichten fordern dazu auf, das zu tun, woran man glaubt. Sie sollen dem Leser und der Leserin dabei helfen, dem Druck standzuhalten, auch wenn man sich in einer Minderheit wähnt. Es gibt viel mehr mutige Menschen als man denkt, man muss sie nur finden. Im Buch findet man viele. Anneliese Fikentscher von der NRhZ ist dabei. Einige Interviews sind hier in der NRhZ auch schon erschienen. Einige. Im Buch findet man ingesamt 92 mutige Menschen.

Aber von Anfang an. In mir kochte es im Herbst 2020. Immer wieder bekam ich zu hören, dass „man diese Zeit nicht mit Faschismus oder gar der Nazi-Zeit vergleichen dürfe!“. Haben denn die Menschen nichts begriffen? Warum denkt denn fast niemand in Strukturen, Methoden und Mustern. Natürlich kann man die Fakten von damals und heute nicht direkt vergleichen. Aber Diffamierung, Ausgrenzung, Einschränkung des wirtschaftlichen Handelns war genau das, was Juden 1933 erfuhren – genauso wie die Menschen heute, die dem gängigen Narrativ nicht folgen. Warum denkt jeder an Auschwitz und die industrielle Vernichtung – und übersieht Dachau? Warum redet jeder von „wehret den Anfängen“ – und ignoriert sie. All das musste ich verbalisieren und tat das beim Fest für die Freiheit am 18.9.2020 in Linz.

Das Ganze wurde aufgezeichnet, landete erst auf Youtube [https://youtu.be/_uVZvOa_PLA], dann auf Facebook und fiel dem gemeinsamen Facebook-Freund Thomas Stimmel vom Presseportal „Frische Sicht“ unters Auge. Er fand wohl ganz spannend, was ich da so von mir gab, schickte mir erst eine Freundschafts- und dann eine Interview-Anfrage. Ersteres war kein Thema, beim Interview war ich echt überrascht. Normalerweise bin ich ja diejenige, die Fragen stellt. Aber warum nicht?!

Am 21.9.2020 kam es dann zu einem Vorgespräch. Kurz danach fand schon das Interview [https://www.youtube.com/watch?v=ytn4m3QrzeQ] statt, das für mich in ausgesprochen angenehmer Atmosphäre verlief. Der Schwarze und ich mit meinen jüdischen Wurzeln amüsierten uns irgendwie gemeinsam darüber, dass wir von tugendhaften und systemtreuen Deutschen – sprich Antifa – jetzt in die Schmuddel-Ecke gestellt wurden.

Ja. So macht es auch mal Spaß, auf der anderen Seite zu stehen. Thomas ist wirklich ein ganz lieber Mensch, was man nicht für viele journalistisch Arbeitende sagen kann. Und das Portal – Die Frische Sicht – gefiel mir ziemlich gut, erreichte es doch eine deutlich „konservativere“ oder mainstream-nähere Zielgruppe als die etablierten alternativen Medien, zu denen ich mehrheitlich Kontakt habe.

Also bot ich ihm – ganz altruistisch natürlich – an, meine Mutmenschen-Texte auch dort zu publizieren. Nicht exklusiv – weil ich nirgendwo exklusiv schreibe – aber dafür lernte ich auch gleich, sie selbst einzupflegen, obwohl ich kein Freund von WordPress bin.

Der nächste Meilenstein war ein persönliches Treffen beim 1. Schweigemarsch am 10.10.2020 in Berlin. Zoom und Telefon sind ja ganz ok, aber es ist doch etwas anderes, wenn man dem Gegenüber Auge in Auge gegenübersteht. Das positive Gefühl blieb erhalten. Hier war jemand, der meint es ernst und arbeitet in meiner Wahrnehmung redlich und authentisch. Welch altmodische Begriffe in dieser von Anglizismen dominierten Welt – aber ich mag die Begriffe und die Werte für die sie stehen.

Kurz nach dem Schweigemarsch nahm ich das Buch-Projekt „Menschen mit Mut“ in Angriff. Es war ja auf der Hinfahrt nach Berlin am 9.10. entstanden, und Thomas war sofort einer der Menschen, die ich dafür befragen wollte. Es gefiel mir, was er tat. Und im Interview lernte ich dann weitere Facetten kennen, die mir ebenfalls gefielen. Ich denke, es ging ihm nicht ganz anders, denn seitdem telefonieren wir eigentlich regelmäßig immer wieder.

Was ich besonders schätze: im Gegensatz zu vielen anderen, die erst 2020 wirklich politisch Aktiv geworden sind, hat mich Thomas immer wieder nach meinen Einordnungen zu bestimmten Themen, Personen oder Medien gefragt. Nicht, dass er sich nicht eine eigene Meinung bildet, aber man kann die Fettnäpfchen vermeiden, in die wir „Alten“ schon alle reingefallen sind. Täten das nur mehr – seufz.

Die Zusammenarbeit entwickelte sich. Ich übernahm Interviews von ihm und einer weiteren Frische-Sicht-Redakteurin – Kathrin Feldmann – mit ins Buch. Interviews mit „Promis“ wie Frank Höfer oder Ralf Ludwig von Christiane Borowy wurden exklusiv auf der Plattform publiziert – nicht zuletzt, um die Frische Sicht bekannter zu machen. Chris ist jetzt auch ein Teil des Teams, was mich freut, ebenso wie Dr. Michael Dahnke, der an mich herangetreten war, um ein Interview mit Guy Dawson zu machen.

Das Buch nahm mehr und mehr Gestalt an. Die Texte häuften sich, ein Freund lieferte uns den tollen Cover-Vorschlag, und der Verleger war begeistert von der Liste an Gesprächspartnern. Wie geplant – naja, mit 5 Wochen Verspätung aber 20 Interviews mehr – übergab ich am 8.2.2021 sämtliche Dokumente und Bilder an den Verlag und dachte, das Projekt damit für mich beendet zu haben.

Ich dachte und Gott lachte. Es kam wie es kommen musste. Der Verlag hat mich hängen gelassen, man wollte „exklusive Nutzungsrechte“, was bei bereits veröffentlichten Texten nicht möglich war. Das hatte ich aber klar vorher kommuniziert. Aber egal. Ich musste (mal wieder) „improvisieren“.

Innerhalb kürzester Zeit hatte ich Layouter (1,5 Std.), Lektor (12 Std), Druckerei (48 Std.) und den Verlag ars vobiscum (2 Std) gefunden, die alle bereit waren, das Projekt ehrenamtlich zu Ende zu bringen. 

Eigentlich hatte ich Thomas ja nur angerufen, um ihn zu bitten, beim Bearbeiten der Bilder mit zu helfen. 80 Bilder einheitlich in ein druckfähiges Format zu bringen, war eine Fleissarbeit, um die ich den Layouter entlasten wollte. Dass Thomas „nebenbei“ auch einen kleinen Verlag hat, der auch über einen Online-Shop verfügt, war die wohl notwendige Fügung des Schicksals.

Am nächsten Tag informierte ich meine Mitautoren – der vollmundig angekündigte Erscheinungstermin stand ja wieder in den Sternen. Und siehe da: der Partner von Sabiene Jahn verfügt „zufällig“ über eine professionelle Druckerei, die auch die „Kleinigkeit“ wie Versandlogistik übernehmen kann.

Alles das zu Konditionen, an denen Niemand etwas verdient, da der Ertrag des Buches ja Kriegsopfern im Donbass und Syrien zugute kommen soll. Als aktives Mitglied der Friedensbrücke Kriegsopferhilfe e.V. [www.fbko.org] ist mir das ein besonderes Anliegen, da ich weiß, dass jeder Euro ankommt.

Das Gute daher: statt 29,90 Euro plus Versand – wie vom ersten Verlag kalkuliert – kostet das Buch jetzt nur noch 25 Euro plus Versand – für 92 Interviews auf 508 Seiten, Hardcover. Dafür erhält die Friedensbrücke statt knapp 6 Euro jetzt mindestens 10 Euro pro verkauftem Buch. Das ehrenamtliche Engagement der Mitmacher lässt sich kaum besser in Zahlen ausdrücken.

Aber der Verlag ist klein. Und die Produktionskosten sind ein finanzielles Risiko. Darum hilft jeder, der vorbestellt mit, dieses Risiko auf viele zu verteilen. 1000 wären genial! Dann werden 2000 Bücher gedruckt und 10.000 Euro an Kriegsopfer überwiesen. Dafür werden eben noch Hebammen gesucht, die helfen, dass unser Baby das Licht der Welt möglichst risikolos erblicken kann.

Also bitte JETZT hier VORBESTELLEN! Danke!


"Menschen mit Mut", herausgegeben von Andrea Drescher



Verlag "ars vobiscum", 92 Gespräche, 508 Seiten, Hardcover, 25 Euro plus Versand

Online-Flyer Nr. 764  vom 24.03.2021



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