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Aktueller Online-Flyer vom 27. Oktober 2020  

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Globales
Blick in die Vergangenheit, um für die Zukunft gewappnet zu sein
Mit schneidender Verachtung zum "Churchill-Kult"
Von Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Bei der Entwicklung geschichtlicher Ereignisse sind manche Mythen entstanden. Der Brite Winston Churchill ist immer noch von einem trügerischen Mythos umgeben, zeigt sich bei genauer Forschung aber als eine äußerst abstoßende Persönlichkeit. Er war kein Humanist, kein Christ, sondern eine völlig enthumanisierte widerliche Person. Bei seinem ersten Treffen mit Stalin im August 1942 biederte sich Churchill bei ihm an, indem er eingehend schilderte, wie die Royal Airforce deutsche Städte bombardierte und dadurch unter Beweis stellte, wie erbarmungslos England notfalls sein könnte. Ein Biograph Churchills berichtet: „Churchill kam nun auf die Bombardierung Deutschlands zu sprechen. Diese werde bereits in beträchtlichem Umfang betrieben und werde noch zunehmen, sagte er. Großbritannien stufe die Moral der deutschen Zivilbevölkerung als „militärisches Ziel“ ein. Die Briten bäten nicht um Gnade und würden keine Gnade gewähren. Sie hofften, zwanzig deutsche Städte in 'Trümmern zu legen', wie bereits mehrere in Trümmern gelegt worden seien.“


Winston Churchill, 1941 (Foto: gemeinfrei)

Britische Bombardierungen gegen die Häuser der deutschen Arbeiterklasse

Der Drahtzieher und Architekt dieser „Politik“ der Flächenbombardierung deutscher Städte war Frederick A. Lindemann, auch „der Professor“ genannt, ein enger Freund Churchills, den dieser als wissenschaftlichen Berater in sein Kabinett berufen hatte. Gemäß der Nachforschungen von Historikern hatte Lindemann „einen fast pathologischen Hass auf das nationalsozialistische Deutschland und einen beinahe mittelalterlichen Rachedurst“. Ein wissenschaftlicher Berater der Kriegsregierung, Baron Charles Percy Snow, meinte, Lindemann sei von einem fanatischen Glauben an die Wirksamkeit von Bombenangriffen besessen gewesen. In einem Memorandum an das Kabinett wurde eine strategische „Politik“ dargelegt: Die Bombardierungen sollten sich in erster Linie gegen die Häuser der deutschen Arbeiterklasse richten. Bei einer totalen Konzentration der Anstrengungen auf die Produktion und den Einsatz von Bombern sei es möglich, in sämtlichen größeren deutschen Städten 50 Prozent aller Häuser zu zerstören. Im Jahre 1960 hielt Snow, wissenschaftlicher Berater der Londoner Kriegsregierung, an der Universität Harvard einen Vortragszyklus, in dem er auf seine Rolle sowie die seiner Kollegen während des Krieges zu sprechen kam: "Was werden die Menschen der Zukunft über uns denken? Werden sie sagen, dass wir Wölfe mit dem Verstand eines Menschen gewesen seien? Werden sie denken, wir hätten uns aus der Menschheit verabschiedet? Sie werden dazu Recht haben."

Emsig betriebene falsche britische Propaganda, die Deutschen hätten dieses ganze schmutzige Geschäft der Städtebombardierungen begonnen

Churchills Großbritannien hatte als erster Staat mit der Bombardierung von Zivilisten begonnen. Die Angriffe auf deutsche Städte hätten die Vergeltungsmaßnahmen der Luftwaffe gegen britische Städte heraufbeschworen. So der Hauptsekretär des Luftfahrtsministeriums J.M. Spaight in seinem Buch „Bombing vindicated“. „Es war nicht sicher, aber doch recht wahrscheinlich, dass unsere Hauptstadt und unsere Industriezentren nicht angegriffen worden wären, wenn wir weiterhin Angriffe gegen die entsprechenden Ziele in Deutschland unterlassen hätten.

In der Tat die erste deutsche Stadt, die von britischen Bomben angegriffen wurde, war anscheinend Düsseldorf am 15. Mai 1940. Daraufhin erfolgte Monate danach die deutsche Bombardierung Londons am 7. September 1940 und die deutsche Bombardierung von Coventry am 14. bis 15. November 1940 und ein Jahr später die erneute deutsche Bombardierung Londons am 11. Mai 1941, ein Jahr nach den britischen Bomben auf Düsseldorf. Danach folgten die ständigen Bomben-Angriffe auf deutsche Städte: Hamburg, Stuttgart, Essen, Köln, Duisburg, Dortmund und viele andere.

J.M. Spaight weiter: „Dabei erhebt sich jedoch die weitere Frage, ob unsere emsig betriebene falsche Propaganda, die Deutschen hätten dieses ganze schmutzige Geschäft begonnen, uns auch in einer guten Position belässt, unserem ehemaligen Feind ins Auge zu sehen.“

Gezielte britische Terrorbombardierungen gegen deutsche Bevölkerungszentren

1944 liebäugelte Churchill mit der Idee, chemische und biologische Waffen gegen Zivilisten einzusetzen. „Es ist absurd, bei dieser Frage die Moral ins Spiel zu bringen“, äußerte sich Churchill gegenüber den für den Einsatz der Royal Airforce Verantwortlichen.

Am 15. Jahrestag der Zerstörung Dresdens klagte die Washington Post an: „Wenn irgend jemand für die Tragödie in Dresden die Verantwortung trägt, dann anscheinend Churchill.“ Luftmarschall Arthur Harris, genannt „Bomber-Harris“, setzte Dresden auf die Liste der Ziele. Die Presseagentur Associated Press berichtete:

    Die Alliierten Kriegschefs haben den seit langem erwarteten Entschluss gefasst, die deutschen Bevölkerungszentren gezielten Terrorbombardierungen zu unterziehen, um mit dieser rücksichtslosen Methode Hitlers Untergang zu beschleunigen.

    In einem Memorandum an die Kommandeure seiner Luftwaffe machte Churchill keinen Hehl daraus, welchem Zweck die Bombardierung Dresdens gedient hatte: 'noch mehr Furcht und Schrecken zu säen'. Da die Kommandeure der Luftwaffe spürten, dass Churchill versuchte, sie zu Sündenböcken für die von ihm selbst befohlene Aktionen zu machen, schickten sie ihm das Memorandum zurück. In seinen 1947 erschienenen Memoiren „Bomber Offensive“ deutete Marschall Harris an, dass der Befehl, Dresden in eine Flammenhölle zu verwandeln, von Churchill gekommen war.

    Die „wahllose Bombardierung von Zivilisten, feindlichen Städten und zivilem Eigentum“ habe zu einer „schreckenerregenden, in ihrer Zerstörungswut beispiellosen Rückkehr zu den Methoden der totalen Kriegführung längst vergangener Zeiten“ geführt, wie sie einst von Sanherib, Dschingis Khan und Tamerlan praktiziert worden sei.

Churchills Führungsrolle beim Rückfall der abendländischen Menschheit in die Barbarei

Auch Amerikaner haben zu barbarischen Methoden Zuflucht genommen, vor denen frühere Generationen mit Schaudern und Abscheu zurückgeschreckt wären. Wenn Churchill die Politik der Terrorbombardements lanciert hat, so haben die USA sie perfektioniert. Ihren berühmt-berüchtigten Luftangriff auf Tokio ist prahlerisch wie folgt kommentiert worden: „In jener Nacht vom 9. auf den 10. März 1945 haben wir in Tokio mehr Menschen verbrannt, gesotten und gebacken, als in den Dämpfen von Hiroshima und Nagasaki zusammen aufgegangen sind. Wir Amerikaner und die Briten fochten für moralische Ziele, doch die Mittel, zu denen wir griffen, ließen sich beim besten Willen nicht als „christlich“ bezeichnen, und Churchill spielte die Führungsrolle beim Rückfall der abendländischen Menschheit in die Barbarei.

    Unter Angehörigen der amerikanischen Elite grassiert heutzutage ein regelrechter Churchill-Kult. Die Anhänger dieses Kultes behaupten, Churchill sei nicht nur ein unvergleichbarer Führer, sondern auch ein Visionär ohnegleichen gewesen, dessen Leben und Legende jedem Staatsmann ein Vorbild sein müsse. Für sie ist jeglicher Widerstand gegen die amerikanische Hegemonie, jegliches Aufmucken gegen die amerikanische Macht ein neues 1938. Jeder Widersacher ist ein „neuer Hitler“, jeder Vorschlag zur Abwendung eines Krieges ein „neues München“. Slobodan Milosevic wurde von ihnen zum „Hitler des Balkans“ ernannt, weil er die Wiege des Serbentums, den Kosovo, nicht aufgeben wollte. Saddam Hussein wurde zum „arabischen Hitler“, der angeblich alle Anrainerstaaten des Persischen Golfs zu erobern gedachte und die Menschheit mit Massenvernichtungswaffen bedrohte. Diese Denkweise hat uns dazu verleitet, Serbien, eine Nation, die uns nie angegriffen oder auch nur bedroht hat, die niemals einen Krieg gegen uns anstrebte und deren Volk unsere Freundschaft suchte, 78 Tage lang rund um die Uhr zu bombardieren (1999).

    Nach den Ereignissen des 11. September 2001 hat der Churchill-Kult dazu beigetragen, dass man einem schlecht informierten US-amerikanischen Präsidenten einreden konnte, die Befreiung des Irak von Saddam werde nach demselben Muster verlaufen wie einst die Befreiung Europas von Hitler: Der Krieg werde eine Art Spaziergang sein. George W.Bush werde als der Churchill seiner Generation in die Geschichte eingehen.

    Der Churchill-Kult ist verantwortlich für die missliche Lage, in der wir uns heute befinden. Gelingt es uns nicht, ihn als jenen Trug zu entlarven, der er ist, so wird er neue Kriege und neue Katastrophen heraufbeschwören und uns eines Tages einen Weltenbrand vom Ausmaße des Churchill-Krieges bescheren.

    („Churchill, Hitler und der unnötige Krieg“ von Patrick J. Buchanan, Pour le Mérite Verlag für Militärgeschichte, 2. Auflage 2011, Selent/US-amerikan.Original New York 2008)
 
Churchills Grausamkeit

Die Grausamkeit, mit der Churchill Krieg gegen Zivilisten führte, lässt sich auf seine Überzeugungen zurückführen. Er war weniger Christ als furchtbarer Heide in der römischen Tradition. Seine Einstellung zu manchen Fragen unterschied sich nicht sonderlich von jener des Führers in Berlin, dem er in seiner Publikation „Große Zeitgenossen“ seine Anerkennung zollte.

Am 24. April 2004 erschien in der britischen Zeitschrift „The Spectator“ ein Artikel von Michael Lind, amerikanischer Schriftsteller und Akademiker, der sich mit schneidender Verachtung über den „Churchill-Kult“ äußerte. Gewisse Ansichten des seltsamen Briten dürften heute auf viele Amerikaner schockierend wirken. Der grausame Mann war alles andere als ein egalitärer Humanist.

Wenn sich die Zivilisation heutzutage mehr denn je als menschlich behaupten soll, sind solche falschen, trügerischen Kulte völlig deplatziert. Widerliche unmenschliche Personen, ohne humane Sensibilität und Empathie sind gesellschaftlich zu verachten. Sonst verdrehen und deformieren sie das wünschenswerte Vorbild für das Gewissen und den Fortschritt der Menschheit in Normalität.


Verfasst am 24.9.2020

Luz María de Stéfano Zuloaga de Lenkait ist chilenische Rechtsanwältin und Diplomatin (a.D.). Sie war tätig im Außenministerium und wurde unter der Militärdiktatur aus dem Auswärtigen Dienst entlassen. In Deutschland hat sie sich öffentlich engagiert für den friedlichen Übergang der chilenischen Militärdiktatur zum freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat, u.a. mit Erstellen von Gutachten für Mitglieder des Deutschen Bundestages und Pressearbeit, die Einheit beider deutschen Staaten als ein Akt der Souveränität in Selbstbestimmung der beiden UN-Mitglieder frei von fremden Truppen und Militärbündnissen, einen respektvollen rechtmäßigen Umgang mit dem vormaligen Staatsoberhaupt der Deutschen Demokratischen Republik Erich Honecker im vereinten Deutschland, für die deutsche Friedensbewegung, für bessere Kenntnis des Völkerrechts und seine Einhaltung, vor allem bei Politikern, ihren Mitarbeitern und in Redaktionen. Publikationen von ihr sind in chilenischen Tageszeitungen erschienen (El Mercurio, La Epoca), im südamerikanischen Magazin “Perfiles Liberales”, und im Internet, u.a. bei Attac, Portal Amerika 21, Palästina-Portal. Einige ihrer Gutachten (so zum Irak-Krieg 1991) befinden sich in der Bibliothek des Deutschen Bundestages.


Online-Flyer Nr. 754  vom 30.09.2020



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