NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 22. Oktober 2019  

Fenster schließen

Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Gott, Gott, Gott, du hast uns zur Eroberung auserwählt
Von Evelyn Hecht-Galinski

Immer wieder versuchen zionistische Politiker, ihre terroristischen Verbrechen mit Sprüchen aus dem Alten Testament und Talmud zu rechtfertigen. Das Massaker von Deir Yassin vor 71 Jahren war eines der ersten grausamen Beispiele für mutwilliges und blindwütiges zionistisches Töten. Als Menachem Begin, der damalige Anführer der Terrorgruppe Irgun, dieses Massaker an den Einwohnern dieses Ortes, Frauen, Männer und Kinder, als „prächtigen Akt der Eroberung“ beschrieb, rief er: "Mit diesem Angriff hat Israel Geschichte geschrieben, so wie in Deir Yassin werden wir überall den Feind angreifen und schlagen. Gott, Gott, Gott, du hast uns zur Eroberung auserwählt“. Heute, 71 Jahre später, "twitterte" Ministerpräsident Netanjahu nach einem großangelegten Angriff in Syrien gegen „iranische-Religionswächter“ und die Hisbollah und bemühte ebenso den Talmud zur Rechtfertigung: "Wenn jemand aufsteht, um dich zu töten, töte ihn zuerst".

Terroristen als Spitzenpolitiker

Es scheint, als ob vor und nach der Staatsgründung 1948 es karrierefördernd war im "Jüdischen Staat", wenn man einen terroristischen Hintergrund hatte und sich seine Sporen bei der ethnischen Säuberung Palästinas in zionistischen Milizen verdient hat, die später zur jüdischen "Verteidigungsarmee" fusionierten und deren Befehlshaber später durchweg alle zu politischen Führern wurden. Diese schrecklichen Massaker gehörten zur zionistischen Strategie, die zur Nakba, der Katastrophe für das palästinensische Volk führte, und die bis heute andauert.

Terrorismus, militärische Besetzung und koloniale Expansion gehören zu den wichtigsten zionistischen Werten und ihren Taktiken. So wie die zionistische Bewegung und ihre Organisationen durch ihre Führer schon vor der Staatsgründung terroristische Handlungen, wie Bomben auf Gemüsemärkte und Sprengsätze in vollen Cafés platzierten, um die Herrschaft über Palästina zu erlangen, ist beispiellos. Zumal alle der dafür verantwortlichen Terroristen später zu Politikern, Ministerpräsidenten und Ministern wurden – wie Menachem Begin, Yitzhak Rabin, Ariel Sharon, Yitzhak Shamir, Moshe Dayan und Rafael Eitan, um nur einige der "auserwählten" Führer zu nennen. Diese Liste könnte man seitenlang vervollständigen, und sie wäre so blutig und mit Gewalt übersät, und an grausamen Perversitäten kaum zu überbieten.

Wie rücksichtslos man selbst gegen Kinder, Alte und Gebrechliche vorging, zeigt die gnadenlose zionistische Strategie der ethnischen Säuberung und zerstörerischen Kriege und jahrzehntelange illegale Besatzung Palästinas bis zum heutigen Tage.

Permanente Tatsachenverdrehung

Bis heute hat es jedes zionistische Staatsterrorregime verstanden, sich selbst immer als „kleines bedrohtes Volk“ darzustellen, das handeln muss, um nicht vernichtet zu werden. Mit dieser permanenten Tatsachenverdrehung konnte dieser bis an die Zähne bewaffnete und keineswegs bedrohte Staat, der immerhin über Atomwaffen verfügt, immer wieder mit dem Hinweis auf die Phrase „Nie wieder Holocaust“ das Angreifen, Drohen, Morden, Besatzung, Landraub und die ethnische Säuberung perfektionieren. Man muss es immer wiederholen, der Holocaust rechtfertigt nicht alle Mittel und Verbrechen. (1)

Der Holocaust ist tatsächlich eines der schlimmsten Verbrechen der Geschichte, aber eben nur eines in der langen Geschichte der Menschheit, und ja, wir müssen alles dafür tun, und das ist unser Auftrag aus unserer Geschichte, dass „nie wieder“ ein Völkermord geschieht! Und vor allem nicht wegschauen, wenn Unrecht geschieht, auch dann nicht, wenn es sich um Israel handelt, das seit Jahrzehnten Unrecht begeht!

Bereits vor der Staatsgründung 1948, lange vor dem Holocaust, um 1881, begannen die Führer der zionistischen Bewegung in Europa die Kolonisation Palästinas, um es zur „exklusiven Heimat“ für Juden zu machen und ignorierten dabei die Rechte der einheimischen arabischen Bevölkerung und ebneten den Weg für die Nakba – Ruinen der zerstörten palästinensischen Dörfer und Vertreibung ihrer Bewohner. Die "Entwurzlung und Entleerung", der „Transfer“ von Flüchtlingen und Einwohnern, war schon von Beginn an Staatsdoktrin und wird bis heute praktiziert. Immer wieder wird "umgesiedelt", vertrieben und massakriert, alles rechtfertigt man mit der Sicherheit des "Jüdischen Staates" und seiner jüdischen Bewohner. Dieses gewalttätige Erbe, das den Staat Israel bis heute prägt, hat DER israelische Historiker Ilan Pappe sehr treffend als "schrittweisen Völkermord" bezeichnet.

Wie lange noch die zionistischen staatsterroristischen Aggressionen hinnehmen?

Geändert hat sich nicht viel, eher hat man das Gefühl, dass alles noch viel schlimmer geworden ist durch das feige Schweigen der so genannten „Weltgemeinschaft“, das inzwischen auch den Weltfrieden gefährdet. Ganz sicher ist es nicht der Iran, der Israel mit einem Holocaust bedroht, wie es uns die zionistische Hasbara-Propaganda des israelischen Regimes weismachen will, sondern tatsächlich ist es der "jüdische Auserwählten-Alleinanspruch" auf Palästina und die tägliche Bedrohung seiner Nachbarstaaten. (2)

Der jüdische Staat nimmt sich das Recht heraus, souveräne Staaten anzugreifen. Gezielt und gnadenlos ist die jüdische "Verteidigungsarmee" auf Mord aus und greift wie sie will immer wieder Ziele in Syrien, Irak und Libanon an. Wie immer ohne Beweise, aber mit tatkräftiger medialer und politischer Unterstützung.

Selbst der innenpolitische Gegner der Hisbollah, der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri, sah sich nach dem "Davidstern- Drohnenangriff" vom letzten Sonntag genötigt, in einer Erklärung die "Aggression" Israels zu beklagen, die die Stabilität in der Region bedrohe und die Spannungen verschärfe. Aber auch diese Aggressionen lassen bei der Staatengemeinschaft nicht die Alarmglocken schrillen, und ich frage mich, wie lange noch will man die regelmäßigen zionistischen staatsterroristischen Aggressionen widerspruchslos hinnehmen? Will man warten, bis "präventiv" wegen einer gefühlten Bedrohung die erste "Davidstern-Atombombe, vielleicht abgeschossen von einem deutschen U-Boot, eingesetzt wird?

Statt des kranken Verhältnisses zu Israel Freundschaft mit Iran und mit Russland!

Servil machen sich die deutsche Regierung – die Politiker ebenso wie die Medien – immer die offizielle Propaganda der israelischen Hasbara zu eigen. Andererseits betont man immer wieder, dass man keinen neuen Krieg will, aber de facto wird mit den dauernden Angriffen schon darauf hin gearbeitet.

Warum halten wir nicht dagegen, wenn die USA und Israel versuchen, die Weltpolitik mit maximalen Druck und Deals zu eigenen Gunsten zu verändern? Warum hören wir nichts vom deutschen "Auschwitzminister" zu diesen brisantem Thema? Wann wird sich Deutschland endlich dazu aufraffen, eine Politik in UNSEREM Interesse zu machen, mit dem Iran und mit Russland? Uns sollte eine gute Nachbarschaft und Freundschaft zu diesen Ländern wichtig sein. Nicht der Apartheidstaat Israel sollte unser Verbündeter sein, sondern ein Israel, das die Besatzung palästinensischen Landes aufgibt und das Völkerrecht und die Menschenrechte achtet!

Das deutsche kranke Verhältnis zu Israel und das krankhafte Verhalten einiger christlicher Zionisten zeigt sich exemplarisch am hessischen Antisemitismusbeauftragten, Bürgermeister und Stadtkämmerer Becker, der von einem „Grundrauschen des Antisemitismus“ in „breiten Teilen der Gesellschaft“ halluziniert. Man kann nur den Kopf schütteln darüber, wie weit mit Hilfe dubioser Israel-Lobbyisten die Gehirnwäsche voranschreitet, um jede Form von Israel-Kritik unmöglich zu machen. Dazu passt, dass Medien, Schulen, Universitäten und sonstige öffentliche Bildungsstätten auf "Israel-Kurs" getrimmt werden sollen. Auch Becker verbreitet seine Meinung (!), die BDS-Bewegung sei antisemitisch, was sie definitiv und nachweislich nicht ist, und auch er diskreditiert immer wieder diese gewaltfreie, auch von Juden unterstützte Protest-Kampagne öffentlich als „Judenhass“. (3)

Sollen doch die letzten "Hardcore-Zionisten" auf die biblische Endzeit warten!

Die Deutschen sollten sich endlich ein Beispiel an jüdischen US-Bürgern nehmen, die sich immer mehr abwenden von Politikern und Parteien, die den "Jüdischen Staat" und seine mörderische Besatzungs- und Vertreibungspolitik unterstützen und finanzieren. Übrig bleiben werden zum Schluss in den USA nur noch die "Hardcore-Zionisten" und ihre Evangelikalen Helfer, die Verbündeten der AIPAC und ähnliche jüdische Lobbygruppen und Freunde der Besatzung. Sie können dann gemeinsam auf die biblische Endzeit warten. Es ist ja offensichtlich, dass all diesen Friedensfeinden nichts an einer friedlichen Lösung liegt und sie lieber auf ein Desaster a la Armaggedon zusteuern.

Lassen wir es nicht zu, dass die Losung "Gott, Gott, Gott, du hast uns zur Eroberung auserwählt" zur Endlösung führt.


Fußnoten

(1) https://www.dw.com/de/israel-will-hilfe-im-konflikt-mit-iran/a-50176332
(2) https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/existiert-noch-eine-wirtschaft
(3) https://www.hessenschau.de/gesellschaft/antisemitismus---judenfeindliches-grundrauschen,kurz-judenfeindlich-becker-antisemitismus-100.html


Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des ehemaligen Zentralratsvorsitzenden der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt. (http://sicht-vom-hochblauen.de/) 2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.

Online-Flyer Nr. 716  vom 28.08.2019



Startseite           nach oben