NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 07. Dezember 2019  

Fenster schließen

Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Hauptstadt der Besatzung und Unterdrückung
Von Evelyn Hecht-Galinski

Stellen wir uns einmal vor, Juden in aller Welt feiern ihre höchsten Feiertage wie Yom Kippur (Versöhnungstag) oder Rosch Haschanah (Neujahrsfest) und man würde sie am Beten hindern. Mit Sicherheit gäbe es rund um den Globus eine mediale Aufregung! Im Gegensatz dazu feiern Millionen von Muslimen rund um den Globus das Opferfest Eid-al-Adha und müssen hilflos mit ansehen, wie ihre palästinensischen Glaubensgenossen, die auf dem Haram al-Sharif und in der Al-Aqsa-Moschee beten wollen, daran gehindert werden. Zionistische Besatzertruppen und jüdische Siedler, Angehörige der extremistischen "Tempelberg-Gruppen, haben versucht, die heilige Moschee zu stürmen. Nachdem die jüdischen Extremisten und Besatzertruppen die muslimischen Gläubigen mit Gummigeschossen, Schlägern und Tränengas verletzt hatten, waren mindestens 61 Verletzte zu beklagen. Darunter auch Awqaf-Beamte der jordanischen Behörde, die den Haram al-Sharif verwaltet. Jordanien protestierte, wie schon so oft bevor.

Israel darf alles

Der rechtsextreme israelische Minister für "öffentliche Sicherheit", Gilad Erdan, bekannt für seine rassistischen Ausfälle, offenbarte seine Dummheit und Instinktlosigkeit und erlaubte etwa 1.700 extremistischen Juden, den Haram al-Sharif zu betreten. Das jordanische Außenministerium verurteilte sofort diese dreiste Provokation, die nur Wut und Frustrationen auslöst, besonders am ersten Tag des Opferfestes. Auch rief man die internationale Gemeinschaft auf, zu intervenieren, damit Israel dieses Verhalten stoppt. Was machen diese Drohungen dem Netanjahu-Regime schon aus? Auch die Aufforderung der Palästinensischen "Vichy-Abbas"-Autonomiebehörde an arabische und islamische Staaten, "Maßnahmen zu ergreifen" gegenüber der internationalen Gemeinschaft und Israel, um die Aggressionen gegen Gottesdienstbesucher zu stoppen, blieb nur ein hilfloser Versuch ohne Wirkung. Wirkungslos blieb auch die Forderung nach einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats. Dies zeigt wieder einmal deutlich: Israel darf alles und macht alles, was zur Verfestigung der Besatzung und Judaisierung beiträgt.

Die al-Aqsa-Moschee gilt als drittwichtigste Moschee im Islam und ist für Palästinenser das Symbol und Erinnerung an Besatzung und Unterdrückung ihrer Heimat. Jahr für Jahr versuchen extremistische jüdische Politiker, den "Tempelberg" zu erobern und auch dort das Symbol der israelischen Besatzung, die Davidsternflagge, zu hissen. Sie wollen die Endlösung der Judaisierung mit der Tempelberg-Aneignung vollenden. Es könnte die Erfüllung dieses Wunsches drohen, nachdem US-Präsident Trump Jerusalem als "ewige jüdische Hauptstadt" anerkannte, ganz nach Verlangen des Netanjahu-Regimes.

Die Staatengemeinschaft verrät ihre angeblichen „Werte“, wenn es um israelische Verbrechen geht, und schaut feige zu und lässt das israelische Unrecht gegen das palästinensische Volk Jahr für Jahr geschehen. Mit Sicherheit ist Rassismus mit im Spiel, denn es geht ja "nur" um Muslime und Palästinenser, denen man zudem auch noch jedes Recht auf gewaltlosen Widerstand abspricht, wenn sie es wagen, sich gegen die illegale Besatzung und den steten israelischen Landraub zu wehren. Trotzdem kamen zehntausende von Muslimen zum Beten, Millionen sollten es werden!!!!!!

Immer weniger Bereitschaft, Israels faschistische Unterdrückungspolitik mitzutragen

Immer wieder wird versucht, den Status Quo zu verschieben, besonders wenn israelische Politiker wie Netanjahu daran rütteln und immer weitere Provokationen versuchen, weil sie sich so schrecklich sicher sind, immer wieder zu siegen.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es, weil sich immer mehr demokratische US-Juden, vor allem auch immer mehr junge jüdische US-Bürger, sich vom "Jüdischen Staat" abwenden und nicht mehr bereit sind, dessen faschistische Unterdrückungspolitik gegen das palästinensische Volk zu unterstützen.

Wann endlich werden wir auch in Deutschland solche Umbrüche erleben? Solange Juden diesen "Jüdischen Staat" und seine verbrecherische Besatzungspolitik weiterhin kritiklos unterstützen, solange dürfen sie sich auch nicht wundern, wenn sie haftbar gemacht werden für diese Verbrechen. Während die Konzernmedien in Deutschland Kritik an Israel als Antisemitismus hochspielen, wird der real existierende Islam-Hass verharmlost –genauso wie das Problem mit den Rechtsextremen, das wir schon seit Jahrzehnten haben und nie wirklich behandelt haben, um es an der Wurzel zu packen. Das fing schon nach Kriegsende an, als alte Nazis in hohe Posten zurückkamen und Emigranten eine Eingliederung versagt blieb. Immer war und ist man mit einer Linken-Hatz beschäftigt, während man auf dem rechten Auge blind ist und bleibt. Die stete mediale Gehirnwäsche hat die Mehrheit der Deutschen so verinnerlicht, das es schwer zu ändern sein wird. Daher haben es die AfD und andere rechtspopulistische Parteien leichter, Fuß zu fassen, sind sie doch besonders mit dem "Jüdischen Staat" mental verbunden, wenn es darum geht, den Islam und Muslime zu bekämpfen. Solange deutsche Volksvertreter inzwischen jüdische Israel-Kritiker verunglimpfen und "Israel-Freunde" hofieren und Antisemitismus durch Philosemitismus ablösen, solange sieht es düster aus in Deutschland.

Berliner Mauer teilte eine Stadt, die zionistische Apartheidmauer ganz Palästina

Am 13. August wurde des Mauerbaus vor 58 Jahren in Berlin gedacht. Während das 155 Kilometer lange Bauwerk „nur“ eine Stadt teilte und diese Teilung am 9. November 1989, mit dem Fall der Mauer endete, teilt die zionistische Apartheidmauer das ganze Palästina und verläuft quer durch illegal besetztes palästinensisches Land. Diese 15 Jahre bestehende Schand-Apartheidmauer ist 760 Kilometer lang, über 9 Meter hoch, und Israel verstößt mit dem Bau laut Internationalem Gerichtshof in einem Gutachten, das von der UN-Vollversammlung in Auftrag gegeben wurde, gegen das Völkerrecht. Aber das scheint weder den „Auschwitzminister“ noch die Staatengemeinschaft zu einem Umdenken zu bewegen, und das sollte uns ALLE beschämen! Gerade ich als geborene Berlinerin weiß wovon ich schreibe. Während der Mauertoten (140/327?) gedacht wird, vergisst man, der tausenden palästinensischen Märtyrer zu gedenken, die nichts wollen außer Freiheit und Selbstbestimmung.

Gerade erlebten wir, wie deutsche Politiker, an der Spitze der "Auschwitzminister" Maas, in Polen für die deutschen Naziverbrechen um Vergebung bat und sich schämte und danach den deutschen Widerstand und das versuchte und gescheiterte Hitler-Attentat lobte. Mehr als verlogen! Schließlich waren die meisten der Attentäter vorher begeisterte Anhänger der Nazis gewesen und auch als "Widerständler" keine Demokraten. Wäre es dem "Auschwitzminister" ernst mit einem „nie wieder“, wäre es längst überfällig, dass er sich über die unhaltbaren Zustände in Palästina schämen und ihn zum Um- und Nachdenken bewegen müsste. Ebenso, als Maas am 12. August nach New York aufbrach, um dort vor dem UN-Sicherheitsrat auf Einladung von Polen im Rahmen von deren Sicherheitspräsidentschaft, in einer Debatte zum 70. Jahrestag, der vier Genfer Konventionen zu sprechen. Vor dem Abflug hatte er noch vollmundig verkündet, dass Deutschland sich nachdrücklich für die Stärkung des humanitären Völkerrechts einsetzen will. „70 Jahre nach der Verabschiedung der Genfer Konventionen sind geschützte Personen tagtäglich Opfer von Gräueltaten und Willkür. Die Staatengemeinschaft muss handeln, damit der Tabubruch nicht zum Dauerzustand wird“. Haben wir diesen „Dauerzustand“ nicht schon seit 71 Jahren in Palästina und war es nicht gerade Maas, der immer wieder darauf hinweist, wegen Auschwitz in die Politik gegangen zu sein? Muss nicht gerade er Auschwitz als Ma(a)ßtab für Menschenrechtsverbrechen sehen, untrennbar mit Palästina und der Gründung des „Jüdischen Staats“ verbunden? Aber er ist so ma(a)ßlos scheinheilig und selbstgerecht, noch ein Grund mehr, sich für die deutsche Außenpolitik zu schämen.

Holocaust: Israels Freibrief für Verbrechen gegen die Menschenrechte

Was sich unter unser aller Augen abspielt, sollte uns alle beschämen, es ist die ungelöste Frage, die man niemals vom Holocaust trennen darf und das der „jüdische Staat“ immer wieder als Freibrief für ihre Verbrechen gegen die Menschenrechte und Völkerrecht, Raub, Razzien und zionistische Propaganda benutzen.

Dieser andauernde Widerstand gegen den zionistischen Diebstahl ihrer Heimat und den Versuch, das kollektive kulturelle Gedächtnis zu zerstören, ist im Kontext des zionistischen Projekts zu sehen, Palästina zu judaisieren und die Palästinenser zu dämonisieren, während die Juden und der Zionismus heroisiert werden. Der "Jüdische Staat" hängt am Tropf der USA und gilt als das westliche Modell zur Stabilisierung der US-Herrschaft im Nahen Osten. Ein Musterbeispiel für koloniale Unterdrückung auf geraubtem Land.

Daher ist die palästinensische Sache, ebenso wie die BDS-Bewegung, eine nationale und internationale Befreiungsbewegung, frei von ideologischen Vorgaben. So darf die historische und heilige Bedeutung des Haram-al-Sharif für alle Muslime auf der ganzen Welt nicht außer Acht gelassen werden. Aber sich viel mehr darauf konzentrieren, dass die Bedeutung der Befreiung Palästinas eine Frage des Nationalstolzes und der territorialen Integrität ist, die systematisch, konsequent und mit internationaler Unterstützung vom zionistischen Kolonialprojekt von Staatsgründung an, bis zum heutigen Tag verletzt wird.

Erst wenn Muslime, Palästinenser wieder frei in einem freien Palästina beten und leben können, werden wir fröhlich feiern können. So aber sind wir schweren Herzens, in Solidarität mit den Palästinensern verbunden, die immer mehr durch das zionistische Staatsterrorregime unterdrückt werden.

Alle Parteien im Bundestag Handlanger des zionistischen Besatzungsregimes
Dass es auch mutige Deutsche gibt, zeigte der ehemalige deutsche Botschafter in Irak und Iran, Bernd Ebel, der einem Internetportal ein sehr offenes und interessantes Interview gegeben hatte. Danach war er zum medialen Abschuss freigegeben und nach einer Bild-Schmutzkampagne verzichtete dieser Ausnahmediplomat auf den Instex-Posten. Merke: sage niemals etwas Kritisches gegen Israel, denn sonst bist du für die Öffentlichkeit verbrannt. Wie uns schon der Spiegel aufklärte, hier wurde es erneut bestätigt, das mediale "Krebsgeschwür" der deutschen Medienlandschaft hat die Deutungshoheit über unseren Umgang mit Israel übernommen, und die vor allem Rückgratlosen deutschen Politiker lassen sich davon leiten. Wie sonst kann es sein, dass dieser hervorragende Diplomat und vor allem ausgewiesener Kenner der Region von seinem "Chef" AA Maas im Stich gelassen wurde? (1)

Der Fall Ebel ist inzwischen ganz symptomatisch für Deutschland, wo sich alle Parteien, besonders eifrig auch die AfD, als Handlanger des zionistischen Besatzungsregimes hervortun, im Einsatz für den "Jüdischen Staat" und in der Dämonisierung von Muslimen und Einwanderern. Dass sich so viele zentrale Medien an dieser Angstschürung beteiligen, sollte uns zu denken geben.

Jerusalem als Hauptstadt der Unterdrückung sollte uns mahnen, für die Freiheit Palästinas und den Fall der Apartheidmauer zu kämpfen. Nächstes Jahr in einem freien Jerusalem zu beten, das wünsche ich allen muslimischen Freunden und Palästinensern.

Ein gesegnetes Eid Mubarak zum Opferfest!


Fußnoten

(1) https://www.bild.de/politik/ausland/politik-inland/instex-deutscher-ex-diplomat-stolpert-ueber-skandal-auftritte-bei-youtube-63841386.bild.html
(2) https://www.youtube.com/watch?v=6K9-NbqQ8p0


Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des ehemaligen Zentralratsvorsitzenden der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt. (http://sicht-vom-hochblauen.de/) 2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.

Online-Flyer Nr. 715  vom 14.08.2019



Startseite           nach oben