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Aktueller Online-Flyer vom 20. September 2019  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Die Methode Regimechange: Von Gaza nach Venezuela
Von Evelyn Hecht-Galinski

Wie lange noch werden wir Putschversuche erleben müssen, die von US-Regierungen geplant und ausgeführt werden? Was wir derzeit in Venezuela erleben, macht uns schmerzlich bewusst, dass kein Staat vor den westlichen "Wertevorstellungen" sicher ist. Schon Ägypten, Syrien, Iran, die Ukraine und aktuell Venezuela und Gaza zeigen uns, wie perfide diese Methode ausgeführt wird. Das Volk muss wegen der Sanktionen hungern, alles Wichtige wird verknappt, und man schürt die Unzufriedenheit auf Regierungen, die "weg" müssen. Präsident Maduro wehrt sich tapfer gegen diese US-Methode, weil er sein Volk hinter sich weiß. Warum aber wird eine selbsternannte Putsch-Marionette gerade von Deutschland und einem Außenminister unterstützt, der doch „wegen Auschwitz in die Politik“ gegangen ist? (1)

Keine neue deutsche Schuld!

Welche Interessen stecken dahinter? Gerade die deutsche Diplomatie unter „Auschwitzminister“ Maas betreibt doch eine Politik, die langfristig nach Auschwitz führen könnte. Warum müssen wir im Schlepptau der USA an vorderster Front bei deren mehr als durchsichtigen militärischen Aktionen und Regime Change-Putschversuche dabei sein? Was fasziniert den deutschen Außenminister so an Venezuela, der Ukraine, Mali und am "Jüdischen Staat"? Will er tatsächlich alles "wiedergutmachen", mit einer zerstörerischen Politik, die doch genau das Gegenteil bewirkt, nämlich neue deutsche Schuld mit verantworten? Ich kann nur immer wieder das Lebensmotto meines Vaters, Heinz Galinski, wiederholen und beherzigen: "Ich habe Auschwitz nicht überlebt, um zu neuem Unrecht zu schweigen". Wenn Deutsche wie der Außenminister Maas oder wie seinerzeit sein Amtsvorgänger, der grüne Josef Fischer das Wort Auschwitz instrumentalisierten, um Kriege zu rechtfertigen, dann finde ich das so ekelhaft und beschämend, dass ich mich als Deutsche dagegen verwahre. Es ist für deutsche Bürger mit jüdischen Wurzeln wie mich nicht hinnehmbar, wenn deutsche Politiker mit dem Wort Auschwitz heute wieder Juden diskriminieren und ihnen die Meinungsfreiheit zu verwehren, wenn es darum geht den "Jüdischen Apartheidstaat" und seine illegale Besatzungspolitik zu kritisieren. Auschwitz war das deutsche Kapitel eines "Tausendjährigen braunen Reiches", das auf keinen Fall dazu benutzt werden darf, missbraucht zu werden. Sollte Maas wirklich wegen Auschwitz in die Politik gegangen sein, dann darf er nicht mehr die Augen vor den Verbrechen des "Jüdischen Staates" verschließen und diesen einseitig unterstützen. Tatsächlich verpflichtet uns Auschwitz und der Holocaust, besonders den Palästinensern beizustehen, die hilflos und allein gelassen von der so genannten „Wertegemeinschaft“ ihrer ethnischen Säuberung und der Judaisierung ihres Landes zusehen müssen. (2)(3)

Gerade in Deutschland erleben wir, wie Palästinenser eingeschüchtert und fast lethargisch vor den Trümmern ihrer Heimat Palästina stehen – und wenn sie denn einmal gegen die mörderische israelische Politik demonstrieren, wie während des Angriffs auf Gaza 2014, deswegen als Antisemiten beschimpft werden. Es ist schier unerträglich, wie weit der lange Arm des Netanjahu-Regimes nach Deutschland reicht und hier mit Hilfe der Sayanim des Zentralrats der Juden, der Israel-Lobby in Gestalt von diversen internationalen jüdischen Organisationen und unzähligen willfährigen Politikern, Parteien und philosemitischen Helfern es gelungen ist, dieses fest gezurrte Netzwerk des neuartigen Antisemitismus in Gestalt von neuer "Judenliebe" aufzubauen. Nein, tatsächlich hat der Judenhass-Antisemitismus abgenommen, aber die Kritik am "Jüdischen Staat" zugenommen. Diese Tatsache ist belegt, aber unbequem. Deshalb werfen Israel-Apologeten Antisemitismus und Anti-Zionismus in einen Topf, um diesen Begriff zu dämonisieren. Diese Aussagen haben auch den Zweck, jüdische Bürger dazu zu bewegen, in ihr "Gelobtes Land“ zurückzukehren, während Palästinenser, auch mit deutschem Pass, daran gehindert werden, in ihr geraubtes Land einzureisen. (4)

Religion nicht mit Kampfgebiet verwechseln!

Tatsächlich gibt es eine starke Rechte und rechtsextreme Kräfte, die ihren Antisemitismus immer auslebten und die nur dank falscher Toleranz immer stärker wurden. Wir sehen aber auch, dass sie ihren Judenhass schon längst in einen Islam-Hass umfunktioniert haben, was uns alle aufwecken und besorgt machen sollte. Während Synagogen und jüdische Funktionsträger bewacht werden, vermisst man das schmerzlich bei Moscheen und Flüchtlingsheimen. Muslime sollten wie Juden derselben "Staatsräson" unterworfen sein. Gerade die Verantwortung aus der der Nazi-Vergangenheit verpflichtet Deutschland zur Sorgfaltspflicht für die letzten vergessenen Opfer des Holocaust, die Palästinenser, einzutreten, die ohne eine weltweit agierende Lobby wie die der Juden ganz auf sich allein gestellt sind. Schon erleben wir eine fortschreitende Israelisierung, auch in Deutschland, und das wollen wir nicht. Fragen wir uns lieber, warum kommen so viele jüdisch-israelische Bürger nach Deutschland und Berlin und fühlen sich sehr wohl, gerade auch in "No Go Areas" wie Wedding und Kreuzberg, vor denen der Zentralrat immer wieder warnt. Vielleicht ist es eine "No go Area" für Israel-Lobbyisten und neuerdings für nicht-religiöse und z.T. evangelikal-zionistische "Kippa Träger", die sich vermehren wie die Kaninchen, aber die Religion instrumentalisieren und mit einem Kampfgebiet verwechseln. Erleben wir doch gerade im "jüdischen Staat", wie rechtsextreme Judaisten gute Chancen haben, die nächste Koalition mit dem Likud und Netanjahu zu stellen. Diese Wähler verbindet nur der Hass auf Palästinenser, und die Aufrechterhaltung der ewigen Besatzung Palästinas und den Gedanken an "Groß-Israel". (5)

Gerade jüdische Bürger sollte das nachdenklich machen, und sie sollten die Muslime und Palästinenser unterstützen in ihrem Kampf um Freiheit und Gleichheit. Gerade sie sollte es beschämen, wenn sie den "Jüdischen Staat" und den Umgang mit Palästinensern und deren Unterdrückung sehen. Und ganz sicher ist es beschämend, wenn man diese Unterdrückungs-, Apartheid- und Besatzungspolitik sieht, aber trotzdem unterstützt, und sich sogar solidarisiert und ohne jede Empathie verfolgt. Sollte man sich dann nicht fragen, ob das alles – diese Gräueltaten – sie nicht an die Erzählungen ihrer Vorfahren erinnert? Nein, vergast wird noch nicht! Aber chemische Waffen und Giftgase sind dem „Jüdischen Staat“ nicht fremd, allerdings wird ihr Besitz und Gebrauch immer verschwiegen. (6)

Demütigungs- und Raubpolitik nicht mehr hinnehmen!

Die Demütigungs- und Raubpolitik der Judaisierung, die hier tatenlos hingenommen, ja unterstützt wird, sollten wir als Bürger nicht mehr hinnehmen. Können es anständige Demokraten wirklich hinnehmen, wenn kritische Juden, die sich gegen die Besatzung Palästinas einsetzen, dämonisiert und kriminalisiert werden, ebenso wie muslimische Bürger, die sich gegen die Vertreibung und Ausrottung ihrer Brüder und Schwestern in Palästina wehren? Nein, die Zeit ist gekommen, dass wir alle gemeinsam die BDS-Bewegung, die einzige friedliche Waffe im Kampf gegen die tödlichen Waffen der Besatzer, aktiv unterstützen. Nicht wir, die diese Bewegung unterstützen sind kriminell, sondern es sind die Unterstützer des "Jüdischen Staates", eines Atomwaffen besitzenden Besatzungsregimes mit einem Konzentrationslager in Gaza.

Das führt mich unweigerlich zu Gaza. Erleben wir dort nicht die gleiche Methode wie in Ägypten, der Ukraine, Syrien und momentan Venezuela? Mit Verknappung, Ausfall der Elektrizität, Wasserverknappung, "Brunnenvergiftung" und ähnliches wird versucht, von außen einen Hass gegen gewählte Regierungen zu schüren. Es ist die Methode USA, die jahrzehntelang erprobt und sehr erfolgreich die Hegemonie verteidigte. Immer wieder erinnert das an einen Kreuzzug, wenn von der "Verteidigung der christlichen Werte" oder schlimmer noch, der "christlich-jüdischen Werte" gesprochen wird. Was für ein christlich-jüdischer Hochmut, der Muslime und ihre Werte negiert und – schlimmer noch – abspricht. Die Dreistigkeit hat immer wieder den Terror und Islamismus in einen Topf geworfen, um so die die heuchlerische Werte-Kriegspolitik zu rechtfertigen.

Eintauchen in die Hochkultur der islamischen Welt!

Tatsächlich blickt der Islam auf eine Hochkultur, die uns von den übernommenen Zahlen, Mathematik, Philosophie bis Baukunst so wertvoll Zeugnis bis heute ablegt. Schon Goethe war fasziniert vom Orient und seiner Hochkultur, was sich in seinem "West-östlichen Divan" niederschlug. Es lohnt sich, dieses Buch zu lesen und sich verzaubern zu lassen. Immer wieder, wenn ich die Geschichten aus 1001 Nacht lese, bin ich entzückt von dieser orientalischen Welt, in die es sich lohnt, einzutauchen. Erinnern möchte ich auch an den leider viel zu früh verstorbenen palästinensischen Dichter Mahmud Darwish als die poetische Stimme seines Volkes! Vergessen wir aber auch nicht die politische Literatur des großen amerikanisch-palästinensischen Literaten Edward Said und sein bekanntestes Werk „Orientalismus“, dass die britische Zeitung "The Guardian" zu den hundert bedeutendsten Sachbüchern zählt. (7)

Zum Schluss möchte ich noch auf das druckfrische Buch von Jürgen Todenhöfer hinweisen, dass ich gerade mit Begeisterung lese. Jürgen Todenhöfer ist einer der wenigen Journalisten, die das Leid der Palästinenser und Gaza nicht vergessen. Er spendete einen Teil der Honorare seines Buches „Inside IS“ für Projekte nach Gaza .Er ist ein großherziger Mensch, mit einem Herz für Gaza. In seinem neuen Werk mit dem Titel "Die große Heuchelei" – Wie Politik und Medien unsere Werte verraten“, Propyläen-Verlag, beschreibt er in Kapitel 6 "Fassungslos in Gaza" unter anderem eine mehr als entlarvende Stellungnahme in einem langen persönlichen Gespräch mit einem israelischen Ex-Politiker und Kriegshelden in Jerusalem: "Gaza interessiere Israel nicht. Israel wolle die alten biblischen Gebiete im Westjordanland zurück, Judäa und Samaria. Es werde sie auch bekommen. Gaza könne haben wer wolle. Die Ägypter oder die Jordanier. Die Einzäunung durch Gitter und Mauern sei die gerechte Strafe dafür, dass Gaza die Hamas gewählt habe.“ Auf Nachfrage von Todenhöfer bestätigte er auch, dass Gaza natürlich ein Konzentrationslager sei, etwas anderes hätten die Leute dort auch nicht verdient. Am Schluss fragte Todenhöfer den Israeli, warum er nicht mehr im Kabinett sitze. Seine Antwort: „Weil ich dann all das nicht mehr sagen kann, was ich Ihnen gerade gesagt habe. Obwohl dort fast alle dasselbe denken." (8)(9)(10)

Hatten die Juden Konzentrationslager verdient?

Das war eine der vielen schockierenden Tatsachenberichte in diesem Buch, das schonungslos beschreibt und entlarvt. Nach diesen schändlichen Statements kam mir natürlich sofort der Gedanke: Hatten die Juden Konzentrationslager verdient? Was für einfache Formeln für ethnische Säuberung und Vertreibung. Versucht nicht das Netanjahu-Regime, angesichts des faschistischen Wahlkampfs der Judaisierung die Methode Regime-Change in Gaza mit der Dämonisierung der Hamas, mit der Not und dem Leid im Konzentrationslager Gaza anzuheizen? Was für eine dämonische Ablenkungsaktion. Vergessen wir niemals: nicht die gewählte Hamas sind die Besatzer und halten ein Labor im Konzentrationslager und betrieben Völkermord! Es sind allein die zionistischen Besatzer, die mit der Methode versuchen, die Bevölkerung aufzuwiegeln und den Hass zu verlagern. Das sollte die Staatengemeinschaft endlich zum Handeln zwingen und diesem Verbrechen den Garaus machen. Das mahnt Auschwitz.


Fußnoten:

(1) https://www.haaretz.com/opinion/.premium-if-palestinians-have-22-states-israeli-jews-have-200-1.7023647
(2) https://www.nachdenkseiten.de/?p=50175
(3) https://www.globalresearch.ca/israel-amps-up-ethnic-cleansing-in-order-to-further-judaize-jerusalem/5622596
(4) https://gulfnews.com/world/mena/israels-legacy-of-terror-and-ethnic-cleansing-1.2154720
(5) https://www.haaretz.com/middle-east-news/palestinians/.premium-hamas-detains-hundreds-after-violently-suppressing-gaza-s-revolt-of-the-hungry-1.7025221
(6) https://www.dw.com/de/ger%C3%A4t-israel-wegen-chemiewaffen-unter-druck/a-17104181
(7) http://www.eslam.de/begriffe/w/west-oestlicher_diwan.htm
(8) https://republican-news.org/current/news/2014/08/gaza_and_the_warsaw_ghetto.html
(9) https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/die-grosse-heuchelei-9783549100035.html
(10) https://www.middleeastmonitor.com/20190318-israel-investigations-into-gaza-deaths-mere-propaganda-says-rights-group/


Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des ehemaligen Zentralratsvorsitzenden der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt. (http://sicht-vom-hochblauen.de/) 2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.

Online-Flyer Nr. 697  vom 20.03.2019



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