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Aktueller Online-Flyer vom 13. November 2018  

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Fotogalerien
Bekannte oder zu Unrecht vergessene Frauen
Kalender-Zeit: Wegbereiterinnen XVII
Von Arbeiterfotografie

Allen zwölf Wegbereiterinnen, die im nunmehr 17. (XVII) Kalender dieser Reihe für das Jahr 2019 vorgestellt werden, ist eins gemeinsam: sie sind tot. Das klingt nicht charmant, aber weiterleben sollen sie durch die Würdigung ihres Werks, des Einflusses, für den sie zu unterschiedlichen Zeiten, an unterschiedlichen Orten unter unterschiedlichen Bedingungen in unterschiedlichen Gesellschaften sich und anderen – teils Geschlechtsgenossinnen – Raum verschafft haben. Ideengeberin dieser seit 2003 erscheinenden Serie ist die promovierte Sozialwissenschaftlerin Gisela Notz.


Irmgard Keun (1905 – 1982) Schriftstellerin „auf Messers Schneide“ (vorgestellt von Stephanie Odenwald)


Hedwig Landauer-Lachmann (1865 – 1918) Dichterin, Anarchistin, Pazifistin (vorgestellt von Sebastian Kunze)


Klara Lemlich (1886 – 1982) New Yorker Kämpferin für das Frauenwahlrecht und gegen den Krieg (vorgestellt von Hella Hertzfeldt)


Sara Sonja Lerch (1882 – 1918) Münchens vergessene Revolutionärin (vorgestellt von Cornelia Naumann)


Else Jaffé- von Richthofen (1874-1973) Geist und Schönheit in den Umbrüchen der Zeit  (vorgestellt von Tilman Evers)

Im Kalender befinden sich Lebensgeschichten, beschrieben von zehn Autorinnen (darunter die Herausgeberin Gisela Notz) und zwei Autoren..

Ein Lesekalender mit unterschiedlich präsentierten Fotos (oder Zeichnungen / Gemälderepros). Meist in jugendlicherem Alter blicken die Portraitierten sanft oder herausfordernd in die zu dieser Zeit übliche Studiokamera vor angedeuteten meist wolkigen Hintergründen.
Sanft und in edler Haltung lächelt Mona-Lisa artig die Tochter des "Militärs" von Richthofen (Friedrich Ernst Emil Ludwig Freiherr Praetorius von Richthofen (1844–1915), die Zeit ihres Lebens sich in einem schöngeistigen Umfeld bewegte. Der Spiegel (23.9.2007): Manfred von Richthofen aus dem Adelsgeschlecht der von Richthofen - in ungeklärtem Verwandtschaftsverhältnis "gilt als Inbegriff des ehrenhaften Kriegshelden: Mit 80 Luftsiegen wurde Jagdflieger Manfred von Richthofen im Ersten Weltkrieg zum Idol." Und weiter: "Er fliegt einen roten Fokker-Dreidecker - ein in jeder Hinsicht überlegenes Jagdflugzeug, eine Legende wie er selbst. Wegen der Farbe seines Flugzeugs wird der preußische Edelmann von Landsleuten "Roter Baron", von seinen Feinden hingegen "Roter Teufel" genannt." Dieses Portrait ist in den Vorankündigungen nicht erwähnt.
Etwas starr blickt Sara Sonja Lerch (1882-1918), promovierte Nationalökonomin, deren Schicksal 1918 im Gefängnis ein Ende fand: erhängt. Noch 1917 erhob sie in scharfen Tiraden massive Vorwürfe gegen die Führer der russischen Revolution.
Herausfordernd erscheint die in winterlicher Straßenkleidung von unten aufblickende junge Schriftstellerin Irmgard Keun, deren Bücher und Leben selbst Zeitgeschichte schreiben, und die von den deutschen Faschisten als "Asphaltliteratur mit antideutscher Tendenz" etikettiert wurden, sie selbst aus Amsterdam mit Hilfe eines SS-Mannes fliehen konnte. Irmgard Keun (1905-1982), "das kunstseidene Mädchen", das "ein Glanz" sein wollte, die schillernd Gestrauchelte (Alkoholikerin und Psychiatrieinsassin) blickt in ihrer Teilheimatstadt Köln als Figur vom Rathausturm: eine besondere Ehre für nur wenige Frauen in der Stadtgeschichte.

Im Werbeumfeld des Kalenders kursieren einige Irritationen hinsichtlich der Portraitierten und Schreibweisen bzw. Angabe ihrer Namen (Hedwig Lachmann-Landauer). Der Verlag: "Vielleicht haben Sie schon einmal von Hedwig Lachmann, der Frau des berühmten Anarchisten Gustav Landauer, gehört? Die Schriftstellerin und Antimilitaristin war aber weit mehr als das."

Bleibt doch die Frage, warum alle holde oder kämpferische Weiblichkeit schon verblichen sein muß. Die Vorstellung, sie, alle, niemals selbst zu ihrem Leben mehr befragen zu können, hinterläßt ein Gefühl der Traurigkeit und Ausgesetztheit. Möglicherweise würden sie selbst sich (ganz oder etwas) anders darstellen. So Gisela Notz bei der Vorstellung ihres Buches "Wegbereiterinnen" auf der jährlich stattfindenden Linken Literaturmesse, Anfang November 2018 in Nürnberg. Ob Rosa Luxemburg, die schon im ersten Frauenkalender 2003 erschienen ist, sich vorrangig als Frau dargestellt gesehen haben wollte?



Gisela Notz (Hg.) Kalender 2019. Wegbereiterinnen XVII
Artikel-Nr.: M 326
ISBN 978-3-945959-29-9 I 2018 I 15 Seiten I DIN A3 I Ringbindung I 14,50 € + 4,90 Porto (wegen Sonderformat)
http://www.agspak-buecher.de/epages/15458842.sf/de_DE/?ObjectID=171548991

Online-Flyer Nr. 681  vom 07.11.2018



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