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Aktueller Online-Flyer vom 02. Dezember 2020  

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Kommentar
Hetz-Journalismus gegen den jüdischen Jazzmusiker Gilad Atzmon
Schein-Blüten
Von Evelyn Hecht-Galinski

Hier ein weiterer Beweis für den Umgang der Jüdischen Allgemeinen (JA) mit nicht genehmen Israel-Kritikern. Ich befasste mich in meinem jüngsten Kommentar ausgiebig mit diesem Thema, der unendlichen Geschichte des diffamierenden Hetz-Journalismus gegen Andersdenkende. Allerdings gab es am 11.04.2013 in der jüdischen Allgemeinen auch einen Artikel von einem Jonathan Scheiner, einem in Frankreich geborenen "Literatur- und Kunstwissenschaftler", der sein "Magisterloch", wie zu lesen ist, als glückloser experimenteller Poet in Madrid überbrückte. Inzwischen schreibt er Texte, Artikel, Kolumnen für Zeitungen, Magazine, Wohnungsbaugesellschaften, Theater und gesundheitspolitische Newsletter, ist also ein Mann "für alle Fälle". Mir fiel dieses "Rundum-Talent" erst jetzt durch den Artikel "Selbsthass und Saxofon" in der Jüdischen Allgemeinen auf. (1)
 
Dieser Artikel besteht vor allen Dingen aus falschen Anschul-digungen und zeugt davon, dass dieser "Schein Schreiber" Jonathan Scheiner wahrschein- lich weder das Buch von Gilad Atzmon gelesen hat, noch sich die Mühe machte, sich außer mit den musikalischen, auch mit den politischen, philosophischen Ausführungen Gilad Atzmons zu befassen. Hierzu möchte ich jedem Leser und Interessierten empfehlen, sein neues Buch: "The Wandering Who" oder auf Deutsch "Der Wandernde Wer", erschienen 2012 im Zambon Verlag, als Lektüre empfehlen.
 
Allein schon der erste Satz des Scheiner-Artikels in der JA, "in Deutschland hat Gilad Atzmon noch kein Einreiseverbot", um dann auf seine Tournee hinzuweisen, zeigt das Gedankengut dieses Autors. Ist es nicht das zionistische Regime Israel, das Israel-Kritiker mit Einreiseverboten abstraft? Da wird keiner ausgelassen, von Noam Chomsky, bis Norman Finkelstein oder eben auch Gilad Atzmon, um nur einige prominente jüdische Namen zu nennen. Gibt es eine andere Lobby, außer der jüdischen, die Shit Listen gegen andere missliebige, andersdenkende Juden heraus gibt, oder Antisemitismus Hit-Listen, wie das W.C. Los Angeles.

Gilad Atzmon und sein Orient House Ensemble
Quelle: http://www.gilad.co.uk/
 
Allerdings kommt Jonathan Scheiner nicht umhin, Gilad Atzmon als Ausnahme-Saxofonisten zu bezeichnen und als einen großen Jazzer seiner Zeit, was wichtige Jazz-Fachleute in der ganzen Welt bestätigen. Nicht umsonst ist die Welttournee seines Orient House Ensembles für seine neue CD Metropolis so erfolgreich, die ihn von Argentinien bis eben jetzt nach Deutschland führen wird.
 
Nach dem vergifteten Lob für den genialen Jazzmusiker, kommen ein völlig fehlgeleiteter Vergleich mit Richard Wagner und und die Absicht, dessen vermeintliche Juden-Phobie mit einer angeblichen Zionismus-Phobie von Gilad Atzmon gleichzustellen.
 
Fragen wir uns also lieber, warum Gilad Atzmon im Londoner Exil lebt und Israel kritisiert. Waren es nicht seine eigenen bitteren Erfahrungen während des ersten Libanon-Krieges, die ihm die Augen öffneten, ihn zum vehementen Israel-Kritiker machten und mit seiner Vergangenheit abschließen ließen? Wäre es nicht, andersrum gesehen, eine schlimme Unterlassung gewesen, nach allem, was er erlebte, nicht so zu handeln? Haben wir Kritiker der zionistischen Politik des israelischen Regimes nicht jeder auf seine Weise diese Erfahrungen gemacht und eigene Lehren daraus gezogen? Sätze wie "sein Antizionismus kippt mittlerweile immer öfter in gewöhnlichen Judenhass um", schreibt Scheiner voll im Sinne der JA, als ausführender Journalisten-Soldat der Hasbara, der zionistischen Propaganda. Ganz in der bekannten Vermischung von Begriffen wie Antizionismus, Antisemitismus und jetzt noch als dramatisierende Steigerung "Judenhass". Was für eine Verdrehung der Tatsachen, um erneut Israel-Kritik in die "Schmuddelecke" zu verlegen. Hiermit zeigt sich die JA wieder einmal als wichtigster "Stürmer" der aufrechten "Israel-Versteher".
 
Ich gehe völlig konform mit Gilad Atzmon und seiner Auffassung: warum sollte sich irgend ein Jude oder eine Jüdin stellvertretend für andere Juden und deren Taten schämen, mit denen man nichts zu tun hat? Ein völlig falscher Ansatz, der nur beweisen soll, dass alle Angriffe gegen Juden einen kollektiven Angriff darstellen. Das ist so falsch, wie die deutsche Kollektivschuld-These. Einen Tipp für Jonathan Scheiner, der, wie bereits erwähnt, selbst in Frankreich geboren wurde, habe ich noch. Warum schreibt er keinen Artikel über den Großrabbiner von Frankreich, Gilles Bernheim, der wegen einer massiven Plagiatsaffäre zurücktreten musste? Bekannt wurde dieser nicht nur durch seinen Einsatz gegen die Homosexuellen-Ehe, außerdem kritisierte er jene, die Israels Politik im Nahost-Konflikt negativ beurteilten und sich von der israelischen Politik distanzierten. (2)

Widersprechen möchte ich auch der These, dass die Diskussion um das Judentum kein Thema des palästinensischen Widerstands ist. Die Besatzung und der Kolonialismus und die Verletzung der Menschenrechte in Palästina sind ohne Juden undenkbar. Der israelische Staat, beruht auf jüdischen Gesetzen und führt jüdische Embleme auf seinen Waffen und Insignien, die im Einsatz gegen Palästinenser oder bei anderen Angriffen und Kriegen genutzt werden. Sind also untrennbar mit dem Judentum verbunden und das durchaus gewollt! Wie auch, wenn aus diesem Grund die unannehmbare Forderung an die Palästinenser, nach Anerkennung als JÜDISCHER STAAT beansprucht wird!
 
Kann das ausgeklammert werden, wenn man die Politik des zionistischen Regimes Israel, das als jüdischer Staat agiert und dessen Gesetze auf diesen Grundlagen basieren, angreift? Nein das kann man nicht, denn schließlich versucht dieser jüdische Staat Israel immer wieder sich im Namen aller Juden in der Welt zu artikulieren. Unermüdlich warnt man nach dieser Philosophie vor ansteigendem Antisemitismus. Israelische Präsidenten rufen dann ungehindert Diasporajuden auf, in den jüdischen Staat heimzukehren. Schlussendlich soll das im zionistischen Sinne dann zu dem Ziel führen, dass alle Juden zurückkommen sollen in ihr von Gott versprochenes Land Eretz Israel.
 
Ich halte das für einen sehr gefährlichen Weg, der nur zur Ausgrenzung führt. Einerseits werden immer mehr jüdische Zentren und Gebetshäuser gebaut, andererseits fordert man von israelischer Seite die Juden in der Welt auf, in das gelobte Land einzuwandern. Damit will man erreichen, dass Antisemitismus und Israel-Kritik untrennbar verbunden sind und in einen Topf geworfen werden. Diesem unsäglichen Stammesdenken, das nicht den Tatsachen entspricht und eine falsche Solidarität erzeugen soll, sollten sich jüdische Bürger in aller Welt unbedingt widersetzen. Es ist mehr als erschreckend, wie viele jüdische Menschen auf diese Propaganda hereinfallen und sich, aus welchen Gründen auch immer, damit identifizieren.
 
Immer wieder wird Angst erzeugt vor der feindlichen nicht-jüdischen Umwelt, die Juden und Israelis bedroht. Warum setzen wir uns nicht einmal vernünftig damit auseinander, dass etwa 60% der deutschen Bevölkerung, trotz der ständigen pro-israelischen Berieselung und des politischen Philosemitismus in der deutschen Politik, das israelische Regime als eine Bedrohung für den Weltfrieden sehen? Das ändert auch nicht die von Kanzlerin Merkel vor der Knesset, dem israelischen Pendant zum deutschen Bundestag, ausgerufene deutsche Staatsräson für Israels Sicherheit.
 
Die traurige Wirklichkeit belehrt uns täglich eines Besseren. Ich frage mich, wie ist es möglich, dass dieser jüdische Staat Israel, eine Ethnokratie, die Bürger anderen Glaubens ungleich behandelt, weiter siedelt, Land raubt, willkürlich verhaftet und tötet und als Besatzer die Regeln der Menschenrechte und des Völkerrechts missachtet in der Staatengemeinschaft mit Wohlwollen und Respekt behandelt wird? Hier sind wir endlich alle aufgefordert, zu reagieren und zu boykottieren. Das zionistische Regime Israel muss endlich in seine Schranken verwiesen werden. Man darf es nicht mehr nur aus strategischen Gründen, massiv unterstützt von den USA, immer weiter machen lassen mit seiner verbrecherischen Politik.
 
Nichts anderes sagt auch Gilad Atzmon. Warum also diese Angriffe gegen ihn? Von verschiedenen Seiten, die immer noch nicht begriffen haben, dass der Kampf gegen das zionistisch israelische Unrecht viele Facetten hat. Hier muss klar getrennt werden zwischen ideologischen Differenzen, aber mit einem gemeinsamen Ziel, nämlich dem Ende der Besatzung. Nur zusammen sind wir stark.
 
Das gilt ebenso für die palästinensische Politik wie auch für die verschiedenen Aktivisten für den Freiheitskampf des palästinensischen Volkes. Leider sind wir davon noch weit entfernt. Daher hoffe ich auf die zweite Solidaritätskonferenz in Stuttgart, die ein Podium für die verschiedensten Meinungen bieten sollte, die alle zu einem Ziel der Konferenz führen sollen, nämlich der Freiheit für Palästina und die Palästinenser. Das ist auch die Meinung und der unermüdliche Kampf meines Freundes Gilad Atzmon, ohne Rücksicht auf Anfeindungen gegen seine Person. Das bewundere ich an ihm.
 

"Das ist Jonathan Scheiner", wird er auf der
Webseite snafu vorgestellt
Aber lassen wir jetzt am Ende Gilad Atzmon selbst zu Wort kommen, in seiner Replik, die Elisabeth Lauck vom Freiburger Friedens- forum mir freundlicher- weise übersetzt hat:
"Warum sollte irgendein Jude irgendwo in der Welt sich in irgendeiner Weise über diese Tatsachen Sorgen machen? Warum sollte irgendein Jude oder eine Jüdin sich Sorgen machen wegen Taten, Aktionen oder Ideen, mit denen sie oder er nichts zu tun hat? Warum sollte mein jüdischer Nachbar, der dem finanziellen Durcheinander ausgesetzt ist und keinerlei Verbindung mit Madoff, Wolfowitz, David Aaronovitch oder dem "Geldautomaten Gottes" Levy hat, sich wegen der gegenwärtigen Finanz- oder imperialistischen Fehlleistungen, für die sie oder er keinerlei Verantwortung trägt, verantwortlich fühlen? Warum sollten meine jüdischen Musikfreunde, die keinerlei Verbindungen mit Israel, AIPAC, CFI; CST, Nick Cohen oder Alan Greenspan haben, sich schuldig fühlen für Verbrechen oder Taten, die von anderen begangen wurden, nur weil letztere auch zufällig jüdisch sind? Würde ein Franzose oder ein Ire in den USA sich möglicherweise bedroht oder diskriminiert fühlen wegen Enthüllungen, von denen einige ihrer Mitauswanderer betroffen, weil sie in einen größeren, kolossalen Skandal verwickelt sind?
 
So ist die Frage, die ich hier stelle, ganz einfach: Warum sollte sich irgendein Jude schuldig fühlen für Verbrechen, die andere Leute begangen haben - Leute, die sie oder er nicht kennt oder mit denen er oder sie nicht in Verbindung steht? Die Antwort ist so einfach: Jüdische Individuen haben keinen Grund, Verantwortung zu übernehmen für Taten, die von anderen Juden begangen wurden. Aber die reine Wahrheit ist, dass viele Juden sich trotzdem große Sorgen machen wegen der gegenwärtigen groben Fehler: Einige fühlen sich schuldig, und möglicherweise viele fühlen sich bedroht. Ich würde sagen, dass solche Reaktionen unsere Beachtung verdienen. Offensichtlich hat Jonathan Scheiner hier bewusst und voller Absicht gelogen. Obwohl sich die Jüdische Allgemeine als das Sprachrohr der jüdischen Gemeinde versteht, müssen wir uns fragen, ob Scheiner um seiner selbst willen lügt oder vielleicht im Namen der deutschen Juden, oder macht er das im Namen der Juden ganz allgemein"?
Soweit die Replique von Gilad Atzmon auf den Jonathan Scheiner-Artikel. (PK)
 
(1) http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/15687
(2) FAZ, vom 11.04.13, "Meditationen aus fremder Feder"

Einen lesenswerten Artikel über Gilad Atzmon hat die FAZ am 19. April veröffentlicht.
Die Überschriften:
Sie dürfen lachen, verstehen Sie? Lachen!
Wer hat sein Saxophon geklaut? Gilad Atzmon weiß sich in Frankfurt mit Humor und Jazzcollagen zu helfen
 


Online-Flyer Nr. 402  vom 17.04.2013



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