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Aktueller Online-Flyer vom 21. Oktober 2017  

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Lokales
Landtagskandidaten von SPD und FDP gewinnen Atomkraft-Quiz in Köln
CDU kneift vor Greenpeace
Von Peter Kleinert

Günstiger, sauberer Strom? Mit 165 Milliarden Euro hat der deutsche Steuerzahler bislang Atomstrom subventioniert. Das wäre die korrekte Antwort gewesen, die vier Kölner Landtagskandidaten von SPD, Grünen, CDU, FDP und Der Linken im Rahmen eines Atomkraft-Quiz am Samstag auf dem Wallrafplatz hätten geben können, die Greenpeace Köln zu einem Duell eingeladen hatte. Nach dem Motto: Wer hat die meiste Ahnung in Sachen Atomkraft? Die CDU war der Einladung offenbar vorsichtshalber nicht gefolgt.

Landtagskandidaten Frank Emonds (Die Linke), Dr. Rolf Albach (FDP), Judith Hasselmann (Bündnis 90/Die Grünen) und Ingrid Hack (SPD) - jeweils mit einem essbaren Mini-Schoko-Atomkraftwerk als Geschenk
Foto: Catharina Perchthaler, Greenpeace

Der Einladung gefolgt waren Ingrid Hack (SPD), Judith Hasselmann (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Rolf Albach (FDP) und Frank Emonds von der Partei Die Linke. Acht Fragen mussten sich die Kandidaten stellen. So wurde unter anderem die KiKK-Studie (Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken) thematisiert: Eine vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Auftrag gegebene Untersuchung, die zu dem Ergebnis kommt, dass das Risiko für Kinder unter fünf Jahren, an Blutkrebs zu erkranken, zunimmt, je näher ihr Wohnort an einem Atomkraftwerk liegt. Mögliche Ursache: Atomkraftwerke dürfen auch im ganz normalen Betrieb radioaktive Substanzen an Luft und Wasser abgeben. Verhängnisvoll für Kinder: Die im Wachstum befindlichen Knochen nehmen alle Nährstoffe auf, die sie kriegen können. So auch – anstelle von Calcium – das radioaktive Strontium, welches in die Zellen hinein strahlt und Blutkrebs, also Leukämie, verursachen kann - wie bei IPPNW (International Physicians for the Prevention of Nuclear War – Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs/Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.) nachzulesen ist.
 
Auch kein Endlager in den USA
 
Ob es für die Kandidaten überraschende Erkenntnisse gab? „Dass auch die Amerikaner das Endlager in den Yucca Mountains nicht genehmigt haben“, so Dr. Rolf Albach (FDP). So existiert weltweit kein einziges Endlager für den gefährlichen hochradioaktiven Müll. „Hochradioaktive Abfälle müssen für mehr als eine Million Jahre sicher von der Biosphäre abgeschirmt werden. Für einen so langen Zeitraum Sicherheit zu gewähren, ist unmöglich“, so Ingrid Hack (SPD), die gemeinsam mit Dr. Rolf Albach das Duell mit sechs richtig beantworteten Fragen gewonnen hatte. 
 
Sowohl für Ingrid Hack, als auch Judith Hasselmann von Bündnis 90/Die Grünen war die Zahl der Arbeitsplätze überraschend, die die Erneuerbaren Energien in Deutschland geschaffen haben: 280.000 Stück. Hack: „Ich hätte gedacht, es seien mehr“. Hasselmann: „Ich wäre von weniger ausgegangen“. Im Vergleich: Es arbeiten nur rund 30.000 Menschen in Deutschland in der Atomindustrie. „Die Arbeitsplatzsituation war mir sehr wohl bekannt. Was mich allerdings überrascht hat: Wie viele Steuergelder dafür ausgegeben worden sind“, so Frank Emonds, von der Partei Die Linke, und ergänzte: „Das ist ein unhaltbarer Zustand, wenn man umrechnet, was alles an kommunalen Leistungen – siehe Kindergärten und Schulen – mit diesem Geld erbracht werden könnte“.
 
Pläne von Schwarz/Gelb in NRW durchkreuzen
 
Mit dem Atomkraft-Quiz wollte Greenpeace Köln die BürgerInnen für das Thema Atomkraft noch einmal sensibilisieren. Denn die haben am 9. Mai bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen die Wahl: „Nordrhein-Westfalen ist in der Atompolitik das Zünglein an der Waage. Die Wähler haben jetzt die Chance, mit ihrer Stimme die Pläne von Schwarz/Gelb für Laufzeitverlängerungen von alten Atomkraftwerken zu durchkreuzen“, sagt Thomas Schmidt, Atomkraft-Ansprechpartner von Greenpeace Köln. Von 12.30 bis 16 Uhr nutzten Passanten die Möglichkeit – wie die Landtagskandidaten – sich an dem Atom-Quiz zu versuchen. Für jeden Teilnehmer gab es als Dank ein essbares Mini-Schoko-Atomkraftwerk aus biologischen Zutaten, welches sich – ganz im Gegensatz zu den echten Atomkraftwerken – angenehm und problemlos entsorgen lässt. (PK)
 
Mehr Informationen: köln@gaia.de, www.greenpeace.de/koeln, Arndtstr. 12, 50670 Köln


Online-Flyer Nr. 245  vom 14.04.2010



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