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Kultur und Wissen
Nachruf: Jazz-Saxophonist in Köln gestorben
Jazz global: Charlie Mariano
Von Gerrit Wustmann

Der in den USA geborene Saxophonist Charlie Mariano erlag am Dienstag den 16. Juni, in seiner Kölner Wahlheimat im Alter von 85 Jahren seinem Krebsleiden. In seiner langen Karriere als Jazzmusiker bereiste er die Welt und spielte mit internationalen Größen wie Stan Kenton, Charlie Parker, Dizzy Gillespie und McCoy Tyner. Auch mit jungen Musikern trat er häufig auf, Nachwuchsförderung war ihm wichtig. Mariano hatte an über 300 Studioproduktionen mitgewirkt.

Aber nicht nur das. „Charlie Mariano war vielseitiger“, wie Claudius Arnold von BHM Productions in seinem Nachruf schreibt. „So arbeitete er unter anderem mit Herbert Grönemeyer, Konstantin Wecker oder Weltmusikern wie Rabih Abou-Khalil, Dino Saluzzi oder den Dissidenten. Für BHM spielte Charlie Mariano mit dem Gitarristen Quique Sinesi 2007 das Album Ecos Del Alma ein. Wir verabschieden nicht nur ein Urgestein des Jazz, sondern auch einen Freund und wünschen ihm eine gute Reise.“ Erst 2007 hatte Mariano neben dem WDR-Jazz-Ehrenpreis für sein Lebenswerk auch den deutschen Weltmusikpreis erhalten. Charles Mingus, Marianos Weggefährte und Mentor, bezeichnete Marianos Stil einmal als „Tränen des Klangs“.

Mariano hatte nach Flöte und Klavier mit 17 Jahren, damals noch in Boston, Massachusetts, begonnen, Saxophon zu spielen. In den Siebziger Jahren wirkte er in Europa beim United Jazz and Rock Ensemble mit. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang in Japan gelebt, wo er seine Ehefrau kennen lernte. Insgesmt war er dreimal verheiratet.

Charlie Mariano Foto: Klaus Genuit
Charlie Mariano und Handwerks-       
zeug | Foto: Klaus Genuit
Mariano war Zeit seines Lebens ein Reisender. Seine Offenheit für die Kulturen und Künste der Welt spiegelte er in seiner Musik, in der er nicht nur zahlreiche Genres und Stile vereinte, sondern immer wieder auch Neues wagte, von Klassik-Adaptionen über Tango, Jazz-Rock, Folk, Bebop und Blues machte er auch Ausflüge in orientalische Gefilde. In Indien erlernte er das Spiel auf der
Nagaswaram, einem oboenähnlichen Instrument. Neben seiner umfangreichen Bühnen- und Studioarbeit von 1942 bis 2009 lehrte er als Musikdozent in Berklee, wo er selbst studiert hatte, und in Malaysia.

Mariano lebte seit 1986 in Köln. Die Stadt habe er aufgrund des „offenen, urbanen Klimas sehr geschätzt“, heißt es auf seiner Website. Zuletzt hatte er im September 2008 auf der Bühne gestanden. Ein Konzert im Februar 2009 im Alten Pfandhaus in Köln war wegen Marianos Krankheit kurzfristig abgesagt worden. In einem Interview mit Jazz Dimensions im Jahr 2007, nicht lange nach einer Strahlentherapie, antwortete Mariano auf die Frage nach seiner Lebensphilosophie: „Ich will so lange lebendig bleiben, wie’s geht!“ Lebendig war er bis zuletzt – und in seiner Musik wird er es bleiben.


(GW)

Online-Flyer Nr. 203  vom 24.06.2009



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