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Literatur
Hauke Arach: Mensch, lern das und fragt nicht!
Wie Tiefenindoktrination und Medien zusammenspielen
Rezension von Josef Opladen

„Wer sich mit Schulbüchern über die Zeiten und Länder hinweg beschäftigt, merkt sehr bald, dass die staatlich kontrollierten Schulen in allen Ländern über alle Zeiten hinweg immer dieselbe Aufgabe zu erfüllen haben: Sie sollen die Jugend formen für die Stabilisierung des jeweiligen Gesellschafts-, Eigentums- und Ökonomiemodells, den Nachwuchs heranziehen für Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, Militär und Kirche.°, so der Autor dieser kritischen Aufarbeitung unseres Schulsystems, der unter dem Pseudonym Frauke Harrach schreibt, weil er ansonsten voraussichtlich im Schuldienst nicht weiter geduldet würde.

Zum Verständnis gibt er einen kurzen Abriss bezüglich der Entstehung der (repräsentativen) Demokratie und zeigt dabei den Einfluss des Kapitals und damit der Macht auf die Ausgestaltung dieser Staatsform auf. Und zum Beweis führt er Stellen aus verschiedenen Schulbüchern an, die zu verschiedenen Zeiten die Zulassung erhalten haben.

Dabei liegt es nicht an den Schulgesetzen, die je nach Bundesland unterschiedlich formuliert sind, aber in aller Regel zum Ausdruck bringen, dass die Schüler in die Lage versetzt werden sollen, sich umfassend zu informieren und diese Informationen kritisch zu nutzen. Die dafür erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnisse sollen in der Schule vermittelt werden. So schön, so gut. Aber wie sieht das in der Praxis aus?

Dies untersucht er in den Bereichen Geschichte, Biologie, Erdkunde und Politik. Zum Thema Geschichte befasst er sich mit der Schulbuchliteratur zum Ersten Weltkrieg und zeigt Unterschiede zwischen einem 2018 zugelassenen und einem anderen 1992 zugelassenen Buch für das zehnte Schuljahr auf. In seinem Fazit kommt er zu dem Schluss, dass die Geschichte von den Siegern geschrieben wird und dass die Wissenschaft unter die Räder kommt, wenn von mehreren Erklärungsmustern nur noch einem einzigen Raum gegeben wird. Das ist für den Autor Indoktrination. Ein weiteres Kapitel befasst sich mit dem Zweiten Weltkrieg mit einem ähnlichen Fazit. Im Geschichtsbild der Schulbücher spielen die USA die Rolle des Helfers, ohne deren Interessen zu benennen. Die Leiden der Sowjetunion verschwinden nahezu komplett, dafür wird das Leiden der jüdischen Bevölkerung in epischer Breite dargestellt. In seiner Aufarbeitung bezieht er sich auch auf Erkenntnisse, die erst in den letzten Jahren bekannter geworden sind, was z.B. die Finanzierung des Krieges durch amerikanische Banken betrifft.

Aber es geht noch weiter. Am Beispiel des Vietnamkrieges wird unter anderem herausgearbeitet, wie dieser chemische Vernichtungskrieg, ein monströses Kriegsverbrechen, auf kindgerecht verdauliche Größe gestutzt wird und der amerikanische Führungsanspruch in die Schülerköpfe eingepflanzt wird.

Der Autorenbeitrag zum Jugoslawien Krieg vermeidet jeglichen Hinweis auf ausländische Einmischung und bricht nach dem Hinweis auf Srebrenica mit der Feststellung ab, dass der europäische Gerichtshof das Massaker von 1995 als Völkermord einstuft. Die Schüler erfahren nichts über diesen Krieg, der aus mehreren Gründen eine Zäsur für die deutsche Geschichte darstellt. Und auch am Beispiel von 9/11 und der darauf folgenden Kriege wird deutlich gemacht, welche Wortwahl verwendet wird, um bestimmte Bilder zu erzeugen. Von den verheerenden Folgen für die angegriffene Bevölkerung erfahren die Schüler nichts, genauso wenig wie von den Interessen, die im Hintergrund dieser Kriege stehen. Ein schönes Beispiel dafür, wie man durch weglassen indoktrinieren kann.

Im Fachbereich Erdkunde greift sich der Autor das Kapitel zum Klimawandel heraus und stellt fest, dass eine wissenschaftliche Auseinandersetzung zum Thema nicht stattfindet. Weder der Fakt, dass die Erde schon immer einer Änderung des Klimas unterliegt, noch dass die Wissenschaft längst nicht so einheitliche Forschungsergebnisse hervorgebracht hat, wird thematisiert. Anstelle dessen werden die Schüler auf eine Klimapolitik der CO2-Reduktion eingeschworen.

Und letztendlich im Bereich Politik wirft der Autor einen Blick auf die Themengebiete Kapital und Arbeit, Lobbyismus und Medien. Er kommt dabei zu dem Schluss, dass den Schülern die realen wirtschaftlich-politischen Verhältnisse nicht vermittelt werden, dass die wahren Interessen, Machtstrukturen und Entwicklungen verborgen bleiben und damit eher der Desinformation als einer Aufklärung der Wirklichkeit dienen.

In seiner Schlussbetrachtung stellt der Autor fest, dass die besprochenen Schulbücher nicht zum Diskurs anleiten wollen, sondern Wissenschaft als eindeutig darstellen. Meinung wird als Wahrheit verkündet und der kritische Ansatz der Aufklärung verschwindet.

Zugegeben: der Autor klärt über viele Zusammenhänge auf, die den mainstreamgefütterten Konsumenten vielleicht überfordern. Aber genau dadurch wird deutlich, wie Tiefenindoktrination und Medien zusammenspielen. Mit diesem Buch sollten sich alle auseinandersetzen, die im Bereich der Bildung ihr Geld verdienen. Aber auch Eltern, ältere Schüler und Studenten könnten durch die Lektüre ein Stück weit inspiriert werden, darüber nachzudenken, wie das eigene Weltbild zustande kommt, wenn man einfach nur lernt und nicht nachfragt.


Hauke Arach: Mensch, lern das und fragt nicht! Wie unsere Kinder für die Zukunft vorbereitet werden



Anderwelt Verlag, 167 Seiten, 12,90 Euro


Online-Flyer Nr. 866  vom 29.07.2026



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