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Aktueller Online-Flyer vom 17. Juni 2026  

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Globales
Der erste Fünfjahrplan "Relance"
Burkina Faso: Die Strategie aus der Abhängigkeit
Von Georges Hallermayer

„Die Fortschrittliche Volksrevolution (RPP) ist die rechtmäßige Erbin der Demokratischen Volksrevolution (RDP) unter Thomas Sankara. Was wir gemeinsam aufbauen, gehört nicht einer politischen Elite. Es gehört unseren Millionen von Bauern, Viehzüchtern, Frauen und Jugendlichen, die eine Zukunft in Würde verdienen… Denn ihr habt ein verarmtes Gebiet in ein lebendiges Laboratorium afrikanischer Souveränität verwandelt, zwei Millionen Kinder innerhalb von fünfzehn Tagen geimpft, zehn Millionen Bäume gepflanzt, um die Wüstenausbreitung aufzuhalten, und den Bauern ihre Würde zurückgegeben.“ (Karamoko Jean Marie Traoré, Außenminister von Burkina Faso, Ougadougou 15. Mai 2026)

Der Gesetzgebenden Volksversammlung präsentierte der burkinische Wirtschaftsminister Aboubacar Nakanabo am 8. Mai den neuen Entwicklungsplan (PND) „Relance 2026 – 2030“ (Neu-Start), der mit einem Investitionsvolumen von umgerechnet über 55 Mrd. Euro beschlossen wurde. „Die Zeit der bescheidenen Ziele ist vorbei. Jetzt sind Mut, Disziplin, Innovation und patriotische Opferbereitschaft gefragt. Unser Volk erwartet von uns konkrete, sichtbare und nachhaltige Ergebnisse“ unterstrich Premierminister Rimtalba Jean Emmanuel Ouedraogo auf dem Meeting des „Komitees der strategischen Orientierung“ am 5. Juni 2026.

Ziel sei es, eine widerstandsfähigere, souveräne und integrative Volkswirtschaft aufzubauen, die auf der Nutzung heimischer Ressourcen, dem strukturellen Wandel des Produktionsapparats und nicht zuletzt auf der nationalen Eigenverantwortung für den Entwicklungsprozess beruhe.

Die großen Linien der Entwicklung ruhen dabei auf vier strategischen Säulen:
  1. Die Konsolidierung der Sicherheit, des sozialen Zusammenhalts und des Friedens – Rückeroberung der Gebiete an den Landesgrenzen aus den Fängen der terroristischen Banden hat natürlich Priorität. Dazu sieht der Plan vor, die Armee (FDS) um 50.000 Mann aufzustocken, 100.000 Reservisten aufzustellen und 60.000 Freiwillige (VDP) für die lokale Sicherheit zu gewinnen. Ebenso ist die Rückkehr von Binnenflüchtlingen in ihre verlassenen, von den  Terrorbanden zurückgewonnenen Dörfer und ihre sozio-ökonomische Eingliederung vorgesehen.
  2. Die Optimierung der Regierungsführung, einen Staat aufzubauen – effizienter und transparent, souverän und nahe der Bevölkerung. Das Mobilfunknetz werde zu 100 % das Land abdecken. Der Perceptions-Index zur Korruption soll von 41/100 im Jahr 2024 auf 46/100 bis 2030 verbessert und die Grundbücher zum Bodeneigentum digitalisiert werden.
  3. Zur Entwicklung des „Humankapitals“ nicht weniger ehrgeizige Zielsetzungen: Die Armutsrate sei von 43,2 % auf 35 % zu senken, die Lebenserwartung von 61,9 Jahren auf 68 Jahren zu erhöhen. Es sind 73 neue Gesundheits- und Sozialzentren und neun Regional-Krankenhäuser geplant. Mit der Nationalisierung von Faso PHARMA wird eine moderne Pharmaindustrie aufgebaut, eintausend Mitarbeiter im Gesundheitswesen pro Jahr fortgebildet. Der Bau von 150 Primär- und Sekundärschulen in den 17 Regionen und dazu 50.000 Sozialwohnungen sind im Plan.
  4. Die Infrastruktur und Wirtschaft zu entwickeln strebt die Souveränität in der Nahrungsmittel- und Energieversorgung wie auch die Industrialisierung (Bergwerke) an. Der Nahrungsmittelimport solle von 11,5 % auf 8 % verringert werden. Der Anteil der Verarbeitungsindustrie am BIP werde von 9,6 % 2024 auf 17,7 % im Jahr 2030 fast verdoppelt, die Stromversorgungskapazität von 678,5 MW auf 2.585,6 MW, eine Erhöhung von 281 % in fünf Jahren.
Minister Aboubacar Nakanabo begegnete den besorgten Bedenken der Abgeordneten, dass die Finanzierung des Programms zu 65 % aus Eigenmitteln gesichert sei. Das fehlende Drittel, erwarte er, sei durch die Ausgabe von Volksaktien, Diaspora-Anleihen und patriotischem Crowdfundung (wie in den Vorjahren) zu finanzieren.

Der Erfolg des 5Jahres-Plans sei eine nationale Notwendigkeit, betonte Premierminister Rimtalba Jean Emmanuel Ouedraogo. Er solle dazu beitragen, die Ernährungssouveränität zu stärken, die lokale Verarbeitung von Bodenschätzen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu fördern, den Zugang der Bevölkerung zu grundlegenden sozialen Dienstleistungen zu verbessern, die Energie-, Straßen- und Industrieinfrastruktur auszubauen, die öffentliche Verwaltung zu modernisieren und nachhaltig Arbeitsplätze für junge Menschen zu schaffen – eine neue politische Ökonomie zum Profit für alle und jeden auf der Grundlage eigener Mittel. Neben der bereits erfolgten Verstaatlichung des Bodens sei aktuell die Kontrolle des Finanz- und Bankwesens für die Umsetzung des programmatischen Rahmens der Revolution erforderlich, kommentiert Boubakar Sy in der Tageszeitung Sidwaya.


Verfasst am 17. Mai 2026, updated 9. Juni 2026



Online-Flyer Nr. 864  vom 17.06.2026



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