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Literatur
Magda von Garrel: Mensch als Beute - Gespräche über elitäre Transformationsprojekte
Demokratische Reformen gegen digitale Beutemuster
Von Rudolph Bauer
Transformation ist ein politisches Modewort, welches den Begriff der Reform und das Versprechen von Reformprogrammen weitgehend aus dem Vokabular der Parteien und Politiker verdrängt hat. Das Wort Reform spricht die Veränderung eines bestimmten Politikfeldes an; siehe Verwaltungsreform, Schulreform, Krankenhausreform, Reform des § 218. Der Begriff Transformation hingegen ist eher vage, schillernd, nicht eindeutig. Er beschreibt längerfristige Prozesse des gesellschaftlichen Wandels in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Gemeint sind Veränderungsprozesse, an denen die staatliche und die ökonomischen Seite der Gesellschaft beteiligt sind.
Die als Transformation bezeichneten Veränderungen gehen so vonstatten, dass sie in der Bevölkerung kaum bemerkt und widerstandslos hingenommen werden. Die Individuen werden als Einzelne und in ihrer Gesamtheit zur Beute „elitärer Transformationsprojekte“, wie es im Untertitel des neuen Buches von Magda von Garrel heißt. „Mensch als Beute“ thematisiert technologische, ökologische, digitale und soziale Transformationsprozesse in so unterschiedlichen Lebensbereichen wie Gesundheit, Ernährung, Mobilität und Bildung, aber auch angesichts des Corona-Regimes, der vielfältigen Zensur-Maßnahmen, der medialen Manipulation, der Demokratie-Simulation und des drohenden Ersatzes von Bargeld durch Digitalkonten.
Gespräche gegen den neu entstehenden Totalitarismus
Um diese tiefgreifenden Veränderungen in Richtung eines neu entstehenden Totalitarismus erkennbar zu machen, wählte die Autorin als Darstellungsweise das Gespräch. Statt sich in trockenen akademischen Ausführungen zu ergehen, entschied sie sich für den Dialog, das sokratische Zwiegespräch. Es findet statt zwischen jeweils einer wissend-aufklärenden Person und einer weiteren, die ihr (Un-)Wissen aus den angepassten und manipulierenden Medien sowie von die Wahrheit geschickt verschleiernden Politikern, Lehrern und „Experten“ bezieht.
Magda von Garrel holt die Leserinnen und Leser dort ab, wo sich die Durchschnitts-Zeitgenossinnen und Medienkonsumenten befinden; nämlich in einem Nebel von Vorurteilen und Meinungszwängen, geblendet von Ängsten und vom Kollektivwahn oder verführt durch falsche Versprechen sowie die Ablenkungen des Konsums und der Unterhaltungsindustrie. Im Gespräch wird dialogisch zur Erkenntnis der wahren Verhältnisse geleitet. Insgesamt sind es über fünfzig Dialoge zu zehn Themenkomplexen, in welchen die Vielfalt jener Beutemuster aufgezeigt wird, mittels derer der „Mensch“ biologisch, mental, psychologisch und monetär gefangen ist und zum willigen Objekt der Digitalisierung gemacht wird.
Im Vorwort beschreibt die Verfasserin die Situation, in der wir uns befinden und „die weit über die von den Kapitalisten schon immer betriebene Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft hinausgeht. Angestrebt wird eine vollständige Inbesitznahme des Menschen, wobei insbesondere mit Hilfe der Digitalisierung der Mensch zur Beute gemacht werden soll. Und das in einem doppelten Sinne: Mit den uns gestohlenen Daten lassen sich sowohl riesige finanzielle Zugewinne als auch neuartige Herrschaftsinstrumente generieren.“
Empfehlung zur Lektüre und für demokratische Reformen
Das Gespräche-Buch Magda von Garrels ist ein notwendiger, wichtiger und lesenswerten, vor allem auch spannend lesbarer Beitrag zum Verständnis all dessen , was sich hinter dem Begriff der Transformation an verdeckten Vorgängen und kaum wahrnehmbaren oder auch verdrängten Veränderungen verbirgt. Das Buch zeigt aber nicht nur die massiv drohenden gesellschaftlichen Veränderungsschübe auf. Sondern es ermutigt zum eingreifenden Handeln. In ihrem Nachwort schreibt von Garrel: „Ein Erkennen des global-totalitären Charakters der auf eine komplette Inbesitznahme des Menschen gerichteten Bemühungen führt zu der Frage, ob und wie wir uns dem drohenden Würgegriff der Eliten entziehen können.“
Als Antwort darauf schließt der Band im Nachwort mit einer stichwortartigen Liste von zwanzig Forderungen, „die sich sowohl auf die strukturell schon immer vorhandenen Demokratiedefizite als auch auf die neu hinzugekommenen Demokratieverluste bezieht“. Beim Studium dieses umfassenden Katalogs demokratischer Postulate – wie z. B. Abschaffung der Meldestellen, Aufhebung des Verbots politischer Streiks, Rekommunalisierung daseinsvorsorgender Einrichtungen, Grundrecht auf Bargeld und analoges Leben – zeigt sich die Notwendigkeit, den „elitären Transformationsprojekten“ mit fundamental-demokratischen Reformen zu begegnen.
Die im Nachwort des Buches geforderten demokratischen Reformen sind nicht obsolet, auch wenn damit das immer kriegslüsterner tobende Wirtschaftssystem der kapitalistischen Profitmaximierung und des finanzkapitalistischen Casinos nicht aus den Angeln gehebelt werden kann. Die Gespräche des Buches „Mensch als Beute“ sind wichtige Stufen der Erkenntnis in einer Zeit des Umbruchs. Den Gesprächen ist eine große Verbreitung zu wünschen, nicht zuletzt unter denen, welche sich immer noch nicht als Erbeutete selbst zu erkennen bereit sind. Den Aufgeklärten liefern die Dialoge eine Fülle überzeugender Argumente im (Streit-)Gespräch mit den ersteren. Also auch für die Wissenden ein hilfreich-nützliches Buch.
Magda von Garrel: Mensch als Beute - Gespräche über elitäre Transformationsprojekte

OVALmedia, Berlin 2025, 232 Seiten, 18 Euro, Bestellung über: https://shop.oval.media/produkt/mensch-als-beute/
Siehe auch:
Magda von Garrel: Mensch als Beute - Gespräche über elitäre Transformationsprojekte
Denkanstöße zur Gegenwehr
Buchempfehlung von Amir Mortasawi
NRhZ 854 vom 14.11.2025
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=29640
Online-Flyer Nr. 859 vom 14.03.2026
Magda von Garrel: Mensch als Beute - Gespräche über elitäre Transformationsprojekte
Demokratische Reformen gegen digitale Beutemuster
Von Rudolph Bauer
Transformation ist ein politisches Modewort, welches den Begriff der Reform und das Versprechen von Reformprogrammen weitgehend aus dem Vokabular der Parteien und Politiker verdrängt hat. Das Wort Reform spricht die Veränderung eines bestimmten Politikfeldes an; siehe Verwaltungsreform, Schulreform, Krankenhausreform, Reform des § 218. Der Begriff Transformation hingegen ist eher vage, schillernd, nicht eindeutig. Er beschreibt längerfristige Prozesse des gesellschaftlichen Wandels in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Gemeint sind Veränderungsprozesse, an denen die staatliche und die ökonomischen Seite der Gesellschaft beteiligt sind. Die als Transformation bezeichneten Veränderungen gehen so vonstatten, dass sie in der Bevölkerung kaum bemerkt und widerstandslos hingenommen werden. Die Individuen werden als Einzelne und in ihrer Gesamtheit zur Beute „elitärer Transformationsprojekte“, wie es im Untertitel des neuen Buches von Magda von Garrel heißt. „Mensch als Beute“ thematisiert technologische, ökologische, digitale und soziale Transformationsprozesse in so unterschiedlichen Lebensbereichen wie Gesundheit, Ernährung, Mobilität und Bildung, aber auch angesichts des Corona-Regimes, der vielfältigen Zensur-Maßnahmen, der medialen Manipulation, der Demokratie-Simulation und des drohenden Ersatzes von Bargeld durch Digitalkonten.
Gespräche gegen den neu entstehenden Totalitarismus
Um diese tiefgreifenden Veränderungen in Richtung eines neu entstehenden Totalitarismus erkennbar zu machen, wählte die Autorin als Darstellungsweise das Gespräch. Statt sich in trockenen akademischen Ausführungen zu ergehen, entschied sie sich für den Dialog, das sokratische Zwiegespräch. Es findet statt zwischen jeweils einer wissend-aufklärenden Person und einer weiteren, die ihr (Un-)Wissen aus den angepassten und manipulierenden Medien sowie von die Wahrheit geschickt verschleiernden Politikern, Lehrern und „Experten“ bezieht.
Magda von Garrel holt die Leserinnen und Leser dort ab, wo sich die Durchschnitts-Zeitgenossinnen und Medienkonsumenten befinden; nämlich in einem Nebel von Vorurteilen und Meinungszwängen, geblendet von Ängsten und vom Kollektivwahn oder verführt durch falsche Versprechen sowie die Ablenkungen des Konsums und der Unterhaltungsindustrie. Im Gespräch wird dialogisch zur Erkenntnis der wahren Verhältnisse geleitet. Insgesamt sind es über fünfzig Dialoge zu zehn Themenkomplexen, in welchen die Vielfalt jener Beutemuster aufgezeigt wird, mittels derer der „Mensch“ biologisch, mental, psychologisch und monetär gefangen ist und zum willigen Objekt der Digitalisierung gemacht wird.
Im Vorwort beschreibt die Verfasserin die Situation, in der wir uns befinden und „die weit über die von den Kapitalisten schon immer betriebene Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft hinausgeht. Angestrebt wird eine vollständige Inbesitznahme des Menschen, wobei insbesondere mit Hilfe der Digitalisierung der Mensch zur Beute gemacht werden soll. Und das in einem doppelten Sinne: Mit den uns gestohlenen Daten lassen sich sowohl riesige finanzielle Zugewinne als auch neuartige Herrschaftsinstrumente generieren.“
Empfehlung zur Lektüre und für demokratische Reformen
Das Gespräche-Buch Magda von Garrels ist ein notwendiger, wichtiger und lesenswerten, vor allem auch spannend lesbarer Beitrag zum Verständnis all dessen , was sich hinter dem Begriff der Transformation an verdeckten Vorgängen und kaum wahrnehmbaren oder auch verdrängten Veränderungen verbirgt. Das Buch zeigt aber nicht nur die massiv drohenden gesellschaftlichen Veränderungsschübe auf. Sondern es ermutigt zum eingreifenden Handeln. In ihrem Nachwort schreibt von Garrel: „Ein Erkennen des global-totalitären Charakters der auf eine komplette Inbesitznahme des Menschen gerichteten Bemühungen führt zu der Frage, ob und wie wir uns dem drohenden Würgegriff der Eliten entziehen können.“
Als Antwort darauf schließt der Band im Nachwort mit einer stichwortartigen Liste von zwanzig Forderungen, „die sich sowohl auf die strukturell schon immer vorhandenen Demokratiedefizite als auch auf die neu hinzugekommenen Demokratieverluste bezieht“. Beim Studium dieses umfassenden Katalogs demokratischer Postulate – wie z. B. Abschaffung der Meldestellen, Aufhebung des Verbots politischer Streiks, Rekommunalisierung daseinsvorsorgender Einrichtungen, Grundrecht auf Bargeld und analoges Leben – zeigt sich die Notwendigkeit, den „elitären Transformationsprojekten“ mit fundamental-demokratischen Reformen zu begegnen.
Die im Nachwort des Buches geforderten demokratischen Reformen sind nicht obsolet, auch wenn damit das immer kriegslüsterner tobende Wirtschaftssystem der kapitalistischen Profitmaximierung und des finanzkapitalistischen Casinos nicht aus den Angeln gehebelt werden kann. Die Gespräche des Buches „Mensch als Beute“ sind wichtige Stufen der Erkenntnis in einer Zeit des Umbruchs. Den Gesprächen ist eine große Verbreitung zu wünschen, nicht zuletzt unter denen, welche sich immer noch nicht als Erbeutete selbst zu erkennen bereit sind. Den Aufgeklärten liefern die Dialoge eine Fülle überzeugender Argumente im (Streit-)Gespräch mit den ersteren. Also auch für die Wissenden ein hilfreich-nützliches Buch.
Magda von Garrel: Mensch als Beute - Gespräche über elitäre Transformationsprojekte

OVALmedia, Berlin 2025, 232 Seiten, 18 Euro, Bestellung über: https://shop.oval.media/produkt/mensch-als-beute/
Siehe auch:
Magda von Garrel: Mensch als Beute - Gespräche über elitäre Transformationsprojekte
Denkanstöße zur Gegenwehr
Buchempfehlung von Amir Mortasawi
NRhZ 854 vom 14.11.2025
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=29640
Online-Flyer Nr. 859 vom 14.03.2026














