Die NRhZ-Kolumne
Investmentbanking – Monopoly oder Schneeballsystem?
von Norbert Arbeiter
“Die Geschäftstätigkeit von Investmentbanken im weiteren Sinne besteht im Wesentlichen aus der Vermögensverwaltung ihrer Kunden, dem Handel mit Wertpapieren sowie der Unterstützung von Unternehmen bei Kapitalaufnahmen (etwa Börsengängen). Investmentbanken dienen der Unterstützung des Handels an Finanzmärkten durch so genannte Investmentgeschäfte. Investmentbanken entstanden ursprünglich im US-Trennbankensystem als Gegenstück zu den Geschäftsbanken (commercial banks).
Schon seit dem Ende der 1980er Jahre war eine zunehmende Übernahme von Investmentbanken durch Universalbanken zu beobachten. Dies wurde neben der Attraktivität und dem Image des Geschäfts auch damit begründet, dass gemischte Banken für ihren Kunden größere Garantien bei Emissionen geben und das gesamte Finanzierungsportfolio abdecken könnten“. So steht`s bei Wikipedia.
Die Deutsche Bank z.B. macht die größte Rendite im Investment-Banking, die Geschäfte mit der Realwirtschaft sind rückläufig. Also Wett-Geschäfte vor Wirtschaftsförderung. Der Mittelstand ist entsetzt und verärgert: mit der FDP haben sie aufs falsche Pferd gesetzt. Das Kreditinstitut profitierte also von seiner Kapitalmarktsparte. In den ersten drei Monaten des Jahres 2009 z.B.,verdiente die Bank im Investmentbanking 1,3 Milliarden Euro vor Steuern. Beim Geschäft mit Privat- und Firmenkunden und der Vermögensverwaltung dagegen schmolz der Gewinn von knapp 500 Millionen Euro im Vorjahr auf nur noch 34 Millionen Euro zusammen.
Auf den Finanzmärkten wird mit „Buchgeld“ gehandelt, abseits der Realwirtschaft. Man schätzt dieses Buchgeld auf ein Volumen von ca. 350 Billionen Dollar Global (Finanzblase). Davon haben 150 Billionen nur einen Bezug zu realen Werten (das Volumen des deutschen Bundeshaushalt: ca. 310 Milliarden). Die Investment-Banken und Fonds, die rund um den Globus mit diesen Billionen, die über Jahrzehnte der Realwirtschaft entzogen und durch Spekulation aufgebläht wurden, Geschäfte machen, die überhaupt keinen volkswirtschaftlichen Nutzen haben, zahlen keinen Cent an Abgaben an niemanden. Die viel diskutierte Transaktionssteuer wäre das Mindeste und würde diesen Irrwitz begrenzen. Das wären ca. 5 Euro bei 100.000 Euro Umsatz und ergeben ca. 20 Milliarden Steuereinnahmen allein in Deutschland. Daran erkennt man das unglaubliche Gesamt-Transaktions-Volumen.
Diese Geschäfte sind im Prinzip alle Wetten auf irgendein Ereignis: tritt es ein, gewinnt man oder umgekehrt. Es wird mit allem gehandelt was Money macht: Derivate, Credit Default Swaps (CDS), Verbriefungen von faulen und undurchschaubaren Finanzkonstrukten, Warentermingeschäften usw.. Elektronischer Handel an den Börsen mit Spezial-Computersystemen, die in rasend schnellen Abläufen mit riesigen Summen in einem Hundertstelsekunden-Zeitvorteil Gewinne regenerieren, tricksen andere aus und werden ausgetrickst. Das Ganze ist ein Nullsummen-Spiel: was der Eine gewinnt, wird dem Anderen genommen. Die Überlegung, Aktien zu kaufen oder zu verkaufen, hat mit einem wirklichen Bezug zur Realwirtschaft wenig zu tun, geschönte Bilanzen, Insidergeschäfte, Gewinnansagen oder Gewinnwarnungen, denen kaum zu trauen ist (aber auf beide wird gewettet), Täuschungsmanöver, unehrliche Rating-Agenturen usw. beeinflussen die Akteure. Obwohl nur vier Prozent der Deutschen über Aktien verfügen, wird in den Medien wie “ARD, ZDF und all die anderen Veranstalter von langen Börsensendungen der Irrglaube verbreitet, steigende Buchwerte seien echte Werte“. So auf den Nachdenkseiten.de zu lesen.
Wie man viel Geld aus der Realwirtschaft herausbekommt
Dann kam Ackermann von der Deutschen Bank und schlug seine Thesen an die Türen der Chefetagen: Jedes Unternehmen solle 25% Rendite erzielen. Mit diesem Geld könnten dann auf den Finanzmärkten dicke Gewinne erzielt werden. Zu dieser Zeit waren die meisten Unternehmen noch mit 6% bis 12% Gewinnerwirtschaftung auf einem guten Weg. Jetzt aber wurde radikal-brutal rationalisiert, umorganisiert, und es blieb nur übrig was 25% Rendite versprach (Nokia in Bochum hatte unter 10% - weg damit!) Selbst die Globalplayer auf großer Auslandseinkaufstour machten eine Vollbremsung und verhökerten wieder alles, was nach „Unrendite“ aussah, Realwirtschaft wurde zunehmend unattraktiv. Zum Glück hatte der SPD-Kanzler Gerhard Schröder rechtzeitig die Versteuerung des An- und Verkaufs ausländischer Betriebe abgeschafft, und die Verlustabschreibungen - auch die im Ausland gemachten - durften auch noch vom Finanzamt abgeholt werden.
Mit dem Platzen der amerikanischen Immobilienblase, die ja auch nur dem Geld-rein-Pumpen auf Pump kleiner Privatleute in den Kapitalmarkt diente, kam die Kettenreaktion, die wir alle schmerzhaft als Steuerzahler kennen gelernt haben - wobei die schlimmste Phase noch zu erwarten ist. Hier wurden die letzten Geldreserven der großen Volkswirtschaften (außer China) in „Bankenrettungsfonds“ verabschiedet. Das gleiche Immobiliendrama wütet gerade in Spanien, Irland usw.
Der neueste Angriff der Spekulanten wurde vom ThyssenKrupp-Chef Schulz auf Spiegel-Online im Mai 2010 so beschrieben: “Spekulanten lassen die Rohstoffpreise explodieren“ - er rechne deshalb mit einer neuen Blase an den Märkten. Ihre Dimensionen könnten sogar größer werden als das Immobilienproblem in den USA, warnte er im Gespräch mit dem "Spiegel". "Wenn wir nicht bereit sind, den Rohstoffspekulanten entschlossen entgegenzutreten", so der ThyssenKrupp-Chef, "werden sie zu einer ernsthaften Bedrohung für die gesamte Stahlbranche und die Weltwirtschaft." Er befürchte, dass sich an den internationalen Rohstoffmärkten eine gewaltige Blase bildet, die von den "Dimensionen sogar noch größer werden" könne "als das Immobilienproblem in den USA vor zwei Jahren".
Der Handel mit Derivaten, wie er von Fonds und Banken betrieben werde, müsse dringend reguliert werden. ThyssenKrupp habe konkrete Hinweise darauf, dass große Investmentbanken, die auch "bei den anderen Spekulationsblasen beteiligt waren", den Einstieg in den Eisenerzmarkt vorbereiten. "Sie sind derzeit in unseren Märkten unterwegs, heuern Rohstoffspezialisten an, kaufen Handelshäuser und mieten Lagerflächen in großen Häfen, um Erze zu Spekulationszwecken zwischenzulagern" Bei den geplanten Geschäften gehe es um "reine Wetten auf bestimmte Preisentwicklungen, um Gewinne aus Käufen und Verkäufen ohne realwirtschaftlichen Hintergrund". Das schade der gesamten Weltwirtschaft. sagt Schulz.“ So im Spiegel zu lesen.
Beim Ölpreis schätzt man 16 Cent plus als Spekulationsfolge, das scheint aber auch keinen Volksaufstand zu bewirken, lässt aber besonders viel Geld in den Kapitalmarkt sprudeln.
In edlen Anzügen attackieren Spekulanten aus modernen Büros heraus die Finanzwelt. Ihr Ziel ist das schnelle Geld und hohe Renditen. Die aktuelle Masche ist der Angriff auf ganze Volkswirtschaften, wie den PIIGS-Staaten Portugal, Irland, Island, Griechenland und Spanien. Hier auch wieder Rettungsfonds um die 750 Milliarden Euro!!! Durch das interessengesteuerte Verhalten der großen Ratingagenturen (alle privat) werden die Schuldzinsen der Staatsanleihen dieser Länder in unbezahlbare Höhen getrieben. Was Wenigen nur bewusst ist: diese Schulden in Milliardenhöhe werden hauptsächlich an private Institutionen (die nebenbei gerade mit Steuergeldern gerettet wurden oder noch werden) zurück gezahlt. Wenn meine alte Oma das alles nur ansatzweise verstehen würde, würde ihr das Gebiss aus dem Gesicht fallen. Die von der Bankenaufsicht sind wohl auch auf dem Stand meiner Oma, nur mit dem Unterschied, dass sie das gar nicht verstehen wollen.
Auf der Internetseite vom SWR.de vom 23.Mai 2010 ist zu lesen: “So sollen beispielsweise die Hedgefonds (machen alles mit geliehenem Geld - der Autor) besser kontrolliert werden. Doch von den Großbanken ist dabei kaum die Rede. Sie spielen weiter, besorgen sich billiges Geld von der Europäischen Zentralbank. Die Unternehmen, die damit eigentlich günstige Kredite erhalten sollen, profitieren davon wenig. Stattdessen zocken die Banken auf den Finanzmärkten und machen riesige Gewinne.
Eigentlich werden diese Spekulationsgeschäfte vom Staat sogar noch mit billigem Geld subventioniert. Auch der Chefökonom der UNO-Handelsorganisation UNCTAD hat dafür wenig Verständnis, denn je größer der spekulative Anteil ist, um so teurer wird es in einer Krise: Bevor die gigantischen Einsätze die gesamte Volkswirtschaft in den Abgrund reißen, rettet der Staat die Zockerbanken und zahlt ihre Spielschulden. Denn diese Banken haben das Geld selbst nicht, mit dem sie gewettet haben. Die Schulden der Verlierer sind gewaltig, und die Folgen einer Pleite wären unabsehbar.
Ein notwendiger Neuanfang scheint angesichts der Verflechtungen zwischen Politik und Banken kaum möglich. So entscheidet beispielsweise Jörg Asmussen, im Finanzministerium seit Jahren Vorkämpfer der Deregulierung, maßgeblich mit über die Staatshilfen für die Banken. Außerdem sitzt er im Verwaltungsrat der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die die Banken eigentlich kontrollieren soll. Kontrolliert werden sollte beispielsweise auch die IKB, bei der Asmussen ebenfalls im Aufsichtsrat war. Die Bank hat sich massiv am US-amerikanischen Immobilienmarkt verspekuliert, mit Papieren, für die sich Jörg Asmussen in einer Lobbygruppe der Finanzwirtschaft massiv einsetzte - bei der Regierung, also sich selbst.......Für den Bankenrechtler Schmelz ist die fehlende Regulierung in allen Fällen Lobbyismus, der in der Finanzwirtschaft Auswüchse bildet, die man in anderen Bereichen nicht kennt.“ Soweit vom SWR.de
Fazit: Solange Nachschub an neu einsteigenden Anlegern besorgt werden kann, geht das Spiel weiter Genauso funktionieren Schneeballsysteme! Und was Monopoly betrifft, auf den Finanzmärkten wird auch nicht mit echtem Geld gespielt.
Nachtrag: Das Schließen von Bibliotheken, Freibädern, Kultureinrichtungen, Jugendeinrichtungen, Bildungseinrichtungen usw. in den Kommunen fordert vor diesen Hintergrund eine völlig neue radikale Widerstandsdynamik heraus. (PK)
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Online-Flyer Nr. 274 vom 03.11.2010














