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Inland
Menschenrechtler: Gewerkschafter und Journalisten in Kolumbien gefährdet
Merkel sieht das anders
Von Malte Daniljuk

Heute, Mittwoch, den 7.Juli, will die Bundeskanzlerin mit Juan Manuel Santos, dem künftigen kolumbianischen Präsidenten, zusammentreffen. Bereits im Vorfeld des Treffens forderten deutsche und kolumbianische Nichtregierungsorganisationen, dass Angela Merkel die schwierige Menschenrechtslage in Kolumbien thematisieren müsse. Insbesondere solle Merkel die künftige Regierung auffordern, Maßnahmen zur vollständigen Umsetzung der UN-Menschenrechtsempfehlungen zu ergreifen. Der ehemalige Verteidigungsminister Santos war aus den Stichwahlen am 20. Juni als Sieger hervorgegangen und wird sein Amt am 7. August antreten.


Quelle: http://www.elrevolucionario.org
 
"Wer sich in Kolumbien für die Menschenrechte, Gerechtigkeit und Demokratie einsetzt, begibt sich in Lebensgefahr", sagt Pater Alberto Franco. "Die Menschenrechtssituation in Kolumbien ist dramatisch. Die kolumbianischen Menschenrechtsorganisationen fordern den künftigen Präsidenten dazu auf, sofort Maßnahmen zu ergreifen, um die Straflosigkeit bei Menschenrechtsverletzungen zu beenden." Pater Franco arbeitet in Kolumbien für die Menschenrechtsorganisation „Justicia y Paz“, welche afrokolumbianische und indigene Gemeinschaften im Kampf für ihre Menschenrechte unterstützt. Eben dieser Einsatz gegen die Straflosigkeit für hochrangige Militärangehörige hat die ökumenische Organisation zur Zielscheibe von Drohungen und Angriffen werden lassen.


Merkel und Santos-Vorgänger Uribe
Quelle: amerika21.de
Auch Peter Seidel von Caritas International fordert, die Kanzlerin solle klare Position für die Menschenrechte beziehen. "Jüngste Forderungen des amtierenden Präsidenten Uribe, verstärkt die Militärjustiz bei Menschenrechtsverletzungen durch Militärangehörige anzuwenden, sind schockierend. Frau Merkel sollte bei Herrn Santos die mangelnde Unabhängigkeit der Justiz thematisieren und sich für den stärkeren Schutz von Menschenrechts-verteidigern stark machen."
 
31 Gewerkschafter ermordet
 
Bedrohungen und Morde an Menschenrechtsaktivisten haben in Kolumbien in den letzten Monaten wieder deutlich zugenommen. Trotz ihrer angeblichen Demobilisierung attackieren paramilitärische Gruppen kritische Journalisten, Gewerkschafter und Menschenrechtler. Allein im ersten Halbjahr 2010 wurden nach einem Bericht des Gewerkschaftsdachverbandes CUT 31 Gewerkschafter ermordet. Im Mai wurde ein Handelsabkommen zwischen Kolumbien und der EU unterzeichnet und muss noch vom Europäischen Parlament ratifiziert werden. Die Diskussionen um das Handelsabkommen sollten von der EU genutzt werden, um die Menschenrechtsbedenken zu thematisieren und die kolumbianische Regierung zu entschlossenem Handeln zu drängen, fordern auch Organisationen wie amnesty international und kolko – Menschenrechte für Kolumbien.
 
Merkel: “Diesen Weg konsequent fortsetzen“

Ob die an die Bundesregierung gerichtete Initiative allerdings Erfolg hat, ist zweifelhaft. Die Bundeskanzlerin hatte Santos, der selber in schwere Menschenrechtsverstöße verstrickt ist, zu seiner Wahl "herzliche Glückwünsche" übersandt. In dem Text behandelte Merkel das Thema Menschenrechte als erledigt. "Ihr Land hat sich durch die konsequente Bekämpfung von Kriminalität und Gewalt sowie die Aufarbeitung von Menschenrechtsverstößen den Respekt der internationalen Gemeinschaft erarbeitet. Es gilt nunmehr, diesen Weg konsequent fortzusetzen. Seien Sie versichert, dass Deutschland Ihr Land weiterhin nach Kräften unterstützen und Ihnen als Freund zur Seite stehen wird", schrieb Merkel erst vor wenigen Wochen und betonte, dass Kolumbien mit Deutschland die "Ziele bei der Gestaltung der globalen Ordnung" teile. Bereits der Besuch des amtierenden Präsidenten Àlvaro Uribe im vergangenen Jahr hatte keinerlei positive Auswirkungen auf die Menschenrechtssituation in Kolumbien. (PK)

Quelle: http://amerika21.de


Online-Flyer Nr. 257  vom 07.07.2010



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