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Lokales
Kein Interesse für die unter Hitler verfolgten Sinti-Spitzensportler?
Sportmuseum Köln würdigt lieber Nazis
Von Kurt Holl

Das Deutsche Sportmuseum in Köln zeigte vom 30.Oktober bis zum 17. Januar die Sonder-Ausstellung „Kicker Kämpfer, Legenden – Juden im deutschen Fußball“, in der an jüdische Nationalspieler, Trainer und Funktionäre erinnert, an ihre Verdienste und ihre große Popularität vor 1933, aber auch an die brutale Ausgrenzung und Verfolgung im deutschen Faschismus erinnert wurde. In der Ausstellung werden auch andere jüdische Spitzensportler gewürdigt. Vergeblich suchte man freilich nach Sinti und Roma in der Dauerausstellung, die ebenfalls große Namen im deutschen Sport waren und dann Opfer des Faschismus wurden.

Im Deutschen Boxsport war z.B. Jakob „Johnny“ Bamberger erfolgreich,

Johann Wilhelm „Rukeli“ Trollmann
Quelle: Rom e.V.
  immerhin noch 1938/39 deutscher Vizemeister der Amateurboxer. Er wurde kurz darauf ins KZ Dachau verbracht und dort von Ärzten Meerwasserversuchen unterzogen, weil die Nazis wissen wollten, wie lange ihre Kampfpiloten nach Abschüssen im Meer überleben konnten. Ein anderer berühmter Boxer war Johann Wilhelm „Rukeli“ Trollmann, der 1933 den amtierenden deutschen Meister im Halbschwergewicht, Adolf Witt entthronte. Seinen Titel erkannten ihm die Nazis ab, da man mit einem solchen „undeutschen“ Boxstil nicht deutscher Meister sein könne (dieser Stil wurde übrigens später durch Muhammed Ali legendär).
 
Als Karikatur eines „arischen“ Boxers
 
Schließlich erzwang die ungeheure Popularität Rukelis bei den deutschen Boxfans, dass er seinen Titel gegen den Herausforderer Gustav Eder verteidigen durfte. Die NS-Funktionäre drohten mit drastischen Konsequenzen, falls er weiter wie gewohnt boxe. Rukeli schlug auf seine Weise zurück: Mit blondgefärbten Haaren, seine Haut mit weißem Puder bedeckt, kam er als Karikatur eines „arischen“ Boxers in den Ring. Eder beherrschte den Kampf, weil es Trollmann unter Androhung des Entzugs

Ausstellungsplakat des
Sportmuseums in Köln
seiner Boxlizenz untersagt wurde, seinen typischen Stil zu kämpfen, dem Gegner tänzelnd kein Ziel zu bieten und auszukontern. Er stand mit herabhängenden Armen im Ring und ließ sich von Eder zusammenschlagen. So wurde das Aufeinandertreffen zu einer Farce, bei dem der Sieger schon vor dem ersten Gong feststand. Die Nazis rächten sich auf fürchterliche Weise: Rukeli kam ins KZ Neuengamme, wo er von SS-Leuten immer wieder „herausgefordert“ wurde, ohne sich wehren zu können. Er wurde schließlich 1943 mit einem Knüppel erschlagen.

Diese und andere Erinnerungen an erfolgreiche und tapfere deutsche Zigeuner-Spitzensportler vermissen wir im Sportmuseum Köln. Stattdessen werden dort Leute wie Willi Daume und Carl Diem für Ihre großen Verdienste um den deutschen Sport gewürdigt. Diem, der noch im März 1945 die Deutsche Jugend zum „Finalen Opfergang für den Führer“ aufrief und Daume, der als Spitzel von Heydrichs SD in Holland tätig war. Der Rom e.V. erwartet, dass jetzt endlich Sportler wie Rukeli Trollmann und Johnny Bamberger im Kölner Sportmuseum einen Ehrenplatz bekommen. (PK)

Kurt Holl ist einer der Gründer des Kölner Rom e.V. und hat diesen Beitrag in dessen Rundbrief "Nevipe" veröffentlicht.
Mehr über den Rom e.V. unter http://www.romev.de





Online-Flyer Nr. 235  vom 03.02.2010



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