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Lokales
Veranstaltung der NRhZ im DGB-Haus: „'68er gehen in die Betriebe"
„Unser Gesetz heißt Solidarität“
Von Hans-Dieter Hey
Eindrucksvoller Film zum betrieblichen Widerstand
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Peter Kleinert
Der Filmemacher und Herausgeber der Neuen Rheinischen Zeitung, Peter Kleinert, erzählte, wie es damals zu diesem Film gekommen war: „Ich hatte 1976 auf Einladung eines WDR-Redakteurs gerade meinen ersten Fernsehfilm zum Thema Pressefreiheit gemacht - war damals noch als Redakteur beim Kölner Stadt-Anzeiger angestellt. Mein Verleger Alfred Neven DuMont hatte dies nach der Sendung zum Anlass genommen, mich rauszuschmeißen. Ich habe dann zwar alle Kündigungsschutzprozesse mit Unterstützung der Gewerkschaft bis hinauf zum Bundesarbeitsgericht gewonnen, wollte danach aber nicht mehr in diesem Verlag arbeiten." In der von mir und vier weiteren Kollegen neu gegründeten Filmproduktion „Kölner Film- und Videogruppe" bekamen wir dann eines Tages einen Anruf von Kollegen aus dem Bremer Monopolverlag. Die fragten, ob wir nicht einen Film über ihren gerade begonnenen "wilden Streik" bei Weser-Kurier und Bremer Nachrichten drehen wollten. Einen Auftrag von einem Sender konnten wir so schnell natürlich nicht bekommen, also sind wir auf eigene Faust und Kosten nach Bremen gefahren, um diesen Arbeitskampf zu dokumentieren." Natürlich – so Kleinert – hatte man gedacht, nach einer Woche würde der Streik zuende sein. Doch es kam alles ganz anders. Drei Wochen verbrachten die Kölner Filmemacher in Bremen, um schließlich aus mehr als 190 Stunden aufgenommenem Videomaterial einen 90minütigen Dokumentarfilm zu schneiden. Die am erfolgreich durchgeführten Streik beteiligten gewerkschaftlichen Vertrauensleute aus Bremen hatten bei der Materialauswahl für den Film ein Mitspracherecht und sprachen am Ende auch die kommentierenden Texte des Films, der am Ende von der WDR-Filmredaktion gesendet wurde – heutzutage kaum noch vorstellbar.
Herausgekommen war ein – und für die heutige Zeit wieder – eindrucksvolles Beispiel, wie der Zusammenhalt einer Belegschaft in einem Betrieb trotz aller Schwierigkeiten mit Streikbrechern und Problemen auch in den Familien schließlich zum Erfolg führen konnte. Der dokumentierte Streik war ja kein normaler Streik, zu dem eine Gewerkschaft aufgerufen hatte, sondern ein "wilder Streik" der Beschäftigten. Der Grund: Als am 1. Mai 1977 die Gehaltsabrechnungen im Bremer Verlag von „Herrn Meyer" kamen, waren von diesem nach einer Tariferhöhung die übertariflichen Zulagen ganz oder teilweise angerechnet worden.

Beispielhaft für heute: Statt „Eigenverantwortung" wieder Solidarität
Fotos: arbeiterfotografie
Wild Streikende fanden breite Unterstützung
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Vertrauensmann diskutiert mit einem
Streikbrecher | Bild: KAOS-Archiv
Doch damals, 1977, erschienen in Bremen drei Wochen lang keine Zeitungen. Jeden Morgen trafen sich die 300 streikbereiten Beschäftigten, um sich gegenseitig Mut zu machen, Überzeugungsarbeit gegenüber den Streikbrechern zu leisten und sich in Solidarität zu üben gegen den damaligen Zeitungs-Zaren von Bremen, der sich durch den Satz „Meine Gesetze heißen Meyer!" berühmt gemacht hatte.
Ferdinand Kammering, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender: „Der Streik, um den es sich 1977 drehte, hatte weitaus größere Ausstrahlung und Bedeutung, die über den Streik selbst hinausging. Bis 1988 konnten deshalb zum Teil zweistellige Tarifforderungen erhoben werden." Den Streikenden wurde wegen dieses wilden Streiks natürlich kein Lohn gezahlt, und so kam es, dass in Sammlungen von Gewerkschaftlern 200.000 Euro herein kamen, um die Streikenden und ihre Familien mit „Privatspenden" zu unterstützen.
Von der Politik diktierte Grenzen sprengen
In der anschließenden Diskussion ging es um spannende und heute wieder aktuelle Gewerkschaftsfragen. So wurde beispielsweise kritisiert, dass Gewerkschaften in Deutschland entgegen anderen europäischen Ländern keinen politischen Streik oder Generalstreik durchführen dürfen. Sie dürfen offiziell nicht einmal streiken, um einen Gekündigten solidarisch zu unterstützen. Franz Kersjes, ehemaliger Landesvorsitzender der IG Druck und Papier und bis 2001 der IG Medien in NRW sowie Mitglied der Gründungsorganisation von ver.di: „Wir müssen die Grenzen, die uns von der Politik diktiert sind, sprengen und über sie hinaus gehen. Wir müssen auch den politischen Streik riskieren. Sonst kommen wir aus diesem Dilemma nie heraus."

Franz Kersjes selbstkritisch
Franz Kersjes übte auch Selbstkritik: „Wir hätten damals in den 1960ern, zu einer Zeit, wo wir mächtiger waren, Rechte durchzusetzen müssen, die wir mit der Macht aller Gewerkschaften auch hätten durchsetzen können. Wir waren zu schnell zufrieden mit hohen Lohnerhöhungen. Wir hätten uns mehr schützen müssen gegenüber Verhältnissen, wie wir sie heute haben". Ferdinand Kammering: „Unser Thema ist 68er in die Betriebe. Damals hatten wir noch große Hoffungen und Illusionen, als wir die in die Betriebe schleichende Entpolitisierung der Menschen wahrnahmen, die bis in den Gewerkschaftsapparat hinein reichte. Wir hatten damals in der Gewerkschaft eine gute Bildungspolitik, doch das bröckelte danach immer mehr ab."
Das Problem ist, dass die Menschen der Politik vertrauen

DGB-Chef Uellenberg van-Dawen
Der Kölner DGB-Chef Wolfgang Uellenberg-van-Dawen hält die Entpolitisierung der Menschen für besonders dramatisch: „Die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben interessieren sich überhaupt nicht mehr dafür, was draußen im politischen Raum vorgeht. Beispiel Gesundheitsreform. Wir haben mit guten Leuten eine Veranstaltung dazu gemacht, kaum einer ist gekommen. Aber bei Rente mit 67 war die Bude voll. Die Leute haben gesehen, dass mit der Rente mit 67 der schöne Mechanismus, sozialverträglich Personal abzubauen, zusammenbricht. Aber als wir Veranstaltungen über die Agenda 2010 machten, waren gerade mal die Arbeitslosen da."
Auf die Gewerkschaften scheinen vor allem politische Anforderungen zuzukommen. Die weitere Vereinzelung der Menschen, das geringe Interesse an politischer Entwicklung, die wachsende Zersplitterung der Betriebe durch Verclusterung bringen große Probleme, vor denen die Gewerkschaften stehen. Uellenberg-van-Dawen erkennt den entscheidenden Punkt: "Wir können nur so stark in die Politik hineinwirken, wie wir selber politisch agieren. Man wird nur ernst genommen, wenn die Kolleginnen und Kollegen auch massiv hinter uns stehen und ein so paar Dinge nach vorn bringen. Das Problem ist, dass die Menschen zu sehr darauf vertrauen, dass Politiker das schon für uns richten." (PK)
Online-Flyer Nr. 143 vom 23.04.2008
Veranstaltung der NRhZ im DGB-Haus: „'68er gehen in die Betriebe"
„Unser Gesetz heißt Solidarität“
Von Hans-Dieter Hey
Eindrucksvoller Film zum betrieblichen Widerstand
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Peter Kleinert
Herausgekommen war ein – und für die heutige Zeit wieder – eindrucksvolles Beispiel, wie der Zusammenhalt einer Belegschaft in einem Betrieb trotz aller Schwierigkeiten mit Streikbrechern und Problemen auch in den Familien schließlich zum Erfolg führen konnte. Der dokumentierte Streik war ja kein normaler Streik, zu dem eine Gewerkschaft aufgerufen hatte, sondern ein "wilder Streik" der Beschäftigten. Der Grund: Als am 1. Mai 1977 die Gehaltsabrechnungen im Bremer Verlag von „Herrn Meyer" kamen, waren von diesem nach einer Tariferhöhung die übertariflichen Zulagen ganz oder teilweise angerechnet worden.

Beispielhaft für heute: Statt „Eigenverantwortung" wieder Solidarität
Fotos: arbeiterfotografie
Wild Streikende fanden breite Unterstützung
Das erinnert sehr an die Praxis in den Betrieben heute. Der Film ist deshalb so aktuell, weil wegen Verlustes von Tarifbindung, wegen Auslagerungen, Outsourcing und mangelnder Solidarität der Zusammenhalt immer geringer geworden ist und gewerkschaftliche Kämpfe trotz einiger Tariferfolge in letzter Zeit dennoch im Grunde Rückzugsgefechte sind. Längst müssten die Belegschaften mit den Gewerkschaften nach neuen Antworten suchen.
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Vertrauensmann diskutiert mit einem
Streikbrecher | Bild: KAOS-Archiv
Ferdinand Kammering, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender: „Der Streik, um den es sich 1977 drehte, hatte weitaus größere Ausstrahlung und Bedeutung, die über den Streik selbst hinausging. Bis 1988 konnten deshalb zum Teil zweistellige Tarifforderungen erhoben werden." Den Streikenden wurde wegen dieses wilden Streiks natürlich kein Lohn gezahlt, und so kam es, dass in Sammlungen von Gewerkschaftlern 200.000 Euro herein kamen, um die Streikenden und ihre Familien mit „Privatspenden" zu unterstützen.
Von der Politik diktierte Grenzen sprengen
In der anschließenden Diskussion ging es um spannende und heute wieder aktuelle Gewerkschaftsfragen. So wurde beispielsweise kritisiert, dass Gewerkschaften in Deutschland entgegen anderen europäischen Ländern keinen politischen Streik oder Generalstreik durchführen dürfen. Sie dürfen offiziell nicht einmal streiken, um einen Gekündigten solidarisch zu unterstützen. Franz Kersjes, ehemaliger Landesvorsitzender der IG Druck und Papier und bis 2001 der IG Medien in NRW sowie Mitglied der Gründungsorganisation von ver.di: „Wir müssen die Grenzen, die uns von der Politik diktiert sind, sprengen und über sie hinaus gehen. Wir müssen auch den politischen Streik riskieren. Sonst kommen wir aus diesem Dilemma nie heraus."

Franz Kersjes selbstkritisch
Das Problem ist, dass die Menschen der Politik vertrauen

DGB-Chef Uellenberg van-Dawen
Auf die Gewerkschaften scheinen vor allem politische Anforderungen zuzukommen. Die weitere Vereinzelung der Menschen, das geringe Interesse an politischer Entwicklung, die wachsende Zersplitterung der Betriebe durch Verclusterung bringen große Probleme, vor denen die Gewerkschaften stehen. Uellenberg-van-Dawen erkennt den entscheidenden Punkt: "Wir können nur so stark in die Politik hineinwirken, wie wir selber politisch agieren. Man wird nur ernst genommen, wenn die Kolleginnen und Kollegen auch massiv hinter uns stehen und ein so paar Dinge nach vorn bringen. Das Problem ist, dass die Menschen zu sehr darauf vertrauen, dass Politiker das schon für uns richten." (PK)
Online-Flyer Nr. 143 vom 23.04.2008















