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Aktueller Online-Flyer vom 11. Juni 2026  

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Arbeit und Soziales
20.000 Menschen bewiesen ihre Solidarität in Bochum
Nokia kein Einzelfall
Von Hans Detlev v. Kirchbach

Dass sich das arbeitende Volk aber auch einfach nicht benehmen kann. Noch vor ein paar Tagen hatte der FDP-Wirtschaftsexperte Brüderle Kritiker der Nokia-Plattmache wie den NRW-Ministerpräsidenten Rüttgers getadelt, dass man so mit „freien Unternehmen" nicht zu reden habe (s. NRhZ 129). Und nun, am 21. Januar, erfrechte sich sogar der Straßenplebs, den noblen Vorstandsherren respektlos entgegenzutreten.

Über 20.000 Personen demonstrierten heute in Bochum ihre Solidarität mit den KollegInnen von Nokia, deren Produktions- und Forschungsstandort nach Beschluss der Konzerngewaltigen zum Sommer 2008 geschlossen werden soll. Keine piepsigen Klingeltöne, sondern ein kraftvoller Ton des Widerstandes und Protestes hätten den Herren heute in den Ohren geklungen, hätten sie sich überhaupt in ihre Bochumer Niederlassung gewagt. Beschäftigte und Solidaritätsdelegationen aus dem ganzen Land forderten ihr Recht auf Arbeit, gerechte Bezahlung und gesicherte Lebensverhältnisse ein. Ein Kollege, der von Siemens-Benq zu Nokia gewechselt war, nachdem die dortigen Arbeitsplätze plattgemacht worden waren, schilderte die nun doppelte Erfahrung sozialer Existenzvernichtung durch Konzern-Profitgier, die er kurz hintereinander hatte machen müssen.



Seine Worte und die Rede der Betriebsratsvorsitzenden der Bochumer Nokia-Niederlassung aus direkter Erfahrung von arbeitenden Menschen waren auch die beeindruckendsten, authentischsten Redebeiträge an diesem Tag der Solidarität in Bochum. Freilich hatte sich auch etliche politische Prominenz versammelt, begleitet von einem Hofschwarm Großmedien und Presse, die sich ansonsten für die Probleme von Beschäftigten konkret vor Ort weniger interessieren. Ein von vielen KundgebungsteilnehmerInnen erwarteter Redebeitrag Oskar Lafontaines blieb aus, weil man ihn schlichtweg einfach von der Redeliste strich.



Stattdessen bekundete der NRW-CDU-Politiker und Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Schauerte, dass die Bundesregierung mit den Beschäftigten fühle und auf ihrer Seite stehe. Die Reaktion gerade auf diese Rede war allerdings eher zwiespältig; Pfiffe und Rufe wie „Heuchler" und „Kapitalistenknechte" waren zu hören. Dass Herr Schauerte nach eigenen Angaben bei einem Gespräch mit Nokia-Verantwortlichen „in meinem Wirtschaftsministerium" den Konzernherrn bedeutet haben will, die Beschäftigten seien womöglich zu noch mehr Einbußen und Abgabe sozialer Rechte bereit, stieß nicht bei allen ZuhörerInnen auf dem Kundgebungsplatz auf ungeteilte Zustimmung.  


Ausgeladen: Oskar Lafontaine von DIE LINKE

Die vom Mobilfunk-Milliardenunternehmen mit PR-Getöse beschworenen „Nokia-Werte", eine Ansammlung von pseudo-ethic-codes-Phrasen im Fibeljargon, sind das Papier nicht wert, das für sie verschwendet wird, das betonten mehrere RednerInnen aus der (ehemaligen) Nokia-Belegschaft, allen voran die Betriebsratsvorsitzende. „Werte" scheinen für Nokia nur im Sinne von Profitrate und Aktienwerten „von Wert" zu sein. Damit aber steht Nokia nicht allein; genau so muss man jede sogenannte „Wertedebatte" in diesem Kapitalismus einschätzen.


 
Immerhin war etliche Male von diesem „System" die Rede, das so nicht weiterexistieren könne. Die Beschäftigten, nicht nur bei Nokia, wissen wohl besser, als manche in Wahlkampfzeiten eilfertig „Mitgefühl" oder gar „Solidarität" bekundende Politiker es gern hätten, dass Nokia eben kein Einzelfall ist, sondern für Ausbeutung und private Profitaneignung menschlicher Arbeit steht – also für Kapitalismus. Wer versucht, die Wut, zum Teil mit nationalistischen Sprüchen nach dem Motto „Deutsche Arbeit zuerst", ausschließlich auf „die Finnen" abzulenken, wird diese wachsende Einsicht – diese letztlich globale, internationalistische Lehre, die auch aus dem Nokia-Kampf erwächst – nicht mehr aus den Köpfen der Menschen löschen können. 

Die Bilderstrecke bietet einen Eindruck von der Bochumer Solidaritätsveranstaltung. Einen akustischen Zusammenschnitt als mp3 können Sie ab morgen an dieser Stelle hören. (HDH)


Online-Flyer Nr. 130  vom 23.01.2008



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