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Lokales
Bessere Arbeit, mehr Jobs und mehr Verdienst
Forderungen des DGB Köln für 2008
Von Wolfgang Uellenberg-van Dawen
Sehr geehrte Damen und Herren,
im Namen des DGB und der Gewerkschaften wünsche ich Ihnen, den Vertretern der Medien in der Region Köln ein gutes Neues Jahr und bedanke mich für die faire Berichterstattung. Jedes Jahr beginnt mit guten Vorsätzen und der DGB und die Gewerkschaften haben sich in diesem Jahr vor allem eines vorgenommen:

DGB-Chef Wolfgang Uellenberg-van Dawen
Quelle: gesichter zei(chg)en
Wir wollen Gute Arbeit für möglichst viele Kölnerinnen und Kölner durchsetzen und wir wollen, dass gute Arbeit auch gut bezahlt wird und die Menschen wieder mehr Geld in der Tasche haben.
Abbau der Massenarbeitslosigkeit und Qualifizierung
1. Die Prognosen für die Wirtschaft der Region Köln sind nach wie vor gut. Wenn uns nicht die Krise an den Finanzmärkten einen Strich durch die Rechnung macht, wird auch in diesem Jahr mit Wachstum und damit auch mit mehr Arbeit zu rechnen sein. Die Meldungen vom Arbeitsmarkt zeigen, dass der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt angekommen ist. Die Zahl der Arbeitslosen geht weiter zurück. Dennoch reicht dies nicht aus. Die Unternehmen müssen und sie können mehr einstellen.
Ich halte alle Klagen über den sich anbahnenden Fachkräftemangel für wenig glaubwürdig, so lange noch so viele Menschen arbeitslos sind. Wenn Qualifikationen fehlen, dann muss die Arbeitsagentur wesentlich mehr in Weiterbildung investieren und nicht nur in kurzfristig verwertbare, sondern auch in langfristig anwendbare Weiterbildung. Aber auch die Unternehmen müssen deutlich mehr weiterbilden – dies besonders für die kleineren und mittleren Unternehmen. Hierfür gibt es Zuschüsse der Arbeitsagentur, die noch viel zu wenig genutzt werden.
2. So notwendig es ist, weiter für den Abbau der Arbeitslosigkeit zu kämpfen, so ist dennoch nicht alles sozial, was Arbeit schafft. Die Zahl der geringfügig Beschäftigten steigt. Über 92 000 Minijobs allein in Köln – im Einzelhandel sind es allein 1/3 aller Beschäftigten – das ist eindeutig zu viel. Zudem: Seit 2003 die Begrenzung der wöchentlichen Arbeitszeit für Minijobber aufgehoben wurde, können im Extremfall für 160 Stunden Monatsarbeitszeit nur 400 Euro gezahlt werden: Das wären dann 2,50 Euro die Stunde. Darum muss die Höchstarbeitszeit wieder auf 15 Stunden wöchentlich begrenzt werden. Außerdem hat dann auch der Mindestlohn der Branche zu gelten.
Und auch der Beschäftigungszuwachs in der Leiharbeit macht uns Sorgen. Wenn 42% aller Stellenmeldungen bei den Arbeitsagenturen solche für Leiharbeiter sind, dann zeigt dies, dass die Unternehmen viel zu zurückhaltend einstellen oder gar Stammbelegschaften abbauen und mehr Leiharbeitsverhältnisse schaffen.
Zudem wissen wir aus zahlreichen Berichten, dass jungen und sehr gut ausgebildeten Menschen zum berufseinstieg häufig nur gering oder gar nicht bezahlte Praktika für vollwertige Arbeit angeboten werden. Ich kann die Arbeitgeber nur dringend auffordern, solche Spielchen mit dem Personal zu unterlassen: Wer immer wieder betont, er sei auf erfahrene und qualifizierte Fachkräfte dringend angewiesen, sollte sie unbefristet einstellen, vernünftig bezahlen und ihnen gute Arbeitsbedingungen bieten.
Wir wollen Arbeit, die Freude macht, die qualifiziert ist, die Mitbestimmung und Selbstverwirklichung ermöglicht, die anerkannt und respektiert wird. Diese Wünsche der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an ihre Arbeit hat der bundesweite DGB Index Gute Arbeit deutlich gemacht. Wir werden dieses Thema hier für unsere Region mit verschiedenen Aktionen aufgreifen. Es steht im Mittelpunkt unserer Veranstaltungen zum 1. Mai und auch des 3. Kölner Mitbestimmungstages im November 2008.
Gesetzlicher Mindestohn hat Priorität
3. Für die Kölner Gewerkschaften bleibt auch in diesem Jahr das Thema Mindestlohn ganz oben auf der Tagesordnung. Mindestlöhne für die Briefzustellen und die Gebäudereiniger sind neu vereinbart, es gibt in NRW einen Mindestlohn für die Gastronomie und wir fordern mit unserer Gewerkschaft NGG auch einen Mindestlohn für das Bäckerhandwerk. Und wir werden mit unseren Gewerkschaften, dort, wo diese Mindestlöhne umgangen werden oder wo Unternehmer glauben, Arbeitskräfte ausbeuten zu können, dagegen vorgehen. Jede hat menschenwürdige Arbeit verdient.
Besonders im öffentlichen Dienst stehen aber nicht Mindestlöhne, sondern mehr Geld auf der Tagesordnung. Dafür ist Geld da und dafür ist auch die Zeit gekommen. Meine Kollegin Christa Nottebaum wird sie über die Forderungen und die Planungen der Tarifrunde im öffentlichen Sektor informieren. Dies betrifft die Stadtverwaltung aber auch die stadteigenen Unternehmen.
In der chemischen Industrie Nordrhein Westfalen haben ebenfalls die Tarifverhandlungen begonnen. Unsere Gewerkschaft BCE fordert bis zu 7% mehr Entgelt. Mein Kollege Gerd Laskowski wird sie darüber informieren.
Gute Arbeit für alle
4. Gute Arbeit erwarten wir auch von der Stadt Köln. Dabei muss zum einen die Betreuung der Langzeitarbeitslosen stehen. Der Sozialausschuss wird sich morgen mit der Kritik vieler Betroffener, des Kölner Arbeitslosenzentrums und des DGB auseinandersetzen. Ich erwarte, dass von der Verwaltung sehr konkrete Maßnahmen vorgestellt werden, wie die Mitarbeiterzahl verstärkt, Arbeitsabläufe vereinfacht und so das Klima im Umgang mit den Menschen deutlich verbessert wird.
Ganz wesentlich für die Zukunft wird das gesamtstädtische Integrationskonzept für Migrantinnen und Migranten. Dieses Konzept muss mit hohem Einsatz von personellen Ressourcen und großer Verbindlichkeit vorangetrieben werden. Nicht die Höhe der Minarette einer Moschee sondern die Zahl der jungen Migranten, die einen guten Schulabschluss erreichen, die eine Ausbildung erhalten und die ein Hochschulstudium beginnen entscheidet über den Erfolg der Integration. Wir brauchen eine flächendeckende Hilfe und Betreuung vor allem für Kinder aus den Migrationsfamilien, die noch nicht voll integriert sind. Wir brauchen speziell qualifizierte Betreuer und LehrerInnen an den Haupt- und Realschulen, wo besonders viele Migrantenkinder sind und wir möchten, dass in Köln die Barrieren zwischen den Schulformen durch eine Schule für alle aufgehoben werden.
5. Gute Arbeit erwarten wir auch in der Region. Die Landesregierung NRW hat getreu ihrer Devise Privat vor Staat weitgehend darauf verzichtet, eine gezielte regionale Wirtschafts- und Strukturförderung zu betreiben. Darum muss sich die Region Köln / Bonn jetzt finden. Städte und Kreise, Sozialpartner und Wirtschaft müssen gemeinsam regionale Strukturpolitik betreiben. Ziel muss vor allem eine nachhaltige Entwicklung der zentralen Leitbranchen sein, Dies gilt zum einen für die Infrastruktur und die Logistik – Flughafenausbau, Hafenausbau, Schieneninfrastruktur, sondern auch für die industriellen Netze. Was eine ökologische und nachhaltig wirkende Industriepolitik sein kann, wollen wir mit den Gewerkschaften und Unternehmen der Region diskutieren und entwickeln. Ich darf Sie schon jetzt auf die Veranstaltung von IG Metall, IG BCE und dem DGB am kommenden Mittwoch den 16. Januar im Kölnturm am Mediapark mit Staatssekretär Machnig vom Bundesumweltministerium und Kölner Unternehmer und Betriebsräten hinweisen. (PK)
Online-Flyer Nr. 128 vom 10.01.2008
Bessere Arbeit, mehr Jobs und mehr Verdienst
Forderungen des DGB Köln für 2008
Von Wolfgang Uellenberg-van Dawen
Sehr geehrte Damen und Herren,
im Namen des DGB und der Gewerkschaften wünsche ich Ihnen, den Vertretern der Medien in der Region Köln ein gutes Neues Jahr und bedanke mich für die faire Berichterstattung. Jedes Jahr beginnt mit guten Vorsätzen und der DGB und die Gewerkschaften haben sich in diesem Jahr vor allem eines vorgenommen:

DGB-Chef Wolfgang Uellenberg-van Dawen
Quelle: gesichter zei(chg)en
Wir wollen Gute Arbeit für möglichst viele Kölnerinnen und Kölner durchsetzen und wir wollen, dass gute Arbeit auch gut bezahlt wird und die Menschen wieder mehr Geld in der Tasche haben.
Abbau der Massenarbeitslosigkeit und Qualifizierung
1. Die Prognosen für die Wirtschaft der Region Köln sind nach wie vor gut. Wenn uns nicht die Krise an den Finanzmärkten einen Strich durch die Rechnung macht, wird auch in diesem Jahr mit Wachstum und damit auch mit mehr Arbeit zu rechnen sein. Die Meldungen vom Arbeitsmarkt zeigen, dass der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt angekommen ist. Die Zahl der Arbeitslosen geht weiter zurück. Dennoch reicht dies nicht aus. Die Unternehmen müssen und sie können mehr einstellen.
Ich halte alle Klagen über den sich anbahnenden Fachkräftemangel für wenig glaubwürdig, so lange noch so viele Menschen arbeitslos sind. Wenn Qualifikationen fehlen, dann muss die Arbeitsagentur wesentlich mehr in Weiterbildung investieren und nicht nur in kurzfristig verwertbare, sondern auch in langfristig anwendbare Weiterbildung. Aber auch die Unternehmen müssen deutlich mehr weiterbilden – dies besonders für die kleineren und mittleren Unternehmen. Hierfür gibt es Zuschüsse der Arbeitsagentur, die noch viel zu wenig genutzt werden.
2. So notwendig es ist, weiter für den Abbau der Arbeitslosigkeit zu kämpfen, so ist dennoch nicht alles sozial, was Arbeit schafft. Die Zahl der geringfügig Beschäftigten steigt. Über 92 000 Minijobs allein in Köln – im Einzelhandel sind es allein 1/3 aller Beschäftigten – das ist eindeutig zu viel. Zudem: Seit 2003 die Begrenzung der wöchentlichen Arbeitszeit für Minijobber aufgehoben wurde, können im Extremfall für 160 Stunden Monatsarbeitszeit nur 400 Euro gezahlt werden: Das wären dann 2,50 Euro die Stunde. Darum muss die Höchstarbeitszeit wieder auf 15 Stunden wöchentlich begrenzt werden. Außerdem hat dann auch der Mindestlohn der Branche zu gelten.
Und auch der Beschäftigungszuwachs in der Leiharbeit macht uns Sorgen. Wenn 42% aller Stellenmeldungen bei den Arbeitsagenturen solche für Leiharbeiter sind, dann zeigt dies, dass die Unternehmen viel zu zurückhaltend einstellen oder gar Stammbelegschaften abbauen und mehr Leiharbeitsverhältnisse schaffen.
Zudem wissen wir aus zahlreichen Berichten, dass jungen und sehr gut ausgebildeten Menschen zum berufseinstieg häufig nur gering oder gar nicht bezahlte Praktika für vollwertige Arbeit angeboten werden. Ich kann die Arbeitgeber nur dringend auffordern, solche Spielchen mit dem Personal zu unterlassen: Wer immer wieder betont, er sei auf erfahrene und qualifizierte Fachkräfte dringend angewiesen, sollte sie unbefristet einstellen, vernünftig bezahlen und ihnen gute Arbeitsbedingungen bieten.
Wir wollen Arbeit, die Freude macht, die qualifiziert ist, die Mitbestimmung und Selbstverwirklichung ermöglicht, die anerkannt und respektiert wird. Diese Wünsche der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an ihre Arbeit hat der bundesweite DGB Index Gute Arbeit deutlich gemacht. Wir werden dieses Thema hier für unsere Region mit verschiedenen Aktionen aufgreifen. Es steht im Mittelpunkt unserer Veranstaltungen zum 1. Mai und auch des 3. Kölner Mitbestimmungstages im November 2008.
Gesetzlicher Mindestohn hat Priorität
3. Für die Kölner Gewerkschaften bleibt auch in diesem Jahr das Thema Mindestlohn ganz oben auf der Tagesordnung. Mindestlöhne für die Briefzustellen und die Gebäudereiniger sind neu vereinbart, es gibt in NRW einen Mindestlohn für die Gastronomie und wir fordern mit unserer Gewerkschaft NGG auch einen Mindestlohn für das Bäckerhandwerk. Und wir werden mit unseren Gewerkschaften, dort, wo diese Mindestlöhne umgangen werden oder wo Unternehmer glauben, Arbeitskräfte ausbeuten zu können, dagegen vorgehen. Jede hat menschenwürdige Arbeit verdient.
Besonders im öffentlichen Dienst stehen aber nicht Mindestlöhne, sondern mehr Geld auf der Tagesordnung. Dafür ist Geld da und dafür ist auch die Zeit gekommen. Meine Kollegin Christa Nottebaum wird sie über die Forderungen und die Planungen der Tarifrunde im öffentlichen Sektor informieren. Dies betrifft die Stadtverwaltung aber auch die stadteigenen Unternehmen.
In der chemischen Industrie Nordrhein Westfalen haben ebenfalls die Tarifverhandlungen begonnen. Unsere Gewerkschaft BCE fordert bis zu 7% mehr Entgelt. Mein Kollege Gerd Laskowski wird sie darüber informieren.
Gute Arbeit für alle
4. Gute Arbeit erwarten wir auch von der Stadt Köln. Dabei muss zum einen die Betreuung der Langzeitarbeitslosen stehen. Der Sozialausschuss wird sich morgen mit der Kritik vieler Betroffener, des Kölner Arbeitslosenzentrums und des DGB auseinandersetzen. Ich erwarte, dass von der Verwaltung sehr konkrete Maßnahmen vorgestellt werden, wie die Mitarbeiterzahl verstärkt, Arbeitsabläufe vereinfacht und so das Klima im Umgang mit den Menschen deutlich verbessert wird.
Ganz wesentlich für die Zukunft wird das gesamtstädtische Integrationskonzept für Migrantinnen und Migranten. Dieses Konzept muss mit hohem Einsatz von personellen Ressourcen und großer Verbindlichkeit vorangetrieben werden. Nicht die Höhe der Minarette einer Moschee sondern die Zahl der jungen Migranten, die einen guten Schulabschluss erreichen, die eine Ausbildung erhalten und die ein Hochschulstudium beginnen entscheidet über den Erfolg der Integration. Wir brauchen eine flächendeckende Hilfe und Betreuung vor allem für Kinder aus den Migrationsfamilien, die noch nicht voll integriert sind. Wir brauchen speziell qualifizierte Betreuer und LehrerInnen an den Haupt- und Realschulen, wo besonders viele Migrantenkinder sind und wir möchten, dass in Köln die Barrieren zwischen den Schulformen durch eine Schule für alle aufgehoben werden.
5. Gute Arbeit erwarten wir auch in der Region. Die Landesregierung NRW hat getreu ihrer Devise Privat vor Staat weitgehend darauf verzichtet, eine gezielte regionale Wirtschafts- und Strukturförderung zu betreiben. Darum muss sich die Region Köln / Bonn jetzt finden. Städte und Kreise, Sozialpartner und Wirtschaft müssen gemeinsam regionale Strukturpolitik betreiben. Ziel muss vor allem eine nachhaltige Entwicklung der zentralen Leitbranchen sein, Dies gilt zum einen für die Infrastruktur und die Logistik – Flughafenausbau, Hafenausbau, Schieneninfrastruktur, sondern auch für die industriellen Netze. Was eine ökologische und nachhaltig wirkende Industriepolitik sein kann, wollen wir mit den Gewerkschaften und Unternehmen der Region diskutieren und entwickeln. Ich darf Sie schon jetzt auf die Veranstaltung von IG Metall, IG BCE und dem DGB am kommenden Mittwoch den 16. Januar im Kölnturm am Mediapark mit Staatssekretär Machnig vom Bundesumweltministerium und Kölner Unternehmer und Betriebsräten hinweisen. (PK)
Online-Flyer Nr. 128 vom 10.01.2008














