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Lokales
In diesem Streik geht es um mehr
„Kämpfen wie die Lokführer“
Von Hans-Dieter Hey
Hoher Einsatz unter hoher Verantwortung
Glos' Äußerung trifft bei den streikenden Lokomotivführern auf völliges Unverständnis. Nach Angaben ihrer Gewerkschaft GDL sind sie oftmals bis zu 55 Stunden in der Woche im Dienst, bei hoher Verantwortung und permanentem Schicht- und Wechseldienst. Seit der Bahnreform 1994 soll es beim Fahrpersonal einen Reallohnverlust von zehn Prozent gegeben haben. Bernd Rose, Lokführer im Fernverkehr, gegenüber der NRhZ: „Wir haben Schichten von bis zu vierzehn Stunden, an den Wochenenden sind wir unterwegs, oft kein Weihnachten und kein Sylvester, bei uns gibt es keine Brückentage, und das alles für 1.500 Euro netto." 28 bis 30 verschiedene Lokomotivtypen kann Rose inzwischen fahren und muss in eigener Verantwortung sicherstellen, dass ihr technischer Zustand den Sicherheitsvorschriften entspricht und er alle Fahrgäste heil ans Ziel bringt.
Kein Wunder also, dass die Streikbereitschaft für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen hoch ist. Jetzt scheint der Streik gar in eine neue Phase einzutreten: Sogar unbefristete Streiks sind denkbar geworden. Bisher hat Hartmut Mehdorn nämlich – so die GDL – lediglich die Bezahlung der Überstunden, eine Einmalzahlung und das „alte Tarifkorsett" der übrigen Bahngewerkschaften angeboten – aus Sicht der GDL also keine neue Situation. Aus diesem Grund hat sie der Bahn am Freitag noch einmal ein Ultimatum bis Montag gestellt. Es wird gemunkelt, dass hinter den Kulissen um einer baldigen Lösung willen die Drähte heiß laufen. Doch bis jetzt sieht alles nach weiteren Streiks aus.

Kommt er – oder kommt er nicht? Fahrgäste im Hauptbahnhof Köln
Keine normale Tarifauseinandersetzung
Um den Lokführern weiter Mut zu machen, fand am Freitagabend vor dem Dom in Köln eine Solidaritätskundgebung statt. Claus Ludwig, Mitglied der Partei Die Linke und Mitglied des Kölner Stadtrats, sprach auf der Kundgebung: „Während die Bahn-AG Millionenbeträge für Zeitungsanzeigen ausgibt, um die Kolleginnen und Kollegen zu verleumden, haben sich die Bahnvorstände in den letzten Jahren die Taschen gefüllt. Sie haben ihre Bezüge verdreifacht". Und weiter: „In diesem Streik geht es längst nicht mehr um eine normale Tarifauseinandersetzung. Es geht darum, dass der Bahnvorstand, die Bundesregierung und Vertreter des Kapitals die Kolleginnen und Kollegen in eine Niederlage treiben wollen, um den Lohnabhängigen im ganzen Land zu zeigen: Es lohnt sich nicht zu kämpfen ... Aber es lohnt sich zu kämpfen, sich nicht alles gefallen zu lassen, nicht ewig beim Lohndumping mitzumachen und sich gegeneinander ausspielen zu lassen. Sondern aufzustehen und zu sagen: Jetzt ist Schluss! … Leider stehen die anderen Gewerkschaften wie ver.di, die IG-Metall oder die Transnet nicht hinter eurem Streik. Sie wollen nicht verstehen, dass es eine Auseinandersetzung ist, die alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen betrifft."

Hervorragende Motivation und hohe Streikbereitschaft:
„Streiken wie die Lokführer"
Das Solidaritätskomitee der Jugend der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Köln sprach dem Lokführerstreik seine volle Unterstützung aus: "Wir stehen voll hinter eurem Kampf und hinter euren Forderungen. Ich bin davon überzeugt, dass ganz viele Kolleginnen und Kollegen auf euren Streik schauen. Auch die Umfragen der Medienberichterstattung geben dieser Vermutung Recht. Über drei Viertel der Kunden zeigen Verständnis für euren Arbeitskampf!"
So weit und nicht weiter
Die Kölner Montagsdemonstranten hatten Bernd Weber aufs Podium geschickt, um den Streikenden der GDL ihre Solidarität auszudrücken. „Wir demonstrieren seit drei Jahren gegen Hartz IV hier auf der Domplatte“, sagte er. „Hartz IV ist ein Teil dieser ganzen Lohndumping-Politik. Deshalb ist es wichtig, dass ihr mit eurem Streik ein Signal setzt, dass es mit dieser Politik nicht weitergehen kann. Damit, dass Leute mit Hartz IV und Ein-Euro-Jobs drangsaliert werden, damit, dass Leute allen möglichen Willkürmaßnahmen ausgesetzt werden, soll Druck auf die Noch-Beschäftigten ausgeübt werden, für jeden noch so minimalen Lohn jede Drecksarbeit auszuüben. Da muss man eben sagen: So weit und nicht weiter."

Dieser Streik ist nicht nur ein Lokführerstreik: Solidarität und Verständnis
Fotos: arbeiterfotografie
Georg Kümmel, Mitglied der SAV und der Linkspartei: „Ich will euch sagen, dass euer Streik was ganz besonderes ist. Er wird nicht nur in Deutschland, sondern auch international wahrgenommen. In den Unterschriften von CNN wird laufend über die Neuigkeiten im Streik berichtet ... Gerade streiken auch in Frankreich die Kolleginnen und Kollegen für ihre Rechte und gegen eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Wir hatten in der Vergangenheit immer das Problem, dass gesagt wurde: ‚Schaut mal nach Frankreich, da kann man streiken. Ja, in Frankreich, aber in Deutschland passiert das nie. Und ihr beweist jetzt, dass man sich auch in Deutschland nicht mehr alles gefallen lässt und es schafft, dieses Land lahm zu legen. Ich bin überzeugt, dass ihr mit eurem Streik auch Erfolg haben werdet. Wir hatten ein Transparent mit der Aufschrift: ‚Kämpfen wie in Frankreich'. Das haben wir immer noch. Aber auf dem nächsten Transparent wird stehen: 'Kämpfen wie die Lokführer'.
… dass wir auch noch kämpfen können …
Auch der Kölner Schriftsteller Erasmus Schöfer erklärte sich solidarisch: „Ich will euch sagen, dass mir euer Streik sehr imponiert und ich sehr froh darüber bin. Heute Morgen im WDR, wo jeder anrufen kann und der Moderator keinen Einfluss hat, war nur ein einziger, der Bedenken gegen den Streik hatte. Alle anderen haben sehr wohl verstanden, warum die GDL jetzt streikt."
Und er machte Mut mit dem Märchen vom Eisernen Heinrich: „Als der Prinz mit seinem Kutscher unterwegs war, hörte er ein großes Krachen und sagte 'Heinrich, Heinrich, der Wagen bricht'. ‚Nein' – sagte dieser – ‚das ist nur der eiserne Reifen, der von meiner Brust gesprungen ist, dass jetzt alles gut wird.’ – Ich will euch sagen: Er hatte drei eiserne Reifen. Bis jetzt ist einer gesprungen, weil ihr nicht klein beigebt und zeigt, dass wir auch noch kämpfen können gegen das Kapital. Es gibt noch zwei Reifen. Wenn ihr durchhaltet, werden auch die noch springen." (HDH)
DGB-Gewerkschafter und -Gewerkschafterinnen rufen zu Solidaritätserklärungen im Internet für den Lokführerstreik auf.
Online-Flyer Nr. 121 vom 18.11.2007
In diesem Streik geht es um mehr
„Kämpfen wie die Lokführer“
Von Hans-Dieter Hey
Hoher Einsatz unter hoher Verantwortung
Glos' Äußerung trifft bei den streikenden Lokomotivführern auf völliges Unverständnis. Nach Angaben ihrer Gewerkschaft GDL sind sie oftmals bis zu 55 Stunden in der Woche im Dienst, bei hoher Verantwortung und permanentem Schicht- und Wechseldienst. Seit der Bahnreform 1994 soll es beim Fahrpersonal einen Reallohnverlust von zehn Prozent gegeben haben. Bernd Rose, Lokführer im Fernverkehr, gegenüber der NRhZ: „Wir haben Schichten von bis zu vierzehn Stunden, an den Wochenenden sind wir unterwegs, oft kein Weihnachten und kein Sylvester, bei uns gibt es keine Brückentage, und das alles für 1.500 Euro netto." 28 bis 30 verschiedene Lokomotivtypen kann Rose inzwischen fahren und muss in eigener Verantwortung sicherstellen, dass ihr technischer Zustand den Sicherheitsvorschriften entspricht und er alle Fahrgäste heil ans Ziel bringt.
Kein Wunder also, dass die Streikbereitschaft für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen hoch ist. Jetzt scheint der Streik gar in eine neue Phase einzutreten: Sogar unbefristete Streiks sind denkbar geworden. Bisher hat Hartmut Mehdorn nämlich – so die GDL – lediglich die Bezahlung der Überstunden, eine Einmalzahlung und das „alte Tarifkorsett" der übrigen Bahngewerkschaften angeboten – aus Sicht der GDL also keine neue Situation. Aus diesem Grund hat sie der Bahn am Freitag noch einmal ein Ultimatum bis Montag gestellt. Es wird gemunkelt, dass hinter den Kulissen um einer baldigen Lösung willen die Drähte heiß laufen. Doch bis jetzt sieht alles nach weiteren Streiks aus.

Kommt er – oder kommt er nicht? Fahrgäste im Hauptbahnhof Köln
Keine normale Tarifauseinandersetzung
Um den Lokführern weiter Mut zu machen, fand am Freitagabend vor dem Dom in Köln eine Solidaritätskundgebung statt. Claus Ludwig, Mitglied der Partei Die Linke und Mitglied des Kölner Stadtrats, sprach auf der Kundgebung: „Während die Bahn-AG Millionenbeträge für Zeitungsanzeigen ausgibt, um die Kolleginnen und Kollegen zu verleumden, haben sich die Bahnvorstände in den letzten Jahren die Taschen gefüllt. Sie haben ihre Bezüge verdreifacht". Und weiter: „In diesem Streik geht es längst nicht mehr um eine normale Tarifauseinandersetzung. Es geht darum, dass der Bahnvorstand, die Bundesregierung und Vertreter des Kapitals die Kolleginnen und Kollegen in eine Niederlage treiben wollen, um den Lohnabhängigen im ganzen Land zu zeigen: Es lohnt sich nicht zu kämpfen ... Aber es lohnt sich zu kämpfen, sich nicht alles gefallen zu lassen, nicht ewig beim Lohndumping mitzumachen und sich gegeneinander ausspielen zu lassen. Sondern aufzustehen und zu sagen: Jetzt ist Schluss! … Leider stehen die anderen Gewerkschaften wie ver.di, die IG-Metall oder die Transnet nicht hinter eurem Streik. Sie wollen nicht verstehen, dass es eine Auseinandersetzung ist, die alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen betrifft."

Hervorragende Motivation und hohe Streikbereitschaft:
„Streiken wie die Lokführer"
Das Solidaritätskomitee der Jugend der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Köln sprach dem Lokführerstreik seine volle Unterstützung aus: "Wir stehen voll hinter eurem Kampf und hinter euren Forderungen. Ich bin davon überzeugt, dass ganz viele Kolleginnen und Kollegen auf euren Streik schauen. Auch die Umfragen der Medienberichterstattung geben dieser Vermutung Recht. Über drei Viertel der Kunden zeigen Verständnis für euren Arbeitskampf!"
So weit und nicht weiter
Die Kölner Montagsdemonstranten hatten Bernd Weber aufs Podium geschickt, um den Streikenden der GDL ihre Solidarität auszudrücken. „Wir demonstrieren seit drei Jahren gegen Hartz IV hier auf der Domplatte“, sagte er. „Hartz IV ist ein Teil dieser ganzen Lohndumping-Politik. Deshalb ist es wichtig, dass ihr mit eurem Streik ein Signal setzt, dass es mit dieser Politik nicht weitergehen kann. Damit, dass Leute mit Hartz IV und Ein-Euro-Jobs drangsaliert werden, damit, dass Leute allen möglichen Willkürmaßnahmen ausgesetzt werden, soll Druck auf die Noch-Beschäftigten ausgeübt werden, für jeden noch so minimalen Lohn jede Drecksarbeit auszuüben. Da muss man eben sagen: So weit und nicht weiter."

Dieser Streik ist nicht nur ein Lokführerstreik: Solidarität und Verständnis
Fotos: arbeiterfotografie
Georg Kümmel, Mitglied der SAV und der Linkspartei: „Ich will euch sagen, dass euer Streik was ganz besonderes ist. Er wird nicht nur in Deutschland, sondern auch international wahrgenommen. In den Unterschriften von CNN wird laufend über die Neuigkeiten im Streik berichtet ... Gerade streiken auch in Frankreich die Kolleginnen und Kollegen für ihre Rechte und gegen eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Wir hatten in der Vergangenheit immer das Problem, dass gesagt wurde: ‚Schaut mal nach Frankreich, da kann man streiken. Ja, in Frankreich, aber in Deutschland passiert das nie. Und ihr beweist jetzt, dass man sich auch in Deutschland nicht mehr alles gefallen lässt und es schafft, dieses Land lahm zu legen. Ich bin überzeugt, dass ihr mit eurem Streik auch Erfolg haben werdet. Wir hatten ein Transparent mit der Aufschrift: ‚Kämpfen wie in Frankreich'. Das haben wir immer noch. Aber auf dem nächsten Transparent wird stehen: 'Kämpfen wie die Lokführer'.
… dass wir auch noch kämpfen können …
Auch der Kölner Schriftsteller Erasmus Schöfer erklärte sich solidarisch: „Ich will euch sagen, dass mir euer Streik sehr imponiert und ich sehr froh darüber bin. Heute Morgen im WDR, wo jeder anrufen kann und der Moderator keinen Einfluss hat, war nur ein einziger, der Bedenken gegen den Streik hatte. Alle anderen haben sehr wohl verstanden, warum die GDL jetzt streikt."
Und er machte Mut mit dem Märchen vom Eisernen Heinrich: „Als der Prinz mit seinem Kutscher unterwegs war, hörte er ein großes Krachen und sagte 'Heinrich, Heinrich, der Wagen bricht'. ‚Nein' – sagte dieser – ‚das ist nur der eiserne Reifen, der von meiner Brust gesprungen ist, dass jetzt alles gut wird.’ – Ich will euch sagen: Er hatte drei eiserne Reifen. Bis jetzt ist einer gesprungen, weil ihr nicht klein beigebt und zeigt, dass wir auch noch kämpfen können gegen das Kapital. Es gibt noch zwei Reifen. Wenn ihr durchhaltet, werden auch die noch springen." (HDH)
DGB-Gewerkschafter und -Gewerkschafterinnen rufen zu Solidaritätserklärungen im Internet für den Lokführerstreik auf.
Online-Flyer Nr. 121 vom 18.11.2007














