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Aktueller Online-Flyer vom 11. Juni 2026  

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Arbeit und Soziales
Tarifkonflikt zwischen Bahn und Lokführern brennt weiter
Wesentliches ungeklärt
Von Hans-Dieter Hey

Das am 15. Oktober vorgelegte Angebot der Bahn AG kommt offenbar für die Lokführer nicht in Frage, weil sich Bahnchef Hartmut Mehdorn weiter stur stellt. Ob er in dieser Haltung falsche Berater hat, ist eine ganz andere Frage. Er könnte damit aber selbst die Bahn lahm legen.
Vorgeschlagen wurde die Übernahme der Lohnerhöhung von 4,5 Prozent, die bereits früher die Tarifgemeinschaft Transnet und GDBA ausgehandelt hatten, zuzüglich einer Einmalzahlung von 600 Euro. Außerdem wollte die Bahn die 2007 von den Lokführern bereits geleisteten 104 Überstunden einmalig mit jeweils mit 1.400 Euro abgelten. Von einem „eigenständigen" Tarifvertrag keine Spur. Das Angebot enthält noch einen weiteren Pferdefuß: Eine Entgelterhöhung bis zu zehn Prozent, wenn die Wochenarbeitszeit von 41 auf 43 Stunden in Kauf genommen wird. Und da es nichts Neues gibt, hat GDL-Chef Manfred Schell die geplanten Gespräche für heute abgesagt, so dass am Donnerstag wahrscheinlich gestreikt wird.


Versäumnisse der großen Gewerkschaften

Dass dieses Angebot von der Gewerkschaft GDL nicht akzeptiert werden konnte, liegt auf der Hand. Ihr kommt es im Wesentlichen darauf an, für ihre Lokführer einen „eigenständigen" Tarifvertrag zu vereinbaren, der sowohl die Lohn- als auch die Arbeitsbedingungen für ihre Klientel erfasst, um künftig besser und eigenständig darüber verhandeln zu können. Denn bisher war die Arbeit der Lokführer durch geringe Vergütung im Vergleich zu ihrer Qualifikation, durch geringe Aufstiegschancen, schlecht bezahlte Wartezeiten oder lange Arbeitsschichten gekennzeichnet.


Kampfhahn
Hartmut Mehdorn
Quelle: Bahn AG
Offensichtlich haben es die großen Gewerkschaften nämlich versäumt, die Vorstellungen der Lokführer in der Vergangenheit angemessen zu berücksichtigen. Auf dem Bundeskongress der Gewerkschaft ver.di am 5. Oktober hat dann auch ihr Vorsitzender Frank Bsirske zu recht erkannt: "Über eines dürfen wir uns auch keine falschen Vorstellungen machen: Arbeitsteilung und Spezialisierung werden in unserer Gesellschaft in Zukunft weiter zunehmen, und das in einem immer komplexer werdenden, auf Zusammenarbeit angewiesenen System. Als Gewerkschaft müssen wir uns auf diese Komplexitätssteigerung unserer Umwelt einlassen und daraus Konsequenzen für unser eigenes gewerkschaftliches Handeln ziehen. Dabei ist mir Zweierlei besonders wichtig: Erstens. Wir müssen uns vor diesem Hintergrund darauf einstellen, unterschiedlichen Lebenslagen, Sorgen und Hoffnungen der einzelnen

Kampfhahn
Manfred Schell
Quelle: GDL
Beschäftigtengruppen Rechnung zu tragen, letztlich different Rechnung zu tragen. Zweitens müssen wir Beteiligungsmöglichkeiten eröffnen. Die Diskussion zu den Lokführern dreht sich ja nicht zufällig um die Frage, ob ihre Bezahlung in einem ausgewogenen Verhältnis zu der Verantwortung steht, die sie tragen." Genau dieses Problem will die Gewerkschaft GDL nun für die Lokführer lösen, nachdem es ähnliche Erfahrungen zuvor schon mit den Piloten, den Fluglotsen und den Ärzten des Marburger Bundes gegeben hat. 



GDL–Tarif Zeichen für Verfall der Tarifeinheit

Für die jetzt eingetretene Situation sind auch die Arbeitgeber mitverantwortlich. Outsourcing, zunehmende Spezialisierung während der vergangenen Jahrzehnte und Austritte von Arbeitgeberverbänden aus den Tarifgemeinschaften haben die Gewerkschaften geschwächt und zwingen die Beschäftigten dazu, andere Formen der Unterstützung und Solidarität im Widerstand gegen Lohndumping und schlechtere Arbeitsbedingungen zu suchen. Und selbstverständlich setzt diese Entwicklung auch die großen Gewerkschaften und die viel beschworene Tarifeinheit unter Druck. Für Bahn-Personalchefin Margret Sukale und ihren Chef Hartmut Mehdorn wird sie vermutlich ein Wunschtraum bleiben, nicht nur aus verfassungsrechtlicher Sicht. Denn letztlich hat die Führung der Bahn durch ihre Politik der Spaltung zu diesen Entwicklungen selbst kräftig beigetragen.


Wird der Streik zum DB-Dauerspezial?
Foto: arbeiterfotografie.com

Alle Räder stehen still…

Ob Hartmut Mehdorn mit dem Rat von Hans-Werner Sinn vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung gut beraten ist, dürfte sehr fraglich sein: "Es gibt nur noch einen Weg: Herr Mehdorn muss hart bleiben. Ich denke, der wochenlange Streik sollte riskiert werden", sagte Sinn in der Fernsehsendung „Fakt“ am 15. Oktober. Der von einigen Journalisten als „bester Ökonom Deutschlands" Gefeierte wird immer dann als Experte vor die TV-Kameras gestellt, wenn neoliberale Botschaften unters Volk gestreut werden sollen. Ohnehin sind für Sinn Gewerkschaften das größte Übel. Gut nur, dass gelegentlich z.B. durch die „Nachdenkseiten“ seine volkswirtschaftlichen Irrlehren enttarnt werden.


Wenn Bahnchef Mehdorn nun dem unsinnigen Rat von Herrn Sinn folgen sollte, sollten Bahnfahrerinnen und Bahnfahrer wissen, dass der dann folgende Streik nicht der Lokführergewerkschaft anzulasten ist, sondern der Sturheit von Mehdorn und seinem Motto: Alle Räder stehen still, wenn Herr Mehdorn es so will. Kritik bekam Mehdorn für diese Taktik inzwischen sogar vom langjährigen Berater des Verkehrsministeriums, Gottfried Ilgmann. Der warf der Bahn am 16. Oktober im Presseportal der ZEIT vor, große Geldsummen dafür einzusetzen, um die kleine Gewerkschaft GDL unter Druck zu setzen. Ilgmann: „Ein privater Eigner hätte dies nicht zugelassen." Doch Bundesregierung und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee halten sich trotz Mehdorns Geldverschwendung zurück, obwohl die Bahn noch dem Bund gehört. (HDH)

Das Startbild stammt von der Gewerkschaft GDL



Online-Flyer Nr. 117  vom 17.10.2007



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