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Aktueller Online-Flyer vom 11. Juni 2026  

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Inland
Versuch zur Verhinderung einer Geschichtsfälschung
Der Beitrag der Arbeiter 1968
Von Hermann Zoller

Geht es um das Kalenderjahr 1968, dann werden in der Regel Bilder von der Erschießung Benno Ohnesorgs, von gegen den Axel-Springer-Verlag demonstrierenden Studenten und von den entblößten Hinterteilen der Kommune 1 abgerufen. Das ist eine sehr verengte Sicht auf jene Zeit und die Entwicklungen, die sich um das Jahr 1968 bewegen. Es ist zu befürchten, dass im Jubiläumsjahr 2008 der Versuch weitergehen wird, die 68er-Bewegung zu entpolitisieren. Da will dieses Buch gegensteuern.
Ohne die Rolle der Studenten schmälern zu wollen, unternehmen die Autoren den Versuch, die Breite und den Tiefgang dieser Bewegung zu umreißen. Das gelingt und sei es teilweise auch nur dadurch, dass eine große Zahl „weißer Flecken" aufgezeigt wird. Es erstaunt zu sehen, welche Ereignisse bisher wissenschaftlich nicht aufgearbeitet sind. Vielleicht ist dies ein weiterer Beleg dafür, dass auch Wissenschaft nicht immer interessenfrei arbeitet.


„68“ auch eine soziale Bewegung
Quelle: Uni Marburg


In einem Querschnitt durch Europa zeigt die Anthologie auf, welche politischen und sozialen Bewegungen zusammenflossen, und vor allem, dass die abhängig Beschäftigten einen wesentlichen Anteil beigetragen haben, so dass man begründet nicht unbedingt von einer Weltrevolution, aber doch von einer weltweiten Bewegung sprechen kann. Die Dimension von „68" erscheint gar erst in ihrer vollen Form, wenn anerkannt wird, dass es vielen Akteuren um die Überwindung des bestehenden Systems und eben gerade nicht um dessen Verbesserung ging.

Das Buch liefert Anhaltspunkte dafür, dass selbst eine isolierte Betrachtung der 68er Bewegung ihrer Bedeutung nicht gerecht wird. Sie ist eine Perle auf der Schnur der Arbeiterbewegung Europas. Ihre Wurzeln gründen schon ein Jahrzehnt früher, und ihre Triebe reichten weit darüber hinaus. Schon vor 1968 hatte es in den Gewerkschaften einen Generationenwechsel mit einem Aufstieg „der Basis" gegeben. Willy Brandts „Mehr Demokratie wagen" war nicht ein Startzeichen, sondern die Anerkennung einer Entwicklung, die schon Jahre auf dem Weg war. Die bisher gewonnenen Erkenntnisse zeigen zudem, wie richtig die Politik des Wandels durch Annäherung und wie falsch das zu lange Zögern der Gewerkschaften beim Knüpfen der „Ostkontakte" war.

Bei einer Bewertung von 1968 kann es nicht um einen Betrauern der guten alten Zeit, auch nicht um das schnittbogenhafte Übertragen auf heutige Zeiten gehen. Das Auswerten der Erfahrungen kann allerdings durchaus hilfreich sein. Die Probleme, die heute anstehen, sind nicht minder gravierend als damals. Wir haben zwar keine Denkverbote, und auch der Muff unter den Talaren muss nicht nochmals vertrieben werden, aber wir haben eine Dominanz neoliberaler Handlungsmuster und Netzwerke, die nahezu jede kritische gesellschaftspolitische Diskussion unterdrücken. Heute geht es um die Befreiung der Politik aus den neoliberalen Denkschablonen und vom Einfluss weltweit agierender Konzerne. Die 68er Erfahrungen sind für die aktuellen Gegebenheiten von erheblicher Relevanz. Sie machen Mut. Das Buch könnte als Initialzündung wirken. (PK)






„1968 und die Arbeiter“

Bernd Gehrke / Gerd-Rainer Horn (Hrsg.)
Studien zum „proletarischen Mai“ in Europa
336 Seiten, VSA-Verlag, Hamburg 2007
19,80 Euro

Online-Flyer Nr. 111  vom 02.09.2007



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