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Aktueller Online-Flyer vom 11. Juni 2026  

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Lokales
Erster großer Streik der Lokführer in der BRD steht bevor
Der starke Arm der Lokführer-Gewerkschaft
Von Hans-Dieter Hey und Hans Peter Keul

Das Interview findet sich im Anschluss an die folgenden Aktualisierungen.


Große Zustimmung für Lokführer-Streik

(NRHZ/HDH) 06.08.07, 18.30 h.
Mit einer außerordentlich hohen Zustimmung von 95,8 Prozent haben sich die Lokführer in einer Urabstimmung für einen unbefristet Streik ausgesprochen.
Bereits am Donnerstag soll der Arbeitskampf beginnen - zunächst beschränkt auf den Güterverkehr. Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Lokführer
GDL, Manfred Schell, kommentierte das Ergebnis in einer ersten Reaktion als „ein hervorragendes Ergebnis". Bereits die vergangenen Wochen hätten  eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass unsere Mitglieder fest entschlossen sind, unsere Tarifforderungen notfalls mit den Mitteln des Arbeitskampfes durchzusetzen, so Schell.

Kampfansage an den Bahn-Chef Manfred Mehdorn

Mehdorn wird offenbar erkennen müssen, dass die gewerkschaftlich organisierten Lokführer zum Streik bereit sind, der ihren Beamtenkollegen nicht erlaubt ist. Auch dürfte das Abstimmungsergebnis als klares Zeichen gegen die Versuche von Transnet gewertet werden, einen angestrebten Tarifabschluss mit der DB-AG für die Lokführer zu verhindern. Transnet gilt für Kritiker ohnehin als „zu weich", nicht zuletzt, weil deutliche Kritik am Privatisierungskurs der DB-AG unterblieben sei. Weitere Kritik an Transnet äußern Gewerkschaftsmitglieder von ver.di und IG-Metall. In einer gemeinsamen Erklärung, in der der Streik der GDL befürwortet wird, heißt es: „Wir verurteilen, wenn Gewerkschaftsführer Euren Streik torpedieren und die Bahnprivatisierung unterstützen" und weiter verurteilen Gewerkschaftsmitglieder von Ver.di und IG-Metall auch „die Bahnprivatisierung wie auch die Angriffe auf das Streik- und Koalitionsrecht durch Bahnchef Mehdorn."

Am 14.08. ab 19.30 Uhr ruft das Kölner Netzwerk „Linke Opposition" zu einer Solidaritätsveranstaltung mit den Lokführern in das Bürgerzentrum Ehrenfeld ein. Als Gast ist Frank Schmidt, Bezirksvorsteher der GDL in Nordrhein-Westfalen, geladen. (HDH)




Das Interview:

Melanie Göldner musste in diesen Tagen oft auf ihren Vater Uwe warten, weil er ein gefragter Interviewpartner ist. Der alleinerziehende Vater ist Lokführer der Bahn-AG und Gewerkschafter der Lokführergewerkschaft GDL, die jetzt ihre Streiks für mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen massiv ausweiten wollen. Bereits mit den Warnstreiks in Thüringen, NRW oder Mecklenburg- Vorpommern hat sich die Gewerkschaft eine Menge Feinde gemacht, vor allem bei Bahn-Chef Hartmut Mehdorn mit seinen Privatisierungsträumen. – Aktuelle Informationen im Anschluss an das Interview.

NRhZ: 1998 wurden in Sachsen mehrere Strecken der Bahn zugemacht und plötzlich gab es in Ihrem Abschnitt 36 Lokführer zu viel. Sie hatten Glück und kamen im „Westen" unter. Bundesweit hat die Deutsche Bahn in den letzten zehn Jahren 50 Prozent ihres Gesamtpersonals abgebaut, davon über 12.000 Lokführer. Wie hat sich dieser Wandel auf Ihre Arbeit ausgewirkt?


Göldner: „Wir wollen ordentliche Lohnsteigerungen und bessere Einstiegslöhne.
Das muss jetzt sein."
Privatfoto: Göldner

Uwe Göldner: Die Arbeit ist immer mehr geworden, die Gewinne sind aber auch gestiegen. Und die Bahn hat sich immer mehr aus der Fläche zurück gezogen. Wir haben Schichtdienst und sind kaum ein Wochenende zu Hause. Hier im VRS-Gebiet haben wir sogar noch Arbeit dazu bekommen durch die zusätzliche S-Bahn-Linie S13. Dafür wurde keine neues Personal eingestellt, sondern die Arbeit musste durch das vorhandene Personal abgedeckt werden.

Trotzdem haben die Lokführer offensichtlich nicht mehr bekommen. Einem Berufsanfänger verbleibt im Monat Netto ca. 1200 Euro. In den meisten Ländern in Europa verdienen Lokführer fast das Doppelte. Nun sind Sie ja ein erfahrener Lokführer. Was verdienen Sie im Schnitt monatlich?

Im Schnitt bleiben nach Tarif 1500 bis 1600 Euro im Monat inklusive aller Zulagen. Mit zwei Personen im Haushalt ist da nicht viel drin. Meine Tochter wird 17, da wachsen auch die Ansprüche. Ich bekomme nicht einmal Wohngeld, weil ich zehn Cent über der Verdienstgrenze lag.

Lokführern, die sich mit ihrer Gewerkschaft GDL für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen einsetzen, wird durch Bahn-Chef Mehdorn offen mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen gedroht, merkwürdige Arbeitnehmerbefragungen zur Gewerkschaftszugehörigkeit finden statt. Wie kommt das denn bei Ihnen an?

Das lehne ich ab. Es zeigt aber auch eine gewisse Hilflosigkeit des Arbeitgebers, weil er keine anderen Mittel mehr weiß.


So könnte es im Kölner Hauptbahnhof in einigen Tagen aussehen
Foto: H.-D. Hey, arbeiterfotografie.com


Nun hat die Deutsche Bahn versucht, Streiks durch die Arbeitsgerichte zu verhindern. Beispielsweise hat das Arbeitsgericht Düsseldorf einen Streik untersagt.

Genau! Die Arbeitsgerichte Hagen und Ludwigsburg haben an das Arbeitsgericht Frankfurt verwiesen. Der Richter am Arbeitsgericht Düsseldorf ist wohl erst 34 Jahre alt und unerfahren. Der Arbeitgeber hat überall Klagen eingereicht, nur nicht dort, wo er es eigentlich sollte. Wahrscheinlich, weil man weiß, was da raus kommt. 2003 hat das Landesarbeitsgericht Hessen der GDL schon das Streikrecht zugestanden. Schwierig ist natürlich, dass die alte Bahn zerschlagen wurde und es sich nun um verschiedene Betriebe handelt, wie z.B. die DB Regio AG, die DB Fernverkehr oder die Railion Deutschland AG.

Sie wollen aber weiter Dampf für ihre Forderung machen. Nun hat am Freitag die Bahn AG einen Vorschlag unterbreitet.

Das Arbeitgeber-Angebot ist völlig indiskutabel.

Der Vorsitzende ihrer Gewerkschaft rechnet damit, das sich am Montag „90 Prozent plus X" für einen Streik aussprechen. Wie ist die Stimmung für Streik in Köln?

Wenn das durchkommt, ist bei uns die Entscheidung eigentlich klar. Das, was der Arbeitgeber gegen uns in den letzten Wochen veranstaltet hat, schweißt uns eigentlich nur noch mehr zusammen.

Sie meinen den Druck auf die Mitarbeiter. Aber auch vom „Pozesshansel DB" ist in den Medien die Rede. Eine Strategie, um die Streikbereiten mürbe zu machen?


Gewinne sind gestiegen, Managergehälter sind gestiegen, Lokführerlöhne
sind in den letzten Jahren real gesunken
Foto: H.-D. Hey, arbeiterfotografie.com


Erstmal das, aber auch um Zeit zu schinden. Denn man hat ja auch den Druck von Seiten der Bundesregierung, damit sie dort die Teilprivatisierung durchkriegen. Gleichzeitig will man die Urlauber nicht verprellen, wir haben ja Urlaubszeit.

Solche Situationen werden überall genutzt, weil Gewerkschaftern doch sonst kaum Druckmittel bleiben. Auffällig war, dass die GDL bei der Bundesregierung um Hilfe gegen die Bahn-AG ersuchte. Wie das? Haben sie noch so viele Beamte?

Wir haben ca 34.000 Mitglieder in der GDL, davon 20.000 Lokführer. Davon sind ungefähr 60 % Tarifkräfte. Es gibt auch noch viele Lokführer als Beamte, vor allem im westlichen Bereich. Der letzte Beamte verlässt die DB im Jahre 2036. An der Urabstimmung nehmen aber nur Tarifmitarbeiter teil, weil sie streikberechtigt sind.

Warum schert die GDL eigentlich jetzt aus der Tarifführerschaft mit Transnet und der DGBA aus? Inzwischen gibt es von Transnet Unterschriftsaktionen gegen die GDL, man spricht sogar davon, dass die GDL-Kollegen Spalter seien.

Das sage ich ganz ehrlich! Wir haben uns lange genug in diesem Einheitsbrei bewegt, haben lange genug zugunsten anderer auf viele Dinge verzichtet und vor allem zugunsten des Arbeitgebers, wie z.B. auf Urlaubsregelungen oder Lohngruppenrunden für die Lokführer. Beispielsweise hat man uns eine Lohngruppe zugunsten angeblicher Konkurrenzfähigkeit genommen. Andere Mitarbeiter bei der DBAG arbeiten 39 oder 40 Stunden, das Fahrpersonal muss 41 Stunden in der Woche arbeiten.

Karikatur: Kostas Koufogiorgos
Cartoon: Lurusa

Mit anderen Worten: Sie fühlten sich durch Transnet und die DGBA nicht richtig vertreten?

Mal ehrlich! Wie will ich 130.000 Interessen in mindestens zehn Berufsgruppen vertreten? Das können die nicht richtig hinkriegen. Wahrscheinlich bekommt das auch die IG-Metall nicht hin. Die haben aber für ihre Streiks immer exponierte Berufsgruppen. Bei uns sind es eben die Lokführer und Zugbegleiter.

Was erwarten Sie als Gewerkschafter der GDL von einem eigenen Tarifvertrag für Lokführer und Begleitpersonal?

Auf jeden Fall eine Verbesserung der Löhne und der Arbeitsbedingungen und eine Arbeitszeit wie alle anderen bei der DB. Ein Fahrdienstleiter zum Beispiel hat eine 40-Stunden-Woche, bekommt aber das gleiche Geld wie wir. Wir müssen also fürs gleiche Geld länger arbeiten. Wir wollen jetzt dafür sorgen, dass sich an unseren Arbeitsbedingung und an unserem Lohn was tut. Wir wollen ordentliche Lohnsteigerungen und bessere Einstiegslöhne. Das muss jetzt sein.

Danke für das Interview!    (HDH)



Online-Flyer Nr. 107  vom 06.08.2007



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