Die erste Woche der Protest-Skatingtour von Adrian und Dennis
BAYBAY Arbeitsplatzvernichtung!
Von Peter Kleinert
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Adrian und Dennis: BAYBAY ist schon korrekt. Anlass war ja die Arbeitsplatzvernichtung bei BAYER
Nach Donauwörth „einfach nur so geflogen“
Vor dem Start am frühen Morgen in Augsburg taten sie erstmal das, was sie unterwegs überall tun wollen: Sie sammelten Protestunterschriften gegen die Arbeitsplatzvernichtung, die sie am Ende der Reise in Leverkusen dem Oberbürgermeister und dem Vorstandsvorsitzenden der Bayer AG übergeben wollen. Mit Erfolg. Wegen des starken Regens wurden sie erstmal mit einem Auto aus der Stadt raus gefahren.
Dann ging das Skaten los – in Warnwesten, weil es die meiste Zeit über Landstraßen ging. Dass sie schon gegen 14 Uhr im Buena Vista, ihrer kostenlosen Unterkunft in Donauwörth ankamen, lag wahrscheinlich an den neuen tollen Rollen die ihnen - wie auch zahlreiche Unterkünfte unterwegs – ebenfalls gesponsert wurden. Adrians Vater Norbert Löffler, Betriebsrat bei BAYER-BIS, der sie bei Reisevorbereitung und unterwegs per Telefon und Mail von zuhause aus unterstützt und gleichzeitig ihre immer umfangreicher und gut besuchte Website pflegt: „Die Jungs sagten, sie wären damit einfach nur so geflogen. Sie hätten sogar über schwierigen Untergrund fahren können, was sonst so nicht geklappt hätte.“
In Donauwörth bekamen sie in ihrem Gasthaus prompt Besuch von einem Reporter der Lokalausgabe der Augsburger Allgemeinen Zeitung. Interview und Foto standen tags drauf tatsächlich drin. Schlagzeile: „Protest auf dem Skateboard“ und im Text: „gegen die Missstände auf dem deutschen Arbeitsmarkt, genauer gesagt gegen den Stellenabbau der großen Firmen.“ Ob die Zeitungsverleger so etwas überall zulassen, wird man sehen...
Horrortour im Regen nach Aalen
Am Dienstag stand eine Riesenetappe an. Von Donauwörth nach Aalen. 67 Kilometer hatten die Jungs auf der Karte gemessen. Es wurden bei Regen, Wind und um die 13 Grad am Ende wohl an die 100. Und das kam so: Bei dem absolut schlechten Wetter verpassten sie die richtige Straße, liefen praktisch einmal rund um Donauwörth, denn Skaten war erst drin, als sie die richtige Straße wieder gefunden hatten.

Ankunft in Donauwörth – es gab sogar einen Zeitungsartikel
Dann ging es weiter, teilweise gelaufen, teilweise geskatet, immer wie das Wetter und die Straßenverhältnisse es zuließen. Und aus der Strecke wurde wegen des Wetters, weil sie teilweise quer durch Felder, Wälder und Wiesen laufen mussten, eine Horrortour. Es goss in Strömen, keine Möglichkeit sich unterzustellen, Wind und schlechte Straßen So mussten sie auch zwei kleine Strecken trampen. Es ging nicht anders. Viele Versuche scheiterten, von 100 Autos hatten sie endlich bei einem Glück.
Es gab aber trotzdem viel zu sehen und zu bestaunen. So haben sie in einem Feld einen riesigen Fisch entdeckt, tot natürlich, und etwas weiter ein Schild, wo vor Störchen gewarnt wurde. Als sie gegen 17 Uhr in Aalen ankamen, hatten sie seit dem Frühstück nichts mehr gegessen, fanden auf die Schnelle nur eine Bäckerei, suchten dann ihr Hotel, das sie nach langem Suchen auf einem steilen Berg fanden. Endlich Essen und Ausruhen!
Die Lokalpresse ließ sich hier nicht sehen, obwohl Vater Löffler sie informiert hatte. Aber sie sammelten wieder Unterschriften und erfuhren von Norbert Löffler, dass es inzwischen jede Menge Daumendrück-Post auf der Webseite gäbe: von der DGB- und ver.di-Jugend Trier, die sich „auf Euren Besuch in der schönen Moselstadt freut“, von einem "alten“ Sportler (47, Judo): „Toll, Jungs! Ich wünsche Euch eine gute Tour und bestmöglichen Erfolg. Könntet Ihr nach Eurer Station in Hürth nicht auch in der Nachbarstadt Frechen Station machen? Ich würde dann als Journalist für die Presse sorgen“, dazu beste Wünsche für „gutes Durchkommen und Spitzen-Skaterwetter“ von der Kölner Band „Brings“, von der Coordination gegen BAYER-Gefahren und anderen Besuchern.
Abendessen beim Pfarrer in Murrhardt
Nach dem Start morgens um 10 Uhr ging es nur bergauf, „steiler als in den Pyrenäen“, so Adrian, der diese kennt, und es schüttete aus Eimern. Also, zu Fuß und nass werden. Dann endlich ging es bergab, aber wieder so steil, das man unmöglich fahren konnte, sei denn man wollte einen Geschwindigkeitsrekord brechen! Also wieder zu Fuß. Den größten Teil der Strecke konnten sie dennoch skaten, sonst hätten die wieder etwa 60 Kilometer nicht geschafft. Allerdings ruinierten sie dabei ihre Skaterschuhe, die Sohlen halb ab vom Bremsen.
Als sie endlich gegen 18 Uhr in Murrhardt ankamen, dirigierte ihr Sponsor Nils Lauchart sie telefonisch erstmal zur Kirche. Dort hatte der Pfarrer Essen vorbereitet. Dann brachte Nils sie in eine Pension, für die er extra gesammelt hatte, weil die Jugendherberge schon bei der Quartiersuche ausgebucht gewesen war. Nach dem Abendessen Gespräche mit Nils. Sie erfahren: Die Situation in Murrhardt ist wie überall in Deutschland, bei Bosch werden wohl auch Stellen abgebaut, vor allem werden die ganzen Azubis nicht übernommen. Das Thema ihrer Reise ist also auch in Murrhardt aktuell.
Gespräche mit Azubis bei Bosch
Am nächsten Morgen skateten sie erstmal zu Bosch in Murrhardt. Dort wurden sie von vielen Azubis und von Nils empfangen, der ihnen eine Tüte Wäsche in die Hand drückte. Er hatte sie über Nacht für die Jungs gewaschen. Als sie genug Gespräche geführt und Unterschriften gesammelt hatten, fing es mal wieder an zu regnen; nur teilweise konnte geskatet werden. Trotzdem trafen sie gegen 17 Uhr in Heilbronn ein.
Doch als sie in der Jugendherberge ankamen, wusste man dort erstmal „nichts von einer Buchung“. Erst als sie die ausgedruckte Mail vorlegten, sagte man ihnen: "Naja, ist noch was frei, Glück gehabt." Die Jugendherbergsausweise kosteten 12 Euro pro Person, die Übernachtung je 20 in einem Mehrbettzimmer für zusammen sechs Leute. Am nächsten Morgen dann die große Überraschung per Telefon für Vater Norbert, der am Abend stinksauer gewesen war: Die JH hat das Geld für die Übernachtung zurückgegeben und sponsert somit doch die Skatertour gegen Stellenabbau und für den Erhalt von Arbeitsplätzen.
Autofahrer übersieht Adrian trotz Warnweste
Richtung Mosbach führte der Weg erst über Landstraßen, ab Neckarsulm in sehr ländliche Gegenden. In einem Waldgebiet trafen sie eine Pferdekutsche. Einige Leute, die einen Betriebsausflug machten, luden die Jungs ein mitzufahren, aber sie hängten sich nur an die Kutsche dran und ließen sich auf den Skateboards eine Weile mitziehen.
Kurz vor dem Ziel passierte Adrian ein Unglück. Er kam aus einer Seitenstraße und ein Autofahrer übersah ihn. Adrian hatte zwar Vorfahrt, aber der Fahrer hatte ihn wohl trotz Skateboard und Warnweste übersehen. Adrian konnte zwar noch rechtzeitig abspringen, das Board aber landete unter dem Auto und wurde vom Vorderreifen eingeklemmt. Der Fahrer stieg aus, fragte wie es ihm ging, gab ihm sein Skate zurück und fuhr davon. Leider hatte Adrian sich nicht das Kennzeichen gemerkt, denn später stellte er fest, dass eine Rolle verbogen war. Das Brett hat auch leicht gelitten. Fünf Kilometer vor Mosbach rief dann der Leiter der ver.di-Bildungsstätte Mosbach an und erkundigte sich nach den Jungs. Da es die letzten fünf Kilometer nur noch bergauf ging, holte Kollege Kielmann sie kurzerhand ab. Die Jungs freuten sich. Wenn auch die Strecke diesmal an Kilometern nicht so lang war, ganz schön anstrengend war es doch gewesen.
Im Gewerkschafts-Heim bekamen sie jeder ein Einzelzimmer und konnten sich dann bei Tischfußball und Kegeln die Zeit vertreiben! Auch das Essen sei super gewesen, erzählten sie Adrians Vater. Echt freundliche Leute diese Ver.dis.
Trotz reichlich Regen viel mehr trinken als gedacht
Alle Fotos: Skaterjungs
Regen wie aus Eimern, tote Igel und Raser
Am nächsten Morgen regnete es wieder mal aus Eimern. Als das bis 10.30 Uhr immer noch nicht aufhörte, wurden sie zum Bahnhof gefahren, von wo es dann losging. Zu Fuß, etwa vier Stunden lang. Erst dann konnten sie die Skateboards auspacken und losfahren. Unterwegs gab es interessante Anrufe: ein Zeitungsredakteur, ein Fotograf und der Besitzer des Gasthauses Krone, wo sie übernachten sollten. Unterwegs gab es eine Menge toter Igel und viele Raser.
Am Bahnhof in Neckargmünd trafen sie den Fotografen; der machte ein paar Fotos und fuhr sie zum Gasthaus Krone, wo sie sehr freundlich aufgenommen wurden, ein kostenloses Zimmer und Essen bekamen. Dann kam die angekündigte Reporterin und hat, so Adrian, "ne Menge Fragen gestellt und noch mehr Fragen..." Mit dem Gasthausbesitzer ging es dann zu einem Sportfest - auch um wieder Unterschriften zu sammeln.
Fazit der ersten Woche: Es hat alles gut geklappt, auch wenn das Wetter nicht mitspielte. Allerdings müssen die Jungs unterwegs viel mehr trinken als gedacht und haben einige Nebenausgaben, die so nicht geplant waren, wie das unters Auto gekommene Board. Daher freuen sie sich wenn kleinere Spenden auf ihrem Konto eingehen:
Adrian Löffler
Deutsche Bank Leverkusen, BLZ 37570024
KtoNr. 7163975 – Stichwort Augsburg
(PK)
Fortsetzung folgt in NRhZ 103
Online-Flyer Nr. 102 vom 04.07.2007














