SUCHE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Lokales
Erste Pressekonferenz der LOBBY FÜR MÄDCHEN für Schulzeitungen
Kate Moss ist nicht wirklich schuld...
Von Frauke Mahr
Magersucht – die seltenste Ess-Störung
Bei einem einführenden Überblick über die Arbeit der LOBBY FÜR MÄDCHEN und ihre Praxisbereiche Interkultureller Mädchentreff und Mädchenberatungsstelle erfuhren die Besucherinnen, wie wichtig Öffentlichkeitsarbeit für die Finanzierung dieses Hilfeangebotes in der Vergangenheit war. Nach Wim Ploeg von der Arcor AG, der erklärte, warum diese die LOBBY FÜR MÄDCHEN seit 2003 im Beratungsbereich als Sponsor speziell zum Thema Ess-Störungen unterstützt, führte Andrea Frewer gleich mit einer ersten Überraschung in das Thema ein. Nach Darstellung der Heilpädagogin und Heilpraktikerin Psychotherapie findet Magersucht zwar mit Abstand am häufigsten in den Medien Erwähnung, ist aber tatsächlich die seltenste der drei Ess-Störungen. Auch die komplexen Hintergründe für die Erkrankung in ihren verschiedenen Formen würden häufig in der Öffentlichkeit zugunsten der einfachen Formel vernachlässigt: Dumme junge Mädchen wetteifern den berühmten untergewichtigen Models nach...

Die häufigste Ess-Störung: Ochsenhunger
Foto: NRhZ-Archiv
Vielfältige Ursachen
Gegen derlei Desinformation stellte Andrea Frewer aktuelle Forschungsergebnisse und ihre eigene Erfahrung als Mädchenberaterin und Therapeutin. Danach kommt Ess-Brech-Sucht drei- bis sechsmal häufiger vor als die viel zitierte Magersucht, doch am meisten erkranken Mädchen und Frauen an Ess-Sucht, auch Binge-Eating (Ochsenhunger) genannt. Und an Magersucht erkranken Mädchen und Frauen letztendlich nicht, weil sie Kate Moss so schön finden, sondern alle Formen von Ess-Störungen entstehen beim Versuch, Probleme zu lösen, Gefühle zu empfinden oder zu betäuben, sich zu trösten oder sich zu beweisen. Auch Situationen und Probleme in der Familie, die nicht konstruktiv geregelt werden, können Grundlage für die Entwicklung einer Ess-Störung sein. Und - hier die zweite Überraschung - die Durchführung zahlreicher Diäten erhöht die Gefahr, eine Ess-Störung zu entwickeln, erheblich. Dreht sich im Alltag alles um Essen, Gewicht und die Waage, deutet alles auf eine Ess-Störung hin.

Waage und Diät helfen kaum weiter
Fotos: LFM
Auch die widersprüchlichen Rollenanforderungen, denen Mädchen und junge Frauen heute ganz besonders ausgesetzt sind, verunsichern und beeinflussen viele Heranwachsende sehr. Davon sind auch die Jungen nicht frei, und die Zahl der Jungen und männlichen Jugendlichen mit einer Ess-Störung wächst.
Botschaften von Medien und Werbung
Schönheitsideale, die von vielen Medien und in der Werbung transportiert werden, verkünden ganz eindeutig die Botschaft, dass Aussehen und Körpermaße entscheidend für Erfolg im Beruf und im Privatleben sind. Der Alltag widerlegt dies eigentlich täglich, aber in den oben genannten Branchen, wird die Botschaft zur Wahrheit.
Nicht nur für Mädchen und junge Frauen und andere Menschen mit Ess-Störungen, hat Essen Bedeutung weit über die Ernährung und Freude am Genuss, allein oder in Gesellschaft, hinaus.
Das Besetzen von Nahrungsmitteln mit Emotionen und Botschaften zum Zweck der Absatzsteigerung betreibt auch die Nahrungsmittelindustrie. Sie bewirbt ihre Produkte intensiv und verbindet sie dabei mit Bildern von Wohlfühlen, Gesundheit, Belohnung, Lebensfreude, Genuss, Trost und vielem mehr. Zudem gibt es in den Industrieländern Nahrungsmittel im Überfluss, leicht zugänglich, mit dem Trend zur XXL - Packung zum günstigeren Preis. Maßlosigkeit ist häufig (Verkaufs-)Programm.
Nicht einfach selbstverschuldet
Also sind Ess-Störungen nicht einfach Magersucht oder ein selbstverschuldetes Problem von leicht beeinflussbaren, oberflächlichen jungen Mädchen, sondern ein vielschichtiges gesellschaftliches Thema mit verschiedenen Erscheinungsformen und zahlreichen mitwirkenden Faktoren. All diese Dinge müssen mitbedacht werden, wenn man sich mit dem Thema Ess-Störungen auseinandersetzt.
Wichtig zu wissen war für die Schülerinnen nach diesem Vortrag, ob es sinnvoll ist, Mitschülerinnen oder Freundinnen anzusprechen, wenn ein Verdacht auf eine Ess-Störung aufkommt. Und sie wollten genau wissen, wie denn so eine erste telefonische Beratungsanfrage vor sich geht. Sagen die Anruferinnen sofort, um was es ihnen geht? Wie sieht eine Beratungssitzung aus? Was passiert in einer Gruppe für Mädchen mit Ess-Störungen? Rufen auch Eltern in der Mädchenberatungsstelle an? Sind Ess-Störungen heilbar?
Andrea Frewer beschrieb ausführlich sowohl die Situation telefonische Beratung als auch das erste Gespräch in der Mädchenberatungsstelle. Sie zeigte konkrete Möglichkeiten auf, eine Freundin/Mitschülerin anzusprechen, wenn man sich Sorgen um sie macht. Ja, es rufen auch oft besorgte, hilflose Eltern an und Mädchen sagen am Telefon häufig direkt, um was es bei ihnen geht. Sie haben sich vor dem Anrufen meist sehr intensiv mit der Notwendigkeit befasst, Hilfe zu holen. Die Chance auf Heilung ist umso größer, je früher die Betroffenen Beratung und Unterstützung erhalten. Hier war der Hinweis auf die Kooperationsmöglichkeiten von Schulen mit der Mädchenberatungsstelle sehr wichtig, für die die Beraterinnen differenzierte Konzepte entwickelt haben, die in einigen Schulen schon regelmäßig umgesetzt werden.
Zweite Pressekonferenz im Herbst
Im Anschluss an das rege Gespräch hatten auch die Frauen der LOBBY FÜR MÄDCHEN Fragen. Sie wollten zum Beispiel wissen, ob die Schülerinnen an weiteren Pressekonferenzen ausschließlich für Schulzeitungen Interesse hätten. Die Antwort war ein eindeutiges JA, und ein Themenwunsch wurde gleich mit genannt: Information zu sexualisierter Gewalt. Auch die Arbeit der LOBBY FÜR MÄDCHEN insgesamt war ein Wunschthema für eine nächste Veranstaltung.
So wird es im Herbst 2007 die zweite Pressekonferenz für Schulzeitungen geben, und die Bereitschaft, diese zu einer regelmäßigen Veranstaltung im Frühjahr und Herbst jeden Jahres zu machen ist bei der LOBBY FÜR MÄDCHEN vorhanden.
Mädchenberatungsstelle LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V.
Fridolinstr. 14
50823 Köln
T 02 21 / 45 35 56 50
F 02 21 / 45 35 56 54
info@maedchenhauskoeln.de
www.maedchenhauskoeln.de
Beratung: Montags - Donnerstags, ganztägig nach Vereinbarung
Offene Beratung: Mittwochs 14:00 Uhr – 16:00 Uhr
Telefonische Beratung: Montags 10:00 Uhr – 12:00 Uhr
Kostenlose Hotline Ess-Störung: 0800 5 03 58 85, Dienstags 16:00 Uhr – 18:00 Uhr
Online-Flyer Nr. 86 vom 14.03.2007
Erste Pressekonferenz der LOBBY FÜR MÄDCHEN für Schulzeitungen
Kate Moss ist nicht wirklich schuld...
Von Frauke Mahr
Magersucht – die seltenste Ess-Störung
Bei einem einführenden Überblick über die Arbeit der LOBBY FÜR MÄDCHEN und ihre Praxisbereiche Interkultureller Mädchentreff und Mädchenberatungsstelle erfuhren die Besucherinnen, wie wichtig Öffentlichkeitsarbeit für die Finanzierung dieses Hilfeangebotes in der Vergangenheit war. Nach Wim Ploeg von der Arcor AG, der erklärte, warum diese die LOBBY FÜR MÄDCHEN seit 2003 im Beratungsbereich als Sponsor speziell zum Thema Ess-Störungen unterstützt, führte Andrea Frewer gleich mit einer ersten Überraschung in das Thema ein. Nach Darstellung der Heilpädagogin und Heilpraktikerin Psychotherapie findet Magersucht zwar mit Abstand am häufigsten in den Medien Erwähnung, ist aber tatsächlich die seltenste der drei Ess-Störungen. Auch die komplexen Hintergründe für die Erkrankung in ihren verschiedenen Formen würden häufig in der Öffentlichkeit zugunsten der einfachen Formel vernachlässigt: Dumme junge Mädchen wetteifern den berühmten untergewichtigen Models nach...

Die häufigste Ess-Störung: Ochsenhunger
Foto: NRhZ-Archiv
Vielfältige Ursachen
Gegen derlei Desinformation stellte Andrea Frewer aktuelle Forschungsergebnisse und ihre eigene Erfahrung als Mädchenberaterin und Therapeutin. Danach kommt Ess-Brech-Sucht drei- bis sechsmal häufiger vor als die viel zitierte Magersucht, doch am meisten erkranken Mädchen und Frauen an Ess-Sucht, auch Binge-Eating (Ochsenhunger) genannt. Und an Magersucht erkranken Mädchen und Frauen letztendlich nicht, weil sie Kate Moss so schön finden, sondern alle Formen von Ess-Störungen entstehen beim Versuch, Probleme zu lösen, Gefühle zu empfinden oder zu betäuben, sich zu trösten oder sich zu beweisen. Auch Situationen und Probleme in der Familie, die nicht konstruktiv geregelt werden, können Grundlage für die Entwicklung einer Ess-Störung sein. Und - hier die zweite Überraschung - die Durchführung zahlreicher Diäten erhöht die Gefahr, eine Ess-Störung zu entwickeln, erheblich. Dreht sich im Alltag alles um Essen, Gewicht und die Waage, deutet alles auf eine Ess-Störung hin.

Waage und Diät helfen kaum weiter
Fotos: LFM
Auch die widersprüchlichen Rollenanforderungen, denen Mädchen und junge Frauen heute ganz besonders ausgesetzt sind, verunsichern und beeinflussen viele Heranwachsende sehr. Davon sind auch die Jungen nicht frei, und die Zahl der Jungen und männlichen Jugendlichen mit einer Ess-Störung wächst.
Botschaften von Medien und Werbung
Schönheitsideale, die von vielen Medien und in der Werbung transportiert werden, verkünden ganz eindeutig die Botschaft, dass Aussehen und Körpermaße entscheidend für Erfolg im Beruf und im Privatleben sind. Der Alltag widerlegt dies eigentlich täglich, aber in den oben genannten Branchen, wird die Botschaft zur Wahrheit.
Nicht nur für Mädchen und junge Frauen und andere Menschen mit Ess-Störungen, hat Essen Bedeutung weit über die Ernährung und Freude am Genuss, allein oder in Gesellschaft, hinaus.
Das Besetzen von Nahrungsmitteln mit Emotionen und Botschaften zum Zweck der Absatzsteigerung betreibt auch die Nahrungsmittelindustrie. Sie bewirbt ihre Produkte intensiv und verbindet sie dabei mit Bildern von Wohlfühlen, Gesundheit, Belohnung, Lebensfreude, Genuss, Trost und vielem mehr. Zudem gibt es in den Industrieländern Nahrungsmittel im Überfluss, leicht zugänglich, mit dem Trend zur XXL - Packung zum günstigeren Preis. Maßlosigkeit ist häufig (Verkaufs-)Programm.
Nicht einfach selbstverschuldet
Also sind Ess-Störungen nicht einfach Magersucht oder ein selbstverschuldetes Problem von leicht beeinflussbaren, oberflächlichen jungen Mädchen, sondern ein vielschichtiges gesellschaftliches Thema mit verschiedenen Erscheinungsformen und zahlreichen mitwirkenden Faktoren. All diese Dinge müssen mitbedacht werden, wenn man sich mit dem Thema Ess-Störungen auseinandersetzt.
Wichtig zu wissen war für die Schülerinnen nach diesem Vortrag, ob es sinnvoll ist, Mitschülerinnen oder Freundinnen anzusprechen, wenn ein Verdacht auf eine Ess-Störung aufkommt. Und sie wollten genau wissen, wie denn so eine erste telefonische Beratungsanfrage vor sich geht. Sagen die Anruferinnen sofort, um was es ihnen geht? Wie sieht eine Beratungssitzung aus? Was passiert in einer Gruppe für Mädchen mit Ess-Störungen? Rufen auch Eltern in der Mädchenberatungsstelle an? Sind Ess-Störungen heilbar?
Andrea Frewer beschrieb ausführlich sowohl die Situation telefonische Beratung als auch das erste Gespräch in der Mädchenberatungsstelle. Sie zeigte konkrete Möglichkeiten auf, eine Freundin/Mitschülerin anzusprechen, wenn man sich Sorgen um sie macht. Ja, es rufen auch oft besorgte, hilflose Eltern an und Mädchen sagen am Telefon häufig direkt, um was es bei ihnen geht. Sie haben sich vor dem Anrufen meist sehr intensiv mit der Notwendigkeit befasst, Hilfe zu holen. Die Chance auf Heilung ist umso größer, je früher die Betroffenen Beratung und Unterstützung erhalten. Hier war der Hinweis auf die Kooperationsmöglichkeiten von Schulen mit der Mädchenberatungsstelle sehr wichtig, für die die Beraterinnen differenzierte Konzepte entwickelt haben, die in einigen Schulen schon regelmäßig umgesetzt werden.
Zweite Pressekonferenz im Herbst
Im Anschluss an das rege Gespräch hatten auch die Frauen der LOBBY FÜR MÄDCHEN Fragen. Sie wollten zum Beispiel wissen, ob die Schülerinnen an weiteren Pressekonferenzen ausschließlich für Schulzeitungen Interesse hätten. Die Antwort war ein eindeutiges JA, und ein Themenwunsch wurde gleich mit genannt: Information zu sexualisierter Gewalt. Auch die Arbeit der LOBBY FÜR MÄDCHEN insgesamt war ein Wunschthema für eine nächste Veranstaltung.
So wird es im Herbst 2007 die zweite Pressekonferenz für Schulzeitungen geben, und die Bereitschaft, diese zu einer regelmäßigen Veranstaltung im Frühjahr und Herbst jeden Jahres zu machen ist bei der LOBBY FÜR MÄDCHEN vorhanden.
Mädchenberatungsstelle LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V.
Fridolinstr. 14
50823 Köln
T 02 21 / 45 35 56 50
F 02 21 / 45 35 56 54
info@maedchenhauskoeln.de
www.maedchenhauskoeln.de
Beratung: Montags - Donnerstags, ganztägig nach Vereinbarung
Offene Beratung: Mittwochs 14:00 Uhr – 16:00 Uhr
Telefonische Beratung: Montags 10:00 Uhr – 12:00 Uhr
Kostenlose Hotline Ess-Störung: 0800 5 03 58 85, Dienstags 16:00 Uhr – 18:00 Uhr
Online-Flyer Nr. 86 vom 14.03.2007














