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Aktueller Online-Flyer vom 27. Oktober 2020  

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Krieg und Frieden
Am Bodensee im Zweiten Weltkrieg nicht ausgerottet
Kriegsgewinnler-Virus
Von Heinrich Frei

Für das erste Wochenende des Oktober 2020 planen Querdenker Demonstrationen in Kreuzlingen in der Schweiz und über der Grenze in Konstanz. Die Kritiker der Corona-Maßnahmen und -Restriktionen wollen zudem rund um den Bodensee eine Menschenkette legen. Sie ist für den 3. Oktober 2020, den 30. Tag der Deutschen Einheit. geplant. (1) Diese Menschenkette rund um den «schönen» Bodensee und dem Rhein entlang bis zum Fürstentum Liechtenstein könnte sich auch gegen die etwa 20 Unternehmen richten, die Kriegsmaterial herstellen. (2) Diese Unternehmen - Rheinmetall, Airbus Defence und Space, Liebherr, Mowag (General Dynamics), San Swiss Arms, Vectronix usw. - produzieren für Kriege, die immer noch im Gange sind. Mit Kriegsgerät aus diesen Firmen haben nach dem Zweiten Weltkrieg viele Menschen den Tod gefunden, wurden verletzt, verhungerten oder sind zu Flüchtlingen geworden. Nicht lange nach 1945 wurden rund um den Bodensee nämlich wieder Waffen produziert, für den Krieg in Korea, Indochina, Vietnam, Kambodscha, Laos, Pakistan, Somalia, Afghanistan, Irak, Libyen, dem Jemen usw.


Ausschnitt aus dem Artikel "Friedenskette mit Schal" von Enrico Kampmann, St. Galler Tagblatt, 10. September 2020

Aufgrund des nie endenden Kriegs gegen den so genannten Terror läuft das Geschäft mit Rüstungsgütern rund um den Bodensee auch heute immer besser. (3) Dieser Krieg gegen den Terror begann sofort nach den inszenierten Anschlägen in den USA vom 11. September 2001. - Auch Nordvietnam wurde seinerzeit, 1964, nach dem von den USA organisierten Tonkin-Zwischenfall bombardiert und die Ausweitung des Vietnamkrieges durch diesen Angriff unter falsche Flagge gerechtfertigt. (4)

Hoffentlich werden auch die Corona-Querdenker bei ihren Demonstrationen lautstark auf den Rüstungs-Irrsinn aufmerksam machen.

Pfarrer Rainer Schmid in Friedrichshafen, der es wagte, gegen diese widerlichen Geschäfte mit dem Krieg Stellung zu nehmen, wurde für Friedrichshafen als Priester nicht mehr tragbar, er wurde versetzt.


Eine etwas andere Heimatkunde, Die «todbringenden Zuflüsse» des Bodensees Sozial und Umweltforum (SUFO) 2014 in St. Gallen (Foto: Heinrich Frei)

Eine Impfung gegen den Militarismus fehlt bisher


Friedrichshafen wurde im Zweiten Weltkrieg von der alliierten Luftwaffe dem Erdboden gleichgemacht, weil dort für die Massenmorde des «Tausendjährigen Reiches» Waffen produziert wurden. Der Virus der Kriegsgewinnler, der viel schlimmer ist als der Corona Virus, konnte im Zweiten Weltkrieg durch die Bombardierung von Friedrichshafen und auch des Bahnhofes von Schaffhausen nicht ausgerottet werden. Eine Impfung gegen den Militarismus wurde von der Pharma-Branche bisher leider noch nicht entwickelt.


Plakate beim Ostermarsch 2015 in Bregenz/Österreich (Foto: Heinrich Frei)

Bertha von Suttner: Die Waffen nieder! Henry Dunant: für eine Welt ohne Krieg

Bertha von Suttner, die 1889 vor über 130 Jahren den Roman «Die Waffen nieder!» schrieb, wäre heute am Bodensee gar nicht willkommen, so wenig wie Arbeiter, Angestellte, Rentner, Geistliche und Lehrer, die gegen die Rüstungsproduktion rund um den lieblichen Bodensee Stellung nehmen. Auch der Gründer des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Henry Dunant, wäre heute für die Kriegsindustrie rund um den Bodensee eine unerwünschte Person. – Aber heute ist das Thema: Corona, Corona, Corona bis zum geht nicht mehr… Die Kriege – angeheizt durch die Rüstungsindustrie rund um den Bodensee – werden vergessen, hoffentlich nicht auch von den Corona-Querdenkern.


Bertha von Suttner: Die Waffen nieder! Antikriegsroman erschienen 1889 – Sie lebte von 1843 bis 1914, bis kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. (5)


Eveline Hasler, Der Zeitreisende, Die Visionen des Henry Dunant. – Dunant bekannt als Gründer des Komitees vom Internationalen Roten Kreuz (IKRK). Dunants eigentliches Ziel war nicht eine Humanisierung des Krieges, sondern schlicht und einfach eine Welt ohne Krieg. Die letzten Lebensjahre verbrachte Dunant in Heiden, hoch über dem Bodensee. Dunant lebte von 1828 bis 1910. (6)

Aufrüstung: Das Vermächtnis von Bertha von Suttner und von Henry Dunant?

Laut dem Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) stiegen die weltweiten Militärausgaben 2019 auf 1917 Milliarden US-Dollar. Die Gesamtsumme für 2019 entspricht einem Anstieg von 3,6 Prozent gegenüber 2018 und dem größten jährlichen Ausgabenwachstum seit 2010. (7)

2019 hungerten weltweit rund 690 Mio. Menschen. Das heißt: jede 11. Person litt chronischen Hunger. (8) Mit einem kleinem Bruchteil der jährlichen Militärausgaben von 1917 Milliarden US-Dollar könnte das Hungerproblem auf unserer Erde gelöst werden.

In Deutschland stiegen die Militärausgaben 2019 um 10 Prozent auf 49,3 Milliarden US-Dollar. Dies war der größte Anstieg der Ausgaben unter den 15 Ländern mit den größten Militärausgaben im Jahr 2019.

Deutschland hält unter der heutigen christlich-sozialdemokratischen Regierung immer noch an der nuklearen Teilhabe fest. Die deutsche Luftwaffe trainiert in Büchel im Rahmen der nuklearen Teilhabe den Einsatz von Kernwaffen durch Jagdbomber vom Typ Tornado.

Deutschland hat längst die Todesstrafe abgeschafft. Aber die deutsche Regierung erlaubt es den Streitkräften der USA, weiterhin Menschen hinzurichten, ohne Prozesse. Die US-Streitkräfte für Afrika in Stuttgart haben 2020 unter anderem bereits 46 Luftangriffe auf Ziele in Afrika angeordnet. Diese Angriffe sollen sich auf die somalische Terrormiliz Al-Shabab konzentrieren. (9) Dabei ist bekannt, dass bei Drohnenangriffen meist vor allem Zivilpersonen umkommen, nicht des Terrorismus Verdächtige, die ins Visier genommen werden.

Von 1975 bis Ende Juni 2020 exportierte die Schweiz für 19,7 Milliarden Schweizer Franken Kriegsmaterial – zum Töten. (16,4 Mia. Euro)


Im ersten Halbjahr 2020 exportierte die Schweiz Kriegsmaterial im Wert von mehr als 501 Millionen Franken (466 Mio. Euro)  Dies ist eine Steigerung von fast 184 % im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 und fast so viel wie im gesamten Jahr 2018. Doch das war nicht «interessant», Corona war das Thema für die Medien.

Laut der offiziellen Statistik des Bundes exportierte die Schweiz von 1975 bis Ende Juni 2020 für 19,7 Milliarden Franken Kriegsmaterial. (16,4 Mia. Euro). Verkauft wurden diese Rüstungsgüter zu einem großen Teil an kriegführende Nato-Staaten, in Spannungsgebiete, an menschenrechtsverletzende Regimes und an arme Länder in der Dritten Welt, in denen Menschen hungern und verhungern. In den 19,7 Milliarden Franken sind die besonderen militärischen Güter nicht eingerechnet, die ebenfalls exportiert wurden, aber nicht in der offiziellen Statistik erscheinen. Auch die Finanzierung von Waffengeschäften durch Schweizer Banken erscheinen in diesen Zahlen nicht. Schweizer Geldinstitute, die Nationalbank, Banken, Versicherungen und Pensionskassen investierten in den letzten Jahren sogar in Firmen, die an der Atomwaffenproduktion, an der Herstellung von Anti-Personenminen und Clusterbomben beteiligt sind.


Fußnoten:

(1) «Friedenskette mit Schal» von Enrico Kampmann, St. Galler Tagblatt, 10. September 2020
(2) https://www.waffenvombodensee.com/firmen/
(3) https://www.waffenvombodensee.com/
(4) https://www.ae911truth.org/
(5) «Die 1843 in Prag geborene Bertha Sophia Felicita Baronin von Suttner definiert den Frieden als naturrechtlichen Normalzustand und sieht den Krieg als eine Folge menschlichen «Irrwahns». 1905 wird die österreichische Pazifistin als erste Frau überhaupt mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Sie starb am 21. Juni 1914 in Wien. Eine Woche bevor am 28. Juni das Attentat von Sarajewo den Ersten Weltkrieg auslöst. (Text auf der Rückseite des Buches «Die Waffen nieder!)
(6) Eveline Hasler, DER ZEITREISENDE - DIE VISIONEN DES HENRY DUNANT
dtv 2003, 206 Seiten, broschiert, EAN 978-3423130738
(7) https://www.sipri.org
(8) https://www.welthungerhilfe.de/hunger/
(9) «46 Drohnenangriffe seit Januar allein in Afrika» (sda), Tages Anzeiger, 8. September 2020)

Online-Flyer Nr. 754  vom 30.09.2020



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