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Aktueller Online-Flyer vom 04. August 2020  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen für TRT Deutsch
Die Türkei ist wichtig für Deutschland!
Von Evelyn Hecht-Galinski

Die Türkei leistet vorbildliche Arbeit in der Flüchtlingsfrage. Israel hingegen behandelt die afrikanischen Geflüchteten wie Eindringlinge und sperrt sie ein. Dennoch wird die israelische Regierung in Deutschland hofiert – und die Türkei angefeindet. Woher kommt der massive "Erdogan-" und "Türken-Hass" vonseiten bestimmter Hetzmedien in Deutschland? Wir vergessen oft gern und schnell. War es nicht die Türkei unter Präsident Erdogan, die ein so wichtiges Flüchtlingsabkommen mit der Merkel-Regierung schloss, die "uns" so viele Sorgen abnahm? War es nicht die Türkei, die aus menschlichen Gründen heraus mehr als 3,8 Millionen hauptsächlich syrische Flüchtlinge aufnahm, versorgte und dadurch für Stabilität in der Region sorgte?

Israelische Flüchtlingspolitik versus türkische Flüchtlingspolitik

Wenn wir Vergleiche ziehen mit Israel, das trotz seiner Völkerrechtsverbrechen so "liebevoll-philosemitisch" behandelt - und mit Waffen, Zusammenarbeit sowie Solidarität belohnt wird - dann kann man wütend werden angesichts solcher Ungerechtigkeit. Während also Juden aufs Podest gehoben werden, lässt man Muslime zum Hassobjekt werden. Gerade Israel sollte sich daran erinnern, wie viele Juden ihr Leben während der Nazizeit in der Türkei retten konnten. Schon damals war die Türkei ein rettender Anker in der Not.

Und was erleben wir hingegen im "Jüdischen Staat"? Eine Asylpolitik, die an Hartherzigkeit und Hass kaum zu überbieten ist. Da werden Flüchtlinge als "Infiltranten" beschimpft und ihre Asylanträge zu 99 Prozent abgelehnt. Sie werden in extra für Flüchtlinge errichtete Gefängnisse gesteckt und danach zurück in ihre zumeist afrikanischen Heimatländer geschickt. Für manche ist das der sichere Tod.

Während auf der einen Seite jüdische "Flüchtlinge" in Israel als Helden und Rückkehrer gefeiert werden, werden auf der anderen Seite die Rechte der rechtmäßigen Landbesitzer, der Vertriebenen und der in Palästina Unterdrückten missachtet.

Diese völkerrechtswidrige Besatzungspolitik des "Jüdischen Apartheidstaates" muss mit allen Mitteln bekämpft werden. Boykott, Desinvestment, Sanktionen (BDS) – das sind wichtige Schritte in die richtige Richtung.

Präsident Erdogan ist einer der wenigen westlichen Politiker, der sich schon seit vielen Jahren für die Freiheit Palästinas mit Jerusalem als Hauptstadt und für ein Ende der Besatzung einsetzt. Er beklagt seit vielen Jahren die Zurückhaltung der muslimischen Welt, wenn es darum geht, gemeinsam gegen Israel zu handeln. Er fordert die Befreiung des Freiluftgefängnisses von Gaza und die muslimische Einheit in dieser Sache. Erdogan war und ist einer der mutigsten Fürsprecher für die Freiheit Palästinas. Wird er gerade deshalb so angefeindet? Und ist das ein Grund, weshalb in Deutschland - besonders auch von Seiten des Zentralrats der Juden - Stimmung gegen angeblichen muslimischen Antisemitismus gemacht wird? Und das bringt mich zum aktuellen Problem: Deutsche Medien werden nicht müde, sich an Erdogan abzuarbeiten, ihn als "Sultan" oder "Despoten", dessen "langer Arm" bis nach Deutschland reicht, zu verunglimpfen.

Was es aber tatsächlich gibt, ist ein besonders "langer Arm". Dieser gehört dem Netanjahu-Regime und der Israel-Lobby. Sie versuchen – das leider mit immer mehr Erfolg – in die deutsche Politik einzugreifen. Es scheint manchmal so, als ob Netanjahu mit am Kabinettstisch sitzt.

Hetze gegen türkische Schulen – Lob für Chabad-Schulen

Nachdem kürzlich bekannt geworden war, dass die Türkei eigene Schulen in Berlin, Frankfurt und Köln errichten will, hörte man nur noch Kritik in den Medien und der Politik. Warum eigentlich? Hörte man diese Einwände, als jüdische Chabad-Schulen in Deutschland gegründet wurden? Was ist in diesem Zusammenhang an der Türkei eigentlich auszusetzen? Sie sollen als sogenannte Ersatzschulen, also Privatschulen, geführt werden. Diese Schulen sind überfällig und eine Bereicherung für Deutschland. Sie wären zudem ein Pendant für deutsche Schulen in der Türkei. Ganz im Gegensatz zu den sogenannten Gülen-Nachhilfezentren, die mit aller Vorsicht betrachtet werden sollten.

Wenn immer wieder Kritik an dieser Gründung geäußert wird, weil die türkischen Schulen laut politischer Propaganda als "Einfallstor für Erdogan-Propaganda" dienen sollen, dann ist diesen Vorurteilen vehement zu widersprechen. Hatte man ähnliche Bedenken bei den jüdischen Schulen? Sind diese nicht ein "Einfallstor für die Hasbara-Propaganda Netanjahus"? Was macht Deutschland so arrogant gegenüber Muslimen? Ist es nicht die "christlich-jüdische-Wertegemeinschaft", die alles dafür tut, um ihre Vorstellungen in Deutschland durchzusetzen – und damit Vorurteile und Hass schürt?

Wir sollten aufpassen, dass sich nicht immer mehr Kinder der ersten und folgenden Migrantengenerationen von der Bundesrepublik abwenden und frustriert auswandern. Deutsche Politiker sollten zweimal überlegen, bevor sie abwertende und ausgrenzende Äußerungen tätigen wie „Zuwanderer aus einem fremden Kulturkreis haben hier nichts zu suchen“ oder „der Islam gehört nicht nach Deutschland“. Das war auch der Nährboden für die NSU-Morde, die bis heute nicht vollständig aufgeklärt wurden. Der Rechtsextremismus gewann an Auftrieb, und es entstanden neue Parteien am rechten Rand wie die AfD. Die Partei fischte mit ihrer islamfeindlichen Rhetorik nach "Protest-Wählern" und angelte sie dann auch. Die AfD steht zudem fest an der Seite Israels.

Deutsche Politiker und Medien sollten aufhören mit ihrer Anti-Türkei- und Anti-Erdogan-Hetze. Er ist ein wichtiger Partner für uns. Ohne die türkischen und deutschtürkischen Bürger in Deutschland wäre das Land ein kulturell verarmtes! Freuen wir uns also über eine gemeinsame Zukunft in Toleranz und Respekt.

Am Ende sei noch erwähnt: Das Nachrichtenportal TRT Deutsch ist ein Gewinn für die Medienlandschaft. Es wird einen wichtigen Gegenpol zu gewissen deutschsprachigen Nachrichtenportalen und Medien etablieren.


Erstveröffentlichung bei TRT Deutsch am 27.01.2020

Online-Flyer Nr. 733  vom 29.01.2020



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