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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2019  

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Globales
VORHANG AUF für Vladimir
Russia first
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Vladi, Vladi, Vladi, könnte es in unseren Medien heißen vergleichbar zu den Gorbi-Gorbi-Begeisterungsstürmen um den letzten Staatspräsidenten der Sowjetunion Gorbatschov. Aber entgegen dem seinerzeit auf allen Fernsehkanälen und in der Boulevard-Bild und anderen Edel-Gazetten gefeierten Staatslenker, der sein Land dem "Westen" ausgeliefert hat, zeigt sich der derzeitige Präsident der SU-nachgefolgten russischen Föderation als zunehmend selbstbewusster, Krisen-resistenter und ernstzunehmender Machtfaktor. „Deutsche feiern den Kreml-Chef: Putin Superstar... Und immer wieder 'Vladi, Vladi'-Rufe. Die Zuschauer sind begeistert, jubeln... Alle wollen den Staatsgast aus Moskau sehen, feiern ihn wie einen Superstar.“ Das sind Sätze aus dem Boulevardblatt "Express". Nicht ganz! Die umjubelte Person ist eine andere. Tatsächlich heißt es: „Deutsche feiern den Kreml-Chef: Gorbi Superstar“. Und: „Raissa im Kölner Dom“. Diese wenigen Wörter füllen am 14. Juni 1989 einen großen Teil der Titelseite.


Titelseite des "Express" vom 14. Juni 1989

Wo ist der Unterschied? Jubel für Putin? Undenkbar! Was ist anders bei "Gorbi"? Gorbatschow – und später Jelzin – haben den Ausverkauf der Sowjetunion bzw. Russlands an den "freien Westen" betrieben. Und das heutige Russland unter der Führung Putins ist dabei, diese Entwicklung rückgängig zu machen. Das macht den Unterschied. Für Putin scheint zu gelten: an erster Stelle steht das Wohl des Volkes, das ihn gewählt hat. Das sollte normal sein. Die Regierung ist zunächst der Bevölkerung desjenigen Landes verpflichtet, die ihn gewählt hat – das heißt für Russland: die russische. Auf Englisch würde diese Richtschnur lauten: Russia first! Allerdings ohne dabei den Frieden in der Welt und damit das Wohl der Menschheit aus dem Blick zu verlieren.

Heißt Putins ‘Alter ego’ Napoleon? Wenn auch äußerlich vergleichbar, braucht ein Russland mit Putin an der Spitze keine anderen Länder zu erobern. Sein Ziel ist es, die Verhältnisse und wirtschaftlichen Gegebenheiten in seinem Land zu stabilisieren und gute – auch geostrategische – Beziehungen zu anderen Ländern aufzubauen. Zeigte er im Kampf um Libyen eine wie auch immer begründete, unerklärliche Schwäche, so resultierte aus dem katastrophalen Ergebnis die unnachgiebige und mutige Front in Sachen Syrien. Zu einem Regime-Change im Sturmschritt wie in Libyen kam es in Syrien nicht. Und zur Zeit deutet sich ein dauerhafter Erfolg in der Abwehr der Aggressoren und Stellvertreter-Krieger an.

Am 28.12.2018 hat Erika Kosse einen Brief an den Präsidenten und den Außenminister Russlands gerichtet. Darin heißt es: „Wir verurteilen die ständig wiederholten und verschärften, inzwischen offen aggressiven Behauptungen, Anklagen und Handlungen gegen Russland als Irrsinn und Primitivität. Wir bewundern die menschlich, geistig und strategisch überlegene Größe und Kraft russischer Politik. Dass wir hierzulande noch das Leben haben und die Tage der Weihnacht und des Jahreswechsels traditionsgemäß begehen können, danken wir dieser Ihrer großartigen Diplomatie und Politik, die ja eine andere politische Kultur zur Voraussetzung hat, nämlich eine dialogische, politisch auf Verhandlung setzende... Er ist konkret gemeint als Dank für unser, unserer Kinder, unserer heutigen Bevölkerung Leben, das Sie schützen, das aber die uns Regierenden aufs Spiel setzen.“


Veröffentlichung aus der Quartalsschrift DAS KROKODIL, Ausgabe 27 (Dezember 2018) – Grundsatzschrift über die Freiheit des Denkens – bissig – streitbar – schön und wahr und (manchmal) satirisch.



Mehr dazu und wie es sich bestellen lässt, hier: http://www.das-krokodil.com/



Siehe auch:

Brief an den Präsidenten und den Außenminister Russlands
Aus dem Untergangsszenario herausführen
Von Dr. Erika Kosse
NRhZ 689 vom 02.01.2019
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25548

Eine Betrachtung gegen die Orientierungslosigkeit
Ein Hoch auf unsere Herrschaftsmedien
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
NRhZ 555 vom 30.03.2016
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22655

Online-Flyer Nr. 690  vom 30.01.2019

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