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Aktueller Online-Flyer vom 19. Juni 2018  

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Krieg und Frieden
Anlässlich der Neuerscheinung eines Buches zur Situation in Palästina
"Möge keiner sagen, er hätte es nicht gewusst!"
Fariss Wogatzki – interviewt von Muslim-Markt

Fariss Wogatzki (geb. 1971) ist Nachkomme eines arabischen Vaters, der in den 1960ern in die DDR gezogen ist, und einer deutschen Mutter. Sein Onkel Benito Wogatzki (Halbbruder des Vaters des Autoren), war ein berühmter Funk- und Fernsehautor in der DDR. Seit 2010 ist er im öffentlichen Dienst im Großraum München tätig. Zur Frankfurter Buchmesse 2017 ist sein Buch "Möge keiner sagen, er hätte es nicht gewusst!" im Zambon Verlag erschienen. Zur Realisierung des 470 Seiten umfassenden Solidaritätsbuches mit den unterdrückten Palästinensern fördert er die Produktion des Buches und verzichtet auf das Autorenhonorar. Muslim-Markt hat ihn interviewt.

Muslim-Markt: Sehr geehrter Herr Wogatzki, was hat Sie dazu bewegt das Buch "Möge keiner sagen, er hätte es nicht gewusst!" zu schreiben?

Fariss Wogatzki: Ich habe durch meine Geburtsheimat eine sozialistische Schulbildung erhalten, die sowohl die Ursachen des deutschen Faschismus, die Folgen desselben, als auch, und das ist in Bezug zur Gegenwart essentiell, die daraus resultierenden Lehren gezogen, konsequent Faschismus abgelehnt hat. Nie wieder Faschismus!, als zentraler pädagogischer und gesellschaftlicher Inhalt praktisch gelebt hat. Folgerichtig war die DDR, ein Bruder- und Freundesstaat Palästinas. Angemerkt, so wird aus dem antiimperialistischen, antikolonialistischen Grundhandeln der DDR, ihr seit 1991 Antisemitismus, sogar Faschismus nachgesagt. Naturgemäß ist diese Unterstellung in ihrer Falschheit allein durch die offensichtliche Propaganda demaskiert.

Wie kam es zu dem Titel des Buches?

Der Titel ist ein Zitat des inspirierenden Humanisten Noam Chomsky. Wie bekannt, so wurde der international renommierte Wissenschaftler von Zionisten als, O-Ton: ordinärer Antisemit, betitelt. Wie bereits weit verbreitet, wer für seine internationalistischen Einsatz, Friedensarbeit, für sein Engagement für die Freiheit Palästinas als "Antisemit" betitelt wird, findet sich in ausgezeichneter Gesellschaft von Menschen mit praktisch ethischem Handeln.

Mein Beweggrund zum Schreiben des beim Zambon Verlag im Oktober 2017 erscheinenden Buches lautet, wenn alle Fakten vom israelischen Rassenwahn bis zu gezielten Kindstötungen dokumentiert sind, so exemplarisch die Hinrichtungen von Nadeem Nawara und Mohammad M. Odeh Abu Daher am Nakba Tag 2014 außerhalb von Beitunia muss gehandelt werden. Ist alles bekannt, und verpflichtet die Geschichte niemals wieder gegen Faschismen zu schweigen, so muss Israel als Mörder- und Täterstaat folgerichtig benannt werden! Es sind, von Massaker Deir Yasin (1948) bis Massaker Gegossenes Blei (Tzuk Eitan; "cast lead" 2014) sowie alle Tages- und Alltagsverbrechen weltweit bekannt.

Bewegen Sie sich nicht auf einem kritischen Pfad; gerade in Deutschland?

Es ist grundsätzlich so, auch ich habe mich an die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland zu halten. Doch kein von Menschen geschaffenes Gesetz oder eines übergeordneten Rechtssubjektes kann einen anderen Menschen jemals dazu nötigen Verbrechen zu verschweigen; meinen Mitmenschen, auch wenn sie 3000 km entfernt leben bis vegetieren, meine Solidarität zu verweigern hat niemand das Recht! Ich bin zuvörderst meinem Gewissen verpflichtet. Kein Gesetz das nicht mit mir als Mensch vereinbart wurde, kann mich zur Ignoranz gegenüber meinen Mitmenschen in gleich welcher Form verpflichten. Wird ein Mensch der sich für die Freiheit der Menschheit verpflichtet, durch gleich welchen Grund dennoch in eine Pflicht genötigt das dem Menschsein widerspricht, so hat der Nötigende dieses Recht allein durch die Macht des Stärkeren an sich gerissen. Dann handelt der Stärkere allein dem Unrecht, aber niemals dem Menschsein nach.

Auch meine Menschenpflicht ist es, die seit 70 Jahren an den israelischen Verbrechen leidenden Palästinenser mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln Solidarität im praktischen, das heißt, dem rein ethischen Handeln von Menschen für Menschen folgend, zu geben. Als Mensch habe ich nicht das Recht mich für oder gegen Unrecht auszusprechen und zu handeln, denn allein dem Menschen innewohnenden Pflicht Unrecht zu bekämpfen.

Ihr Buch beginnt mit einem Vorwort von Evelyn Hecht-Galinski. Wie kam es dazu?

Ich möchte die Beantwortung Ihrer Frage mit einer Erinnerung einleiten. Am 24.03.2016 wurde der zum Zeitpunkt unbewaffnete, verwundete, am Boden liegende 21-jährige Ab`del Fatah al-Sharif durch Sanitätsmörder Elor Azaria vor laufender Kamera, aus nächster Nähe hingerichtet. Fünf Monate vor diesem Mord, wurde am 04.10.2015, Fadi Samir Mustafa Alloun, gerade 19 Jahre alt geworden, von einem Fascho-Siedlermob durch die Straßen von Al Quds gejagt. In der Nähe des Damaskus Tor wurde der junge Mann von einem israelischen Polizisten unter dem Gegröle des Mobs: "Erschieß den Hurensohn, worauf wartest du!", mit 7 Schüssen hinterrücks erschossen. Auch diese gezielte Tötung ist als Video online abrufbar. Der israelische Faschistenmob trat auf den Leichnam des Palästinensers ein. Es ist nicht notwendig zu erwähnen, dass diesem unbewaffneten Mordopfer die israelische Tötungsbegründung vom "Messerterroristen", vom "stabbing" in standardisiert niederträchtiger Weise unterstellt wurde.

Erinnern wir uns an die vor laufender Kamera erfolgte schwerste Misshandlung von Ahmed Hamed. Bei einem provozierten "Clash" bei denen das Einzige was den Palästinensern zu ihrer rechtmäßigen händischen Verteidigung bleibt, Steine werfen erfolgte, von Mistara´avims, unter abscheulicher Brutalität zusammengeschlagen wird, fixiert von IOF-Söldnern und Geheimagenten, von einem weiteren Mistara´avim mit einer Schusswaffe ins Bein geschossen, weiter geprügelt, schwer verletzt, über die Straße gezerrt, weiter misshandelt, verschleppt wird.

... was hat das mit Frau Hecht-Galinski zu tun?

Evelyn Hecht-Galinski schrieb am 30.3.2016 in ihrem kraftvollen Kommentar "Die Wurzel allen Übels": „Musste es noch Beweise geben für die Verbrechen der “jüdischen Verteidigungsarmee”, so wurden diese letzte Woche auf schreckliche Art erneut bestätigt. Da erschoss, und nicht zum ersten Mal, ein “jüdischer Verteidigungssoldat” einen schwer verletzt am Boden liegenden Palästinenser. [...] Diese Vorfälle ließen sich seitenlang fortsetzen.”

Ihre Worte bewirkten in mir, nicht mehr Schweigen zu dürfen, handeln zu müssen! Ihre ergreifenden Kommentare bewegten mich schon lange. Bin ich fühlendes Wesen, habe ich die Ursachen und die Folgen von Faschismus erkannt, muss auch ich die daraus zwingende Verpflichtung gegen jedwede Menschenrechtsverbrechen die Stimme erheben. Dies schließt selbstverständlich den real existierenden israelischen Faschismus ein.

Ich schrieb Frau Hecht-Galinski zu Beginn März 2017, berichtete ihr von meinem Buchprojekt. Meine Anfrage beantwortete sie mit einem Anruf. In diesem ersten Anruf unterhielten wir uns 75 Minuten, verstanden uns bald sofort. Seit dieser Zeit stehen wir in regelmäßigen telefonischen Kontakt, unser Mailaustausch als auch mein monatlicher Kommentar auf ihrer Internetseite zeugen davon, dass unterschiedliche Geburtsjahrgänge, geographische Entfernung, verschiedene Familiengeschichten, auch andere Systeme in denen wir aufwuchsen, Menschen mit ethischer Überzeugung verbindet.

Frau Hecht Galinski schreibt im Vorwort, dass das Buch für sie ein Nachschlagewerk sei. Wie ist das zu verstehen?

Ja, dass das Buch grundsätzlich als Nachschlagewerk verstanden und verwendet werden kann, ist richtig. Ich bin einem Grundsatz während der Arbeit an dem Buch gefolgt, und zwar: nicht wiederholen, was der vernunftorientierte Teil der Menschheit weiß und nie leugnen sich einfallen lassen würde: Die Nakba und alle ihr folgend, faktisch dokumentierten israelischen Serienverbrechen.

Mein Anliegen und Vorgehensweise war es, an Beispielen der Gegenwart und jungen Vergangenheit, derer es im Apartheidstaat Israel äußerst viele gibt, das Leben, das niedergeknüppelte Leben der Palästinenser unprätentiös, fassbar darzustellen. Die reichhaltigen und beispielhaften Darstellungen setzte ich in Bezug zu dem in Deutschland philosemitischen Antisemitismus zunehmenden Islamhass, der gezielt geschürten Feindschaft gegenüber Muslime; der dem Zionwahn übergeordneten vollständigen menschenverachtenden Ignoranz gegenüber dem Unrecht an den Palästinensern. Hierin lasse ich, um diesen Fakt zu belegen, die großen Meinungsblätter, von Bild-Zeitung bis Süddeutsche Zeitung, von Programmwissenschaftler bis seriöse Wissenschaftler, von Tendenzschreibern bis Fachliteratur alles in allein eine Überlegung fließen.

Was kann der Leser im Buch nachschlagen?

Ausnehmend viel! Von „geredeten“ Regierungs-Lehren aus Krieg und Faschismus, diese bekanntlich, wie es internationale Wissenschaftler bereits in den 1990ern formulierten, sich auf den Mord an Juden reduziert, die Leidensgeschichten Millionen anderer Opfer aus der deutsch-faschistischen Geschichte verschwunden sind. Bis hin zur bundesdeutschen Proliferation von Unrecht in Israels Kolonialsystem, Forcierung von Krisenherde, Erosion von nationalem Zusammenhalt, Waffenverkäufe, Unterwerfung dem kriegstreibenden Diktat der USA, die Ausbeutung von Entwicklungsländer, Sicherung von Wirtschaftsinteressen. Neben dem von mir als Schundpresse empfundenen deutschen Journalismus der meinungsformenden großen Blätter in Deutschland bis zu grotesken Agitationspropagandasendungen aus Steuereinnahmen finanzierten Sendungen, widme ich mich gleichermaßen der internationalen Presse. Ebenso internationalen online Zeitungen, Filmen und Berichte über Massenmorde an Palästinenser, gezielte Überfälle, nächtliche Razzien, Personenentführungen und Hausdurchsuchungen. In Summa: Die Apartheid und der Rassenwahn in Israel. Ich merke die geistige und charakterliche Verwahrlosung des Staates Israel an. Meine belegten Aussagen stellen keinesfalls Stimmungstendenz gegen Israelis dar, sondern explizit die mir bewusst gewordene Menschen verachtende Israel-Regierung einschließlich aller ihr zusprechenden Personen. Dass dies, zur bundesdeutschen Schande, viele Personen des öffentlichen Lebens beinhaltet, finden sich an Beispiele viele.

Ich widmete meine Aufmerksamkeit Aussagen von Kunst- und Kulturschaffenden, internationalen Menschenrechtsaktivisten, Autoren und Wissenschaftlern, von Bundestagsreden bis Redeverbote von Bürgermeistern in Deutschland. Und ich setzte all die, von der Bundesregierung geforderte Leugnung der israelischen Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen, die Verhöhnung der Geschichte, Beispiele aus der widerlichsten deutschen Geschichte gegenüber. In meinem Buch stelle ich die Frage auf, nicht allein wie die Bundeskanzlerin äußerte: "Müssen es denn immer wieder Vergleiche dieser Art sein?“, als sie tatsächlich behauptete, dass Fakten von Israelkritiker nur “Antisemitismus" sei "der als vermeintliche Kritik an Israels Politik daherkommt...”. Gleichermaßen zum direkten Gegenteil erwiesene Aussage der Bundeskanzlerin: „...das sind 60 Jahre Herausforderungen im Kampf gegen Bedrohungen und für Frieden und Sicherheit.„ Und der Leser kann sich unter anderem auch die Frage beantworten: Wie kommt ein Mensch in einer hohen Führungsposition auf derlei nicht belegbare Behauptungen, diese aufzustellen, indes der Gründungsmythos des Staates Israel, wie auch seinen nunmehr ehrlosen 70 Jahren allseits bekannt ist. Wie die Menschheit auch in Deutschland weiß, das Merkel `sche „Neuland“ legt alles dar. Von niedlichen Katzenvideos bis zum israelischen Militarismus, Partys mit Bier, Campingausrüstung und Erfrischungen, bei sicherer Entfernung der Bombardierung von Gaza feiernd. Der Titel des Buches geht aus den Fakten über Israel hervor.

Befürchten Sie nicht den Vorwurf von Verschwörungstheorien und Antisemitismus?

Mein Buch gründet auf frei verfügbaren Wissensinhalten, die aus der digitalen Welt nicht mehr zu entfernen sind. Wer hierbei von Verschwörungstheorien, Antisemitismus, Islamismus, linken Rechtsradikalismus, faschistischen Kommunismus und oder dergleichen Unsinn reden wolle, der könne, wie es ihm (ihr) nicht anders möglich erscheint verstehen zu wollen. Währenddessen die Menschheit sehr genau weiß: Tatsachen werden nicht zu Lügen, lediglich weil diese geleugnet werden.

Als Humanist und Autor ist es mir vollständig gleich, was mir verübelt werden könnte oder nicht, was zu leugnen sich nicht einmal mehr der Mindestanstand getraut. Es geht nicht darum, zu gefallen, denn allein um Wahrheit.

Somit hat Frau Hecht-Galinski sehr wohl recht, wenn sie sagt, für sie ist das Buch "Möge keiner sagen, er hätte es nicht gewusst!" ein Nachschlagewerk. Der Leser kann jede Seite aufschlagen und wird finden, er kann dort beginnen mit lesen ohne das vorhergehend genannte gelesen haben zu müssen. Gleich welche Seite gerade gelesen wird, dass einzige was der Text voraussetzt, ist der Vernunftgebrauch. Wer für sich nützlich auf der ersten Seite des Buches beginnt zu lesen, findet eine umfangreiche Berichterstattung über ein Volk dessen Unterjochung auch Deutschlands Schuld ist. Flüchtlinge im Abschiebeknast Holot, bundesdeutsches Fragilitätsmanagement, Tendenzfreiheit?, deutsch-israelische Finanzierungen bei fehlender Rückzahlung, nie wieder gutzumachende Wiedergutmachung, Andersdenkende, Menschenschlächter, Gastarbeiter; von Heinz Reinefarth bis Moshe Dayan, vom Adenauer`schen „Schnuppe“ über das Grundgesetz der BRD bis zur immerwährenden Räsondoktrin.

Sie thematisieren in Ihrem Buch auch sehr kritische Begrifflichkeiten wie z.B. "Kindermörder Israel". Wird das nicht gegen Sie verwendet werden? Darf man Ihrer Meinung nach so etwas in Deutschland überhaupt sagen, wenn es doch bei Demonstrationen von den Behörden verboten wird?

Ich denke nicht, dass die Begrifflichkeit "Kindermörder Israel" in ihrer sachlichen Bestimmung an sich kritisch, denn allein der Wahrheit geschuldet ist. Allein sehr kritisch ist es indes, die unumgehbare Wahrheit im Besonderen Israels Kindermorde in Deutschland auszusprechen. Doch was soll getan werden? Soll auch ich lügen? Sollen Menschen gegen Menschen lügen? Sollen die israelischen Verbrechen am palästinensischen Volk vertuscht bleiben, damit die Mörder an Hadeel al-Hashlamoun, Ali Saad Dawabsha, Muatazz Washaha, Arafat Jaradat, Mustafa Tamimi, Vittorio Arrigoni, Juliano Mer Khamis, Tom Hurndall, Rachel Corrie, Issa al Qatari, Mohammed Sinokrot, Omar Robert Hamilton, Abd a-Rahman a-Dabagh, Mona Abu Tabaq, tausende Menschen mehr immerwährende Verbrechen, unter Missbrauch des Holocaust, begehen können? Die Weltgemeinschaft ist auch informiert über die Ermordung der vier Kinder, spielend am Strand von Gaza. Ich habe deutlich zu sagen niedergeschrieben, was zur Verständlichmachung dessen keine anderen Worte, keine anderen Begriffe zulässt.

Wenn es in Deutschland untersagt ist, Tatsachen israelischer Staatshandlungen mit und durch zutreffende Begriffe zur Wahrheitsfindung zu benennen, dann haben wir es mit Fakten- und Meinungsunterdrückung zu tun. Wenn dem so ist zeigt sich darin der Aspekt der willentlich staatlichen Demokratieentsagung und der Hinnahme von auch Kindstötungen.

Darf man Ihrer Meinung nach so etwas in Deutschland überhaupt sagen, wenn es doch bei Demonstrationen von den Behörden verboten wird?


Wenn, wie bereits geschehen, Palästinaaktivisten Judenhass medial aber auch bereits justiziell mittels Umdeutungen und „meine eigentlich“ unterstellt und zugedichtet wird, weil die verurteilten Palästinaaktivisten den Fakt der Kindstötungen durch Israel äußerten, liegt defacto eine per Erlass unterstellte, nicht beweisbare Behauptung gegen Palästinaaktivisten vor. Ob hierbei auch Rechtsbeugung der Fall sein kann, wird einmal zu ergründen sein.

Weitere rechtsstaatliche Mittel gegen verurteilte Faktenäußerer werden ausgeschöpft. Letztlich hat der, dem Antisemitismus Unterstellte keine Handhabe gegen nicht zu beweisende Behauptungen wie eben „meine eigentlich Judenhass“ und oder dergleichen abstrusen Formulierungen vorzugehen.

"Was kann gegen Tatsachen getan werden? Tatsachenäußerer sind zu diskreditieren. Meinungsunterdrückung von subtil bis plump durch geistige Totalausfälle aus Pseudojournalismus und Meinungskolportage sind durch Einflussnahme zu fördern, Bildungsfreiheit zu reglementieren und Friedensarbeit ist als Antisemitismus zu bezeichnen. Gesinnungsschnüffelei ist zu intensivieren, Verleger müssen in Gerichtsprozesse finanziell bedrängt, Aktivisten müssen im Bestreben fu¨r die Freiheit aller Menschen abgeurteilt, Lesungen von Wissenschaftlern müssen verhindert, Kulturausstellungen untersagt, Bürger wegen freier Meinungsäußerung verklagt werden. Es müssen auf Wahrheit bezogenen Meinungsäußerungen ein antisemitischer Ton unterstellt werden und Demonstrationen - wenn nicht untersagt - über Seitenstraßen aus der Öffentlichkeit exiliert werden. Hierauf geht der Inhalt" meines "Buches ein."

Das sollte jedoch keinen Menschen, in Deutschland schon gar nicht, davon abhalten, für die Menschenrechte für alle Menschen, entschieden einzutreten.

Rechnen Sie nicht mit Angriffen der Zionismus-Lobby?

Wer wurde noch nicht in Deutschland ob seiner an Fakten belegten Aussagen mit Schmähungen und Beleidigungen traktiert. Günter Grass, Evelyn Hecht-Galinski, Walter Herrmann, Giuseppe Zambon. Prof. Norman Paech wurde vom Parteichef Gysi gemaßregelt, er möge sich mit seiner sachbezogenen Kritik zu den verbrecherischen Tatsachen Israels an den Palästinensern zurückhalten.

Auch Sie wurden, wie so viele Humanisten, mit der abstrusen Unterstellung des "Antisemiten" besudelt. Darüber hinaus, wurde Ihnen nicht allein die böswillige Lüge unterstellt, sondern auch noch, damit niederste Propaganda in der Stimmungsmache komplett ist, mit dem wertewestlichen Begriff "Islamist" belegt. An Blödheit strotzt diese Unterstellung nur noch der darin enthaltenen Boshaftigkeit den zu etablierenden Hass auf Muslime zu forcieren. Der faktische Begriff und die freie Benennung der Tatsache, dass Israel auch Kindermörder ist, ist international erwiesen.

“Um ehrlich zu sein, sollte man sagen, man braucht kein Weltexperte fu¨r Internationales Recht zu sein, um zu wissen, dass Israel 2009 im Gazastreifen Kriegsverbrechen begangen hat. Die Berichte von Gruppen wie ‘Das Schweigen brechen’ und der UN-Vertreter vor Ort bewiesen es – vor und nach dem Goldstone-Bericht. Es war also nicht der einzige Beweis. Die Bilder, die wir auf unsern Fernsehschirmen sahen und die, die wir vor Ort sahen, erzählen nur die Geschichte einer kriminellen Politik des absichtlichen Tötens, Verletzens und Verstümmelns als kollektive Strafe.”, sagte Ilan Pappe über die Menschenrechtsverbrechen.

... Sie bezeichnen ja Israel nicht nur als Kindermörder, was sicherlich kritisch gesehen wird ...

Es kann nie einen sachlichen Grund geben, weshalb Wahrheit bezogen auf ihren Inhalt kritisch sein könnte. In meinem Buch sage ich, natürlich, Israel ist nicht nur Kindermörder. Israel ist auch, wenn ein betreffender israelischer Staatsbürger Zionist oder Nutznießer des Zionismus ist, kann Israel auch ein äußerst wohlwollender Staat sein. Aber Israel ist ebenfalls Kriegsverbrecher, Menschenrechtsverbrecher, in seinen Handlungen anderer Terrorregime ähnlich handelnder. Im Buch heißt es: "Spätestens seitdem auf Youtube und weiteren Kanälen weltweit die Morde der israelischen Armee an Palästinensern, vornehmlich an Jugendlichen und Kindern, weltweit abrufbar sind, ist die Aussage: Israel führt gezielte Tötungen aus, eine erwiesene Tatsache. Niemand sagt: Premierminister Olmert hat 1980 in einem Supermarkt eine Tafel Schokolade mitgehen lassen." Wenn es den Herrschenden in Deutschland, gleichfalls dem herrschenden System, dem Zionismus in Deutschland nicht passt das Tatsachen als das benannt werden, was sie sind, allein Wahrheit, und danach durch mannigfaltige Einschüchterungen (von mediale Diffamierungen bis Gerichts-Schauprozesse) demokratische, dem Grundgesetz inhärente Werte aushebelt, dann ist des Bürgers oberste Pflicht eben diese Grundwerte zu schützen, gegen Unrecht zu opponieren.

... aber die Antisemitismuskeule dürfte ihnen sicher sein ...

Es ist bekannt, der Begriff Antisemit trifft auf Antisemiten zu, nicht auf Menschen deren Äußerungen erwiesenermaßen Tatsachen sind. Wenn ich sage, Elor Azaria ist ein Mörder gleich wie Menachem Begin einer war, dann ist das letzte was diese Aussage darstellt Antisemitismus. Niemand, außer der, das Judentum raubende Zionismus, kommt auf die infame Behauptung Wahrheit als Antisemitismus zu betiteln.

Dass Israel als Staatsmacht palästinensische Kinder ermordet, kann doch heutzutage nur noch die Person bestreiten, die angehalten ist diesen Fakt zu leugnen und umzudeuten: »meine eigentlich Judenhass« zu unterstellen.

Es ist klar zu verstehen: Definierte Begriffe und faktisch zutreffende Aussagen zur gegenwärtig noch nicht bestehenden juristischen Strafsache "Internationaler Strafgerichtshof ./. Staat Israel", dass die unumkehrbare Tatsache "Kindermörder Israel" zum Antisemitismus umgedeutet wird, ist die direkte Entsagung all dessen, was die Geschichte aus 60.000.000 Toten, dem deutsch-faschistischen Großmachtswahn, einer aufgeklärten Menschheit an Bildung zur Verfügung steht.

Ich habe mich bei der Arbeit zum Buch gefragt, wo hört Rufmord, Aussetzung der freien Meinungs-Tatsachenäußerung auf und wo beginnt Rechtsbeugung. Auch, ob die Menschheitsgeschichte dergleichen bereits kennt. "I have killed lots of Arabs in my life and there is no problem with that.", sagte M. Feiglin, dieses Zitat weithin, auch in Deutschland bekannt! Das ist Araberhass. Das ist Palästinenserhass. Das ist nicht "meine eigentlich", sondern der Rassenwahn auf zugegebene Morde an Araber. Bekannt ist die Rassenwahnideologie des in Israel verehrten Rabbi J. Ovadia, der sagte und in der Haaretz nachlesbar ist: "Right wing rabbi‘s ruling: Israel totally destroy Gaza if necessary - Haaretz/Dov Lior" (Fariss Wogatzki; "Möge keiner sagen, er hätte es nicht gewusst!" Zambon Verlag 2017)

Müssen Sie nicht viel aufgeben für dieses Buch?

Ich vertrete die entschiedene Ansicht: Gebt alles auf, nur die Denkfreiheit nicht! Ist es wahr, was ein Mensch sagt, so sagt er es doch nicht weil er will, dass andere glauben mögen, es sei wahr, denn weil es wahr ist, so soll Wahrheit allein gesprochen werden. Es möge sich niemand um die ihm angedrohten Folgen der gesagten Wahrheit kümmern. Gibt der Mensch die Freiheit seines Geistes auf, gibt er sich auf. Er gibt auf was ihn vom Tiere unterscheidet. Er stimmt gleichfalls zu, eine der Freiheit geraubte, übergeordnete Willkür gegen sich zu ergeben und jegliche Macht über ihn an Dritte abzutreten.

Sehen wir nur zu gut, dass das Volk von Palästina sich in 70 Jahren sein Menschsein niemals hat nehmen lassen. An palästinensischen Mut können wir unsere eigene Menschlichkeit bilden. Und sind wir ehrlich und Mutes genug, so wissen wir alle, dass das, was auch wir sagen, allein das ist, was die ganze Welt doch längst weiß.

Was hat der Konflikt um Palästina mit der immer stärker werdenden Hetze gegen Muslime und dem geschürten Hass gegen Araber und Türken in Deutschland zu tun?

Lassen Sie es mich kurz fassen: Jedwede Beleidigung gegen das Glaubensbekenntnis von Menschen ist verurteilenswürdig. Wenn Muhammad-Karrikaturen, der Prophet aller Muslime, in gezieltem Anliegen die Gefühle von über zwei Milliarden Menschen zu verletzten, so, wie es beispielsweise das französische Blatt "Charlie Hebdo" tat, ist es die bewusste Beleidigung und Schürung von Feindschaft gegen Muslime. Niemand ist "Je sui Charlie" noch sonst wer oder was. Jeder Mensch ist Mensch.

Wenn in Deutschland der Islam auf „-ismus“ und Muslime auf Islamist bald täglich in den Medien beschmutzt werden, in Zusammenhänge und oder in fingierte Verknüpfungen zur Feindschaft gegen Muslime aufgestachelt wird ist das verachtenspflichtig. Wenn bald offener Hass auf Araber und Türken, auf den Islam durch die unilateralisierte Medienmacht auf sowohl plump-reißerische Art wie die Springer-Produkte, oder der m.E. ideologisch gleichartigen, jedoch intellektuell verbrämten SZ, Zeit & Co. geschürt wird, dann ist zu prüfen: Welche Interessen verfolgen Urheber, Redakteure, Journalisten, Verleger, Eigentümer und Aufsichtsräte, in welche Kreisen und Brücken sind diese Menschen eingebunden? Und jeder findet ohne langwierige Mühe heraus, dass der deutsche Normungs-Journalismus streng interessengesteuert ist.

Was muss sich ändern?

„Es wird sich, wenn noch Zeit fu¨r die menschliche Vernunft verbleibt, eine zwingende Veränderung unter den Menschen ergeben müssen, dass Israel nicht allein offen Hass [...] in Deutschland durch ihre Abteilungsleiter Knobloch, Schuster & Koll vertreten - gegen Islam, Muslime, Araber, Ausländer schürt, sondern gleichermaßen Feindschaft gegen andere Religionen forciert, heizt den bestehenden, durch das BRD-System güldenen, Kapitalismus auf, die Gier des Imperialismus und das bereits schon heterogene Gesellschaftsgefüge.“

Erinnern wir uns an die Rede des türkischen Ministerpräsidenten R. Erdogan in Davos 2009. So sagte er: „Wir wissen, wie ihr Kinder am Strand getötet und erschossen habt.“, und kurz darauf in der deutschen Presse sich der mentale Stumpfsinn entblößt: “Gaza-Eklat in Davos - Erdogan stürmt vom Podium - Er redete sich in Rage, stritt mit dem Moderator.” Das frei abrufbare Video zeigt nichts dergleichen, doch der Subtext wurde abgeliefert. Vielmehr ist auf dem Video zu sehen, wie Peres genügsam seine Kopfhörer abnimmt, den Tatsachenäußerungen des türkischen Ministerpräsidenten nicht den mindesten Respekt erweist.

Es ist mit dem deutschen Grundrecht auf Religionsfreiheit, deren Würde und freie Ausübung unvereinbar und steht in eklatantem Widerspruch, wenn in Dauerschleife der Islam beschmutzt, gegen eine Weltreligion gehetzt, gegen deren Gläubige in allein der religiösen und menschlichen Entwürdigung straflos agitiert wird.

Wie hängt das mit der Vermengung von Judentum und Zionismus zusammen?

Wenn dem Zionismus weiter gestattet ist, das Judentum als Teil religiöser und vor allem kultureller Werte missbrauchen zu können, die jüdische Entität gestohlen wird, ist die Gleichsetzung Zionismus, das heißt, die rassistische, auf Landraub und Besatzung beruhende Ideologie, diese sei Judentum, ein besonders perfider Antisemitismus. Der in Deutschland geförderte Hass gegen Muslime, die Hetze gegen Araber und Türken ist ein dem zionistischen Kapitalverbrechen gegen die palästinensischen Glaubensbrüder und Glaubensschwester ein in sich fest verankertes Feindschaftspotential des hedonistischen, auf die Befriedigung niederster Instinkte; dem Imperialismus.

Eben der in Deutschland wuchernde Zionismus, schürt den Islamhass. Die deutsch-zionistische Propaganda steht in direkter Kausalität mit der Ignoranz gegenüber der Entrechtung aller Palästinenser. Darin eingeschlossen alle Muslime sowie der palästinensisch-christlichen und jüdischen Bekenntnisse, die in Palästina Jahrhunderte friedlich zusammenlebten.

Es ist der Gesellschaftszersetzung weiter fördernd an jedem Hintertürchen, jeder Straßenecke einen sonstwie gearteten antisemitischen Hintergrund  erschnüffeln zu meinen, doch gleichzeitig die zionistische Dauerpropaganda zu fördern, Randgruppen weiter auszubauen und den zersetzenden Imperialcharakter der Ideologie auszublenden.

Zweifelsfrei sträflich und menschlich verachtenswürdig ist, dass die bundesdeutsche Überheblichkeit gegenüber dem mitverursachten Leid Millionen Palästinenser nicht beendet wird, dem menschlichen Elend so unverhohlene Gleichgültigkeit entgegengebracht wird.

Organisationen, die zum friedlichen Boykott gegen Israel aufrufen, werden in Deutschland kriminalisiert. Wie erklären Sie sich das?


Bekannt ist, dass die Kriminalisierung der friedlichen BDS Bewegung allein auf Ideologie fußt. Die internationale BDS Bewegung ist das legitime und legale Recht aller Menschen für die Rechte der Palästinenser einzutreten. Das daraus unsinnige und mehr noch unhaltbare Kriminalisierung gemacht wird, ist dem imperialistischen, dem zionistischen System als auszeichnendes Merkmal seiner destruktiven Kraft innewohnend.

Es geht der Kriminalisierungskampagnen gegen die internationale BDS Bewegung um die vollständige Verneinung der Palästinenser. Es ist die Kriminalisierung der geraubten Menschenrechte der Palästinenser. Folgerichtig wird der internationale Widerstand gleichermaßen, wie die Menschen Palästinas, zu einem Objekt der Kriminalität. Palästinenser werden aufgrund ihres Seins zum Objekt der Kriminalisierung. Bedenken wir genau, wie sich das israelische Procedere gegen Palästinenser darstellt. So ist es staatsisraelische Handhabe Palästinenser per se, also durch ihr Sein nicht als Menschen, sondern als Terroristen "einzustufen".

Wer wolle leugnen, dass diese Praxis durch die deutsch-faschistische Geschichte nicht bekannt ist, als Juden ihres Menschseins durch rassenideologische Neudefinierung ihres Seins beraubt wurden, und so ihre Entrechtung und Vernichtung um so brutaler vorangetrieben wurde. Auf die Bezeichnungen: Tiere auf zwei Beinen, Schlangen; aber auch Arabushim, sand nigger, bis zu geschichtlichen Wiederholungen wie: Arabs to the gas chambers, es ist abscheulich, ist zu verweisen. So, wie also die Palästinenser aufgrund ihres Seins kriminalisiert werden, werden ihre Interessen, die die BDS Bewegung international vertritt, kriminalisiert.

„Der israelische Journalist Nitzan Horowitz stellte in der israelischen Zeitung „Haaretz“ die Frage: “Wie konnte die Welt während des Holocausts still bleiben?”, und beantwortet diese mit: “Genauso, wie sie es in Aleppo tut.” Die Kriminalität findet sich allein in der Kriminalisierung der internationalen Befreiungsbewegung für das Volk der Palästinenser.

Wie Frau Hecht-Galinski, Norman Finkelstein, Vittorio Arrigioni und viele aufrechte Menschen mehr müssen die Worte von Noam Chomsky begriffen werden, aufzustehen, für die Schwachen aktiv helfend zu sein. Andernfalls, wie er sagt: “Wenn die breite Bevölkerung weiterhin passiv, apathisch, konsumsüchtig und voller Hass gegen die Schwachen bleibt, können die Mächtigen tun, was ihnen beliebt - und die Überlebenden werden die Trümmer betrachten.”

Herr Wogatzki, wir danken Ihnen für das Interview.


Teile in diesem in Anführungsstriche gesetzten Text sind dem Buch des Autors: "Möge keiner sagen, er hätte es nicht gewusst!" entnommen. Erschienen im Zambon Verlag 2017. Leseprobe, sowie figurative Fakten auf wwww.faresfalastin.wordpress.com


Erstveröffentlichung am 4.10.2017 bei Muslim-Markt



Fariss Wogatzki
Möge keiner sagen er hätte es nicht gewusst!




Zambon Verlag, Frankfurt 2017
472 Seiten, 19,90 Euro

Online-Flyer Nr. 633  vom 18.10.2017

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