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Aktueller Online-Flyer vom 17. Dezember 2017  

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Globales
Nach dem Europäischen Trauerakt in Straßburg zur letzten Ehre von Dr. Helmut Kohl
Einheit Europas ohne Konfrontation
Von Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Ein gemeinsames sicheres Europas ist das gemeinsame Ziel aller europäischen Völker und Regierungen Europas. Das ist das Erbe, das uns hinter Helmut Kohl eint. Seine Spuren in der Geschichte zu würdigen, bedeutet die politische Einheit Europas ohne Konfrontation anzustreben. In diesem Zusammenhang ist Russland unverzichtbarer Partner Deutschlands und Europas. Ein Staatsmann, historisch tief geprägt und gebildet wie Kanzler Helmut Kohl, wusste dies zu erkennen und zu verinnerlichen.

Aussöhnung des Alt-Bundeskanzlers Kohl mit Russland, der damaligen Sowjetunion, von Merkel außer Acht gelassen

Die Rede der Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ diesbezüglich viel zu wünschen übrig. Sie ließ die Aussöhnung des Alt-Bundeskanzlers mit Russland, der damaligen Sowjetunion, außer Acht, gerade die Aussöhnung mit der Nation, die zur Befreiung Deutschlands von der Nazi-Gewaltherrschaft entscheidend beitrug unter höchstem Blutzoll von Menschenleben: über 25 Millionen Opfer. Merkel hat auch nicht das Vermächtnis ihres Mentors, nämlich die Einigung Europas als aktuelle Vision, und zwar als aktuelle Aufgabe für sie und ihre regierende Partei anerkannt. Hier lag ein bemerkenswertes Vakuum in ihrer Rede, die leider vorahnen lässt, dass sie diese Bewährungsprobe für Europa zur Ehre des verstorbenen CDU-Kanzlers Helmut Kohl nicht schaffen wird.

Anwesenheit von Bill Clinton eine Fehlbesetzung

Der Auftritt von Alt-US-Präsident Bill Clinton mit seiner ordinären Gestikulation, seinem theatralischen Getue und seiner völlig unangebrachten Wortwahl hat auf groteske Art und Weise offenkundig gemacht, was für eine extreme Unkultur in seinem Land herrscht, die hierzulande auf dem alten Kontinent schockierend und völlig fremd wirkt. Eine nicht zu überbietende Peinlichkeit für alle amerikanischen US-Politiker und -Diplomaten. Das Amerika von Clinton hat Europa nichts, aber rein gar nichts anzubieten. Clintons Anwesenheit auf dem Straßburger Trauerakt für Helmut Kohl war eine Fehlbesetzung.  Nach der unwürdigen Vorgeschichte des Weißen Haus hinsichtlich Helmut Kohl als deutscher Bundeskanzler gegenüber Washington war allerdings sicherlich kein US-Vertreter zu finden, der wirklich ehrlich dem deutschen Kanzler der Einheit Europas und Deutschlands die letzte Ehre angemessen und würdig erwiesen hätte.

Irrtum der Gleichsetzung von Helmut Kohl mit Konrad Adenauer

Helmut Kohl, ein europäischer Patriot, wie der  EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker richtig hervorbrachte, dessen Vision die Europäer weiterhin herausfordert, alle Lasten der Vergangenheit gemeinsam zu überwinden. Es ist ein Irrtum, Helmut Kohl mit dem ersten CDU-Kanzler Konrad Adenauer gleichzusetzen. Die historische Sachlage widerspricht diese Fehleinschätzung: Während Konrad Adenauer der Kanzler der Teilung Deutschlands und Europas war, ist Helmut Kohl der Kanzler der Einheit ohne irgendeine fremde Last und Joch. Für den ersteren hatte die Einheit Deutschlands und Europas keine Bedeutung, aber für Helmut Kohl stand sie an vorderster Stelle.

Genau einstudierte Unverschämtheit von Alt-US-Präsident Clinton in Straßburg

Während die USA mit Konrad Adenauer und seinen Leuten oftmals leichtes Spiel hatten, war Helmut Kohl zumindest zeitweise eher ein harter Brocken für die US-Regierung. Als wäre es eine späte Revanche dafür, aber sicherlich als Zeichen gegen ein sich emanzipierendes Europa, war der unverschämte Auftritt Clintons mitten auf einem hochrangigen erstmaligen Trauerakt Europas bestimmt genauestens einstudiert mit vielen Proben oder „Rehearsals“, wie einem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen konnte. Allein schon das Zeigen mit ausgestrecktem Arm und Zeigefinger auf den Sarg und dabei von Kohl als „Kerl“ (original: „guy“) zu reden, war eine unerhörte Frechheit. Eine solche Rede verdiente kein Applaus. Eine würdevolle deutsche CDU-Kanzlerin hätte Protokoll gemäß ihren Sitz an der Seite Clintons sofort und demonstrativ wechseln müssen. Eigentlich hätte sie von Anfang an nur eingerahmt von amtierenden europäischen Regierungsoberhäuptern sitzen dürfen. Ein Clinton hätte neben Köhler und Gauck gehört.

US-Furcht vor Kohls Vermächtnis

Tonangebende US-Kreise wollten offensichtlich Deutschland, den deutschen Staatsmann demütigen. Jenseits der persönlichen Niederträchtigkeit einer gescheiterten US-amerikanischen Figur zeigt dieser Vorgang, wie sich das US-Establishment vor dem Vermächtnis des Alt-Bundeskanzlers Helmut Kohl fürchtet. Gerade diese authentisch-europäische Feierlichkeit zur Ehre eines deutschen Staatsmannes hat Washington irritiert. Washington erfuhr schon früh die persönliche Stärke Kohls, der Europa von der US-Dominanz entschlossen befreien wollte. Es ist weltweit bekannt, dass der Alt-Bundeskanzler die Einbettung Deutschlands in der NATO nicht wollte. Seine Weigerung gegenüber dem US-Militärblock war so stark und unmissverständlich für die damalige US-Regierung von George Bush Sr., dass ihr nichts anderes übrig blieb, als den deutschen Kanzler nach Camp David zu bestellen und ihm mit einem hässlichen Teil seiner Vergangenheit in bestem Ganoven-Stil zu erpressen (Februar 1990). Nur unter diesem Druck, nicht freiwillig, erfolgte die Einbettung des vereinten Deutschlands in die NATO. Zutreffend sagte deshalb der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew in Straßburg: „Er konnte nicht anders handeln“. Man kann sich vorstellen, dass sich Helmut Kohl nach seinem unangenehmen Aufenthalt bei Bush auf Camp David nicht gerade als Freund von ihm verabschiedete. Als Bundeskanzler wusste Helmut Kohl den USA/NATO entschlossen Paroli zu bieten, wenn es nötig war. Er hatte den Charakter dazu, wie sein Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium Willy Wimmer bezeugt.

Von Willy Wimmer wird folgendes in einer Pressemitteilung berichtet, was er bei vielen öffentlichen Auftritten auch wiederholte: "Im Verlaufe einer NATO-Übung 1989 habe das NATO-Hauptquartier in Brüssel um Zustimmung der zuständigen deutschen Stellen zu einem Einsatz von Nuklearwaffen gegen Ziele in der damaligen DDR ersucht, u.a. gegen Dresden und weitere ostdeutsche Großstädte. Wimmer, ... habe dann Kontakt mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl aufgenommen, der entschieden habe, dass sich die Vertreter der Bundesregierung nicht an diesen nuklearen Planspielen gegen DDR-Städte beteiligen sollten. Deutschland habe die Mitwirkung an dieser NATO-Übung beendet, die ohne deutsche Beteiligung fortgesetzt worden sei. Nichts davon sei je in die Öffentlichkeit gedrungen." („Nuklearwaffen gegen DDR-Städte“ von Alexander Bahar, Telepolis, 25.7.2009, Willy Wimmer berichtet auch darüber in seinem Buch „Die Akte Moskau“, Verlag zeitgeist 2016) 

Die starke Persönlichkeit des Alt-Bundeskanzlers Helmut Kohl war schon lange ins Visier der Dienste von Bush Sr. geraten. Seine Ablehnung der Bombardierung Libyens 1986 unter Ronald Reagan, die sein Außenminister Genscher vergeblich zu verhindern versuchte, Kohls Ausstieg aus der NATO-Übung 1989 und zuletzt seine Missbilligung einer Bindung an die NATO 1989/1990, denn er setzte an erste Stelle die freie Entscheidung des deutschen Volkes für die Einheit Deutschlands und Europas. Alles das signalisiert den deutschen Kanzler als selbstbewussten europäischen Patrioten, der sich vor einer willkürlichen Supermacht nicht einfach beugt. Dieser deutsche Kanzler diente damit nicht verlässlich genug den US-Interessen. Die übermächtige US-Regierung entschied deshalb, einen Hebel gegen die Person Kohl einzusetzen, was in Camp David im Februar 1990 geschah. (bundesregierung.de [https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2014_Deutsche_Einheit/1990-02-24-kohl-in-camp-david.html])

Außenpolitische Nähe von Spanien zu Deutschland

Die Rede des ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten Felipe González und die Präsenz von König Juan Carlos mit seiner Frau Königin Sofia in Straßburg bezeugen, wie nahe Spanien Deutschland ist, wie tief und gemeinsam beide Länder Europa prägen. Felipe González sprach frei und spontan, völlig bewusst und überzeugt davon, was er sagte. Außenpolitisch verbindet die beiden Länder vieles, auch zu Zeiten von Helmut Kohl als Bundeskanzler. Zum Beispiel engagierte sich der spanische König gegen den ersten ungeheuerlichen US-Angriffskrieg gegen den Irak 1991. Auch Helmut Kohl positionierte sich und seine Regierung ebenso gegen den ersten US-Krieg am Golf 1991. Als Vermittler wäre damals der spanische König die geeignete europäische Persönlichkeit gewesen.

Kultur und Ethik sind untrennbar, die erstere wäre sehr wenig, wäre sie nicht von der zweiten inspiriert und durch die große Kraft des Geistes angestoßen. „Das eigentliche Ziel, das die Regierungen bei den internationalen Beziehungen verfolgen müssen, ist die Union, die Annäherung der Völker und die Vervollkommnung der Beziehungen zwischen den Menschen zu suchen“. (König Juan Carlos von Spanien „Etica y Cultura“, El País, Oktober 1984)

Im aktuellen Morast der CDU/CSU/SPD-Regierung

Leider gibt Berlin der Nach-Kohl-Ära im aktuellen Morast der CDU/CSU/SPD-Regierung kein Signal von Vernunft für eine notwendige richtige Wende ihrer verfehlten Außenpolitik. Auch die US-Cliquen hinter den letzten US-Präsidenten nicht. Bill Clinton wie Barack Obama waren große Opportunisten, skrupellose Lügner, Schwindler und Blöffer für die Öffentlichkeit. Waren beide vom Wall-Street-Establishment inszeniert?

Würdelose Süddeutsche Zeitung


Eine würdelose Tageszeitung will das beleidigende Auftreten Clintons in Straßburg auf der historischen Trauerfeierlichkeit für den verstorbenen deutschen Staatsmann klein reden. Als Reaktion auf die zutreffenden vielen Proteste, die das verblüffende wie schockierende Verhalten Clintons bei der deutschen Öffentlichkeit verursachte, nimmt die Süddeutsche Zeitung (SZ) den unerwünschten Gast als ihren Protegé in Schutz. Ein unbekannter Schreiber Holger Gertz macht sich bei der SZ die Mühe dazu. Auf einer ganzen Seite voller Banalitäten versucht er lediglich, den bloßgestellten verkommenen Amerikaner schönzureden. (Seite Drei, SZ 3.7.2017). Kein Wort über Europa, keine Würdigung für den Kanzler der Einheit Deutschlands und des Kontinentes ist darin zu lesen. Wie sehr muss die bleibende Botschaft von Helmut Kohl das US-Establishment irritiert haben! Aber ob es den USA gefällt oder nicht, wird die Einigung Europas zustande kommen, so wie sie sich der deutsche Kanzler Helmut Kohl vorstellte, ohne Konfrontation, ohne Lasten der Vergangenheit.

Bundeskanzleramt um einige Personen erneuern


Dazu wird sich das Bundeskanzleramt sicherlich um einige Personen erneuern müssen. Angela Merkel und ihre Mannschaft haben sich noch vor gut einem halben Jahr als erbärmlich inkompetent gezeigt, indem sie unwürdigerweise Deutschland dem Faux-Pas eines Obama am 17./18.11.2016 in Berlin auslieferte, der es wagte, Berlin als „Anker“ zu bestimmen, um eine gemeinsame Linie für den Krieg gegen Syrien mit den europäischen Regierungschefs Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Spaniens sicherzustellen. Glücklicherweise scheiterte dieses verheerende US-Vorhaben. Obama musste durch die Hintertür das Kanzleramt verlassen, bevor die Pressekonferenz anfing, als er erkannte, dass sein Humbug keine Unterstützung bei den Europäern fand, vor allem nicht von Spanien.

Clintons und Obamas US-Regierungszeit kennen

Sowohl bei deutschen Politikern als auch bei deutschen Redaktionen fehlt die nackte Erkenntnis über Clintons und Obamas-US-Regierungszeit. Obama führte nach Bush weitere Kriege: In Libyen und Syrien. Dazu hat er mit dem Teufel paktiert, mit islamistischen Mörderbanden, um Syrien zu destabilisieren. Die Hinterlassenschaft dieses trügerischen Präsidenten kennzeichnet ihn als einen Brandstifter im Nahen Osten und stellt die Frage nach seiner Ehrlichkeit, als er seine Friedensrede in Kairo (4.6.2009) hielt. Ebenso wie einer seiner Vorgänger Bill Clinton, der 1999 ein Bombenangriff gegen ein europäisches Land (Rest-Jugoslawien) skrupellos organisierte und anordnete, in voller Verachtung der Idee der europäischen Einheit, die schon damals lebendig dabei war, Gestalt anzunehmen.

US/NATO-Block in Straßburg in relevanten Reden unerwähnt geblieben

Zu Recht wurde der fremde unerwünschte US/NATO-Block in keiner der relevanten Reden europäischer Staatsmänner auf dem Straßburger Trauerakt zur letzten Ehre des Alt-Bundeskanzlers Helmut Kohl erwähnt.

Aufgabe für die junge Generation: Vollständige Integration Europas in Frieden und gemeinsamer Sicherheit


Die wahre Freundschaft mit dem deutschen Alt-Kanzler wusste der Ministerpräsident Russlands Dmitri Medwedew zu würdigen wie auch seine Vision für eine vollständige Integration Europas in Frieden und gemeinsamer Sicherheit. Leider gibt es noch keine Aussicht auf eine parlamentarische Mehrheit im politischen Spektrum Deutschlands, die diese Aufgabe verwirklichen könnte. Weder bei der jetzigen CDU und zukünftigen Koalitionspartnern, noch bei heute denkbaren SPD-Koalitionen.

Es liegt an der jungen deutschen Generation, diese Vision zu verwirklichen - fern von fremden Konstruktionen und fern von falschen Vorurteilen, die den europäischen Geist negieren.


Verfasst am 3.7.2017 unter Bezugnahme auf Reden bei europäischem Trauerakt in Straßburg zur letzten Ehre von Alt-Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl sowie Reportagen und Kommentare dazu


Luz María de Stéfano Zuloaga de Lenkait ist chilenische Rechtsanwältin und Diplomatin (a.D.). Sie war tätig im Außenministerium und wurde unter der Militärdiktatur aus dem Auswärtigen Dienst entlassen. In Deutschland hat sie sich öffentlich engagiert für den friedlichen Übergang der chilenischen Militärdiktatur zum freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat, u.a. mit Erstellen von Gutachten für Mitglieder des Deutschen Bundestages und Pressearbeit, die Einheit beider deutschen Staaten als ein Akt der Souveränität in Selbstbestimmung der beiden UN-Mitglieder frei von fremden Truppen und Militärbündnissen, einen respektvollen rechtmäßigen Umgang mit dem vormaligen Staatsoberhaupt der Deutschen Demokratischen Republik Erich Honecker im vereinten Deutschland, für die deutsche Friedensbewegung, für bessere Kenntnis des Völkerrechts und seine Einhaltung, vor allem bei Politikern, ihren Mitarbeitern und in Redaktionen. Publikationen von ihr sind in chilenischen Tageszeitungen erschienen (El Mercurio, La Epoca), im südamerikanischen Magazin “Perfiles Liberales”, und im Internet, u.a. bei Attac, Portal Amerika 21, Palästina-Portal. Einige ihrer Gutachten (so zum Irak-Krieg 1991) befinden sich in der Bibliothek des Deutschen Bundestages.


Online-Flyer Nr. 620  vom 05.07.2017

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