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Aktueller Online-Flyer vom 22. August 2017  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Zionistische Besatzung und Vertreibung fordert ihren Tribut
Von Evelyn Hecht-Galinski

Reflexartig haben Netanjahu und sein Regime auf den Anschlag in Jerusalem reagiert. Schnell war Netanjahu vor Ort, um sich als Macher zu produzieren. Er wusste auch sofort eine Verbindung zwischen dem IS und dem palästinensischen Täter, dem 28 Jahre alten Fadi al Hanbar, einem Familienvater aus Dschaba, einem illegal besetzten Teil Ost-Jerusalems, zu konstruieren. Wie Netanjahu wohl darauf kam, bleibt schleierhaft, denn nicht der IS ist das Problem in Israel und Palästina, sondern die illegale, seit Jahrzehnten anhaltende Besatzung Palästinas und die Vertreibung von Palästinensern.

6.000 Palästinenser in israelischer Willkürhaft

Hatte es dieser junge Palästinenser nicht am eigenen Leib erfahren? Gerade erst aus dem Gefängnis in Israel entlassen, wo er natürlich wegen "Terrorismus“-Verdachts eingesessen hatte. Zur Zeit sitzen mehr als 6.000 Palästinenser in israelischer Willkürhaft. So gut wie jede palästinensische Familie hat Angehörige, die in Haft waren oder immer noch sind, viele ohne Anklage! Brutal werden sie gefoltert und unter unmenschlichen Haftbedingungen eingesperrt. Auch Frauen, Alte und Jugendliche, ja sogar Kinder, werden nicht verschont. Das Besatzer-Regime scheut auch nicht vor Folter zurück; in Israel/Palästina erledigt das der berüchtigte Inlandsgeheimdienst Schin Beth, und der Mossad, der mehr als bekannte Auslandskollege, erledigt die Morde und Verbrechen weltweit. Außergerichtliche Hinrichtungen in Palästina durch die "jüdische Verteidigungsarmee" und gezielte Morde des Mossad überall, wo sich der "Jüdische Staat" die Lizenz zum Töten nimmt.

Muss man sich eigentlich noch darüber wundern, dass es zu Anschlägen kommt? Und explizit gegen Soldaten, die sich pikanterweise auf einer Bus-Tour durch Jerusalem befanden. Schließlich müssen sich diese Offiziersanwärter darauf vorbereiten, wo sie besonders gebraucht werden, und wo sie ihre Repressalien und Einsätze gegen die Palästinenser durchzuführen haben. Im besetzten Ost-Jerusalem herrscht ein besonderes Klima. Es ist die Angst der Palästinenser, dass ihnen nach dem 20. Januar, wenn der neu gewählte US-Präsident Trump heißt, noch schlimmeres bevorsteht. Wird Trump seine Ankündigung wahr machen, dass unter ihm und dem kommenden US-Botschafter im "Jüdischen Staat", dem rechtsradikalen Siedlungsunterstützer und orthodoxen Juden David Friedman der gegen das Völkerrecht gerichtete Umzug von Tel Aviv nach Jerusalem bevorsteht? Das wäre eine Provokation der schlimmsten Art, zementiert er doch den illegitimen Anspruch der jüdischen zionistisch-faschistischen Hardliner auf ihre eingebildete „ewig ungeteilte Hauptstadt“ des "Jüdischen Staates".

Kann man es Palästinensern, die unter solchen Voraussetzungen leben müssen und die jetzt auch noch um den Haram al-Sharif, um die al-Aqsa Moschee bangen müssen, da extremistische Judaisten, unterstützt vom Umfeld verschiedener Personen des Netanjahu-Regimes planen, auf diesem moslemischen Heiligtum und Areal einen neuen jüdischen Tempel zu bauen. Schon kurz nach dem Anschlag beschloss das Netanjahu-Regime, IS-Anhänger im "Jüdischen Staat" ohne Anklage festzuhalten. Diese sogenannte Administrativhaft ist allerdings schon seit Jahrzehnten eine bekannte Praxis gegen unliebsame Palästinenser. Diese illegale Haft ohne Anklage soll jetzt von sechs auf neun Monate verlängert werden. Proteste von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International, B`Tselem, oder Human Rights Watch verhallten ungehört, und auch die sogenannte „Werte“gemeinschaft hüllt sich dazu in feiges Schweigen!

Schon wurden fünf Familienmitglieder des Anschlagtäters verhaftet, sein Haus soll schon bald zerstört werden und sein Leichnam soll irgendwo im Geheimen beerdigt werden, ohne ihn der Familie zu überlassen. Auch Anträge auf Familienzusammenführung mit Einwohnern des Gazastreifens wurden vom Sicherheitskabinett nicht gestattet.

Sippenhaft und ungesetzliche Häuserzerstörungen – auch dieses Unrecht lässt die westliche Staatengemeinschaft zu! Gerade Deutschland, das sich immer so gerne seiner Vergangenheit erinnert, wenn es um den "Jüdischen Staat" geht, sollte sich seiner schon überstrapazierten Phrase der "besonderen Verantwortung" bewusst sein und diese Verantwortung endlich auch zu übernehmen.

Faschistische Methoden als Verbrechen gegen die Menschlichkeit brandmarken

Anstatt die illegale jüdische Besatzung Palästinas weiter zu fördern, sollten Merkel und Steinmeier diese faschistischen Methoden als Verbrechen gegen die Menschlichkeit brandmarken und die "jüdischen Freunde" stoppen in ihrem Besatzungsterroreifer! Proteste von Deutschland, den USA oder der EU sind nicht zu hören, und während sie nach Anschlägen in Israel Beileidsbekundungen aussprechen, werden palästinensische Opfer nur als Terroristen wahrgenommen.

Durch dieses himmelschreiende Unrecht wird es nie Frieden geben, denn nur wenn endlich die illegale Besatzung als Hauptursache des palästinensischen legitimen Widerstands von der heuchlerischen „Werte“gemeinschaft unter "christlich-jüdischer" Führung wahrgenommen wird, kann es Ruhe geben.

Warum soll dieser Widerstand gegen eine Besatzungsmacht eigentlich terroristisch sein? Ach, wäre dieser Widerstand nur möglich gewesen in Deutschland unter dem Nazi-Terror! Zweierlei Maß ist immer ein schlechter Ratgeber, wer politisch so handelt kann nur scheitern. Dass Netanjahu, der bis zum Hals im Korruptionssumpf steckt, jede Gelegenheit sucht, um von sich abzulenken, ist klar, aber die Staatengemeinschaft darf dieses unwürdige Spiel nicht weiter mitmachen und unterstützen.

Dieses zionistische Regime und ein Land, das in einem moralischen Sumpf versunken ist, wo ein Soldat einen verletzt am Boden liegenden wehrlosen Palästinenser kaltblütig ermordet, und die Mehrheit der Bevölkerung diesen Mörder auch noch als Held feiert und Netanjahu ihn als Held und mutiger Kämpfer gegen den Terrorismus würdigt, stinkt vom Kopf her bis zum Schwanz und hat jedes demokratische Recht verwirkt. Unverständlicherweise hat das Militärgericht nur auf Totschlag verurteilt und nicht auf Mord. Der Super-Gau wäre, wenn dieser Mörder-Soldat Azaria noch begnadigt würde!

Natürlich hat dieser Anschlag überhaupt nichts mit Paris, Nizza, Berlin oder sonst wo gemein, wie es Netanjahu und auch westliche Politiker gerne darstellen möchten, denn im illegal besetzten Palästina ist das  jahrzehntelange Unrecht der Besatzung der Nährboden, der diese hoffnungslosen, gedemütigten und verzweifelten Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben, zu Tätern werden lässt.

So verfolgt Netanjahu nur ein Interesse, nämlich sich und seine Machtpolitik zu erhalten, und der den Iran, die Hisbollah und die Hamas im Visier hat, und während er in Syrien zündelt, unterstützt er die al-Nusra Terroristen und packt die Gelegenheit beim Schopfe und verknüpft den IS, der im "Jüdischen Staat" gar nicht präsent ist, mit den Palästinensern, um diese zu delegitimieren und sich als heldenhaften Kämpfer im Anti-Terrorkampf darzustellen.

Das ist schändlich und wird noch schändlicher, wenn westliche Politiker wie der französische Ministerpräsident Hollande am französischen Parlament vorbei die gezielten Tötungen Frankreichs billigt und diese schon seit 2013 in Afrika und dem Nahen Osten mit Drohnen durchführen lässt. Auf einer Tötungsliste sollen von 17 Namen noch 13 übrig sein! Willkommen im Club derjenigen mit einer Lizenz zum Töten! Mit dieser Politik, die Deutschland und andere westlich Allianzpartner fleißig unterstützen, fördern und bomben wir förmlich den Terror herbei, und solange diese Ursache vertuscht wird, rückt uns als Antwort der Gegen-Terror immer näher.

Wo Besatzung zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!

Es kann nicht sein, dass der westliche Kampf der Kulturen den Islam und Muslime verfolgt, während die "Werte der christlich-jüdischen" Leitkultur angebliche Heilsbringer sind. In diesem Sinn darf das Brandenburger Tor auch keinesfalls in den Farben der Davidstern-Flagge, eines Symbols der illegalen Besatzung Palästinas, angestrahlt werden! Zionistische Besatzung und Vertreibung fordert ihren Tribut! Wo Besatzung zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!


Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des ehemaligen Zentralratsvorsitzenden der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt. (http://sicht-vom-hochblauen.de/) 2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.

Top-Foto:
Evelyn Hecht-Galinski (sicht-vom-hochblauen.de)


Online-Flyer Nr. 595  vom 11.01.2017

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