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Aktueller Online-Flyer vom 26. Mai 2017  

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Literatur
Literaturempfehlungen
Stapel: Der Fall Ken Jebsen / Illegale Kriege
Von Clara Klemperer

Noch kurz bevor freie und besinnliche Tage ins Haus stehen, zwei Empfehlungen aus dem Bücherstapel, die spannend und ohne Umschweife darstellen, wie es ist. Das Buch "Der Fall Ken Jebsen": unterhaltsam, aufschlussreich (vor allem dahingehend, wie kritische Stimmen zum Schweigen gebracht werden sollen) und voll origineller Geistesblitze. Das Buch "Illegale Kriege": eine großartige Lektion über Grundbegriffe wie „Völkermord“ oder „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Also aufschlagen und nicht einschalten! Anti-Bertelsmann-Lektüre vom Feinsten! Ein gutes Buch (oder zwei) und warme Füße, ‘n lecker Tässchen oder Gläschen dazu – das wünsche ich Ihnen und Euch!


Der Fall Ken Jebsen – oder wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann.



Eine unglaubliche Karriere oder einfach nur ein mutiger Weg. Vom unkontrollierten Sendungsmacher von mehrstündigen Radio-Magazinen (Radio Fritz pp, rbb, ARD) zum kontrollierten und zensierten Overnight Gekündigten. Der Schnellsprecher, der vorgibt, früher achtmal schneller gesprochen zu haben, führt heute tiefgründige Interviews, Gespräche mit Zeitgenossen auf seinem Internetportal KenFM, finanziert durch seine „Fan“-Gemeinde. 9-11-Kultautor Mathias Bröckers führte ein Gespräch mit Ken Jebsen, das transkribiert zum vorliegenden Buch wird. Kennen gelernt hatten sie sich, als Jebsen ihm zum zehnten Jahrestag in einer vierstündigen Sendung die Gelegenheit gab, seine Argumente, Fakten, Sichtweisen und Schlüsse aus dem Jahrtausend-Fanal des 11. September 2001 auszubreiten. Journalismus, der seinem Auftrag nachkommt: dem der freien Meinungsbildung. NICHT durch Unterdrückung und Auslassung von Themen oder durch Bannformeln. Seine Haltung von Journalismus beschrieb er als Zwanzigjähriger in einem Buch-Beitrag „Ich bin Reporter“ für Radio Fritz, indem er den Beruf mit einem Kripobeamten verglich, der als erster an einen Tatort kommt und bei der Spurensicherung nichts verändern darf: „Er soll festhalten, was ist. Dazu werden Fotos gemacht. Später kann man sich diese Fotos nochmal in aller Ruhe ansehen. Dann fällt einem oft ein wesentliches Detail auf, das man zuvor gar nicht bemerkt hatte. Kripobeamte dürfen nicht manipulieren. Reporter finde ich, sollten das auch lassen. Es geht um Fakten und um einen neutralen Stimmungsbericht vom Geschehen.“ Das Buch: unterhaltsam, aufschlussreich (vor allem dahingehend, wie kritische Stimmen zum Schweigen gebracht werden sollen) und voll origineller Geistesblitze.

Der Fall Ken Jebsen – oder: Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann  Der Macher von KenFM im Gespräch mit Mathias Bröckers – Verlag FiftyFifty/Westend, Frankfurt/Main 2016, 256 S., 18 Euro


Daniele Ganser: Illegale Kriege. Wie die NATO-Länder die UNO sabotieren. Ein Chronik von Kuba bis Syrien.




Der Autor bürgt für Qualität. Der Schweizer Historiker und Leiter des von ihm gegründeten Schweizer Friedensforschungs- und Energieresourcen-Institut SIPER ist bekannt geworden durch seine Untersuchen zur verdeckten Kriegsführung. Seine diesbezüglichen Erkenntnisse sind in der heutigen Zeit aktueller denn je, betrachtet mensch die „Terroranschläge“ z.B. in Paris oder aktuell in Berlin und deren für die Bevölkerung unabsehbaren Folgen der Einschränkung ihrer Rechte und des permanenten Ausnahmezustands. Im vorliegenden Buch geht es um Kriege, die trotz eindeutiger Gesetzeslage an den Gremien der UNO vorbeioperieren bzw. ihre Schwachstellen offen legen. Es ist eine großartige Lektion über Grundbegriffe wie „Völkermord“ oder „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. „George Bush und Tony Blair sind Kriegsverbrecher“, heißt es. Ohne Punkt und Komma. In unserer fortgeschrittenen Ära der schwammigen Begrifflichkeiten und des Umdeutens von Krieg in Frieden, des „Meinungsmanagements“ nach Mausfeld, liefert Ganser übersichtlich gegliedert glasklare Fakten beginnend vom Krieg gegen den Iran 1953, über den wenig bekannten gegen Guatemala 1954, Ägypten 1956, Kuba 1961, über Vietnam, Nicaragua, Serbien bis hin zu Afghanistan 2001, Irak 2003, Libyen 2011, Ukraine 2014, Jemen 2015 und den aktuell andauernden – in deutschen und anderen westlichen Medien abstrus verzerrt dargestellten – Krieg gegen Syrien. Eine Chronologie, Literaturempfehlungen und ein Index sind eine weitere Hilfe, den komplexen, von Ganser sehr verständlich dargebrachten Stoff, zu vertiefen. Wissenschaft nicht (nur) für Wissenschaftler, gewidmet „allen Menschen, die sich mutig, achtsam und gewaltfrei für den Frieden engagieren“.

Daniele Ganser: Illegale Kriege – Wie die NATO-Länder die UNO sabotieren – Eine Chronik von Kuba bis Syrien, Orell Füssli Verlag, Zürich, 2016, 374 S., 24.95 Euro

Online-Flyer Nr. 593  vom 21.12.2016

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