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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2017  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Die palästinensischen Vertriebenen ohne Land!
Von Evelyn Hecht-Galinski

Während man am 13. Mai 2016 zum 68. Mal der Nakba, der großen Katastrophe für das palästinensische Volk, gedachte, feierte der "Jüdische Staat" zum 68. Mal die ethnische Säuberung Palästinas, die Ilan Pappe so meisterhaft in seinem Buch „Die ethnische Säuberung Palästinas“ beschrieb. (1) Am 10. März 1948, einen Tag, den wir nie vergessen dürfen, wurde im Roten Haus in Tel Aviv, dem Hauptsitz der jüdisch-zionistischen Terrorgruppe Hagana, von 11 Männern – altgedienten zionistischen Führern und jungen jüdischen Offizieren – unter dem Codenamen "Plan D" die ethnische Säuberung Palästinas geplant und danach zielstrebig in Angriff genommen. Dazu fällt mir eine schreckliche Parallele ein: Hatte nicht vor 74 Jahren die Wannseekonferenz stattgefunden, auf der die "Endlösung der Judenfrage" beschlossen wurde? (2) Zweifelsohne ist der Holocaust in seiner organisierten Vernichtung einmalig, und ich will keinesfalls beide „Lösungen“ gleichsetzen, die jeweils geplant wurden.


Libanon 2006, Ziel eines der Angriffskriege Israels (Foto: arbeiterfotografie.com)

Während die jahrelange Verfolgung der Juden und der Holocaust mit der Befreiung von Auschwitz 1945 endete, geschieht vor unser aller Augen seit mehr als 70 Jahren die Verfolgung der Palästinenser, ohne Aussichten auf Frieden oder einen Rückzug der jüdischen Besatzer aus dem besetzten Palästina. Nichts haben sie zu erwarten von der Weltgemeinschaft. Europa schaut tatenlos zu, und die USA unterstützen die jüdischen Besatzer bedingungslos, während die UN lediglich "besorgt" ist über die Tötungen von palästinensischen Kindern in Israel. Was für ein Wort für diese Verbrechen - "besorgt"! (3)

Von Beginn an bewusst provozierte Angriffskriege

Bis heute vollendet man so die Pläne von Theodor Herzl und anderen Zionisten, eine Heimstätte für das jüdische Volk zu schaffen – ohne Rücksicht auf die dort lebenden Ureinwohner, die Palästinenser. "Für ein Volk ohne Land ein Land ohne Volk", um einen Schutzwall für die westliche Zivilisation gegen die „Barbarei“ des Orients zu sein. So dachte Herzl, und in der Tat arbeiten der "jüdische Staat" und sein zionistisches Regime hart an diesen Vorgaben. Heute lautet die Devise, dass der "Jüdische Staat" ein westlich demokratisches Bollwerk gegen den islamistischen Terror ist und deshalb in seinem Kampf unterstützt werden muss. Was für eine schrecklich verlogene Politik, die die völkerrechtlich illegale Besatzung nur rechtfertigen soll.

Immer wieder werden uns die Märchen der Kriege und Angriffe gegen den angeblich hilflosen Judenstaat aufgetischt, der umgeben von Feinden nur um sein nacktes Überleben und für die Sicherheit seiner Bürger kämpft. Aber ist die Wahrheit nicht eine ganz andere? Waren es nicht von Beginn an bis heute Angriffskriege, die man bewusst provozierte, weil man sich seiner Stärke immer sicher war? Das hat sich in 68 Jahren beharrlicher Gehirnwäsche und gezielter, wissenschaftlich begleiteter Hasbara-Propaganda in unsere Gehirne gebrannt.

Ebenso wie die unerträgliche Kampagne Netanjahus, ständig den Holocaust für eigene Ablenkungsmanöver zu instrumentalisieren und dem Iran vorzuwerfen, einen neuen Holocaust gegen den "Jüdischen Staat" zu planen, obwohl es diesmal nicht nur um die Atombombe, sondern nur um eine Karikaturenshow im Iran geht, und jedes Land sollte gegen den Iran Stellung beziehen. Lächerlich, denn zuerst einmal sollte man Stellung beziehen gegen die illegale jüdische Besatzung Palästinas und die gefährliche Propaganda des Netanjahu-Regimes! Was für eine schändliche Perversität. (4)

Tatsächlich versucht das Netanjahu-Regime ständig, souveräne Staaten wie den Libanon und Syrien zu überwachen und notfalls auch anzugreifen. Und was liest man dann in den Medien? Israel muss sich sorgen, dass es angegriffen wird! Aber keine Zeitung berichtete über den Reebok-(Adidas)-Schuh, diesen "stinkenden" Sneaker, der geplant war zum 68. Geburtstag des "Jüdischen Staates", jedoch schnell nach Protesten zurückgezogen wurde – schließlich will man ja die Milliarden muslimischen Kunden weltweit nicht verprellen. (5)

(Süd)-Libanon durch Israel in Schutt und Asche gebombt

Ich möchte auch nochmals daran erinnern, dass 2006 nicht der Libanon den "Jüdischen Staat" angegriffen hat, sondern Israel hat (Süd)-Libanon in Schutt und Asche gebombt und "phosphorisiert". Dies nur zur Erinnerung, weil diese Tatsache, wie so viele andere, wenn sie den "Jüdischen Staat" betreffen, von den Mainstream-Medien immer genau umgekehrt und falsch dargestellt wird. Bei meinem Besuch im Libanon 2012 konnte ich mir ein eigenes Bild von diesen bis heute zu sehenden Verwüstungen und von dem Elend der Flüchtlinge ein eigenes Bild machen.

Ebenso schrecklich heuchlerisch ist es, wenn das Netanjahu-Regime seine moralische Pflicht zur Unterstützung eines „Regime change“ in Syrien betont, der die Tötung syrischer Bürger ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" nennt, aber selbst keine Skrupel hat, ständig Verbrechen gegen die Menschlichkeit im illegal besetzten Palästina und Gaza anzurichten. Während das israelische Regime obskure Rebellen pflegt und unterstützt, und auf seinem Anspruch auf die illegal annektierten Golanhöhen beharrt, fährt es in seiner illegalen Besatzungs- und Angriffspolitik fort. Alles im „Kampf gegen den Terror“, während der jüdische Terror ungestraft fortgesetzt wird.

Warum berichten die Medien nicht über die Verbindung von Netanjahu zum saudischen König, der den „Panama-Papers“ zufolge den Wahlkampf von Netanjahu gesponsert hat; ist das etwa keine wichtige Information, die auch für deutsche Bürger von Interesse ist? Aber wie schon so oft festgestellt, wir werden nicht mehr umfassend informiert, sondern nur noch sortiert nach Gutdünken! (6)

Während nicht-jüdische Flüchtlinge im "Jüdischen Staat" keine Aufnahme finden, außer als Insassen im extra gebauten Gefängnis von Holot, lobt die heuchlerische Staatengemeinschaft den "Jüdischen Staat" als Vorbild für Integration und für den Umgang mit Flüchtlingen. Vorbilder sehen anders aus!

Propaganda der faschistoiden jüdischen Besatzer

Zur gleichen Zeit, als die jüdischen Besatzer die Gedenktage Jom Hasikaron für die Gefallenen und Jom Haazmaut zum 68. Geburtstag des "jüdischen Staates" feierten, gedachten die etwa 21% der palästinensischen Bevölkerung abseits von den Besatzern der Nakba, der Katastrophe. Immer tiefer zeigt sich die Zerrissenheit und die Kluft zwischen den jüdischen und den palästinensischen Bürgern in Israel. Vom demokratischen Verständnis im Jüdischen Staat ist kaum etwas übrig geblieben, sehen doch etwa 71,5% der Bürger die Besatzung des Westjordanlandes nicht als solche an, sondern als zu Israel gehörig. Erschreckend, wie sich hier die Propaganda der faschistoiden jüdischen Besatzer ausgewirkt hat. So erscheint es auch wenig überraschend, dass Frieden mit den Palästinensern weder beim Netanjahu-Regime, noch bei den Bürgern Israels auf der Tagesordnung steht. (7)

Für etwa die Hälfte der jüdischen Bevölkerung ist es wichtiger, auch von den Palästinensern als "Jüdischer Staat" für das "jüdische Volk" anerkannt zu werden und eine jüdische Mehrheit in Israel zu haben. So einfach und rassistisch gestrickt ist das Weltbild im "Jüdischen Staat"!

Es ist an der Zeit, dass die Staatengemeinschaft endlich das legitime Rückkehrrecht der vertriebenen Palästinenser in ihre Heimat Palästina gemäß der jährlich bestätigten UN-Resolution 194 durchsetzt! Hingegen wird nicht hinterfragt und als selbstverständlich hingenommen, dass der "Jüdische Staat" ein willkürliches "Rückkehrrecht" für alle Juden in den "Jüdischen Staat" beansprucht, was auch bedeutet, dass jüdische "Rückkehrer/Einwanderer" in illegalen jüdischen Siedlungen auf geraubtem palästinensischen Land wohnen.

Endziel: Judaisierung Palästinas

Immer näher rückt damit das Endziel der Judaisierung Palästinas. Das zeigen auch die immer neuen Provokationen jüdischer Extremisten, mit Hilfe des Netanjahu Regimes, gerade auf dem Haram al-Sharif und der Al-Aqsa Moschee. (8)(9)

Auch aus diesem Grund ist die BDS-Kampagne so wichtig im Kampf für ein freies Palästina, sie ist unsere wirksamste Waffe und wird deshalb als Feindbild Nr.1 des Netanjahu-Regimes gesehen. Es reicht also nicht, dass die Europäische Union eine Kennzeichnungspflicht für Produkte aus den illegal besetzten Gebieten eingeführt hat, was nicht als Boykott angesehen wird und ja auch nicht ist. Stattdessen lässt die EU verlauten, dass selbstverständlich auch Produkte, die aus den besetzten Gebieten stammen, selbstverständlich willkommen sind in der EU, wenn sie denn so gekennzeichnet worden sind.

Nein, Widerspruch, weder diese Produkte, noch andere Produkte der jüdischen Besatzer dürfen willkommen sein in der EU, weil man so die illegale Besatzung Palästinas unterstützt! Und damit einhergehend auch die Ausbeutung der palästinensischen Arbeiter in den mehr als 600 israelischen Firmen, die sich im illegal besetzten Westjordanland niedergelassen haben. Dort werden laut israelischer Menschenrechtsorganisationen die meisten der palästinensischen Arbeiter für einen Hungerlohn, der weniger als die Hälfte des israelischen Mindestlohns von umgerechnet 5,30 Euro in der Stunde beträgt, beschäftigt, meistens auch noch ohne Anspruch auf bezahlten Urlaub, geschweige denn Krankengeld! Wenn das keine Ausbeutung und Profit der Besatzung ist! So ist die Dattel aus Jericho auch kein Anfang vom Frieden, sondern unterstützt nur weiter die illegale jüdische Besatzung Palästinas! (10)

Dem muss endlich ein Ende gesetzt werden, genug der 68 Jahre Vertreibung, Unterdrückung und Besatzung und der fortschreitenden ethnischen Säuberung Palästinas durch das jüdische Besatzer-Regime! Für einen gerechten Frieden und einen gemeinsamen demokratischen Staat für alle seine Bürger. Die Menschen fordern den historischen Systemwechsel im historischen Palästina. Dann erst ist der Tag gekommen, dass man die Unabhängigkeit in Palästina feiern kann.


Fussnoten:

1 http://haffmans-tolkemitt.de/programm/ilan-pappe-die-ethnische-sauberung-palastinas/
2 http://www.deutschlandfunk.de/die-organisierte-endloesung.1184.de.html?dram:article_id=185482
3 http://derstandard.at/2000036987549/UNO-besorgt-ueber-Toetung-palaestinensischer-Kinder-durch-Israel
4 http://kurier.at/politik/ausland/israels-premier-netanyahu-iran-bereite-neuen-holocaust-vor/198.932.889
5 https://electronicintifada.net/blogs/ali-abunimah/reebok-cancels-sneaker-celebrating-israels-independence
6 http://www.middleeastobserver.org/panama-papers-saudi-arabia-king-sponsored-netanyahus-campaign
7 http://www.swissinfo.ch/ger/frankreich-wirbt-in-nahost-fuer-friedensinitiative/42155952
8 http://unesdoc.unesco.org/images/0024/002443/244378e.pdf
9 http://gulfnews.com/news/mena/palestine/israel-bars-muslims-from-accessing-holy-sites-1.1811195
10 http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/menschen-wirtschaft/die-dattel-aus-jericho-ist-nur-der-anfang-vom-frieden-14229904.html


Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des ehemaligen Zentralratsvorsitzen der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt. (http://sicht-vom-hochblauen.de/) 2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.

Top-Foto:
Evelyn Hecht-Galinski (sicht-vom-hochblauen.de)


Online-Flyer Nr. 562  vom 18.05.2016

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