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Aktueller Online-Flyer vom 23. Oktober 2017  

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Kommentar
Türken an die Litauen-Front
Merkels Drang nach Osten
Von Ulrich Gellermann

Ein Satz wie in Pudding gegossen: "Hier sind einige Verstärkungen möglich, die werden wir im Augenblick auch prüfen“. So schwiemelt die Bundeskanzlerin über die neue deutsche Führungsrolle im Kampf gegen Russland. Die Bundeswehr soll die Führung eines neuen NATO-Bataillons in Litauen übernehmen, das „den Russen“ abschrecken soll – zwei Steinwürfe vom russischen Kaliningrad entfernt. „Möglich prüfen“: Das ist im Merkel-Deutsch so gut wie beschlossen. Auch die verdrehte NATO-Logik klingt nach Merkel: Weil die NATO mehr Truppen ins Baltikum verlegt, bedroht „uns“ der Russe.

„Mutti“ soll der kleine Fritz jüngst gesagt haben, „Mutti“, wenn ich mal groß bin, mache ich Außenpolitik. Da kann man so viel lügen wie man will!“ Denn nachdem die Merkel den Russen die Peitsche der Aufrüstung gezeigt hat, schiebt sie gleich Zuckerbrot hinterher: „Wir müssen immer wieder die Gesprächsfähigkeit (mit Russland) auch herstellen und ermöglichen. Das halte ich für sehr wichtig“. Es ist das seltsame Deutsch der Kanzlerin, das den Russen abschrecken könnte: Die Fähigkeit zu Gesprächen hängt offenkundig von der Zahl der Panzer ab, die den Russen als Gesprächsangebot vor die Haustür gestellt werden.

Schon einmal gab es eine enge Waffenbrüderschaft zwischen deutschen und litauischen Einheiten. Gleich zu Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion war es das „Pagelbines Policijos Tarnybos Batalionas“, das Seite an Seite mit einem SS-Rollkommando, unter Führung des Obersturmbannführer Joachim Hamann, rund 200.000 Menschen in Litauen ermordete. Vorzugsweise Juden, aber gern auch solche, die man der Sympathie mit der Sowjetunion verdächtigte. Etwa 90 Prozent der jüdischen Bevölkerung Litauens überlebte die damalige deutsch-litauische Partnerschaft nicht. Aber die Merkel hat nun mal Physik studiert und nicht Geschichte.

Die Präsidentin Litauens, Dalia Grybauskaite, die lange Zeit ein braves Mitglied der Kommunistischen Partei der Sowjetunion war, ist nicht nur eine gute Freundin von Angela Merkel, sie fällt auch unter den Paragraphen 103 des Strafgesetzbuches (Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten). Denn spätestens seit sie im Rahmen von Waffenlieferungen an die Ukraine die Moskauer Regierung zu den „terroristischen Elementen“ zählte und ganz Russland als „terroristischen Staat" bezeichnete, ist um den Geisteszustand der Dame zu fürchten.

Aber wer sich, wie Angela Merkel, mit politisch schwer Gestörten wie Recep Tayyip Erdogan verbündet, dem graust vor nichts. Vor allem dann, wenn die Anweisungen aus den USA unmissverständlich sind. Immerhin hatte US-Präsident Barack Obama für die verstärkte NATO-Präsenz am Ostrand des Bündnisses vor allem von Deutschland und Großbritannien einen Beitrag verlangt. Und prompt sagte Merkel diesen deutschen Beitrag zu, als sie sich jüngst in Hannover mit Obama und den Staats- und Regierungschefs aus Frankreich, Großbritannien und Italien getroffen hatte.

Doch seit der Merkel-Lösung der Flüchtlingsfrage ist es nicht auszuschließen, dass die Kanzlerin auch in der NATO-Ost-Frage die türkische Karte zieht. Immerhin verfügt die türkische Armee über fast tausend deutsche Leopard-Panzer. Und wo Deutschland draufsteht, da ist auch Deutschland drin. Zudem zählt die Türk Silahli Kuvvetleri mehr als 700.000 Soldaten. Für eine Handvoll Euro sollte sich da was machen lassen. Und NATO-Partner ist die Türkei schon seit Februar 1952.


Erstveröffentlichung am 02. Mai 2016 bei rationalgalerie.de – Eine Plattform für Nachdenker und Vorläufer

Top-Foto:
Ulrich Gellermann (aus Video-Interview: deutsch.rt.com)


Online-Flyer Nr. 560  vom 04.05.2016

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