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Aktueller Online-Flyer vom 25. Februar 2017  

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Literatur
Ein Gedicht, das in einer "großen" Zeitung unerwünscht ist
Flüchtling
Von Wolfgang Bittner

Woher kommst du, Flüchtling?
Sag mir, woher du kommst.
Warum senkst du den Blick?
Warum schüttelst du den Kopf?
Kommst du aus Syrien, Afghanistan, Somalia?
Aus Libyen, dem Irak, Marokko?
Kommst du aus den sagenhaften
Städten des Orients?
Oder aus dem heimgesuchten Afrika?
Kommst du aus dem goldreichen Mali?
Dem geheimnisvollen Timbuktu?
Vielleicht aus Damaskus, der uralten Metropole
am Fuße des Berges Qasyun,
der Heimat des weisen Sultans Saladin?
Oder aus Sanaa, der liebreizenden Stadt Jemens
mit den zum Himmel strebenden Lehmhäusern,
jetzt zerstört durch Granaten und Bomben.
Oder kommst du aus der unglücklichen Ukraine,
dem Reich der Kiewer Rus,
einst Kornkammer des Ostens?
Sag mir doch, Fremder, woher du kommst.
Was hat dich aus deiner Heimat vertrieben?
Steht dein Haus noch, gibt es deine Stadt noch?
Wo sind deine Eltern, die dich umsorgt haben?
Wo ist deine Frau, wo sind deine Kinder?
Was hat dich schweigsam gemacht?
Sag, was ist dir geschehen?
Nun komm herein, Fremder, es ist Krieg.
Sag mir, woher du kommst,
nenne mir deinen Namen.


Anmerkung:

Der Feuilleton-Redakteur einer großen Zeitung, den ich seit Langem kenne und dem ich das Gedicht geschickt hatte, schrieb mir:

"Lieber Herr Bittner, danke für das Gedicht, aber wir drucken keine Gedichte mehr. Und ehrlich, ich glaube, ich habe in der Flüchtlingssache eine etwas andere Meinung als Sie. Ich sehe darin eine Katastrophe; diese unbewältigte Flut (und noch ist Schwarz-Afrika nicht unterwegs) spiegelt für mich eine komplett unfähige Politik. Diese geheuchelte Emotionalität geht mir auf den Kecks. Nirgendwo wird die Systemfrage gestellt..."

Darauf meine Antwort:

"Sie haben recht, lieber Herr K., die Flüchtlingspolitik unfähiger Politiker ist eine einzige Katastrophe, und die Folgen werden uns noch sehr zu schaffen machen. Aber ich war selber einmal Flüchtling, nach der Ankunft im angeblich goldenen Westen jahrelang in einem Barackenlager. Daher weiß ich von der Tragik von Menschen, die aus Not und Gefahr nach Deutschland kommen. Ich möchte mit dem Gedicht etwas Grundsätzliches hervorheben: Jeder Mensch, der in Not ist, hat Anspruch auf Hilfe von anderen Menschen, die das zu leisten in der Lage sind. Das ist das 'Normale', zurzeit jedoch in Frage gestellt, weil Millionen aus den unterschiedlichsten Gründen nach Deutschland kommen wollen, wodurch Probleme mit dem Asylrecht entstehen. Es ist mein Mitgefühl mit Menschen in Not, etwas Selbstverständliches, das ich zum Ausdruck bringen möchte. Allerdings stelle ich fest, dass alles, was momentan zur Flüchtlingsproblematik gesagt und geschrieben wird, so oder so zu heftigen, zum Teil völlig unsachlichen Debatten führt. Aber wir müssen uns differenziert und ohne Schuldzuweisungen damit auseinandersetzen, uns bleibt nichts anderes übrig."

Online-Flyer Nr. 558  vom 20.04.2016

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