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Aktueller Online-Flyer vom 21. Oktober 2017  

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Krieg und Frieden
Ein Vorschlag für den Kampf der "Friedensbewegung"
Fistellaute mit Klassikerhilfe kämpferisch übertönen
Von Irene Eckert

Offener Gedankenaustausch tut Not. Nicht Recht haben wollen ist das Ziel. Es geht vielmehr um ein tieferes, ein echtes Verständnis der weltbewegenden Fragen. Die Friedensfrage ist ins Zentrum zu rücken. Auch Fistelstimmen können sich mit klarem Kopf Gehör verschaffen. Die unbestreitbare Tatsache, dass sich in der 'Friedensszene' beinahe ausschließlich ältere Menschen tummeln, hat objektive Gründe. Hauptsächlich geschuldet ist die Überalterung unserer derzeitigen kollektiven, analytischen Schwäche, weniger dem Alter der Teilnehmer.

Meine jüngste Polemik gegen die greisenhaften Fistelstimmen der ewig Friedensbewegten zielt auf ganz bestimmte Kreise, deren menschliche Haltung und deren analytische, geopolitische Lageeinschätzung ich für fatal halte. Auch junge Menschen können vergreist sein und alte Menschen können noch wegweisende Gedanken haben. Man denke an so verschiedene Persönlichkeiten wie etwa den weit über 90jährigen Juristen Erich Buchholz und seinen Freund, den Historiker Kurt Gossweiler in Berlin. Man denke an die unermüdliche NGOVertreterin Edith Ballantyne in Genf oder an Marie Torhorst, die „Pfarrerstochter, Pädagogin, Kommunistin“ (1) und die erste weibliche Ministerin Deutschlands. Diese Frauen waren oder sind bis ins hohe Alter politisch vorwärts weisend aktiv gewesen. Man erinnere sich auch an Clara Zetkin oder an die spanische 'Passionaria', Dolores Ibárruri Gómez, beides großartige Frauen von Weltrang, die noch hochbetagt viele Menschen inspirieren konnten.

Musik als völkerverbindendes Kulturgut: Anne-Sophie Mutter

Auch Frauen wie Annie-Sophie Mutter und ihre Virtuosi, ganz junge MusikerInnen wirken auf ihre Weise friedensstiftend. Die fantastische Geigerin ist mit ihren 53 Jahren eine großartige Inspiration, eine der wunderbarsten Musiker, die ich je gehört habe. Sie gab gestern in Berlin Bach, Vivaldi und den „modernen“ US-amerikanisch-jüdischen Komponisten Sir Andre Previn. Die national-religiöse Zuordnung steht nun leider im ansonsten dürftigen Programmheft. Mir scheint sie überflüssig. Previns Musik ist modern schräg, man kann sie lieben oder auch nicht, schwierig zu spielen ist sie alle Male. Ganz im Unterschied zu den Klassikern des Barock berührt sie mich persönlich zwar nicht, aber Publikum in der ausverkauften Philharmonie war dank der interpretatorischen Glanzleistung durchweg begeistert. Man spürte die Vibration bis hinaus auf die Straße noch beim Verlassen des Konzerthauses. Drei Zugaben erwirkte der Beifall und der Großmut der Musikerin und ihrer Virtuosi, durchaus keine zu erwartende Selbstverständlichkeit.

Inspiration und Begeisterungsfähigkeit bedarf es für eine humanere Welt

Inspiration und Begeisterungsfähigkeit sind vorwärts weisende, menschliche Eigenschaften. Sie zielen auf eine menschheitliche, humanisierende Wirkung. Ob Bach, ob Vivaldi, ob Schiller und die Jungfrau von Orleans solch klassisches Erbe sehe ich im Kontext des oben Gesagten dem Menschenfrieden zuarbeitend. Es gibt daneben aber auch die stillen Heldinnen des Alltags. Eine von ihnen sei Hanan al-Hroub, eine palästinensische Lehrerin, meint die Wochenendausgabe der in München erscheinenden Süddeutschen Zeitung vom 19. /20.März des Jahres.

Die 'beste Lehrerin der Welt' Hanan-al-Hroub

Die eher tragische Figur der palästinensischen Hanan-al-Hroub, die die Süddeutsche Zeitung im Auftrag ihrer Zahlmeister meint würdigen zu müssen, gehört nicht unbedingt zu den Persönlichkeiten, die ich für wegweisend halte. Diese Frau mag ihren Beitrag zur palästinensischen Sache leisten, aber sie ist vor allem doch ein Opfer. Ihre derzeitige Würdigung als 'beste Lehrerin der Welt' ist eine zynische Farce vor dem Hintergrund der US- und West-gestützten, menschenverachtenden Besatzungspolitik Israels, die auf Vernichtung des palästinensischen Volkes zielt und die der Journalist Gideon Levy, einst Berater von Peres, jetzt immerhin auf dem Wege des Faschismus sieht. Es ist nach gerade bösartig, wenn die 'Süddeutsche' jetzt in Anbetracht der permanenten Niederlage, die palästinensische Menschen tagtäglich zu erdulden haben, bis hin zum ungesühnten Mord an Wehrlosen, an Kindern, wenn das Blatt nun die Pädagogin Frau Hanan al-Hroub mit den Worten zitiert „Palästina hat gewonnen“ und die Preisverleihung an sie so deutet: „Wirkliche Siege sind nur auf dem Wege der Gewaltfreiheit zu erlangen“. Hiermit wird dem Opfer geraten zu kapitulieren und sich wie die Lämmer zur Schlachtbank zu begeben. Das ist eine katastrophale Haltung, die uns allen hier vom Münchener Blatte nahegelegt wird. Assoziationen an die fatale, pseudo-pazifistische Politik des Münchener Abkommens, das den Zweiten Weltkrieg eingeläutet hat, können nicht ausbleiben.

Wer dem Aggressor nicht die Stirn bietet, der trägt mit Schuld an der krebsgeschwürartigen Ausbreitung des Krieges

Nun sage man bitte nicht, Schiller verkehrt herum zitierend, das beinhalte die Zuwendung zur römisch- imperialistischen Losung „Si vis pacem para bellum“. Nein, das meine weder ich, noch meinte das der Humanist Schiller. Der Widerstandswille des tapferen palästinensischen Volkes wurde im Laufe einer über 70jährigen Kriegs- und Besatzungspolitik seitens des NATO-gestützten David immer weiter geschwächt. Übrig geblieben ist die gewaltfreie BDS-Strategie, die wir selbstverständlich mit allen Kräften zu unterstützen haben. Aber das alleine genügt nicht.

Israels Politik ist anzuprangern

Noch viel wichtiger ist es, dass die „Fistelstimmen einer noch immer vergreisten Friedensbewegung“ endlich Klartext reden. Wenn sie sich weigern, dann müssen wir, dann muss eine aufmerksame Öffentlichkeit sie dazu drängen, den Aggressor anprangern. Dieser ist nun einmal und ohne Wenn und Aber Israel und natürlich seine fragwürdigen NATO-Freunde.

Wenn dies mit aller Deutlichkeit zu betonen ist, dann um dem fortwährenden Übel Einhalt zu gebieten. Es genügt schon lange nicht, mit leiser, schuldbeladener Stimme, den Israelis das eine oder andere Zugeständnis abzuverlangen oder halbherzig zuzugeben, dass der jüdische Staat, wie er sich selber nennt, auch keine ganz reine Weste habe.

Nein, es ist hier und heute unsere Aufgabe als Friedenskräfte, die wir zu sein beanspruchen, den Palästinensern den Rücken zu stärken und kämpferisch zu fordern, dass unsere Regierung die Unterstützung Israels so lange auf allen Ebenen einzustellen hat, so lange dieses Land, dieser Staat, diese Nation, diese Regierung sich nicht an völkerrechtliche Vorschriften und Verträge hält.

Die 'Süddeutsche' müsste, ob des fragwürdigen Beitrags ihres Kommentators Peter Münch mit Leserbriefen bombardiert werden, die Klartext sprechen in Sachen menschenrechtsverachtender Besatzungspolitik Israels. Dazu müsste sich gewaltfreier Widerstand hierzulande aufraffen. Solange er das aber nicht tut, ist er feige und sein analytischer Blick getrübt, vermutlich, weil er Abhängigkeiten unterliegt.

Syrien, Russland und der Iran

Womit wir bei Syrien und Russland wären. Billiger ist es natürlich, jene Staaten und jene Politiker zu kritisieren, die im Visier des Imperiums sind, deren Fall vorprogrammiert ist. Dazu gehören aus westlicher Sicht erklärtermaßen an allererster Stelle Russland und Syrien und natürlich ihre Staatsmänner. Ähnliches gilt für ihre besten Medienmacher. So werden die hochqualifizierten Mitarbeiter von RT, viele herausragende Frauen, durchweg als „Putin-Trolle“ abgetan. Gleiches blüht allen, die sie verteidigen. Wir kannten den Mechanismus in Bezug auf den Iran unter Ahmadinejads sozialer Führung. Das Feindbild hat sich unter dem liberalen Rafsandjani kaum merklich geändert.

Natürlich werden wir nicht gehört, abgehört schon, wenn wir nicht zuerst einmal Russland, Putin, Syrien und Assad kritisieren. Solches Vorgehen entspricht der totalitären Diktatur des Imperiums der wir ausgesetzt sind. Putin und Assad-Kritik ist das Eintrittsbillet in deren Kreise, Kreise, in denen Israelkritik selbstredend unzulässig ist.

Totalitäre Gleichschaltung bei uns in NATO-LAND


Nur wenn wir ihr Lied singen, dürfen wir den Chorraum betreten. Divergente Stimmen werden als Misstöne draussen gehalten. Deine Stimme, dein Ton, deine Meinung wird dann nicht zugelassen, wenn sie vom Mainstream abweicht. Du musst vorher deine Urteilskraft über ihren laschen Gesangsverein 'relativieren', auch wenn du ihn insgesamt unter jedem Niveau findest, weil er nur Kriegshymnen einstudiert. Du musst dein Stimmorgan, der Tonhöhe der Chorherren anpassen, noch bevor du es ausbilden konntest. Dein Zensor im Kopf verhindert schon, dass du vom vorgegebenen Text abweichst. Sie können dich nur gebrauchen, solange du ihre Grundhaltung nicht ins Wanken bringst. Das geduldete Fistelstimmchen dient als nützliches, liberales Aushängeschild.
 
"Pelagea Wlasowa", unsere AKF-Webseite, der -Rundbrief und Schillers "Johanna"

Unsere mit vernehmlicher Stimme angebotenen Alternativmedien sind klein und noch relativ einflußlos. Sie verfolgen, wie viele andre Kleine, die Absicht, dem Mainstream ins Wort zu fallen, sie wollen zum Nachdenken anregen, Fragen aufwerfen, die sonst keiner stellt. Sie wollen Zweifel an der Richtigkeit des Üblichen nähren. Das ist aber nicht im Sinne imperialer Machtpolitik, mit der wir es leider zu tun haben.

Mit dissonanten Tönen eckt man überall an, man erwirbt sich nicht breite Zustimmung. Man holt sich Ärger ins Haus, wird ausgegrenzt, wird diffamiert. Solche Erfahrungen mussten aber alle Kritiker der Macht zu allen Zeiten erdulden, bestenfalls.

Schillers „Johanna“, um darauf zu rekurrieren, kann auch in diesem Fall hilfreich herangezogen werden. Jeanne d'Arc widersetzt sich den imperialen kriegerischen Absichten der Engländer. Die bringen sie mit dem Vorwurf der Hexerei zu Fall. Die historische Johanna endet auf dem Scheiterhaufen. Als heldenhafte Symbolfigur überlebt sie aber die Jahrhunderte, weil ihre Aufrichtigkeit, ihre Begeisterungsfähigkeit, ihre Tapferkeit den Eigenen zum Sieg verholfen hat. Das sprichwörtlich schwache Geschlecht wächst in der Johanna buchstäblich über sich selbst hinaus, wird kämpferisch im Angesicht eines überlegen scheinenden Feindes und siegt daher. Die Jungfrau von Orleans gewinnt mit den Waffen des Geistes. Sie symbolisiert den Widerstand, der allerdings in Anbetracht der ins Land schon eingefallenen bewaffneten Heere auch ein bewaffneter sein muss.

Gerechte Sprache ist das wichtigste Mittel des Abwehrkampfes

Der in jedem Rechtsempfinden und in jedem Völkerrecht verankerte Abwehrkampf, Verteidigungskampf, der Widerstandskampf gegen fremde, machtpolitisch oktroyierte Besatzung, gegen aggressive Eroberung, gegen Raubzüge ist völkerrechtlich geschützt, ist gerechtfertigt, ist kein Krieg! Wer sich gegen einen Aggressor wehrt, führt keinen Krieg im Sinne eines Eroberungsfeldzugs. Das Opfer ist nicht der Henker. In Syrien findet kein Bürgerkrieg statt, sondern ein Abwehrkampf gegen fremde Eindringlinge, gegen Söldnerheere, die vor allem von den Saudis und den Türken im Bunde mit den US-Amerikanern und Israelis ausgestattet werden.

Gewaltfreier Widerstand muss demnach zu allererst auf eine gerechte Politik, muss auf Diplomatie anstelle von Gewalt zielen, aber auch auf Interessenausgleich. Gewaltfreier Widerstand hat zur notwendigen Voraussetzung eine wirklichkeitsgetreue Lagebeurteilung. Meist sind es die Opfer von Gewaltpolitik, die dazu eher in der Lage sind. Syrer, Iraner, Russen, setzen daher Opfer einer äußerst aggressiven, imperialen Machtstrategie von Anfang an auf Interessenausgleich, auf Diplomatie. Sie haben ja auch keine andere Wahl, solange die Überlegenheit der Waffen den anderen die Macht sichert. Weil sie einen Weg aus der Falle suchen, müssen sie, nolens volens, ebenso wie die Chinesen und andere bedrohte Völker auch auf der waffentechnischen Seite dem Gegner Pari bieten können.

Die Sprachwahl ist nun für jeglichen diplomatischen Umgang und für die Überzeugungskraft der eigenen Sache erheblich. Wir alle können und müssen uns, wenn wir dem Frieden dienen und dem Krieg, dem Inbegriff der Gewaltherrschaft, Paroli bieten wollen, wir müssen uns einer sehr präzisen, historisch akkuraten Sprache bedienen. Das setzt fundierte Kenntnisse auf allen Ebenen voraus. Die Machtpolitiker bedienen sich jedes Mittels, jeder verfügbaren Raffinesse zum Erhalt und Ausbau ihrer Position. Sie bezahlen Leute dafür, die nicht nur Schwerter führen, sondern auch sich der Sprache, der Kunst, der Religion bedienen können. Dem müssen wir Paroli bieten. Auf ihre Schliche dürfen wir nicht hereinfallen. Die Religion etwa, ist nicht das Übel, das zu bekämpfen wäre, genauso wenig wie Kunst, Sprache, Philosophie per se schlecht sein können, aber man kann sie missbrauchen.

Bedeutung der Sprache und der Religion

Die Religion, die allen Völkern eignet (2), beinhaltet zuerst einmal das Fundament der Ethik, der Moral des Menschseins. Re-ligio heißt ursprünglich Rückbindung und meint Einbindung des Menschen in das Universum. Mensch sein ist mehr als Vieh sein oder als das Dasein einer schöne Blume mit raschem Verfallsdatum. Dass Religionen machtpolitisch auch zu verfälschen sind, ist bekannt.

Der Mensch, so will es aber nicht nur der große Shakespeare in seinem Hamlet-Drama, ist von quasi göttlicher Begabung. So will es etwa auch der Koran. Um im vollem Umfang des Möglichen Mensch zu sein bedarf es natürlich der höheren Bildung, der Willensschulung, der Rückbesinnung auf die Natur. Was der Mensch durch künstliche Barrieren trennt, kann seine Religion, kann die Philosophie, die Liebe zur Weisheit, kann die Kunst, die Musik wieder zusammenführen.

Dem nationalen, dem staatlichen Interesse zu dienen, ist per se also ebenso wenig schlecht, wie es schlecht ist, sich einer Religion oder einer bestimmten Welt- oder Werte-Anschauung zu verpflichten, im Gegenteil. Aber alles und jedes ist eben missbräuchlich, weil dialektischer Natur. Es gilt immer die vorantreibende, vorwärts weisende, vermenschlichende Seite der Erscheinung hervorzukehren, nicht die zerstörerische. Die Ansprache des Menschen durch religiöse Rituale, durch Rückbindung in eine Gemeindeordnung, durch den Verweis auf die Transzendenz kann also genauso gut wie schlecht sein. Es kommt auf den Karren und seinen Inhalt an, vor den man sich spannen lässt.

Von der dialektischen Natur aller Dinge

Weder ist also die Religion grundsätzlich abzulehnen, weil sie immer wieder vor den Karren der Macht gespannt wurde, noch ist der Staat zu verdammen als Gebilde das grundsätzlich auf Gewalt beruhe, noch sind alle Waffen zu verteufeln, weil sich Mächtigen ihrer als Repressionswerkzeuge bedienen. 'Waffen' können viele Dinge sein, auch das Argument ist eine. Waffen können von überlebenswichtiger Bedeutung sein. Waffenlosigkeit kann einem Todesurteil gleichkommen.

Privater Profit aus Waffenschmieden tötet

Genauso besteht in der Tat ein erheblicher Unterschied zwischen der katastrophalen Tatsache der astronomischen, privaten Profitrate, die ein knappes Prozent der Menschheit aus dem militärisch-industriellen Komplex der NATO-Staaten zu ziehen vermag und dem staatlich organisierten Rüstungssektor etwa in China oder Russland. Man sieht es doch an den ungleichen Folgen für die Welt. An ihren Früchten erkennt ihr den Wert ihres Tuns.

Die NATO Staaten, der traditionell westlich-europäische Teil der Welt hat seit dem 15. Jahrhundert die Welt kolonisiert, sprich, die Menschen des Südens mittels überlegener Waffen massakriert und untertan gemacht. Die Chinesen und die Russen waren immer wieder Opfer von solcher Gewalt. Sie wurden von Angriffskriegen heimgesucht, haben selbst aber keine Angriffskriege geführt.

Die Russen nicht, seit der Sowjetzeit. Afghanistan war völkerrechtlich kein Angriffskrieg, wenngleich eine falsche Entscheidung, fußend auf falscher Politik seitens Chruschtschow, Breschnew und Kompanie, die bereits westgesteuert waren und die die Sowjets nicht nur dort in einen Sumpf zogen.

China hat seit Jahrhunderten keine Angriffskriege geführt, das Scharmützel mit Vietnam ausgenommen, wobei das kurze 'Abenteuer' näher beleuchtet werden müsste, um zu einem abschließenden Urteil zu kommen.

Vom Wert bloßer Waffenbeschreibungen

Die Waffenbeschreibungen zu lesen, ist alleine nicht aufschlussreich. Die Frage ist, wer unter welchem Druck, zu welchem Behufe und basierend auf welchem politischen Plan die Waffen herstellt und vertreibt. Die Frage "warum es Russland wohl anders machen sollte als die USA, als Deutschland und die anderen 'Industrienationen'" - ich würde um der Präzision willen sagen NATO-länder - diese Frage ist unanständig und beantwortet sich vor dem Hintergrund der Geschichte von selbst. Wer baut schon wieder eine Angriffsfront in Osteuropa vor der Haustüre Russlands auf und im Chinesischen Meer vor Chinas Pforten? Wer hat 1945 zweimal die Atombombe eingesetzt? Wer hat seither noch jeden Krieg vom Zaum gebrochen? Wer trägt die Verantwortung für zwei Weltkriege mit Millionen Toten? Natürlich sind auch die Informationsquellen kritisch zu hinterfragen, denn selbst das angeblich neutrale und zuverlässige SIPRI in Stockholm ist es natürlich keineswegs, sondern begünstigt den Westen. Bombe ist durchaus nicht gleich Bombe, es kommt darauf an, wer den Daumen drauf hat. Und Wolf Biermann hat unrecht, wenn er singt „Soldaten sind sich alle gleich, lebendig und als Leich“ - das ist Defäitismus. Einem solchen Bänkelsänger wären die Klassiker in der Tat vorausschauend abhold.

Patriarchats-Kritik oder Rolle der Frau in Politik und Friedenskampf

Weder Goethe noch Schiller wollten die Frau vom öffentlichen Leben ausschließen. Schillers und auch Goethes Werke zielen auf menschheitliche Emanzipation, deswegen gehören sie ja der ganzen Welt. In Schillers Gedicht von der Würde der Frauen (3) kommen die Männer gar nicht gut weg. Das Gedicht ist dialektisch aufgebaut und muss im Kontext von Schillers Gesamtwerk gewürdigt werden. Die „Johanna“ ist ein großes, wichtiges Schiller-Werk.

Die Gebär'funktion' der Frau ist natürlich weit über den 'Akt' des bloßen Lebenschenkens hinaus von maßgeblicher Bedeutung. Diese Bedeutung zu minimieren ist zwar post-modern, aber dennoch reaktionär, frauen- und menschheitsfeindlich.

All dies gesagt habend, bin ich dennoch der tiefen Überzeugung, dass gerade wir Friedenskräfte durchaus zusammenkommen können und durchaus auch über den Klassiker Schiller, den es nur adäquat, sinngemäß, ganzheitlich und vor seinem historischen Kontext zu begreifen gilt. Die postmoderne Wissenschaft ist dem gegenüber keine, die diesen Namen verdiente und über sie ist vielleicht wirklich nicht zusammenzukommen.


Fußnoten:

1 Dietzverlag, Berlin 1986
2 Siehe hierzu Hans Küng
3 Ehret die Frauen! Sie flechten und weben Himmlische Rosen ins irdische Leben/Flechten der Liebe beglückendes Band/Und in der Grazie züchtigem Schleier/Nähren sie wachsam das ewige Feuer/Schöner Gefühle mit heiliger Hand.


Erstveröffentlichung in Eirenae's blog am 5.4.2016 mit dem Titel "Kulturgut achten, dem Krebsgeschwür von Krieg und Terror Einhalt gebieten - Fistellaute der 'Friedensbewegung' mit Klassikerhilfe kämpferisch übertönen - ein Vorschlag von Irene Eckert"

Online-Flyer Nr. 557  vom 13.04.2016

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