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Aktueller Online-Flyer vom 17. Dezember 2017  

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Globales
Syrien-Krieg und mediales Hochkochen antirussischer Propaganda
Brimborium gegen Moskau, wahre Probleme unter'n Teppich
Von Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Britische Ermittler halten es für "wahrscheinlich", dass der russische Präsident die Ermordung seines Widersachers Alexander Litwinenko im Londoner Exil gebilligt hat. Der Mord ist für die Londoner Regierung ein Skandal. Giftanschläge hat es allerdings im Umfeld der britischen Politik immer wieder gegeben. Die Geschichte belegt sie wiederholt seit dem Mord an Napoleon auf der Insel Santa Elena, wo er von den Briten gefangen war. Der SZ-Journalist Julian Hans beginnt seinen Kommentar zum Fall Litwinenko mit einer richtigen Überlegung: "Die Befehlsketten im Kreml und in dem Sitz des (russischen) Geheimdienstes FSB sind auch für die britische Justiz nicht einsehbar." Aber er folgt seinem Gedanken nicht logisch konsequent, sondern verfällt widersprüchlich dem propagandistischen Ziel, den strafrechtlichen Fall zu politisieren, um den russischen Präsidenten Wladimir Putin mit unhaltbaren Unterstellungen zu belasten. Das britische Manöver ist grob offensichtlich. Strafrechtlich hat der Untersuchungsbericht keine Folgen. Trotzdem nannte die britische Innenministerin seine Ergebnisse kurz nach der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts in einer Rede im Parlament als "zutiefst verstörend". Verstörend für wen?


Meldung von der website des russischen Medienprojekts Sputnik (de.sputniknews.com)

Auffällig, weil unerwähnt: Litwinenkos Mitarbeit für den britischen Geheimdienst

Das Opfer arbeitete für den britischen Geheimdienst MI6, eine Tatsache, die Julian Hans entweder nicht kennt oder verschweigen musste. Es fällt auf, dass diese Tatsache auch in anderen deutschen Medien unerwähnt bleibt. Warum ziehen deutsche Redakteure keine russischen Presseagenturen als Quellen heran, wo in diesem Fall Dinge berichtet werden, die was woanders nicht erscheinen? Gerade eine Quelle wie Reuters, bei der ein gewisser Einfluss britischer Regierungsstellen zu vermuten ist, sollte man als Journalist mit Vorsicht behandeln. Wahrscheinlich ist bei Reuters nichts über die Arbeit des Opfers für einen britischen und eventuell einen anderen europäischen Dienst zu lesen (jedenfalls nicht hier: de.reuters.com), jedoch bei der russischen Agentur Itar-Tass und bei RT. (tass.ru; deutsch.rt.com)

Londoner Regierung bekannt für Fälschungen erster Klasse

Aus einer ungeprüften Einschätzung eines Richters, die er als "wahrscheinlich" bezeichnet, die aber nicht belegt ist, wird der Fall sofort von höchster Stelle politisiert, nämlich vom britischen Premierminister David Cameron selbst: Nun sei klar, dass der entsetzliche Mord eine von einem Staat unterstützte Tat war (21.1.). Die Londoner Regierung ist bekannt für Fälschungen erster Klasse. Man erinnere sich nur an das falsche Dossier, das der Premier Anthony Blair konstruieren ließ und dann höchst persönlich der Regierung Bush überbrachte, damit es der damalige US-Außenminister Colin Powell dem Sicherheitsrat im Februar 2003 vorlegte als "Beweis" für Massenvernichtungswaffen des Irak, die es gar nicht gab. Aber das Ziel jener britischen Fälschung wurde erreicht, nämlich einen Grund für den US-britischen Krieg gegen Bagdad zu liefern. Der bestialische Krieg gegen den Irak konnte beginnen.

Wohl nicht viel anders geht es im alten England zu, wenn es darum geht, Russland zu schaden. Da ist der Fall Litwinenko nur ein kleines Rädchen in der intriganten Publicity-Maschinerie der Angelsachsen. Der angebliche Abschiedsbrief des Opfers Litwinenko, der den russischen Präsidenten beschuldigen soll, ist aller Wahrscheinlichkeit nach auch eine miese britische Fälschung.
 
Britische Seite mit stärkeren Motiven für Töten von Litwinenko als Kremlin

Der Bruder des Toten, Maxim Litwinenko, ist überzeugt davon, dass die britische Seite viel stärkere Motive hatte, seinen Bruder zu töten als der Kremlin. "...It's all a set-up to put pressure on the Russian government, ... such reasoning is the only explanation as to why the inquiry was launched 10 years after his brother's death.” (rt.com) Britische Behörden haben bezeichnenderweise über den Fall mit russischen Untersuchungsstellen nicht zusammengearbeitet.


Ein Buch über den Mord an Litwinenko und seine angeblichen Hintergründe mit dem Tenor „Niemand entkommt dem russischen Geheimdienst“ erscheint gleichzeitig in 18 Ländern

Massives Lancieren falscher Vermutungen gegen die russische Führung

Auffällig ist der Versuch des Journalisten Julian Hans, ebenso den unvollständigen Bericht der niederländischen Untersuchungskommission zum Abschuss von Flug MH17 über der Ukraine im Juli 2014 wiederzubeleben. Ein Bericht, der eigentlich nichts Aufklärendes bringt. Dennoch holt er ihn zusammen mit der Litwinenko-Story aus dem Schatten der Vergangenheit, um massiv falsche Vermutungen gegen die russische Führung zu lancieren, ein perfides Manöver.

Syrien-Krieg beenden ganz oben auf internationaler Tagesordnung

Was steckt hinter dem britischen PR-Manöver, das nach angelsächsischer Verzweiflung aussieht? Es handelt sich um ein derartig altes Phänomen, das sich nur angemessen begreifen lässt, wenn man es aus internationaler Perspektive betrachtet. Auf der internationalen Tagesordnung, ganz oben, steht die Aufgabe, den Krieg in Syrien zu beenden. Das bedeutet, alle Sorten von Terroristen, IS-Anhänger und ähnliche Kriminelle sind außer Gefecht zu setzen und, falls möglich, festzunehmen.
 
Treffen von Kerry und Lawrow in Zürich: US-Regierung als Haupt-Terror-Pate

Neulich hat sich in Zürich der US-Außenminister John Kerry mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow getroffen (20.Januar), gerade um diesen heiklen Punkt klarzustellen. Es ist bekannt, dass die USA zusammen mit Saudi Arabien, Katar und der Türkei kriminelle Extremisten bezahlen und bewaffnen, um das Morden und Zerstören in Syrien weiter zu betreiben. Moskau an der Seite der syrischen Armee, des Irak und Iran bekämpft diese Vandalen, die in Friedensgesprächen selbstverständlich keinen Platz haben. Dass die US-Regierung als Haupt-Terror-Pate dasteht, will man medial verschweigen, vertuschen. Deswegen sprach man von Dissens zwischen beiden Außenministern, ohne zu klären, worin dieser Dissens besteht. (ZDF-Heute und ARD-Tagesschau am 20.1.16)

Stories zu Litwinenko-Mord und Flugzeugabsturz nach Mafia-Leitsatz zur Skandalvertuschung

Ein Leitsatz der Mafia ist: Um einen Skandal zu vertuschen, braucht man einen noch größeren Skandal. Wem nutzt es, dass der entsetzliche Mord in London vor zehn Jahren (2006) und das tragische Unglück eines Passagierflugzeuges im Jahr 2014 jetzt medial politisch gegen Russland derart in der Öffentlichkeit verbreitet wird, dass die wahren gegenwärtigen internationalen Katastrophen und Probleme unter den Teppich gekehrt bleiben, nämlich der US-Krieg in Syrien durch die US-Intervention an der Seite des IS-Terrors, der US-Boykott einer weiteren Friedenskonferenz zu Syrien, die US-Drohnen-Morde, die mörderische illegale Besatzung Palästinas durch Israel, die Komplizenschaft Großbritanniens mit Saudi-Arabien für die mörderischen Angriffe und Kriegsverbrechen in Jemen, die totale US-Überwachungsspionage gegen Deutschland, die verblüffende Infiltration und Manipulation der deutschen Medien und die Auswirkungen dieser Fakten auf das transatlantische Verhältnis. All diese brisanten aktuellen internationalen Abnormitäten lassen die Medien, Süddeutsche Zeitung an erster Stelle, beiseite, und zwar wegen eines Londoner strafrechtlichen Falls von 2006 und des Unglücks eines Linienfluges im Juli 2014, der niemals hätte über ein Kriegsgebiet erfolgen dürfen.

Von wem bekommt der Chef des außenpolitischen Ressorts seine Anweisungen, wovon und wie lässt er sich derartig plump im Interesse der USA beeinflussen? Ähnlich aktuell klingt heute die Frage, von wem Julian Hans seine Anweisungen bekommt, derartig plump gegen Russland zu schreiben aufgrund einer Story des MI6.

Mit welchem Zweck schaltete sich damals Obama ein? Die US-Regierung Obamas steht hinter dem Krieg in der Ukraine. Sie finanzierte die Maidan-Proteste, betrieb den Putsch im Februar 2014 und verhalf dann Faschisten an die Macht und unterstützt sie. Die US-amerikanische Aggression gegen die Ukraine ist andauernd verheerend aktiv. In der Tat wäre die Flugpassagier-Tragödie nicht geschehen, wenn es auf dem Boden der Ukraine Frieden gegeben hätte, wenn der erreichte Waffenstillstand von Anfang Juli 2014 verlängert worden wäre. Nicht nur der Präsident der Russischen Föderation sieht diese Selbstverständlichkeit ein. Warum regt man sich so sehr bei der SZ- Redaktion darüber auf?

Jetzt geht es darum, die Sanktionen gegen Russland aufzuheben

Dass die USA gegen Russland agieren und agitieren ist ein offenes Geheimnis. Große Sorge schafft für die US-Weltmacht, dass Deutschland und Kontinental-Europa die krankhafte US-Feindschaft gegen Russland nicht teilen. Medial hochgekocht wird jetzt die Polonium-Story, weil interessierte Kreise in den USA und in der EU nicht wollen, dass die Sanktionen gegen Russland aufgehoben werden, wie viele EU-Regierungen, darunter Italien und Spanien, es bevorzugen. Der ehemalige US-Botschafter in Berlin, John Kornblum, sagte ganz offen, die USA wünschten sich die Empörung Deutschlands gegen Russland (ZDF-Sendung "Maybrit-Illner" am 17.7.14). Die Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ sich aber nicht dazu verleiten, in diese US-Falle zu tappen. Das Brimborium gegen Moskau ist größtenteils nur medial, aber kurz vor der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar läuft es auf Hochtouren, vor allem weil sich die US-NATO in schlechter Verfassung befindet, völlig diskreditiert und unerwünscht.

Im deutschen Interesse?

Der Journalist Julian Hans hat wiederholt seine Voreingenommenheit hinsichtlich Russland manifestiert. Das vorletzte Mal, als er sich gegen die scharfe nüchterne diplomatische Anklage des russischen Außenminister gegen das US-Establishment und hiesigen Anhang sperrte und die Furcht des Westens diesbezüglich in einem langen tendenziösen Artikel gegen den russischen Außenminister reflektierte (SZ 2.1.16). Die russische Führung hat schon vor allen Augen der Welt den Vertretern der sogenannten westlichen Wertegemeinschaft die Maske vom Gesicht gerissen. Schreibt Hans im Auftrag der Regierungen der USA und Großbritanniens? Immerhin nimmt er in seine Artikel US-inspirierte Propaganda auf und verdreht Fakten, wie sie am besten der angelsächsischen Interessenlage zugute kommen.

In der SZ und in ARD-Fernsehsendungen wie Tagesschau (NDR) und Sondersendungen (WDR) ist die US-Infiltration am deutlichsten erkennbar. Unschuldige Tote werden politisch instrumentalisiert. Wie soll das im deutschen Interesse sein? (Dazu sehr aufschlussreich: rt.com)

Vorsatz der Rüstungslobby: EU in Abschreckungsmacht verwandeln

Hinter allen gravierenden Irrungen und Wirrungen, hinter dem Zynismus am Werk und Verdrehung der Wirklichkeit steckt der Vorsatz der Rüstungslobby und radikalen Ultras, die EU in eine Abschreckungsmacht verwandeln zu wollen: Für wen ist die Wichtigtuerei aus den USA unentbehrlich? Deutschland will aber nicht in die verhängnisvollen US-Interventionsfußstapfen treten. Vor allem nicht einer Anti-IS-Mission folgen, die von einer US-Regierung geführt wird, die nicht einmal wissen will, wer Terroristen sind und wer nicht (Gespräch von Kerry und Lawrow in Zürich, ZDF-Heute und ARD-Tagesschau am 20.1.). Deswegen stört in der deutschen Regierung die Bitte der USA, Awacs-Flugzeuge zur Verfügung zu stellen, um den IS zu bekämpfen. Wenn die US-Regierung nicht weiß, welche Terroristen sie zu bekämpfen hat, wäre es ein extremer Unfug, sich an einer US-amerikanischen Anti-IS-Mission zu beteiligen.

IS nicht weiter finanzieren und bewaffnen, auf Wall Street und die Londoner City einwirken

Die Bundesregierung sieht ihre Pflicht schon erfüllt, indem sie bereits deutsche Aufklärungsflugzeuge gesendet hat. Deutschland ist nicht Kombattant, Angriffe sind ausgeschlossen. Den IS bekämpft man am wirksamsten, indem man ihn nicht weiter finanziert und bewaffnet. Die US-Regierung und die Londoner-Regierung sind damit in der Pflicht, auf Saudi-Arabien, Qatar, die Türkei, auf Wall Street und die Londoner City einzuwirken, damit die Finanzierung und militärische Ausstattung des IS-Terrors endlich aufhört.

Stunde der NATO-Auflösung nähert sich

In einem aggressiv-expandierenden politisch-militärischen Block zu sein, im NATO-Terror-Bündnis mit den USA, ist zum Verhängnis geworden. Alle Krisen, die die Welt weiterhin schmerzlich erlebt, gehen auf die unzulässigen Einmischungen und Aggressionen dieses unheilvollen Blocks zurück. Zurecht verliert deshalb die NATO an Bedeutung, um Konflikte zu lösen, aber die Stunde ihrer Auflösung nähert sich.


Luz María de Stéfano Zuloaga de Lenkait ist chilenische Rechtsanwältin und Diplomatin (a.D.). Sie war jüngstes Mitglied im Außenministerium und wurde unter der Militärdiktatur aus dem Auswärtigen Dienst entlassen. In Deutschland hat sie sich öffentlich engagiert für den friedlichen Übergang der chilenischen Militärdiktatur zum freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat, u.a. mit Erstellen von Gutachten für Mitglieder des Deutschen Bundestages und Pressearbeit, die Einheit beider deutschen Staaten als ein Akt der Souveränität in Selbstbestimmung der beiden UN-Mitglieder frei von fremden Truppen und Militärbündnissen, einen respektvollen rechtmäßigen Umgang mit dem vormaligen Staatsoberhaupt der Deutschen Demokratischen Republik Erich Honecker im vereinten Deutschland, für die deutsche Friedensbewegung, für bessere Kenntnis des Völkerrechts und seine Einhaltung, vor allem bei Politikern, ihren Mitarbeitern und in Redaktionen. Publikationen von ihr sind in chilenischen Tageszeitungen erschienen (El Mercurio, La Epoca), im südamerikanischen Magazin “Perfiles Liberales”, und im Internet, u.a. bei Attac, Portal Amerika 21, Palästina-Portal. Einige ihrer Gutachten (so zum Irak-Krieg 1991) befinden sich in der Bibliothek des Deutschen Bundestages.



Online-Flyer Nr. 546  vom 27.01.2016

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