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Aktueller Online-Flyer vom 19. Oktober 2017  

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Kommentar
Kommentar vom "Hochblauen"
Das Leid mit der Leitkultur
Von Evelyn Hecht-Galinski

Während  das brutale jüdische Besatzungsregime gegen verzweifelte, sich wehrende Palästinenser vorgeht und diese ohne Rücksicht liquidiert, während die "Jüdische Verteidigungsarmee" Luftangriffe gegen das Konzentrationslager Gaza fliegt und dabei eine unschuldige palästinensische schwangere Frau und ihr Kind ermordet, während sich also die ethnische Säuberung Palästinas rasant zu ihrem Endziel des "Groß-Israel" nähert. Alles im Bewusstsein der Krisen die den Palästinakonflikt verdrängen. Selten sah es so düster und hoffnungslos für das palästinensische Volk aus.

Opfer eines der Luftangriffe auf Gaza
NRhZ-Archiv
 

In den Medien wird Israel/Palästina in Sekunden schnell abgehakt, nur etwas ausgiebiger, wenn jüdische Opfer zu beklagen sind. Bei palästinensischen Ermordeten wird schnell zur Tagesordnung übergegangen, bzw. überhaupt nichts berichtet, dass ist die deutsche Nachrichtenkultur!
Wie schrieb die jüdisch-israelische Haaretz Journalistin Amira Hass: "In Israel kämpfen die Palästinenser ums Überleben, während die Israelis für die Besatzung kämpfen".
Just da verlangt der Zentralrat der Juden Solidarität mit Israel. Eine kaum zu überbietende kaltschnäuzige Chuzpe, die sich auch schon während des brutalen Gaza-Völkermords der "Jüdischen Verteidigungsarmee" im letzten Sommer zeigte. Damals wie heute wurde ein "Bild-Politiker-Spektakel" veranstaltet, um die Solidarität mit jüdischen Kriegsverbrechen zu beweisen. Alle, die dagegen protestierten, wurden zu Antisemiten erklärt.

Dabei ist die Zeit überfällig, dass sich ganz im Gegenteil alle jüdischen Bürger distanzieren von den Schandtaten dieses "Jüdischen Besatzerstaats". Wer nimmt sonst einem jüdischen Bürger noch ab, dass er sich auf den demokratischen Werten des Grundgesetzes bewegt?
Einem Staat, dessen Führung ungeniert zur Liquidierung von Palästinensern aufruft, dessen Führung es ablehnt, bekannte jüdische Extremisten und Mörder vor Gericht anzuklagen, während palästinensische Steine werfende Kinder zum Abschuss freigegeben werden. Wenn die jüdische Staatsmacht palästinensische Häuser zerstört, kollektive Bestrafung wie Razzien gegen ganze Dörfer sowie Sippenhaft durchführt, um nur einige der Verbrechen des jüdischen Besatzer Regimes aufzuführen, die dieses täglich vollzieht. Einem Staat in dem ein rechtsradikaler Mob schreiend durch die Straßen von Jerusalem zieht, mit dem Slogan "Tod den Arabern", das ist die rechtsradikale zionistische Saat, die aufgeht, die gesät wurde seit Staatsgründung von Politikern im "Jüdischen Staat".

Es ist eine Schande, wenn sich jüdische Bürger weiter mit jüdischen Völker- und Menschenrechtsverbrechen solidarisieren, angeführt von einer Kanzlerin, die, wenn es um Israel geht, nicht neutral sein will.

Eine Kanzlerin oder deutsche Politiker, die bei diesen Verbrechen an der Seite des "Jüdischen Staates" bleiben, auch wenn sie von Nachkommen von Holocaustüberlebenden verübt werden, haben die Verantwortung nicht verstanden, die gerade aus dieser furchtbaren Vergangenheit erwächst.

Da lege ich Ihnen, Frau Merkel und Kollegen immer wieder den Leitspruch meines Vaters vor: "Ich habe Auschwitz nicht überlebt um zu neuem Unrecht zu schweigen".

Sie, Frau Merkel haben einmal den Heinz Galinski-Preis bekommen, mit dem ich allerdings nichts zu tun habe. Sie sollten sich besonders an diesen Spruch erinnern, wenn Sie wieder einmal Ihrer un-neutralen Israel-Liebe freien Lauf lassen. Solidarität mit einem "Jüdischen Staat", der sich zwar als "einzige Demokratie" im Nahen Osten bezeichnet, aber in Wirklichkeit der einzige "jüdische Apartheidstaat" in der Welt ist. Denn nochmals zur Erinnerung: Demokratie und "Jüdischer Staat" schließen sich aus!

 


Erinnerung an den Heinz Galinski-Preis
 NRhZ-Archiv

 

Diese Einleitung führt auf direktem Weg zur deutschen Leitkultur, die mir viel Leid bereitet. Kann es sein, dass gerade die vielen Leit-Kommentatoren und Leit-Politiker diese Leitkultur immer ausklammern, wenn es sich um den "Jüdischen Staat" handelt?
Wir sind an einem Punkt angekommen, der die totale Zustimmung befiehlt: wer da ausschert, ist schnell draußen. Was draußen heißt? Es bedeutet, wer nicht zustimmt, wer sich gegen die verordnete Einheitsmeinung stellt, der wird gebrandmarkt. Diese Brandmarkung, die bis dato eigentlich nur die sogenannte Israel-Kritik betraf, ist inzwischen auch auf andere politische Felder übergeschwappt. Nach dem Motto, was einmal erfolgreich war, kann ja nicht verkehrt sein.

So wie man Israel-Kritiker als Antisemiten verunglimpft, so geht es momentan auch den Menschen, die sich gegen das Putin- und Russland-Bashing stellen, Griechenland-Krisenhilfe oder die Flüchtlingswelle hinterfragen. 

Fragen stellen ist unerwünscht im "Mama Merkel-Land" der christlichen Werte.

Unsere Medien-Republik ist inzwischen zu einer medialen Staatsrepublik verkommen. Denn wie könnte es sonst sein, dass sich die Repräsentanten der Staatsmacht so ungeniert in öffentlich-rechtlichen Medien und auch über Mainstream-Medien populistisch an die Untertanen wenden, um uns, den Bürgern ihre Machtpolitik zu verkaufen? Als Merkel zur besten Sendezeit bei der "Will-ligen" saß und wie "Frau Luther" ihre Thesen vorbrachte, im unzerbrüchlichen Gottvertrauen "wir schaffen das", da waren wir alle geschafft.

Natürlich kann Frau Merkel Nächstenliebe zeigen, als Mensch, aber als Individuum, nicht als Kanzlerin, die einem Staat Nächstenliebe befiehlt. Hat sich Frau Merkel inzwischen "ihr" Deutschland so zum Eigentum gemacht, dass sie wirklich meint, sie kann Nächstenliebe von oben befehlen? Sie kann politische Entscheidungen fällen, gewiss, aber sie kann nicht aus einer christlichen Laune heraus Deutschland zu einem liebenden Staat machen. Die Bürger, die Menschen können selbstverständlich helfen und handeln, wie sie es für richtig halten, aber ein Politiker, eine Kanzlerin muss sich frei von religiösen Motiven und Gefühlen allein auf die Notwendigkeit für Staat und Bürger beziehen, alles andere gehört auf die Kanzel, aber nicht ins Kanzleramt.

Da kommt für mich nun das Problem zum tragen, nämlich die nicht strikte Trennung von Staat und Kirche, so wie es in Frankreich Gesetz ist. Bei uns besteht diese nur auf dem Papier, das zeigen Kreuze in öffentlichen Gebäuden wie Schulen und Gerichten, ebenso wie Gottesdienste vor offiziellen Veranstaltungen des Staates.

Sollte nicht vielmehr die deutsche Leitkultur dahin leiten und bedeuten, dass alle deutschen Staatsbürger vom Staat geleitet werden, egal welcher Religion oder Weltanschauung sie angehören? Erst wenn dieser ideale Staatszustand erreicht ist, dann lasse ich mich auch gerne von dieser Kultur leiten.

Besonders schlimm wurde es, als Merkel auch noch auf neckisch machte, dass heißt die kindlich naive Tour fuhr, die so wenig zu ihr passt. "Kohls Mädchen", die mächtigste Frau der Welt, deren Ausstrahlung so fade ist, die es aber trotzdem geschafft hat, alle Götter neben sich abzuräumen, um die eigene Macht zu festigen.

Denn Frau Merkel, kann man Ihnen Ihr Eintreten für Flüchtlinge abnehmen, wenn Sie von der unantastbaren Würde des Menschen sprechen, Ihren Amtseid auf das Grundgesetz gesprochen haben, aber die Würde der Palästinenser vergessen?

Was wird sein, wenn hunderttausende Palästinenser nach Deutschland flüchten, endgültig vertrieben von einem jüdischen Besatzer-Regime? Wie werden Sie dann reagieren Frau Merkel? Wie werden Sie die Zustände in Palästina dann anpacken und ändern? 

Frau Merkel, auch als Christliche Zionistin sollten sie niemals unsere Verantwortung gegenüber dem palästinensischen Volk vergessen, den Vertriebenen der Nakba 1948, denen bis heute ihr legales Rückkehrrecht in ihre Heimat Palästina durch die zionistischen Besatzer verweigert wird, auch das eine Folge des Holocaust. 


Merkel zu Besuch bei Ministerpräsident Netanjahu 
NRhZ-Archiv

Darum sollten sie die Freunde im "Jüdischen Staat" zu stoppen, anstatt sie in christlichem Eifer zu unterstützen. Zum Schluss werden alle Muslime und Christen auf der Strecke bleiben im "Scheinheiligen Land". Dann stehen Sie da und bleiben allein mit ihrem Gottvertrauen und ihrer Zuversicht, die Ihnen dann auch nicht mehr helfen kann.

Ebenso Kritik würdig ist es, wenn ich in Medien lese, dass  insbesondere Syrer ein "antisemitisches Potential" mitbringen, mit ihrem Hass auf Israel, da ihnen in den Schulen beigebracht wurde, dass Israel der Feind ist. Ja ist das nicht mehr als verständlich? Ein jüdischer Besatzerstaat", der bis heute den zu Syrien gehörenden Golan besetzt, ständig den syrischen Luftraum verletzte und sich ungestraft in syrische Angelegenheiten einmischt. Ist es nicht allzu verständlich, dass sich im Palästina-Konflikt syrische Flüchtlinge natürlich auf die Seite der verfolgten und besetzten Palästinenser schlagen? Im Gegenteil, sollte es nicht so sein, dann wäre es bedenklich. Es ist doch nicht antisemitisch, für die Palästinenser Partei zu ergreifen! 


Josef Schuster, Zentralratspräsident
NRhZ- Archiv
Es ist unerträglich, wenn der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Schuster, ständig vor muslimischem Antisemitismus durch die Flüchtlinge warnt, eine Warnung, die jeder Wahrheit entbehrt, im Gegenteil wissentlich falsch ist. Hier werden Vorurteile gegen Muslime geschürt, die ebenso wie viele Kommentatoren ein Klima der anti-muslimischen Stimmung schüren, ganz im Sinne einer christlich-jüdischen Leid/t/Kultur. Fast jeder Artikel oder Kommentar fragt zuerst nach Israel!

 

Ich kann jedenfalls keinerlei Sympathie, oder Ähnlichkeit empfinden, wenn ich den "Jüdischen Besatzerstaat" mit der BRD vergleiche. Haben wir diese schlimmen Dinge nicht erfolgreich hinter uns gelassen, die wir heute im "Jüdischen Staat" erleben müssen? Wie also kann sich eine deutsche Kanzlerin, die sich doch so auf ihre christlichen Werte beruft, einen "Jüdischen Staat" unterstützen, der ein Volk völkerrechtswidrig enteignet hat und besetzt, diese Besatzung nur durch brutale Gewalt aufrecht erhält? Allerdings kann dieser Staat diese Gewalt nur mit unserer und internationaler Hilfe so aufrechterhalten. 

Warum Frau Merkel zeigen Sie sich so ohne Empathie, wenn es um palästinensische Belange geht? Warum werden palästinensische Opfer immer zweitrangig gesehen, während jüdische Opfer es immer in die Schlagzeilen schaffen? Können Sie es eigentlich wirklich mit Ihren angeblich christlichen Motiven vereinbaren, wenn christliche Bürger und Einrichtungen im "Jüdischen Staat" genauso verfolgt werden wie ihre muslimischen Nachbarn? Habe ich jemals ein Wort von Ihnen dazu gehört, in einer Regierungserklärung, einer Videobotschaft oder einer Talkshow? Was treibt die Leitkultur-Verfechter, die sich so einsetzen für unsere deutschen Werte, eigentlich um, wenn sie so verlogen von diesen sprechen, jedoch die Augen verschließen vor den Zuständen in Palästina?

Ich habe genug von dieser verlogenen und von oben verordneten Leitkultur der Staatlichen Beschwichtigung, des Schönredens von Tatsachen, die nicht schön sind. Man hat das Gefühl, dass schon die bloße Androhung von einer Kritik, oder die Bitte um Diskussion von der Politik und den trollenden Medien als Bedrohung gesehen wird.

Dem Volk wird es gerade noch gestattet, Leserbriefe zu schreiben oder auf eine Demonstration zu gehen.

Aber dabei kann es dann auch passieren, dass man in eine Schublade gesteckt wird, weil ja auch Demonstranten dabei waren, eine heterogene Gesellschaft eben, eine Querfront der Demonstranten. Kann ich etwas dafür, dass meine Meinung auch Leute vertreten, mit denen ich absolut nichts zu tun haben möchte? Wohl kaum, aber das reicht dann schon, um alle Kritiker und Demonstranten zu diskreditieren.

Ich weiß wo ich stehe und wofür ich mich einsetze, für ein freies Palästina, egal wer mir in die Quere kommt. (PK)
 

Evelyn Hecht-Galinski, Tochter von Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt: sicht-vom-hochblauen.de.
2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.

 

 



Online-Flyer Nr. 532  vom 14.10.2015

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