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Aktueller Online-Flyer vom 24. Oktober 2017  

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Kommentar
Die syrische Opposition
USA pokern mit Menschenleben
Von Ulrich Gellermann

Wer gern, häufig und laut von Menschenrechten redet, der nutzt sie nicht selten als preiswertes Argument für seine Interessen. US-Präsident Barack Obama fordert "... einen geregelten Übergang weg von Assad zu einem neuen Anführer." Weil der "Zehntausende seines eigenen Volkes abschlachtet". Da ist Obama ganz anders: Der lässt andere Völker abschlachten. Mal in Afghanistan, mal in Libyen, gern auch in Syrien. Und paktiert dort mit einer Opposition, die zwar in Syrien kaum noch eine Basis hat, aber dafür interessante Verbündete.

 

 


Obama: "… weg von Assad zu einem neuen Anführer!"
NRhZ-Archiv

 

Die "Nationale Koalition für die syrischen revolutionären und oppositionellen Kräfte" nennt sich das Oppositions-Bündnis, eine Art Exilregierung, die ihren Sitz im Nachbarland Türkei, in Istanbul, hat. Über die aktuelle türkische Regierung – die gern mal syrisches Gebiet bombardieren lässt, wenn sie nicht im Irak oder im eigenen Land kurdische Dörfer zerstört – ist das Urteil gesprochen: Wer mit ihr paktiert, der besudelt sich. Die "Nationale Koalition" wurde im November 2012 in der katarischen Hauptstadt Doha gegründet. Dorther stammen auch jene 50 Millionen Dollar, die der Koalition als Grundlage für ihre Arbeit gespendet wurde.
 
Die Europäische Union und die sogenannte "Gruppe der Freunde des syrischen Volkes" aus über 100 Staaten erkannten im Dezember 2012 die Koalition als "legitimen Vertreter des syrischen Volkes" an. Das teilte damals das deutsche Außenministerium mit. Außenminister Guido Westerwelle erklärte: Die Koalition sei "eine echte Alternative" zum Assad-Regime. Nach den international üblichen Kriterien nennt man das Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines andern Landes. Die "Freunde eines Demokratischen Syriens" wurden vom damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy initiiert. Dass war der, dem eine Wahl mit schlechten Aussichten bevorstand und der auch deshalb einen NATO-Krieg in Libyen lostrat.
 
Dass die islamistische Muslimbruderschaft die syrische "Koalition" unterstützt versteht sich. Denn ihre Hauptfinanziers – im Golf-Kooperationsrat (Gulf Cooperation Council, GCC) vereint – unterstützen ebenfalls die "Koalition". Der Golf-Kooperation ist eine handverlesene Gruppe von Staaten, die kaum weiß, wie man Menschenrechte schreibt: In ihr sind sechs Staaten der Arabischen Halbinsel vereint: Kuwait, Bahrain, Saudi-Arabien, Katar, Vereinigte Arabische Emirate und Oman. Ausser einer extremistischen Auslegung des Islam ist ihnen eine tiefe Freundschaft mit den USA zueigen.
 
Einen "neuen Führer" wünscht sich Obama in Syrien. So wie Kinder sich ein neues Spielzeug wünschen. Wo soll er herkommen, der neue Führer? Fast alle oppositionellen militärischen Formationen in Syrien sind islamistisch ausgerichtet. Fast alle - außer dem Islamischen Staat und der al-Nusra-Front - sind militärisch bedeutungslos. Zum Islamischen Staat sind alle Mörder-Videos längst gesendet. Die Nusra-Front will die alewitische und die christliche Minderheit aus Syrien vertreiben. Auch dafür erhält sie allein aus Katar bis zu einer Milliarde Euro. Neben diesen beiden Gruppen gibt es nur noch eine einzige militärische Organisation von Bedeutung: Die syrische Armee. Ihr Oberbefehlshaber heißt Baschar al-Assad. Wer jetzt nicht schnell mit ihm und seinen Kräften verhandeln will, der verlängert den Krieg. Der pokert mit Menschenleben. (PK)
 
Diesen Kommentar von Uli Gellermann haben wir mit Dank von seinem Blog Rationalgalerie übernommen: http://www.rationalgalerie.de/kritik/die-syrische-opposition.html


Online-Flyer Nr. 531  vom 07.10.2015

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